Mar 05 2007

nue proporiété

Published by at 08:35 under Misc. Luxembourg

Déi lëtzebuerger Koproduktioun “nue propriété” leeft erfolegraich zu Lëtzebuerg un.

nue propriete

“Schlüssig und bis ins letzte Detail durchdacht ist diese Luxemburger Koproduktion (Tarantula). Sie macht dem hiesigen Filmschaffen alle Ehre” – Jutta Hopfgartner, Land

Déi lëtzebuerger Koproduktioun “nue propriété” leeft erfolegraich zu Lëtzebuerg un.

nue propriete

“Schlüssig und bis ins letzte Detail durchdacht ist diese Luxemburger Koproduktion (Tarantula). Sie macht dem hiesigen Filmschaffen alle Ehre” – Jutta Hopfgartner, Land

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  1. filmreakteron 05 Mar 2007 at 08:36

    ganz Kritik aus dem “Lëtzebuerger Land” (www.land.lu) vum Jutta Hopfgartner:

    Joachim Lafosse führt in Nue Propriété vor, dass man seine selbst eingebrockte Suppe nicht immer auslöffeln kann

    Distanz. Distanz beherrscht diesen Film. Am greifbarsten wird sie in der Schlussszene. Als säße man im Fond eines Wagens, entfernt man sich langsam vom Haus, um das es indirekt vorher ging. Besser gesagt, dem Anwesen im Brabant-Wallon. Langsam nimmt die Kamera Fahrt auf. Die efeuverhangene Fassade gibt mit wachsendem Abstand den Blick auf das ganze Areal frei. Nach einer Kurve sieht man nur noch die umliegende Landschaft. Der Zuschauer hat die Geschehnisse verlassen. Diese Schlussfahrt der Kamera bringt sie weit von ihm weg.

    Dass ein Regisseur (Joachim Lafosse) absichtlich eine solch emotionale Distanz schafft, ist beachtlich. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass gerade diese Endeinstellung einen Stilbruch zu den vorhergehenden rund 88 Minuten darstellt. In diesen letzten Momenten hört man zum ersten Mal Musik, zum ersten Mal bewegt sich die Kamera wirklich. Davor wurden dem Zuschauer nur fast voyeuristisch anmutende Ausschnitte geboten. Regungslos warf man kurze, abgehackte Blicke ins Haus und auf dessen Bewohner. Sie sind gefangen. Im fast quadratischen Bildrahmen, in diesem Haus. Gefangen in sich selbst.

    Die Bewohner sind: Pascale (Isabelle Huppert) sowie ihre erwachsenen und dennoch haltlosen Zwillingssöhne
    Thierry und François (die Brüder Jérémie und Yannick Rénier). Früher gab es da noch Luc, den Vater (Patrick Descamps), doch der hat sich vor geraumer Zeit zu einer Jüngeren verabschiedet. Trotzdem versucht er seinen Jungs zu helfen – mit Geld. Er möchte die unselbstständigen Söhne absichern. Und so gehört das Anwesen noch ihm, das Nutzungsrecht jedoch hat Pascale.

    Joachim Lafosse, der mit François Pirot auch für das Drehbuch verantwortlich ist, zeigt uns die Monotonie dieser Familie in immer wieder kehrenden Einstellungen. Die Badewanne, der Ping-Pong-Tisch, der Esstisch. Der Blickwinkel ändert sich nur minimal und auch erst dann, als die Ereignisse ins Rollen kommen. Doch zuerst bekommen wir die Normailtät des Dreigestirns Mutter-Söhne präsentiert. Thierry scheint wenig Respekt vor Pascale zu haben, das wird gleich zu Beginn an seinen flappsigen Bemerkungen klar. François hängt mehr an ihr. Und Pascale selbst – sie scheint sich in ihre Mutterrrolle zu fügen.

    Trotzdem weiß man relativ schnell, dass diese Konstellation aufbrechen wird. Pascale hat sich mit dem Nachbarn
    Jan (Kris Cuppens) zusammengetan. Nach Jahren des Alleinerzieherdaseins mit Blickpunkt Kindern, will sie ihr eigenes Leben wieder gestalten. Das reifere Paar stützt sich mehr als es tatsächlich verliebt ist. Doch Jan bietet einen Neuanfang, bietet die Illusion vom selbstgestalteten Leben. Er, der Koch, möchte mit Pascale in Frankreich eine Maison d’hôte eröffnen – er hat das Know-How, sie die Mittel. Wenn sie das Haus verkauft.

    Doch allein die Vision dieser Möglichkeit lässt vor allem bei Thierry alle Schranken einbrechen. Seine unfaire Opposition entkräftet Pascale – sie verlässt das Haus, und das Drama geht seinen unvermeidlichen Weg. Am Höhepunkt des Konflikts verschließt Lafosse das Guckloch und fährt mit seiner Kamera ab. Als Zuschauer könnte man sich danach ausmalen, wie sich die Geschicke vielleicht weiterentwickelten, doch Lust darauf verspürt man gar nicht. Man hat Einblick in einen Ausschnitt aus dem Leben dieser Familie erhalten, darauf reduziert es sich.

    Statisch wirkt dieses Werk. Bewegung gibt es nur im minimalistischen, eindrucksvollen Spiel der Darsteller. Isabelle Huppert ist hier wieder eine Klasse für sich, doch auch die Brüder Rénier überzeugen mit ihrem Können. Nur einmal darf Jérémie Rénier die innere Starre seiner Figur verlassen. Als er, der das harte schnelle Spiel mit seinem Bruder gewohnt ist, mit seiner Freundin Anne Ping-Pong spielt. Der mädchenhaft-schwülstigen Tanz, den er am Tisch aufführt, ist erstens meisterhaft gemacht, zweitens ein absoluter Kontrapunkt zur sonstigen Tristesse. Als wollte Lafosse uns sagen, dass es in anderen Lebensabschnitten auch manchmal lustig zugehen kann. Schlüssig und bis ins letzte Detail durchdacht ist diese Luxemburger Koproduktion (Tarantula). Sie macht dem hiesigen Filmschaffen alle Ehre.

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