Sep 28 2014

“Wir haben in Luxemburg nicht die richtigen Mitarbeiter gefunden”

Published by at 01:15 under Misc. Luxembourg

SOURCE: http://www.wort.lu

(TL) – Netflix ist am Freitag in Luxemburg gestartet. Wir haben den Chef des amerikanischen Videostreaming-Anbieters, Reed Hastings, zum Interview in Brüssel getroffen.

Bisher befindet sich der Netflix-Europasitz noch in Luxemburg, doch Anfang Januar ziehen Sie in die Niederlande um. Warum?

Wir haben uns in Luxemburg angesiedelt, da dort die Mehrwertsteuer in Europa am niedrigsten war. Wir haben jedoch erkannt, dass wir es in Luxemburg trotz seiner zentralen Lage nicht schaffen, die Mitarbeiter zu finden, die wir für unsere Weiterentwicklung benötigen. Daher gehen wir nach Amsterdam. Die Stadt scheint mir all das zu vereinen, was uns wichtig ist, um in den nächsten drei Monaten unsere Lage zu stabilisieren und uns danach weiter im Zentrum, dem Osten und Süden Europas auszubreiten.

Sind die steuerpolitischen und kulturellen Ansichten der Europäer für einen Amerikaner nicht manchmal unverständlich?

Das würde ich so nicht sagen. Als wir uns auf dem amerikanischen Kontinent ausgebreitet haben, mussten wir uns auch an die Gegebenheiten anpassen. Natürlich ist es für uns seltsam, dass wir in Frankreich aufgrund der “exception culturelle” keine Filme zeigen können, die vor weniger als drei Jahren ins Kino kamen. Es gibt nur zwei verschiedene Personengruppen: Die einen schauen sich diese Filme im Kino an, die anderen laden sie illegal herunter. Und letzteres ist nicht gut für die Filmindustrie.

Wie wollen Sie sich in Zukunft weiterentwickeln?

Im ersten Jahr wollen wir, dass die Nutzer ein gutes Bild von uns erlangen. Es ist einfach so: Du kannst ein großes Unternehmen sein, aber wenn die Menschen keine gute Meinung über dich haben, kommen sie nicht auf dich zu. Anschließend, das heißt in den nächsten fünf bis zehn Jahren, hätten wir gerne ein Drittel aller Haushalte in Europa als Kunden. Zum Vergleich: Das ist der Anteil, den wir heute in den USA haben, und wir brauchten sieben Jahren, um dorthin zu gelangen. Ich denke, wir können unsere Ziele aufgrund unserer Erfahrungen anpassen.

Bei Netflix lief es nicht immer rund. Sie sagen manchmal, dass Sie zweimal die falschen Entscheidungen trafen und dass man sie eigentlich hätte kündigen müssen. Doch was macht Sie heute besonders stolz?

Den Übergang von der DVD zum Streaming geschafft zu haben. In allen Branchen läuft es gleich ab. Sie können der Beste der Welt sein und wenn Sie versuchen, etwas anders zu machen, greifen Sie daneben. Das war zum Beispiel der Fall bei Kodak. Als wir angefangen haben, eigene Inhalte zu produzieren, hatten wir keine Erfahrung darin. Wir mussten Fachleute engagieren, und das Ergebnis ist nicht so schlecht.

Welche Sendung empfehlen Sie uns anzuschauen?

Ich habe ein Faible für “BoJack Horseman” (Anmerkung der Redaktion: eine Zeichentrick-Serie mit einem Pferd in der Hauptrolle), aber wir versuchen uns in vielem und so mag ich auch “Marco Polo” sehr, eine fantastische Abenteurerserie.

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(TL) – Netflix ist am Freitag in Luxemburg gestartet. Wir haben den Chef des amerikanischen Videostreaming-Anbieters, Reed Hastings, zum Interview in Brüssel getroffen.

Bisher befindet sich der Netflix-Europasitz noch in Luxemburg, doch Anfang Januar ziehen Sie in die Niederlande um. Warum?

Wir haben uns in Luxemburg angesiedelt, da dort die Mehrwertsteuer in Europa am niedrigsten war. Wir haben jedoch erkannt, dass wir es in Luxemburg trotz seiner zentralen Lage nicht schaffen, die Mitarbeiter zu finden, die wir für unsere Weiterentwicklung benötigen. Daher gehen wir nach Amsterdam. Die Stadt scheint mir all das zu vereinen, was uns wichtig ist, um in den nächsten drei Monaten unsere Lage zu stabilisieren und uns danach weiter im Zentrum, dem Osten und Süden Europas auszubreiten.

Sind die steuerpolitischen und kulturellen Ansichten der Europäer für einen Amerikaner nicht manchmal unverständlich?

Das würde ich so nicht sagen. Als wir uns auf dem amerikanischen Kontinent ausgebreitet haben, mussten wir uns auch an die Gegebenheiten anpassen. Natürlich ist es für uns seltsam, dass wir in Frankreich aufgrund der “exception culturelle” keine Filme zeigen können, die vor weniger als drei Jahren ins Kino kamen. Es gibt nur zwei verschiedene Personengruppen: Die einen schauen sich diese Filme im Kino an, die anderen laden sie illegal herunter. Und letzteres ist nicht gut für die Filmindustrie.

Wie wollen Sie sich in Zukunft weiterentwickeln?

Im ersten Jahr wollen wir, dass die Nutzer ein gutes Bild von uns erlangen. Es ist einfach so: Du kannst ein großes Unternehmen sein, aber wenn die Menschen keine gute Meinung über dich haben, kommen sie nicht auf dich zu. Anschließend, das heißt in den nächsten fünf bis zehn Jahren, hätten wir gerne ein Drittel aller Haushalte in Europa als Kunden. Zum Vergleich: Das ist der Anteil, den wir heute in den USA haben, und wir brauchten sieben Jahren, um dorthin zu gelangen. Ich denke, wir können unsere Ziele aufgrund unserer Erfahrungen anpassen.

Bei Netflix lief es nicht immer rund. Sie sagen manchmal, dass Sie zweimal die falschen Entscheidungen trafen und dass man sie eigentlich hätte kündigen müssen. Doch was macht Sie heute besonders stolz?

Den Übergang von der DVD zum Streaming geschafft zu haben. In allen Branchen läuft es gleich ab. Sie können der Beste der Welt sein und wenn Sie versuchen, etwas anders zu machen, greifen Sie daneben. Das war zum Beispiel der Fall bei Kodak. Als wir angefangen haben, eigene Inhalte zu produzieren, hatten wir keine Erfahrung darin. Wir mussten Fachleute engagieren, und das Ergebnis ist nicht so schlecht.

Welche Sendung empfehlen Sie uns anzuschauen?

Ich habe ein Faible für “BoJack Horseman” (Anmerkung der Redaktion: eine Zeichentrick-Serie mit einem Pferd in der Hauptrolle), aber wir versuchen uns in vielem und so mag ich auch “Marco Polo” sehr, eine fantastische Abenteurerserie.

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