Apr 03 2008

Marco Serafini Rex

Published by at 18:37 under Misc. Luxembourg

Bis Ende Juli dreht der Luxemburger Marco Serafini neue Folgen der bekannten TV-Serie «Kommissar Rex». Revue hat den Regisseur bei seiner Arbeit in Rom begleitet.

Es herrscht überall Trubel auf den Gängen. In einer Ecke des historischen Gebäudes des Palazzo dei Mutilati stehen die beiden italienischen Hauptdarsteller Kaspar Capparoni und Fabbio Ferry zusammen, zünden sich eine Zigarette an und diskutieren angeregt über die nächste Szene. Im Nebenraum nippt die amerikanische Hundetrainerin Teresa Miller an einer Cola-Light und wartet auf den nächsten Einsatz ihres vierbeinigen Schützlings Henry, der die Drehpause für ein kurzes Nickerchen nutzt. Dabei schlägt der Schäferhund seine Pfoten elegant übereinander und schließt genüsslich die Augen. Eigentlich ist er der Star am Filmset: jede Menge Streicheleinheiten, Leckerlis und bewundernde Blicke inklusive. In der TV-Krimiserie «Kommissar Rex» geht der kalifornische Filmhund, der angeblich für eine Million Dollar versichert ist, gemeinsam mit seinem Herrchen Kaspar Capparoni, alias Commissario Lorenzo Fabbri, auf Verbrecherjagd. Geplant sind zehn Folgen. «Silenzio! Azione!», tönt es laut über den Flur. Als der Kameramann im selben Moment mit der Aufzeichnung der Büroszene beginnt, ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Einige Meter entfernt verfolgt der kreative Kopf der Produktion, Marco Serafini, an zwei Monitoren die Dreharbeiten, wirft einen Blick auf das Drehbuch und stoppt bei Fehlern abrupt die Aufnahme. «Ich arbeite bei dieser Produktion mit bis zu 100 Mitarbeitern am Filmset. Das sind angenehme Bedingungen», berichtet der Luxemburger. Sowieso wehe hier ein ganz anderer Wind, denn die italienischen Gewerkschaften begrenzen das tägliche Drehpensum strikt auf acht bis neun Stunden. Mehr ist nicht erlaubt. Noch einige Wochen werden die Dreharbeiten im «Kommissariat» dauern. Indes werden die Szenen nicht chronologisch gedreht und später bei der Endmischung der jeweiligen «Rex»-Folge vom Cutter an die richtige Stelle gesetzt. Weil die römische Metropole für ihn zu chaotisch und zu schlecht organisiert ist, lebt Marco Serafini mit seiner Frau, der deutschen Drehbuchautorin Susanne Hertel, im 35 Kilometer entfernten Bracciano am See. Anfangs sei das Haus nur ein Feriendomizil gewesen, schließlich haben beide viele Jahre wegen der Auftragslage in München-Schwabing gewohnt. Mittlerweile hat der Regisseur Deutschland beruflich fast den Rücken gekehrt, denn er arbeitet und wohnt seit drei Jahren fast ausschließlich in Italien. «Als Regisseur wird man heute in Deutschland viel schlechter behandelt. Der Druck von den Sendeanstalten und Produzenten ist enorm gestiegen. In Italien kann ich dagegen noch in aller Ruhe allein arbeiten», begründet Marco Serafini seine Entscheidung. Weil der 52-Jährige in Deutschland schon eine Vielzahl von unterschiedlichen Fernsehspielen und TV-Serien (siehe Infokasten Seite 51) gedreht hat, gilt für ihn: Lieber jetzt aufhören und sich neuen Herausforderungen in Italien stellen, bevor sich Routine einschleicht. Insgesamt 140 Filmproduktionen sowie 100 Werbespots und Industriefilme (u.a. für Adidas, Raiffeisenbank und Mercedes) gehen bis heute auf sein Konto. Demnach führt der Filmemacher pro Jahr bei vier bis fünf Produktionen Regie, was jede Menge Arbeit bedeutet. «Als Regisseur muss ich starke Nerven haben, denn bei den Dreharbeiten geht immer irgendetwas schief. Außerdem herrscht am Set meistens Chaos und es ist ziemlich laut. Doch damit lernt man im Laufe der Jahre umzugehen», erklärt Marco Serafini und strahlt dabei eine bemerkenswerte innere Gelassenheit aus. Dass die Wurzeln des mehrsprachigen Filmers in Esch/Alzette liegen, wissen nur wenige. Bis zu seinem 18. Lebensjahr wohnt er mit seinen Eltern in der Minettemetropole und macht am dortigen «Lycée des Garçons» sein Abitur. Ähnlich wie beim bekannten US-Regisseur Martin Scorsese ist auch sein Nachname ein Indiz dafür, dass er aus einer italienischen Migrantenfamilie stammt, die vor Generationen ins Großherzogtum auswanderte. Dennoch sind seine Eltern beide hier geboren und besitzen die Luxemburger Staatsangehörigkeit. «Meine Großmutter war Italienerin. Doch zu Hause musste ich für meinen Vater stets Luxemburgisch sprechen. Nur mit ihr habe ich mich auf Italienisch unterhalten, was bei meiner heutigen Arbeit in Rom natürlich von Vorteil ist», schmunzelt der Regisseur. Schon als Kind wird der Luxemburger von Filmen magisch angezogen und verschlingt alles, was er im Fernsehen sehen kann – darunter viele Walt-Disney-Filme und Western. Einige Jahre später sitzt Marco Serafini mit Freundinnen ständig im ehemaligen Escher Kino «Métropole» und verpasst kaum eine Vorstellung. Mit 15 Jahren fährt er sogar zur «Cinémathèque française» nach Paris, um sich angesagte Filme auszuleihen. Als er seinen Eltern mitteilt, dass er nach dem Abitur an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studieren will, sind beide entsetzt. «Sie hätten es besser gefunden, ich wäre Zahnarzt geworden. Deshalb musste ich mir mein Geld zum Teil selbst verdienen», erzählt der Filmer lachend und zieht nebenbei sein iPhone aus der Tasche. Bereits während seines Studiums übernimmt Marco Serafini viele Jobs als Script-, Aufnahme- und Produktionsleiter und kann dort erste Erfahrungen sammeln. Auch als Filmkritiker bei verschiedenen Tages- und Fachzeitschriften arbeitet er, darunter ist er Mitte der 70er Jahre für die Fernsehprogramm-Seiten beim Tageblatt zuständig. Nach seinem Abschluss an der Münchener Filmhochschule nimmt er von 1981 bis 1984 einen Auftrag des Goethe-Instituts als Professor für Filmgeschichte in Nigeria an. Eine spannende Auslandserfahrung, die ihm gut gefallen hat. Den Sprung nach Amerika zu wagen, hat ihn nie gereizt. Hollywood sei nicht sein Ding. Er schwärmt eher für New York. Die Frage nach seinem Lieblingsfilm findet Marco Serafini schwierig zu beantworten, schließlich ist der Markt so schnelllebig und unbeständig. Allerdings hat der Kinofilm «Es war einmal in Amerika» von Sergio Leone ihn zum Filmemachen inspiriert. Zu seinen Lieblingsregisseuren zählen Martin Scorsese, Rainer Maria Fassbinder und François Truffaut. Obwohl er inzwischen nur noch selten seine Heimat Luxemburg besucht, verfolgt der Filmemacher regelmäßig das hiesige Geschehen vom Internet aus oder schaut über Satellit «RTL Télé Lëtzebuerg». Für das nächste Jahr plant Marco Serafini die Verfilmung des Romans «La mémoire de la baleine» vom Luxemburger Autor Jean Portante – ein Film über italienische Migration im Großherzogtum. Vielleicht spiegelt dies ja auch ein wenig seine eigene Geschichte wider.

Auswahl Filmografie

Fernsehfilme :

> «Il Mistero Del Lago» (2007)
> «Sterne über Madeira» (2005)
> «Barbara Wood: Haus der Harmonie» (2005)
> «Barbara Wood: Lockruf der Vergangenheit» (2003)
> «Gestern gibt es nicht» (2003)

TV-Serien:

> «Kommissar Rex» (10 Folgen, 2008)
> «Polizeiruf 110» (6 Folgen, 1998-2007)
> «Liebe, Lügen, Leidenschaft» (6 Folgen, 2002)
> «Wilder Kaiser» (3 Folgen, 1999-2001)
> «Küstenwache» (5 Folgen, 1997)
> «Im Namen des Gesetzes» (32 Folgen, 1994)
> «Familie Heinz Becker» (12 Folgen, 1993-1994)
> «Jolly Joker» (28 Folgen, 1991)
> «Schwarz Rot Gold» (3 Folgen, 1982-1988)

Text: Tina Noroschadt
Fotos: Anje Kirsch

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Bis Ende Juli dreht der Luxemburger Marco Serafini neue Folgen der bekannten TV-Serie «Kommissar Rex». Revue hat den Regisseur bei seiner Arbeit in Rom begleitet.

Es herrscht überall Trubel auf den Gängen. In einer Ecke des historischen Gebäudes des Palazzo dei Mutilati stehen die beiden italienischen Hauptdarsteller Kaspar Capparoni und Fabbio Ferry zusammen, zünden sich eine Zigarette an und diskutieren angeregt über die nächste Szene. Im Nebenraum nippt die amerikanische Hundetrainerin Teresa Miller an einer Cola-Light und wartet auf den nächsten Einsatz ihres vierbeinigen Schützlings Henry, der die Drehpause für ein kurzes Nickerchen nutzt. Dabei schlägt der Schäferhund seine Pfoten elegant übereinander und schließt genüsslich die Augen. Eigentlich ist er der Star am Filmset: jede Menge Streicheleinheiten, Leckerlis und bewundernde Blicke inklusive. In der TV-Krimiserie «Kommissar Rex» geht der kalifornische Filmhund, der angeblich für eine Million Dollar versichert ist, gemeinsam mit seinem Herrchen Kaspar Capparoni, alias Commissario Lorenzo Fabbri, auf Verbrecherjagd. Geplant sind zehn Folgen. «Silenzio! Azione!», tönt es laut über den Flur. Als der Kameramann im selben Moment mit der Aufzeichnung der Büroszene beginnt, ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Einige Meter entfernt verfolgt der kreative Kopf der Produktion, Marco Serafini, an zwei Monitoren die Dreharbeiten, wirft einen Blick auf das Drehbuch und stoppt bei Fehlern abrupt die Aufnahme. «Ich arbeite bei dieser Produktion mit bis zu 100 Mitarbeitern am Filmset. Das sind angenehme Bedingungen», berichtet der Luxemburger. Sowieso wehe hier ein ganz anderer Wind, denn die italienischen Gewerkschaften begrenzen das tägliche Drehpensum strikt auf acht bis neun Stunden. Mehr ist nicht erlaubt. Noch einige Wochen werden die Dreharbeiten im «Kommissariat» dauern. Indes werden die Szenen nicht chronologisch gedreht und später bei der Endmischung der jeweiligen «Rex»-Folge vom Cutter an die richtige Stelle gesetzt. Weil die römische Metropole für ihn zu chaotisch und zu schlecht organisiert ist, lebt Marco Serafini mit seiner Frau, der deutschen Drehbuchautorin Susanne Hertel, im 35 Kilometer entfernten Bracciano am See. Anfangs sei das Haus nur ein Feriendomizil gewesen, schließlich haben beide viele Jahre wegen der Auftragslage in München-Schwabing gewohnt. Mittlerweile hat der Regisseur Deutschland beruflich fast den Rücken gekehrt, denn er arbeitet und wohnt seit drei Jahren fast ausschließlich in Italien. «Als Regisseur wird man heute in Deutschland viel schlechter behandelt. Der Druck von den Sendeanstalten und Produzenten ist enorm gestiegen. In Italien kann ich dagegen noch in aller Ruhe allein arbeiten», begründet Marco Serafini seine Entscheidung. Weil der 52-Jährige in Deutschland schon eine Vielzahl von unterschiedlichen Fernsehspielen und TV-Serien (siehe Infokasten Seite 51) gedreht hat, gilt für ihn: Lieber jetzt aufhören und sich neuen Herausforderungen in Italien stellen, bevor sich Routine einschleicht. Insgesamt 140 Filmproduktionen sowie 100 Werbespots und Industriefilme (u.a. für Adidas, Raiffeisenbank und Mercedes) gehen bis heute auf sein Konto. Demnach führt der Filmemacher pro Jahr bei vier bis fünf Produktionen Regie, was jede Menge Arbeit bedeutet. «Als Regisseur muss ich starke Nerven haben, denn bei den Dreharbeiten geht immer irgendetwas schief. Außerdem herrscht am Set meistens Chaos und es ist ziemlich laut. Doch damit lernt man im Laufe der Jahre umzugehen», erklärt Marco Serafini und strahlt dabei eine bemerkenswerte innere Gelassenheit aus. Dass die Wurzeln des mehrsprachigen Filmers in Esch/Alzette liegen, wissen nur wenige. Bis zu seinem 18. Lebensjahr wohnt er mit seinen Eltern in der Minettemetropole und macht am dortigen «Lycée des Garçons» sein Abitur. Ähnlich wie beim bekannten US-Regisseur Martin Scorsese ist auch sein Nachname ein Indiz dafür, dass er aus einer italienischen Migrantenfamilie stammt, die vor Generationen ins Großherzogtum auswanderte. Dennoch sind seine Eltern beide hier geboren und besitzen die Luxemburger Staatsangehörigkeit. «Meine Großmutter war Italienerin. Doch zu Hause musste ich für meinen Vater stets Luxemburgisch sprechen. Nur mit ihr habe ich mich auf Italienisch unterhalten, was bei meiner heutigen Arbeit in Rom natürlich von Vorteil ist», schmunzelt der Regisseur. Schon als Kind wird der Luxemburger von Filmen magisch angezogen und verschlingt alles, was er im Fernsehen sehen kann – darunter viele Walt-Disney-Filme und Western. Einige Jahre später sitzt Marco Serafini mit Freundinnen ständig im ehemaligen Escher Kino «Métropole» und verpasst kaum eine Vorstellung. Mit 15 Jahren fährt er sogar zur «Cinémathèque française» nach Paris, um sich angesagte Filme auszuleihen. Als er seinen Eltern mitteilt, dass er nach dem Abitur an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studieren will, sind beide entsetzt. «Sie hätten es besser gefunden, ich wäre Zahnarzt geworden. Deshalb musste ich mir mein Geld zum Teil selbst verdienen», erzählt der Filmer lachend und zieht nebenbei sein iPhone aus der Tasche. Bereits während seines Studiums übernimmt Marco Serafini viele Jobs als Script-, Aufnahme- und Produktionsleiter und kann dort erste Erfahrungen sammeln. Auch als Filmkritiker bei verschiedenen Tages- und Fachzeitschriften arbeitet er, darunter ist er Mitte der 70er Jahre für die Fernsehprogramm-Seiten beim Tageblatt zuständig. Nach seinem Abschluss an der Münchener Filmhochschule nimmt er von 1981 bis 1984 einen Auftrag des Goethe-Instituts als Professor für Filmgeschichte in Nigeria an. Eine spannende Auslandserfahrung, die ihm gut gefallen hat. Den Sprung nach Amerika zu wagen, hat ihn nie gereizt. Hollywood sei nicht sein Ding. Er schwärmt eher für New York. Die Frage nach seinem Lieblingsfilm findet Marco Serafini schwierig zu beantworten, schließlich ist der Markt so schnelllebig und unbeständig. Allerdings hat der Kinofilm «Es war einmal in Amerika» von Sergio Leone ihn zum Filmemachen inspiriert. Zu seinen Lieblingsregisseuren zählen Martin Scorsese, Rainer Maria Fassbinder und François Truffaut. Obwohl er inzwischen nur noch selten seine Heimat Luxemburg besucht, verfolgt der Filmemacher regelmäßig das hiesige Geschehen vom Internet aus oder schaut über Satellit «RTL Télé Lëtzebuerg». Für das nächste Jahr plant Marco Serafini die Verfilmung des Romans «La mémoire de la baleine» vom Luxemburger Autor Jean Portante – ein Film über italienische Migration im Großherzogtum. Vielleicht spiegelt dies ja auch ein wenig seine eigene Geschichte wider.

Auswahl Filmografie

Fernsehfilme :

> «Il Mistero Del Lago» (2007)
> «Sterne über Madeira» (2005)
> «Barbara Wood: Haus der Harmonie» (2005)
> «Barbara Wood: Lockruf der Vergangenheit» (2003)
> «Gestern gibt es nicht» (2003)

TV-Serien:

> «Kommissar Rex» (10 Folgen, 2008)
> «Polizeiruf 110» (6 Folgen, 1998-2007)
> «Liebe, Lügen, Leidenschaft» (6 Folgen, 2002)
> «Wilder Kaiser» (3 Folgen, 1999-2001)
> «Küstenwache» (5 Folgen, 1997)
> «Im Namen des Gesetzes» (32 Folgen, 1994)
> «Familie Heinz Becker» (12 Folgen, 1993-1994)
> «Jolly Joker» (28 Folgen, 1991)
> «Schwarz Rot Gold» (3 Folgen, 1982-1988)

Text: Tina Noroschadt
Fotos: Anje Kirsch

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