Mar 22 2010

Diagonale 10: «Dust» von Max Jacoby

Published by at 06:28 under Deutsch,Festival

SOURCE: http://www.filmsprung.ch

dust

Die Welt nach der Apokalypse ist düster und grau. Die wenigen Überlebenden kämpfen erbarmungslos um die verbleibenden Vorräte. So sieht es zumindest in den meisten Filmen aus. Einen anderen Weg beschreitet Regisseur und Drehbuchautor Max Jacoby in «Dust». Besonders viel Staub kommt darin gar nicht vor, denn sein post-apokalyptisches Drama spielt sich hauptsächlich in einem idyllischen Haus auf dem Land ab. Dort wird jedoch die Harmonie eines jungen Pärchen durch die Ankunft einer weiteren Person gestört.

Die Zwillinge Elodie (Catherine Steadman) und Elias (Olly Alexander) leben abgeschieden in einem abgelegenen Haus auf dem Land. Andere Personen scheint es in dieser Gegend, vielleicht auf der ganzen Welt nicht mehr zu geben. Sie verbringen die Tage mit Geschichten, melancholischen Tänzen, Ausflügen zum Stausee und dem Sammeln und der Kultivierung von Nahrungsmitteln. Das Leben nach der Katastrophe ist zwar bescheiden, aber allem Anschein nach auch nicht wirklich unglücklich. Elodie und Elias sind sich gegenseitig das Universum und alle Gesellschaft, die sie nötig haben.

Eines Tages finden sie jedoch auf dem Weg zurück vom Stausse den angeschossenen Gabriel (Andrew Hawley). Sie nehmen in mit in ihr Haus und pflegen ihn gesund. Er sei im Süden gewesen und habe nach Verwandten gesucht. Auf dem Rückweg zu seiner Mutter sei er von einem Bauern angeschossen worden, der ihn zur Arbeit auf seinem Hof zwingen wollte. Sobald er wieder bei Kräften ist, wolle er aufbrechen. Doch zwischen Elodie und Gabriel beginnt eine Liebe zu blühen. Elias sieht im Besucher einen Eindringling in sein Paradies, einen Konkurrenten für die Liebe seiner Schwester zu ihm.

Mit einfachsten Mitteln inszenierte Max Jacoby sein berührend intimes Drama. Erst am Ende folgen auch noch einige Szenen in einer verlassenen Stadt. Auf mehr als die drei charismatischen und ausdrucksstarken Schauspieler ist Jacoby dennoch nie angewiesen. Diese Reduktion aufs Notwendigste ist neben der formalen Strenge die grosse Stärke dieses einfühlsam erzählten Films. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob für ein derart zartes Dreiecksdrama überhaupt die Umgebung einer postapokalyptischen Welt nötig gewesen wäre. Da die Ursachen und die praktischen Auswirkungen des Weltuntergangs höchstens nebensächlich behandelt werden, fühlt sich diese Komponente ein wenig aufgesetzt an.

Im übertragenen Sinn ist der Handlungsort in einer entvölkerten Zukunft aber doch zentral. Die Einsamkeit der Figuren ermöglicht eine ungestörte Konzentration auf die emotionalen Herausforderungen in einer solchen Situation. Die Harmonie der Zweierbeziehung fühlt sich zunächst wie eine unausweichliche, fast schon vorbestimmte Form des Glücks an, auch wenn die Intimität durch die Verwandschaft der Personen einen ziemlich unmoralischen Beigeschmack an sich hat. Dennoch kann diese durch ihre Einfachheit perfekt ausgewogene Dualität durch jedes zusätzliche Element nur aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Durch diese eindringlich sezierte Konstellation und die ruhige, stilsichere Inszenierung ist Jacoby ein faszinierendes Langspielfilmdebüt gelungen.

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Die Welt nach der Apokalypse ist düster und grau. Die wenigen Überlebenden kämpfen erbarmungslos um die verbleibenden Vorräte. So sieht es zumindest in den meisten Filmen aus. Einen anderen Weg beschreitet Regisseur und Drehbuchautor Max Jacoby in «Dust». Besonders viel Staub kommt darin gar nicht vor, denn sein post-apokalyptisches Drama spielt sich hauptsächlich in einem idyllischen Haus auf dem Land ab. Dort wird jedoch die Harmonie eines jungen Pärchen durch die Ankunft einer weiteren Person gestört.

Die Zwillinge Elodie (Catherine Steadman) und Elias (Olly Alexander) leben abgeschieden in einem abgelegenen Haus auf dem Land. Andere Personen scheint es in dieser Gegend, vielleicht auf der ganzen Welt nicht mehr zu geben. Sie verbringen die Tage mit Geschichten, melancholischen Tänzen, Ausflügen zum Stausee und dem Sammeln und der Kultivierung von Nahrungsmitteln. Das Leben nach der Katastrophe ist zwar bescheiden, aber allem Anschein nach auch nicht wirklich unglücklich. Elodie und Elias sind sich gegenseitig das Universum und alle Gesellschaft, die sie nötig haben.

Eines Tages finden sie jedoch auf dem Weg zurück vom Stausse den angeschossenen Gabriel (Andrew Hawley). Sie nehmen in mit in ihr Haus und pflegen ihn gesund. Er sei im Süden gewesen und habe nach Verwandten gesucht. Auf dem Rückweg zu seiner Mutter sei er von einem Bauern angeschossen worden, der ihn zur Arbeit auf seinem Hof zwingen wollte. Sobald er wieder bei Kräften ist, wolle er aufbrechen. Doch zwischen Elodie und Gabriel beginnt eine Liebe zu blühen. Elias sieht im Besucher einen Eindringling in sein Paradies, einen Konkurrenten für die Liebe seiner Schwester zu ihm.

Mit einfachsten Mitteln inszenierte Max Jacoby sein berührend intimes Drama. Erst am Ende folgen auch noch einige Szenen in einer verlassenen Stadt. Auf mehr als die drei charismatischen und ausdrucksstarken Schauspieler ist Jacoby dennoch nie angewiesen. Diese Reduktion aufs Notwendigste ist neben der formalen Strenge die grosse Stärke dieses einfühlsam erzählten Films. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob für ein derart zartes Dreiecksdrama überhaupt die Umgebung einer postapokalyptischen Welt nötig gewesen wäre. Da die Ursachen und die praktischen Auswirkungen des Weltuntergangs höchstens nebensächlich behandelt werden, fühlt sich diese Komponente ein wenig aufgesetzt an.

Im übertragenen Sinn ist der Handlungsort in einer entvölkerten Zukunft aber doch zentral. Die Einsamkeit der Figuren ermöglicht eine ungestörte Konzentration auf die emotionalen Herausforderungen in einer solchen Situation. Die Harmonie der Zweierbeziehung fühlt sich zunächst wie eine unausweichliche, fast schon vorbestimmte Form des Glücks an, auch wenn die Intimität durch die Verwandschaft der Personen einen ziemlich unmoralischen Beigeschmack an sich hat. Dennoch kann diese durch ihre Einfachheit perfekt ausgewogene Dualität durch jedes zusätzliche Element nur aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Durch diese eindringlich sezierte Konstellation und die ruhige, stilsichere Inszenierung ist Jacoby ein faszinierendes Langspielfilmdebüt gelungen.

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