Mar 16 2008

Léif Lëtzebuerger

Published by at 11:24 under Misc. Luxembourg

wort.lu: Ein Dokumentarfilm widmet sich der Rolle von Großherzogin Charlotte im Zweiten Weltkrieg

Die Grace-Productions- und CNA-Koproduktion umspannt in 95 Minuten fünf dunkle Jahre in der Geschichte des Großherzogtums. Die “schwierige, aber notwendige Entscheidung” des Exils, aus dem Großherzogin Charlotte jedoch beharrlich versuchte , den Kontakt zu ihren Landsleuten, durch regelmäßige Ansprachen bei der BBC, aufrechtzuerhalten. Am Rande der in Anwesenheit der großherzoglichen Familie gefeierten Premiere der Dokumentation, die geschickt Erinnerungen von Zeitzeugen , Archivaufnahmen und nachgestellte Szenen verbindet, kurzes Gespräch mit dem britischen Regisseur und Produzenten Ray Tostevin.


Regisseur und Produzent Ray Tostevin.
Foto: CNA

Wie entstand die Idee zu “Léif Lëtzebuerger”, und wie kam die Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Centre National de l’Audiovisuel zustande?

Nun, die eigentliche Idee hatte meine Kollegin Candice Allen, die zu der Zeit bei Skynews arbeitete. Ihre Mutter stammt aus Luxemburg, und sie wollte aus den Geschichten , die ihre Großmutter ihr in ihrer Kindheit über das verbotene Radiohören während des Zweiten Weltkrieges erzählte, einen Dokumentarfilm machen. Dann haben wir das CNA kontaktiert, um ihnen den Vorschlag zur Produktion zu unterbreiten . Joy Hoffman war sich anfangs nicht sicher, was die Geschichte hergeben würde , aber nach einer ersten Einsicht in die Thematik haben wir schnell begriffen, dass da wahres Potenzial dahinter steckt. Eine kleine Idee ist groß geworden.

Ein Dokumentarfilm über eine kruziale Figur der Luxemburger Geschichte , die viele Zeitzeugen noch persönlich erlebt haben. Wie geht man diese Thematik als äußerer Betrachter feinfühlig an?

Meine Großeltern haben die deutsche Besatzung auf der Kanalinsel Guernsey erlebt, und mir oft davon erzählt. Ich hatte also, durch meine eigene Familiengeschichte , einen persönlichen Bezug zum Thema des Films. Die Großherzogin war eine sehr charismatische Person, ja fast eine Ikone. Mutter von sechs Kindern und gleichzeitig Staatsoberhaupt, und sie musste beides unter einen Hut bringen. Sie hat die Landesgeschichte stark geprägt, das hat mich fasziniert.

Wie haben sich Ihre Recherchen zum Film gestaltet, und wie sind Sie konkret vorgegangen?

Die ersten Dokumente, die wir im CNA gefunden haben, waren Audioaufnahmen von sechs Reden in Luxemburger, englischer und französischer Sprache. Bei dieser geringen Zahl haben wir gleich gedacht, dass da mehr sein müsste. Also sind wir zum Archiv der BBC und dem britischen Nationalarchiv in Kew hin und wurden dort fündig . Von dort aus führte die Spur weiter über den großen Teich. In Amerika sind wir in der Library of Congress in Washington auf weitere Aufnahmen gestoßen und haben sogar in Farbe gedrehtes Bildmaterial, das bislang noch nie gezeigt wurde entdeckt. Wir fanden auch Aufnahmen, die sich an das amerikanische Publikum richteten , und in denen die Großherzogin dem amerikanischen Volk die schwierige Lage in ihrer Heimat näherbringen wollte.

Hat es Ihre Arbeit als Regisseur nicht erschwert, dass das historische Umfeld der Produktion in einer Ihnen fremden Sprache liegt?

Anfangs dachte ich es sei eine wahre, unüberwindbare Herkulesarbeit, die mich erwarten würde. Es gab jedoch unzählige Personen, die an der Produktion beteiligt waren, und sich die nötige Zeit genommen haben vieles zu erläutern und zu vertiefen, um es mir näher zu bringen. Dies hat mir auch ein genaueres Verständnis der Wichtigkeit der Figur gegeben. Wir haben die verschiedenen Interviews dann auch ganz bewusst in englischer Sprache gedreht, damit der Film auch für ein internationales Publikum zugänglich bleibt. Es geht ja um zentrale, menschliche Gefühle und Dinge des Lebens: Loyalität, Aufopferung und Liebe. Dies macht ihn auch für heutige Zuschauer zugänglich, und ich hoffe, dass das Publikum emotional reagieren wird, und wir ihn noch auf so manchem Festival zeigen können .

Welche Persönlichkeit haben Sie als Regisseur, der mehr als drei Jahre mit dem Projekt verbracht hat, hinter der Figur der Großherzogin Charlotte entdeckt ?

Sie war eine ungeheuer beeindruckende Persönlichkeit, die sich ihrer Stellung in der Geschichte, und als erste, vom Volk gewählte Monarchin ganz genau bewusst war. Sie war stets darauf bedacht, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen . Auch wenn sie sich anfangs im Umgang mit den Medien noch etwas zögerlich gab , hat sie schnell gelernt, letztere zu ihrem Vorteil und im Interesse ihres Landes zu nutzen. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes eine liebende “Landesmutter”, die auch in schwierigen Zeiten ihrem Volk stets das Gefühl geben wollte, für es da zu sein. Ihr Glaube an Gott war hierbei fundamental, und hat ihr Kraft gegeben weiterzumachen. Welche Rolle steht dem Dokumentarfilm in der Geschichte zu? Der Dokumentarfilm hat eine entscheidende Rolle inne, auch deswegen, weil es so viele andere Filmproduktionen gibt. Dokumentationen nehmen eine besondere Stelle im “Geschichten-Erzählen ” ein, und können Jung und Alt gleichermaßen ansprechen. Auch wenn es letztlich stets die Geschichte selbst ist, die fesselt. Die Renaissance des Dokumentarfilms , die Europa zurzeit erlebt, kommt nicht von ungefähr: der Genre lebt, und es geht ihm gut.

Sie haben im Film neben Zeitdokumenten auch nachgespielte Szenen eingefügt . Weshalb?

In britischen Dokumentationen ist dies eine langjährige Tradition. Es gibt der Geschichte eine weitere Dimension, als es nur Tonaufnahmen und Fotos machen können . Es ist ein nützliches Hilfsmittel, das Figuren regelrecht “zum Leben erwecken ” kann, indem es ihre Essenz erfasst, was wiederum möglich macht, ohne etwas “vorzuspielen” dem Zuschauer zu zeigen, wie es “damals” gewesen sein muss. Der Dokumentarfilm “Léif Lëtzebuerger – D’Grande-Duchesse am Exil 1940-1945” wird voraussichtlich ab dem 21. März in den Luxemburger Kinos zu sehen sein.

Interview: Vesna Andonovic

www.wort.lu

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wort.lu: Ein Dokumentarfilm widmet sich der Rolle von Großherzogin Charlotte im Zweiten Weltkrieg

Die Grace-Productions- und CNA-Koproduktion umspannt in 95 Minuten fünf dunkle Jahre in der Geschichte des Großherzogtums. Die “schwierige, aber notwendige Entscheidung” des Exils, aus dem Großherzogin Charlotte jedoch beharrlich versuchte , den Kontakt zu ihren Landsleuten, durch regelmäßige Ansprachen bei der BBC, aufrechtzuerhalten. Am Rande der in Anwesenheit der großherzoglichen Familie gefeierten Premiere der Dokumentation, die geschickt Erinnerungen von Zeitzeugen , Archivaufnahmen und nachgestellte Szenen verbindet, kurzes Gespräch mit dem britischen Regisseur und Produzenten Ray Tostevin.


Regisseur und Produzent Ray Tostevin.
Foto: CNA

Wie entstand die Idee zu “Léif Lëtzebuerger”, und wie kam die Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Centre National de l’Audiovisuel zustande?

Nun, die eigentliche Idee hatte meine Kollegin Candice Allen, die zu der Zeit bei Skynews arbeitete. Ihre Mutter stammt aus Luxemburg, und sie wollte aus den Geschichten , die ihre Großmutter ihr in ihrer Kindheit über das verbotene Radiohören während des Zweiten Weltkrieges erzählte, einen Dokumentarfilm machen. Dann haben wir das CNA kontaktiert, um ihnen den Vorschlag zur Produktion zu unterbreiten . Joy Hoffman war sich anfangs nicht sicher, was die Geschichte hergeben würde , aber nach einer ersten Einsicht in die Thematik haben wir schnell begriffen, dass da wahres Potenzial dahinter steckt. Eine kleine Idee ist groß geworden.

Ein Dokumentarfilm über eine kruziale Figur der Luxemburger Geschichte , die viele Zeitzeugen noch persönlich erlebt haben. Wie geht man diese Thematik als äußerer Betrachter feinfühlig an?

Meine Großeltern haben die deutsche Besatzung auf der Kanalinsel Guernsey erlebt, und mir oft davon erzählt. Ich hatte also, durch meine eigene Familiengeschichte , einen persönlichen Bezug zum Thema des Films. Die Großherzogin war eine sehr charismatische Person, ja fast eine Ikone. Mutter von sechs Kindern und gleichzeitig Staatsoberhaupt, und sie musste beides unter einen Hut bringen. Sie hat die Landesgeschichte stark geprägt, das hat mich fasziniert.

Wie haben sich Ihre Recherchen zum Film gestaltet, und wie sind Sie konkret vorgegangen?

Die ersten Dokumente, die wir im CNA gefunden haben, waren Audioaufnahmen von sechs Reden in Luxemburger, englischer und französischer Sprache. Bei dieser geringen Zahl haben wir gleich gedacht, dass da mehr sein müsste. Also sind wir zum Archiv der BBC und dem britischen Nationalarchiv in Kew hin und wurden dort fündig . Von dort aus führte die Spur weiter über den großen Teich. In Amerika sind wir in der Library of Congress in Washington auf weitere Aufnahmen gestoßen und haben sogar in Farbe gedrehtes Bildmaterial, das bislang noch nie gezeigt wurde entdeckt. Wir fanden auch Aufnahmen, die sich an das amerikanische Publikum richteten , und in denen die Großherzogin dem amerikanischen Volk die schwierige Lage in ihrer Heimat näherbringen wollte.

Hat es Ihre Arbeit als Regisseur nicht erschwert, dass das historische Umfeld der Produktion in einer Ihnen fremden Sprache liegt?

Anfangs dachte ich es sei eine wahre, unüberwindbare Herkulesarbeit, die mich erwarten würde. Es gab jedoch unzählige Personen, die an der Produktion beteiligt waren, und sich die nötige Zeit genommen haben vieles zu erläutern und zu vertiefen, um es mir näher zu bringen. Dies hat mir auch ein genaueres Verständnis der Wichtigkeit der Figur gegeben. Wir haben die verschiedenen Interviews dann auch ganz bewusst in englischer Sprache gedreht, damit der Film auch für ein internationales Publikum zugänglich bleibt. Es geht ja um zentrale, menschliche Gefühle und Dinge des Lebens: Loyalität, Aufopferung und Liebe. Dies macht ihn auch für heutige Zuschauer zugänglich, und ich hoffe, dass das Publikum emotional reagieren wird, und wir ihn noch auf so manchem Festival zeigen können .

Welche Persönlichkeit haben Sie als Regisseur, der mehr als drei Jahre mit dem Projekt verbracht hat, hinter der Figur der Großherzogin Charlotte entdeckt ?

Sie war eine ungeheuer beeindruckende Persönlichkeit, die sich ihrer Stellung in der Geschichte, und als erste, vom Volk gewählte Monarchin ganz genau bewusst war. Sie war stets darauf bedacht, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen . Auch wenn sie sich anfangs im Umgang mit den Medien noch etwas zögerlich gab , hat sie schnell gelernt, letztere zu ihrem Vorteil und im Interesse ihres Landes zu nutzen. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes eine liebende “Landesmutter”, die auch in schwierigen Zeiten ihrem Volk stets das Gefühl geben wollte, für es da zu sein. Ihr Glaube an Gott war hierbei fundamental, und hat ihr Kraft gegeben weiterzumachen. Welche Rolle steht dem Dokumentarfilm in der Geschichte zu? Der Dokumentarfilm hat eine entscheidende Rolle inne, auch deswegen, weil es so viele andere Filmproduktionen gibt. Dokumentationen nehmen eine besondere Stelle im “Geschichten-Erzählen ” ein, und können Jung und Alt gleichermaßen ansprechen. Auch wenn es letztlich stets die Geschichte selbst ist, die fesselt. Die Renaissance des Dokumentarfilms , die Europa zurzeit erlebt, kommt nicht von ungefähr: der Genre lebt, und es geht ihm gut.

Sie haben im Film neben Zeitdokumenten auch nachgespielte Szenen eingefügt . Weshalb?

In britischen Dokumentationen ist dies eine langjährige Tradition. Es gibt der Geschichte eine weitere Dimension, als es nur Tonaufnahmen und Fotos machen können . Es ist ein nützliches Hilfsmittel, das Figuren regelrecht “zum Leben erwecken ” kann, indem es ihre Essenz erfasst, was wiederum möglich macht, ohne etwas “vorzuspielen” dem Zuschauer zu zeigen, wie es “damals” gewesen sein muss. Der Dokumentarfilm “Léif Lëtzebuerger – D’Grande-Duchesse am Exil 1940-1945” wird voraussichtlich ab dem 21. März in den Luxemburger Kinos zu sehen sein.

Interview: Vesna Andonovic

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