Jun 08 2015

Zu Gast im “Ciné Orion” in Ulflingen

Published by at 18:04 under Misc. Luxembourg,Screening Room

SOURCE: http://www.wort.lu

Alte Liebe rostet nicht
Vom Reiz des Regionalkinos in Zeiten des Home-Entertainments

(jl) – Immer performantere Home-Entertainment-Systeme und ein schier unerschöpfliches Filmreservoir zum Download im Internet: Eigentlich müsste das altehrwürdige Kino längst vom Winde verweht sein, oder? Im „Ciné Orion“ in Ulflingen zeigt sich, warum Lockruf der Leinwand bis heute wirkt…

Den Tod hat das „Ciné Orion“ schon lange hinter sich. Wie viele andere Regionalspielhäuser jener Zeit, hatte auch das Ulflinger Kino in den 1970er-Jahren angesichts recht beträchtlicher Kosten für eher mittelmäßige Filme geschlossen werden müssen. Eine Institution, deren Wurzeln bis in die Vorkriegszeit zurückreichten, hatte sich scheinbar definitiv von der Bildfläche verabschiedet.

Die Rückkehr eines Kino-Dinos

Bis sich Mitte der 90er ein Dutzend hartnäckiger Überzeugungstäter zusammenfand, um als „Ciné Orion Asbl“ Unterstützung und Mittel für ein neues Kino einzuwerben. Und das mit einschlagendem Erfolg, sodass bereits im November 1997 am Ulflinger Bahnhof das neue „Orion“ seine Türen öffnete.

„Zur Premiere lief damals passenderweise ,Jurassic Park – The lost World‘“, erinnert sich Asbl-Präsident Dif Differding mit einem Schmunzeln. Ein Kino-
Dino war zurück! „Gleich im ersten Jahr zählten wir nicht weniger als 15 000 Gäste, wobei allein das Leinwand-Epos ,Titanic‘ 2 500 Kinofans anlockte“, schwärmt Differding.

Eine kurze, neue Blütezeit, ehe die mediale Revolution im Gewand von DVD und Internet in atemberaubendem Tempo über die Kinowelt hinwegfegte und die Besucherzahlen ab Mitte der 2000er-Jahre allerorten wieder sinken ließ.

In Ulflingen haben sich die Zahlen inzwischen bei rund 6 000 Gästen pro Jahr eingependelt. 
Wobei meist die Durchschlagskraft von einigen wenigen Filmen über eine mehr oder weniger besucherstarke Saison entscheidet. Zum diesjährigen Kassenschlager scheint sich derzeit übrigens die deutsche Komödie „Honig im Kopf“ zu mausern, die allein rund 800 der bislang 3 000 Kinofans anzulocken wusste.

Das Digitalzeitalter als Totengräber?

Dass das digitale Zeitalter letztlich zum Totengräber des Kinos werden könnte, daran glaubt Dif Differding derweil nicht. Aus technischer Sicht erweisen sich die modernen Medien gar eher als Segen.

Dank der Unterstützung des Dachverbands der Regionalkinos – dem „Centre de diffusion et d’animation cinématographique“ (CDAC) – und des Kulturministeriums verfügt das „Orion“ seit 2012 nämlich nun über einen digitalen Projektionsapparat. Wo zuvor mit viel Aufwand und Kosten große Rollen transportiert und Filme montiert werden mussten, reicht heute die Anlieferung einer Harddisk mit der entsprechenden Kopie, die dann nur noch auf den digitalen Projektor überspielt werden muss.

Die Montage für ein ganzes Wochenprogramm kann gemütlich vom heimischen PC aus vorbereitet und später im Kino über eine „Playlist“ abgespielt werden. Aus der Kinovorführung ist ein Kinderspiel geworden, das Zeit und vor allem Geld spart und die Aneignung besonderer technischer Fachkenntnisse erübrigt.

Ehrenamt als Rückgrat,
 Zeitlosigkeit als Zukunftsgarant

Neben der Unterstützung durch die öffentliche Hand, bildet für Dif Differding aber das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter das Rückgrat des Regionalkinos. Garant für die Zukunft, sein zeitloser Reiz: „Selbst ein 6 x 10 Meter-Bildschirm samt Soundanlage im Wohnzimmer wird dieses Gefühl nicht ersetzen können“, meint er.

„Nur das Kino führt so zusammen, lässt das gemeinsame Filmerlebnis über die Generationen hinweg zum verbindenden Element zwischen den Besuchern werden.“ Der Mensch ist und bleibt eben ein soziales Wesen.

Abgesehen vom täglichen Filmgenuss ist das „Orion“, wie viele andere Regionalkinos im Lande, mittlerweile aber auch zum wahren Kulturzentrum für verschiedenste Veranstaltungen geworden, von der Vorführung regionalspezifisch oder pädagogisch interessanter Filme über Konferenzen bis hin zu Leseabenden.

Der Charme des Kinos scheint ungebrochen – eine Magie, wie für Hollywood geschaffen …

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Vom Reiz des Regionalkinos in Zeiten des Home-Entertainments

(jl) – Immer performantere Home-Entertainment-Systeme und ein schier unerschöpfliches Filmreservoir zum Download im Internet: Eigentlich müsste das altehrwürdige Kino längst vom Winde verweht sein, oder? Im „Ciné Orion“ in Ulflingen zeigt sich, warum Lockruf der Leinwand bis heute wirkt…

Den Tod hat das „Ciné Orion“ schon lange hinter sich. Wie viele andere Regionalspielhäuser jener Zeit, hatte auch das Ulflinger Kino in den 1970er-Jahren angesichts recht beträchtlicher Kosten für eher mittelmäßige Filme geschlossen werden müssen. Eine Institution, deren Wurzeln bis in die Vorkriegszeit zurückreichten, hatte sich scheinbar definitiv von der Bildfläche verabschiedet.

Die Rückkehr eines Kino-Dinos

Bis sich Mitte der 90er ein Dutzend hartnäckiger Überzeugungstäter zusammenfand, um als „Ciné Orion Asbl“ Unterstützung und Mittel für ein neues Kino einzuwerben. Und das mit einschlagendem Erfolg, sodass bereits im November 1997 am Ulflinger Bahnhof das neue „Orion“ seine Türen öffnete.

„Zur Premiere lief damals passenderweise ,Jurassic Park – The lost World‘“, erinnert sich Asbl-Präsident Dif Differding mit einem Schmunzeln. Ein Kino-
Dino war zurück! „Gleich im ersten Jahr zählten wir nicht weniger als 15 000 Gäste, wobei allein das Leinwand-Epos ,Titanic‘ 2 500 Kinofans anlockte“, schwärmt Differding.

Eine kurze, neue Blütezeit, ehe die mediale Revolution im Gewand von DVD und Internet in atemberaubendem Tempo über die Kinowelt hinwegfegte und die Besucherzahlen ab Mitte der 2000er-Jahre allerorten wieder sinken ließ.

In Ulflingen haben sich die Zahlen inzwischen bei rund 6 000 Gästen pro Jahr eingependelt. 
Wobei meist die Durchschlagskraft von einigen wenigen Filmen über eine mehr oder weniger besucherstarke Saison entscheidet. Zum diesjährigen Kassenschlager scheint sich derzeit übrigens die deutsche Komödie „Honig im Kopf“ zu mausern, die allein rund 800 der bislang 3 000 Kinofans anzulocken wusste.

Das Digitalzeitalter als Totengräber?

Dass das digitale Zeitalter letztlich zum Totengräber des Kinos werden könnte, daran glaubt Dif Differding derweil nicht. Aus technischer Sicht erweisen sich die modernen Medien gar eher als Segen.

Dank der Unterstützung des Dachverbands der Regionalkinos – dem „Centre de diffusion et d’animation cinématographique“ (CDAC) – und des Kulturministeriums verfügt das „Orion“ seit 2012 nämlich nun über einen digitalen Projektionsapparat. Wo zuvor mit viel Aufwand und Kosten große Rollen transportiert und Filme montiert werden mussten, reicht heute die Anlieferung einer Harddisk mit der entsprechenden Kopie, die dann nur noch auf den digitalen Projektor überspielt werden muss.

Die Montage für ein ganzes Wochenprogramm kann gemütlich vom heimischen PC aus vorbereitet und später im Kino über eine „Playlist“ abgespielt werden. Aus der Kinovorführung ist ein Kinderspiel geworden, das Zeit und vor allem Geld spart und die Aneignung besonderer technischer Fachkenntnisse erübrigt.

Ehrenamt als Rückgrat,
 Zeitlosigkeit als Zukunftsgarant

Neben der Unterstützung durch die öffentliche Hand, bildet für Dif Differding aber das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter das Rückgrat des Regionalkinos. Garant für die Zukunft, sein zeitloser Reiz: „Selbst ein 6 x 10 Meter-Bildschirm samt Soundanlage im Wohnzimmer wird dieses Gefühl nicht ersetzen können“, meint er.

„Nur das Kino führt so zusammen, lässt das gemeinsame Filmerlebnis über die Generationen hinweg zum verbindenden Element zwischen den Besuchern werden.“ Der Mensch ist und bleibt eben ein soziales Wesen.

Abgesehen vom täglichen Filmgenuss ist das „Orion“, wie viele andere Regionalkinos im Lande, mittlerweile aber auch zum wahren Kulturzentrum für verschiedenste Veranstaltungen geworden, von der Vorführung regionalspezifisch oder pädagogisch interessanter Filme über Konferenzen bis hin zu Leseabenden.

Der Charme des Kinos scheint ungebrochen – eine Magie, wie für Hollywood geschaffen …

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