Oct 28 2010

Abschluss der Luxemburger Filmwoche in Berlin

Published by at 01:17 under Articles,Festival

SOURCE: http://www.journal.lu

Volker Schlöndorff will wieder in Luxemburg drehen
26.10.2010

Auch Paul Thiltges, Präsident der „Union luxembourgeoise des producteurs de l’audiovisuel“, hat von den Vorurteilen genug. „Wir sind nicht nur ein Bankenplatz. Wir können das nicht mehr hören“, so der Filmproduzent.

Thiltges sprach im Rahmen der Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ in Berlin vor deutschen Filmschaffenden. Im sehr charmanten Kino „Die Kurbel“ im Bezirk Charlottenburg versuchte er gemeinsam mit Guy Daleiden, dem Präsidenten des Luxemburger Filmfonds, die Deutschen von den Vorzügen des Filmstandorts Luxemburg zu überzeugen.
Auch Claude Waringo von „Samsa Film“ war dort zugegen. Für ihn haben die Luxemburger Filmtage einen unschätzbaren Wert. „Berlin ist eine wichtige Stadt für das europäische Kino. Luxemburg hat in den vergangenen Jahren meiner Meinung nach nicht genug mit Deutschland produziert. Darum ist dies eine wunderbare Initiative der Botschaft, weil man hier Kontakte knüpfen kann, mit denen wir uns in der Vergangenheit vielleicht etwas schwer getan haben“, so Waringo. Dabei war „Samsa Film“ als Koproduzent von „Irina Palm“ im Jahr 2007 im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiel vertreten. Doch obwohl das Publikum auf der Berlinale „Irina Palm“ begeistert aufgenommen hatte, bekam der Film keinen der Bären verliehen.

Auch das „normale“ Kinopublikum interessant

Neben dem Kontakt mit den Professionellen war natürlich auch das „normale“ Berliner Publikum im Visier der Veranstaltung, die von der Luxemburger Botschaft in Berlin organisiert worden war, in Zusammenarbeit mit dem Filmfonds und dem CNA. Rund 30 Kurzfilme, Dokumentationen, Animationsfilme sowie Spielfilme wurden während einer Woche bis vergangenen Sonntag an verschiedenen Standorten in der deutschen Hauptstadt gezeigt. Neben den Verantwortlichen der erwähnten Institutionen waren auch etliche Schauspieler und Regisseure nach Berlin gereist, um die sehr mutige Entscheidung der Botschaft, eine Woche des Luxemburger Films in Berlin zu organisieren, zu unterstützen. Die kürzeste Anreise hatte der Schauspieler Jean-Paul Raths. „Berlin ist meine Wahlheimat. Ich lebe nun schon seit 16 Jahren hier“, so Raths.
Der 55-Jährige war zur Vorstellung des Films „Der neunte Tag“ von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 2004 gekommen, der von einen luxemburgischen Pfarrer handelt, der „Urlaub“ vom KZ bekommt. Er soll mit den Nazis kooperieren und gerät darüber in arge Gewissensnöte. Raths spielt darin die Rolle des Raymond Schmitt. Doch auch der Regisseur, Oscar-Preisträger Volker Schlön-dorff, wohnt in Berlin, und auch er ließ es sich nicht nehmen, die Luxemburger Filmtage mit seiner Anwesenheit zu adeln.

Volker Schlöndorffs Überraschung

Schlöndorff fühlt sich geschmeichelt, dass er von den Luxemburgern sozusagen „adoptiert“ worden sei. Was seinen Film „Der neunte Tag“ anbelangt, den er als einen seiner besten Filme bezeichnet, plagen Schlöndorff aber bis heute Gewissensbisse. „Eigentlich hätte man einen Film, der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, auf Luxemburgisch drehen müssen. Doch dafür fehlten die Schauspieler. Ich bin froh, dass die Luxemburger es mir verziehen haben, dass ausgerechnet ein Film in dieser Zeit in deutscher Sprache gedreht wurde“. Der große Regisseur Volker Schlöndorff hatte dann eine besondere Überraschung parat. „Ich habe ein Drehbuch auf Französisch geschrieben, das 1941 unter der deutschen Besatzung in Frankreich spielt. Es heißt ‚La mer à l’aube‘, und ich könnte mir vorstellen, einen Teil davon in Luxemburg zu drehen“, so der Altmeister, der mit dieser Ankündigung die versammelten Luxemburger entzückte. „Das ist allerdings noch ein ,Top Secret‘“, schmunzelte Schlöndorff. Wenn ein Oscar-Preisträger (1980 für seinen Film „Die Blechtrommel“) sich offensichtlich so wohl in Luxemburg fühlt, dass er nun wieder im Großherzogtum drehen will, so zeigt das, dass die sehr aktive Filmförderung, die in Luxemburg seit rund 20 Jahren betrieben wird, ihre Früchte trägt. Und so war es auch eine mutige, aber letztendlich richtige Entscheidung der Luxemburger Botschaft in Berlin, mit der Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ die Professionalisierung der Luxemburger Filmszene zu würdigen und den Luxemburger Filmschaffenden in Berlin eine Bühne zu bieten.
› Claude Kohnen (Berlin)

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Volker Schlöndorff will wieder in Luxemburg drehen
26.10.2010

Auch Paul Thiltges, Präsident der „Union luxembourgeoise des producteurs de l’audiovisuel“, hat von den Vorurteilen genug. „Wir sind nicht nur ein Bankenplatz. Wir können das nicht mehr hören“, so der Filmproduzent.

Thiltges sprach im Rahmen der Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ in Berlin vor deutschen Filmschaffenden. Im sehr charmanten Kino „Die Kurbel“ im Bezirk Charlottenburg versuchte er gemeinsam mit Guy Daleiden, dem Präsidenten des Luxemburger Filmfonds, die Deutschen von den Vorzügen des Filmstandorts Luxemburg zu überzeugen.
Auch Claude Waringo von „Samsa Film“ war dort zugegen. Für ihn haben die Luxemburger Filmtage einen unschätzbaren Wert. „Berlin ist eine wichtige Stadt für das europäische Kino. Luxemburg hat in den vergangenen Jahren meiner Meinung nach nicht genug mit Deutschland produziert. Darum ist dies eine wunderbare Initiative der Botschaft, weil man hier Kontakte knüpfen kann, mit denen wir uns in der Vergangenheit vielleicht etwas schwer getan haben“, so Waringo. Dabei war „Samsa Film“ als Koproduzent von „Irina Palm“ im Jahr 2007 im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiel vertreten. Doch obwohl das Publikum auf der Berlinale „Irina Palm“ begeistert aufgenommen hatte, bekam der Film keinen der Bären verliehen.

Auch das „normale“ Kinopublikum interessant

Neben dem Kontakt mit den Professionellen war natürlich auch das „normale“ Berliner Publikum im Visier der Veranstaltung, die von der Luxemburger Botschaft in Berlin organisiert worden war, in Zusammenarbeit mit dem Filmfonds und dem CNA. Rund 30 Kurzfilme, Dokumentationen, Animationsfilme sowie Spielfilme wurden während einer Woche bis vergangenen Sonntag an verschiedenen Standorten in der deutschen Hauptstadt gezeigt. Neben den Verantwortlichen der erwähnten Institutionen waren auch etliche Schauspieler und Regisseure nach Berlin gereist, um die sehr mutige Entscheidung der Botschaft, eine Woche des Luxemburger Films in Berlin zu organisieren, zu unterstützen. Die kürzeste Anreise hatte der Schauspieler Jean-Paul Raths. „Berlin ist meine Wahlheimat. Ich lebe nun schon seit 16 Jahren hier“, so Raths.
Der 55-Jährige war zur Vorstellung des Films „Der neunte Tag“ von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 2004 gekommen, der von einen luxemburgischen Pfarrer handelt, der „Urlaub“ vom KZ bekommt. Er soll mit den Nazis kooperieren und gerät darüber in arge Gewissensnöte. Raths spielt darin die Rolle des Raymond Schmitt. Doch auch der Regisseur, Oscar-Preisträger Volker Schlön-dorff, wohnt in Berlin, und auch er ließ es sich nicht nehmen, die Luxemburger Filmtage mit seiner Anwesenheit zu adeln.

Volker Schlöndorffs Überraschung

Schlöndorff fühlt sich geschmeichelt, dass er von den Luxemburgern sozusagen „adoptiert“ worden sei. Was seinen Film „Der neunte Tag“ anbelangt, den er als einen seiner besten Filme bezeichnet, plagen Schlöndorff aber bis heute Gewissensbisse. „Eigentlich hätte man einen Film, der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, auf Luxemburgisch drehen müssen. Doch dafür fehlten die Schauspieler. Ich bin froh, dass die Luxemburger es mir verziehen haben, dass ausgerechnet ein Film in dieser Zeit in deutscher Sprache gedreht wurde“. Der große Regisseur Volker Schlöndorff hatte dann eine besondere Überraschung parat. „Ich habe ein Drehbuch auf Französisch geschrieben, das 1941 unter der deutschen Besatzung in Frankreich spielt. Es heißt ‚La mer à l’aube‘, und ich könnte mir vorstellen, einen Teil davon in Luxemburg zu drehen“, so der Altmeister, der mit dieser Ankündigung die versammelten Luxemburger entzückte. „Das ist allerdings noch ein ,Top Secret‘“, schmunzelte Schlöndorff. Wenn ein Oscar-Preisträger (1980 für seinen Film „Die Blechtrommel“) sich offensichtlich so wohl in Luxemburg fühlt, dass er nun wieder im Großherzogtum drehen will, so zeigt das, dass die sehr aktive Filmförderung, die in Luxemburg seit rund 20 Jahren betrieben wird, ihre Früchte trägt. Und so war es auch eine mutige, aber letztendlich richtige Entscheidung der Luxemburger Botschaft in Berlin, mit der Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ die Professionalisierung der Luxemburger Filmszene zu würdigen und den Luxemburger Filmschaffenden in Berlin eine Bühne zu bieten.
› Claude Kohnen (Berlin)

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