Feb 16 2011

Abenteuer eines Gerichtsvollziehers

Published by at 00:00 under Deutsch,Festival

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Tosenden Applaus gab es für die luxemburgische Koproduktion „Dernier Etage Gauche Gauche“, die am Sonntag auf der Berlinale Premiere feierte.

Völlig zu Recht, denn das Erstlingswerk des jungen französischen Autors und Regisseurs Angelo Cianci macht richtig gute Laune.

Dabei ist die Geschichte schon ziemlich bizarr. In einer heruntergekommenen Banlieue soll der Gerichtsvollzieher François seinen Dienst tun. In Polizeibegleitung bittet er freundlich, aber bestimmt um Einlass in die Wohnung des Algeriers Mohand. Da dessen 18-jähriger Sohn Salem jedoch gerade fünf Kilogramm Kokain und eine Pistole in der Wohnung lagert, kommt ein schnüffelnder Beamter ziemlich ungelegen. In völliger Panik nimmt Salem François als Geisel, angetrieben von ungeheurer, aber völlig kopfloser Aggression.

Merkwürdige Beziehung

Der örtliche Polizeichef wiederum möchte keinen Fehler machen, weil ihm ein Aufstand in dem verwahrlosten Stadtteil gerade noch gefehlt hätte. So lässt er neben der Polizei noch eine Spezialeinheit anrücken. Und während die Polizei nun recht hilflos Stunde um Stunde vergehen lassen muss, entwickeln die drei eingesperrten Männer in der Wohnung eine merkwürdige Beziehung zueinander.

„Salem ist so ein Junge, den man als Zuschauer die ganze Zeit nur fragen möchte, warum er eigentlich so ein Idiot ist. Dabei weiß er sich in seiner Naivität einfach nicht besser zu helfen“, sagte Regisseur Cianci nach der Aufführung mit viel Sympathie für seinen Protagonisten. Er habe selbst lange in solchen Bezirken gearbeitet und kenne Jungs wie Salem ziemlich gut. Dass sein Film so gut beim Publikum ankomme, freue ihn natürlich sehr. Auch die Einladung auf die Berlinale, wo der Film in der Sektion „Panorama“ läuft, hatte ihn begeistert. Sehr stolz sei er auch auf die Mitarbeit der Schauspieler Hippolyte Girardot, Fellag und Aymen Saidi, ohne die der Film nicht die gewünschte Dynamik erhalten hätte.

Aber nicht nur die Schauspieler geben ihr Bestes. Der schnelle, dabei sehr präzise Schnitt gibt dem Film die richtige Geschwindigkeit und die Musik von Gast Waltzing lässt schon vom ersten Moment erahnen, dass man das alles nicht ganz so ernst nehmen, sondern vielmehr mit einem liebevollen Augenzwinkern betrachten sollte. Diese Balance zwischen der einerseits tragischen Realität in den französischen Brennpunkten und einer Geschichte, die hanebüchener kaum sein könnte, macht den Film zu einem echten Genuss.

Nicolas Steil von der luxemburgischen Produktionsfirma Iris Productions betonte nach der Vorstellung die besondere Qualität des „lustigen und intelligenten“ Drehbuchs und gab zu, auf weitere Zusammenarbeiten mit dem talentierten Regisseur zu hoffen.

Auch François Biltgen zeigte sich amüsiert und zufrieden. Der Minister war schon am Sonntag nach Berlin gereist, bevor er am Montag, den 14. Februar einen Ehrenorden an die Sängerin Vicky Leandros überreichen wird. „Natürlich haben wir diese Problematik in Luxemburg nicht, aber das bedeutet nicht, dass wir solche Filme nicht mitfinanzieren sollten“, meinte er. Ein anderer Aspekt an dem Film habe ihn aber vor allem als Justizminister interessiert. Als der Film in Frankreich in die Kinos kam, wollten ihn die französischen Gerichtsvollzieher verbieten lassen, aus Angst davor, zu schlecht wegzukommen. „Das verstehe ich aber nicht, der François ist doch ganz sympathisch.“

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Tosenden Applaus gab es für die luxemburgische Koproduktion „Dernier Etage Gauche Gauche“, die am Sonntag auf der Berlinale Premiere feierte.

Völlig zu Recht, denn das Erstlingswerk des jungen französischen Autors und Regisseurs Angelo Cianci macht richtig gute Laune.

Dabei ist die Geschichte schon ziemlich bizarr. In einer heruntergekommenen Banlieue soll der Gerichtsvollzieher François seinen Dienst tun. In Polizeibegleitung bittet er freundlich, aber bestimmt um Einlass in die Wohnung des Algeriers Mohand. Da dessen 18-jähriger Sohn Salem jedoch gerade fünf Kilogramm Kokain und eine Pistole in der Wohnung lagert, kommt ein schnüffelnder Beamter ziemlich ungelegen. In völliger Panik nimmt Salem François als Geisel, angetrieben von ungeheurer, aber völlig kopfloser Aggression.

Merkwürdige Beziehung

Der örtliche Polizeichef wiederum möchte keinen Fehler machen, weil ihm ein Aufstand in dem verwahrlosten Stadtteil gerade noch gefehlt hätte. So lässt er neben der Polizei noch eine Spezialeinheit anrücken. Und während die Polizei nun recht hilflos Stunde um Stunde vergehen lassen muss, entwickeln die drei eingesperrten Männer in der Wohnung eine merkwürdige Beziehung zueinander.

„Salem ist so ein Junge, den man als Zuschauer die ganze Zeit nur fragen möchte, warum er eigentlich so ein Idiot ist. Dabei weiß er sich in seiner Naivität einfach nicht besser zu helfen“, sagte Regisseur Cianci nach der Aufführung mit viel Sympathie für seinen Protagonisten. Er habe selbst lange in solchen Bezirken gearbeitet und kenne Jungs wie Salem ziemlich gut. Dass sein Film so gut beim Publikum ankomme, freue ihn natürlich sehr. Auch die Einladung auf die Berlinale, wo der Film in der Sektion „Panorama“ läuft, hatte ihn begeistert. Sehr stolz sei er auch auf die Mitarbeit der Schauspieler Hippolyte Girardot, Fellag und Aymen Saidi, ohne die der Film nicht die gewünschte Dynamik erhalten hätte.

Aber nicht nur die Schauspieler geben ihr Bestes. Der schnelle, dabei sehr präzise Schnitt gibt dem Film die richtige Geschwindigkeit und die Musik von Gast Waltzing lässt schon vom ersten Moment erahnen, dass man das alles nicht ganz so ernst nehmen, sondern vielmehr mit einem liebevollen Augenzwinkern betrachten sollte. Diese Balance zwischen der einerseits tragischen Realität in den französischen Brennpunkten und einer Geschichte, die hanebüchener kaum sein könnte, macht den Film zu einem echten Genuss.

Nicolas Steil von der luxemburgischen Produktionsfirma Iris Productions betonte nach der Vorstellung die besondere Qualität des „lustigen und intelligenten“ Drehbuchs und gab zu, auf weitere Zusammenarbeiten mit dem talentierten Regisseur zu hoffen.

Auch François Biltgen zeigte sich amüsiert und zufrieden. Der Minister war schon am Sonntag nach Berlin gereist, bevor er am Montag, den 14. Februar einen Ehrenorden an die Sängerin Vicky Leandros überreichen wird. „Natürlich haben wir diese Problematik in Luxemburg nicht, aber das bedeutet nicht, dass wir solche Filme nicht mitfinanzieren sollten“, meinte er. Ein anderer Aspekt an dem Film habe ihn aber vor allem als Justizminister interessiert. Als der Film in Frankreich in die Kinos kam, wollten ihn die französischen Gerichtsvollzieher verbieten lassen, aus Angst davor, zu schlecht wegzukommen. „Das verstehe ich aber nicht, der François ist doch ganz sympathisch.“

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