Apr 12 2011

Aus Not soll Tugend werden

Published by at 01:37 under Articles,Deutsch,Festival

SOURCE: http://www.tageblatt.lu/kultur/story/Aus-Not-soll-Tugend-werden-16612176

LUXEMBURG – Discovery Zone, das neue Filmfestival für Luxemburg, verzichtet auf den roten Teppich, auf die vielen Stars, schrilles Geschrei und Blitzlicht-Gewitter. Gute Filme sollen reichen.

Wer glaubt, dass zu einem Filmfestival viel Glamour gehört, der kann sich nun eines besseren belehren lassen: Luxemburg ist nicht Cannes und auch nicht Berlin. Clint Eastwood werde niemals nach Luxemburg kommen, meinte Nico Simon, Direktor von Utopia, auf der gestrigen Pressekonferenz, „dafür ist Luxemburg einfach nicht sexy genug“.

Discovery Zone, das neue Filmfestival für Luxemburg findet vom 28. April bis zum 5. Mai 2011 statt.
Offizielle Auswahl
„Life in a Day“
Eröffnungsfilm von Kevin MacDonald. Ein Welttagebuch à la Youtube.

„Bibliothèque Pascal“
von Szabolcs Hajdu. Ein knallharter und gleichzeitig zauberhafter Film über die Prostitution.

„Blue Valentine“
von Derek Cianfrance. Eine Geschichte über die Liebe, derer man sich niemals sicher sein kann.

„Canine“
von Yorgos Lanthimos. Eine vollkommen verrückte Familie: Nur der Vater darf das Haus verlassen, Mutter und Kinder bleiben in den eigenen vier Wänden.

„Tête de boeuf“
von Michael R. Roskam: Eine Geschichte aus Flandern.

„Assassins“
von Takashi Miike: Zeitgenössisches japanisches Kino.

„Mein bester Feind“
von Wolfgang Murnberger. Zweiter Weltkrieg: Zwei Männer tauschen ihre Identitäten, um überleben zu können.
Es scheint so, als würden die Verantwortlichen mit ihrem neuen Konzept für ein Filmfestival in Luxemburg aus der Not eine Tugend machen. „Die Bling-Bling Strategie hat uns in eine Sackgasse geführt“ (Claude Bertemes, Cinémathèque). „Sich einen Fehler eingestehen zu können, zeugt von Klarsicht“ (Lydie Polfer, Kulturschöffin der Stadt Luxemburg). „Wir brauchten ein neues Konzept“ (Colette Flesch, Präsidentin des Filmfestivals). Klare Worte waren am Dienstagmorgen auf der Pressekonferenz in der Cinémathèque zu hören. DirActors Cut folgte wohl den falschen Ambitionen.

„Neugierde für das Kino“

Anstatt Stars hinterherzuhecheln und das Filmprogramm nach den Zusagen zu konzipieren, soll nun die Qualität des Films alleiniges Kriterium sein. Ob Produzenten, Regisseure und Schauspieler dann kommen werden, um ihren Film vorzustellen, ist Nebensache. Bekannte Namen sind gestern deshalb auch keine gefallen.

Das Publikum soll das Festival zum Leben erwecken, keine Stars. „Beim DirActors Cut fehlte uns vor allem eins: die lokale Glaubwürdigkeit. Discovery Zone wird deshalb bescheidener und ambitionierter zugleich“, sagte Claude Bertemes. Schon der Name ist Programm: „Discovery Zone“: Entdeckungszone: Ein Festival das „Neugierde für das Kino“ wecken möchte, wie Claude Bertemes, Direktor der Cinémathèque das Konzept zusammenfasste.

Drei Schwerpunkte

Das Programm gliedert sich in drei große Blöcke: Selbstverständlich ist der Kern des Festivals die „Offizielle Auswahl“, in der sich „seltene Perlen“, finden, wie Claude Bertemes unterstrich (siehe blauer Kasten). Zweiter Pfeiler des Festivals sind die „Hot Docs“, Dokumentarfilme, die sich dadurch auszeichnen sollen, sowohl unterhaltsam, als auch qualitativ hochwertig zu sein. Besonders hervorzuheben ist in dieser Kategorie sicherlich „Cave of forgotten dreams“ von Werner Herzog. Ein außergewöhnliches 3-D-Erlebnis, das Höhlenmalereien von Chauvet im Tal der Ardèche zeigt, die 30.000 Jahre alt sind.

Dritter Schwerpunkt des Festivals ist das Kinder- und Jugendprogramm. Bereits vom 18. April an werden Schulklassen die Möglichkeit bekommen, sich nicht nur Filme anzuschauen, sondern auch Filmstudios zu besuchen und sich in Workshops mit den Techniken des Films auseinanderzusetzen. Es gehe Ihnen auch um Medienerziehung. Es sei wichtig, den Unterschied zwischen Realität und Fiktion von klein auf kennen zu lernen, betonten Giny Laroche und Nicole Dahlen, verantwortlich für das Programm „jeunes publics“. Auch während des Festivals stehen deshalb unterschiedlichste Veranstaltungen für Kinder ab 6 Jahren auf dem Programm.
Zudem gibt es noch die vier Unterkategorien: „Home Discover“ (Luxemburger (Co)produktionen), „Open Discover“ (Kino des Balkan), „Re-Discover (Filmgeschichte) und „Discover in Short“ (Kurzfilme). Kurzfilme werden vor allem am Abschlussabend zu sehen sein, dann nämlich wird das Augenmerk auf den Luxemburger Kurzfilm gerichtet sein.

Cinémathèque, Utopia und Utopolis

Während die meisten Veranstaltungen in familiärem Rahmen in der Cinémathèque oder im Utopia stattfinden, wird die Eröffnung hingegen im Utopolis gefeiert. Ein bisschen Partystimmung muss wohl doch sein. Der Eröffnungsfilm „Life in a day“ von Kevin Macdonalds will das Prinzip YouTube ins Kino bringen. Mit kurzen Amateuraufnahmen von überall auf der Welt entstand so eine Art „Welttagebuch“ über den 24. Juli 2010. Jeder kann mitmachen, so wie bei Discovery Zone auch.

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LUXEMBURG – Discovery Zone, das neue Filmfestival für Luxemburg, verzichtet auf den roten Teppich, auf die vielen Stars, schrilles Geschrei und Blitzlicht-Gewitter. Gute Filme sollen reichen.

Wer glaubt, dass zu einem Filmfestival viel Glamour gehört, der kann sich nun eines besseren belehren lassen: Luxemburg ist nicht Cannes und auch nicht Berlin. Clint Eastwood werde niemals nach Luxemburg kommen, meinte Nico Simon, Direktor von Utopia, auf der gestrigen Pressekonferenz, „dafür ist Luxemburg einfach nicht sexy genug“.

Discovery Zone, das neue Filmfestival für Luxemburg findet vom 28. April bis zum 5. Mai 2011 statt.
Offizielle Auswahl
„Life in a Day“
Eröffnungsfilm von Kevin MacDonald. Ein Welttagebuch à la Youtube.

„Bibliothèque Pascal“
von Szabolcs Hajdu. Ein knallharter und gleichzeitig zauberhafter Film über die Prostitution.

„Blue Valentine“
von Derek Cianfrance. Eine Geschichte über die Liebe, derer man sich niemals sicher sein kann.

„Canine“
von Yorgos Lanthimos. Eine vollkommen verrückte Familie: Nur der Vater darf das Haus verlassen, Mutter und Kinder bleiben in den eigenen vier Wänden.

„Tête de boeuf“
von Michael R. Roskam: Eine Geschichte aus Flandern.

„Assassins“
von Takashi Miike: Zeitgenössisches japanisches Kino.

„Mein bester Feind“
von Wolfgang Murnberger. Zweiter Weltkrieg: Zwei Männer tauschen ihre Identitäten, um überleben zu können.
Es scheint so, als würden die Verantwortlichen mit ihrem neuen Konzept für ein Filmfestival in Luxemburg aus der Not eine Tugend machen. „Die Bling-Bling Strategie hat uns in eine Sackgasse geführt“ (Claude Bertemes, Cinémathèque). „Sich einen Fehler eingestehen zu können, zeugt von Klarsicht“ (Lydie Polfer, Kulturschöffin der Stadt Luxemburg). „Wir brauchten ein neues Konzept“ (Colette Flesch, Präsidentin des Filmfestivals). Klare Worte waren am Dienstagmorgen auf der Pressekonferenz in der Cinémathèque zu hören. DirActors Cut folgte wohl den falschen Ambitionen.

„Neugierde für das Kino“

Anstatt Stars hinterherzuhecheln und das Filmprogramm nach den Zusagen zu konzipieren, soll nun die Qualität des Films alleiniges Kriterium sein. Ob Produzenten, Regisseure und Schauspieler dann kommen werden, um ihren Film vorzustellen, ist Nebensache. Bekannte Namen sind gestern deshalb auch keine gefallen.

Das Publikum soll das Festival zum Leben erwecken, keine Stars. „Beim DirActors Cut fehlte uns vor allem eins: die lokale Glaubwürdigkeit. Discovery Zone wird deshalb bescheidener und ambitionierter zugleich“, sagte Claude Bertemes. Schon der Name ist Programm: „Discovery Zone“: Entdeckungszone: Ein Festival das „Neugierde für das Kino“ wecken möchte, wie Claude Bertemes, Direktor der Cinémathèque das Konzept zusammenfasste.

Drei Schwerpunkte

Das Programm gliedert sich in drei große Blöcke: Selbstverständlich ist der Kern des Festivals die „Offizielle Auswahl“, in der sich „seltene Perlen“, finden, wie Claude Bertemes unterstrich (siehe blauer Kasten). Zweiter Pfeiler des Festivals sind die „Hot Docs“, Dokumentarfilme, die sich dadurch auszeichnen sollen, sowohl unterhaltsam, als auch qualitativ hochwertig zu sein. Besonders hervorzuheben ist in dieser Kategorie sicherlich „Cave of forgotten dreams“ von Werner Herzog. Ein außergewöhnliches 3-D-Erlebnis, das Höhlenmalereien von Chauvet im Tal der Ardèche zeigt, die 30.000 Jahre alt sind.

Dritter Schwerpunkt des Festivals ist das Kinder- und Jugendprogramm. Bereits vom 18. April an werden Schulklassen die Möglichkeit bekommen, sich nicht nur Filme anzuschauen, sondern auch Filmstudios zu besuchen und sich in Workshops mit den Techniken des Films auseinanderzusetzen. Es gehe Ihnen auch um Medienerziehung. Es sei wichtig, den Unterschied zwischen Realität und Fiktion von klein auf kennen zu lernen, betonten Giny Laroche und Nicole Dahlen, verantwortlich für das Programm „jeunes publics“. Auch während des Festivals stehen deshalb unterschiedlichste Veranstaltungen für Kinder ab 6 Jahren auf dem Programm.
Zudem gibt es noch die vier Unterkategorien: „Home Discover“ (Luxemburger (Co)produktionen), „Open Discover“ (Kino des Balkan), „Re-Discover (Filmgeschichte) und „Discover in Short“ (Kurzfilme). Kurzfilme werden vor allem am Abschlussabend zu sehen sein, dann nämlich wird das Augenmerk auf den Luxemburger Kurzfilm gerichtet sein.

Cinémathèque, Utopia und Utopolis

Während die meisten Veranstaltungen in familiärem Rahmen in der Cinémathèque oder im Utopia stattfinden, wird die Eröffnung hingegen im Utopolis gefeiert. Ein bisschen Partystimmung muss wohl doch sein. Der Eröffnungsfilm „Life in a day“ von Kevin Macdonalds will das Prinzip YouTube ins Kino bringen. Mit kurzen Amateuraufnahmen von überall auf der Welt entstand so eine Art „Welttagebuch“ über den 24. Juli 2010. Jeder kann mitmachen, so wie bei Discovery Zone auch.

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