May 22 2015

Die Freiheit des Wanderers zwischen Welten

Published by at 12:53 under Festival,Filmfund Luxembourg

SOURCE: http://www.wort.lu

Diesjähriger „Filmfund“-Stipendiat Govinda Van Maele
Von Vesna Andonovic

Nicht jeder lässt für Geld die Hosen runter. Und Govinda Van Maele schon gar nicht. Auch dann nicht, wenn er damit in Cannes ganz offen gegen eine Luxemburger Tradition verstößt.

Die besagt nämlich, dass der Regisseur, der vom Filmfund dorthin eingeladen wird, am „Luxemburger Tag“ in den Badeanzug schlüpfen muss, um auf dem gegenüber vom nationalen Pavillon gelegenen Felsenhäufchen die Landesfahne zu hissen.

Eingeläutet hat diesen – da das Wasser im Mai noch recht kühl ist, eigentlich nur für die Zuschauer am Strand – sympathischen Brauch vor ein paar Jahren Bernard Michaux.

„Schwimmen ist nicht so mein Ding“

Für die aktuelle 68. Ausgabe des Festivals sind es gleich zwei junge Filmemacher, die Dank der – kleinen – finanziellen Unterstützung des Filmfunds etwas mediterrane Croisette-Luft schnuppern dürfen: Eric Lamhene und – eben besagter – Govinda Van Maele.

„Schwimmen ist nicht so mein Ding“, meint der junge Filmemacher mit der ruhig-abgeklärten Gelassenheit, die ihn auszeichnet. Auch die kann er sich erlauben, denn als Filmemacher hat er mit mehreren Kurzfilmen und der Dokumentation „We Might As Well Fail“ längst bewiesen, dass er etwas drauf hat.

Ein Unbekannter ist er demnach längst nicht mehr, hat er doch 2012 den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kategorie Kurzfilm für sein „En Dag am Fräien“ erhalten.

Kein klassischer Bildungsweg

Den klassischen Bildungsweg ist der junge Mann dennoch nicht gegangen, auch wenn Film ihn schon als 14-Jährigen begeistert hat. „Wir – also u. a. Bernard Michaux, Jeff Desom und Vicky Krieps – waren eine Clique Filmbegeisterter, die zusammen Allmögliches gedreht und am Computer zusammengeschnitten haben“, erinnert er sich.

Dass aus der Jugendliebe eine berufliche Langzeitbeziehung werden würde, war spätestens dann klar, als er als Praktikant bei „Red Lion“ anfing und dort alle Stadien einer Filmproduktion begleitete. „Man sollte sich nicht allzu viele Fragen über die Zukunft stellen, wenn man Regisseur werden will, sondern einfach das machen was man liebt!“, unterstreicht er bestimmt.

Ein Produktionshaus und Spielfilm

Für sein „Learning by doing“ hatte er dann auch einen guten Lehrmeister: Pol Cruchten. Van Maeles filmisches Markenzeichen ist eine Mischung aus Genre und Arthouse, die auf der Leinwand den Zuschauer nicht unberührt lassen kann.

Dabei behält der Filmemacher sich – mit Wechseln von Dokumentation zu Fiktion oder einer Mischung von professionellen Schauspielern oder Laiendarstellern – ganz bewusst einen Freiraum, der ihm erlaubt zwischen Welten zu wandern: „Regisseur ist ein zugleich simpler und schwieriger Beruf“, so Van Maele.

Sein Rezept ist denkbar einfach und wirkungsvoll: „Man muss einfach nur einen guten Rahmen und Vertrauen schaffen“, so Van Maele und fügt hinzu, „In einem Solchen ist das Unerwartete und seine kalkulierten ,Unfälle‘ Geschenke“, meint er mit einem Schmunzeln.

Kurzfilm, wichtigste „Schule“

Als wichtigste „Schule“ für angehende Regisseure gilt für ihn der Kurzfilm: „Seine beschränkteren Mittel spornen die Kreativität an, derweil seine finanziellen und formalen Zwänge einen lehren mit denselbigen umzugehen.“

Derzeit arbeitet Govinda Van Maele an seinem ersten Spielfilmprojekt, „Gutland“: „Natürlich ist es ein Anderes mehr Geld und somit überhaupt mehr Mittel zur Verfügung zu haben – aber im Gegenzug bringt dies auch eine viel größere Zahl von Einschränkungen mit sich“, führt der als Filmemacher und Produzent Tätige aus. Man müsse also Acht geben, dass diese Umstellung nicht zu großen Einfluss auf die eigene Kunst nehme, meint er nachdenklich.

Im vergangenen Jahr hat er mit seinen Kollegen Jean-Louis Schuller und Gilles Chenial das Produktionshaus „Les films fauves“ gegründet: Ihre Büros haben sie im kreativen „1535o“-Hub in Differdingen. „Foreign Affairs“, der Dokumentarfilm von Pasha Rafiy über Außenminister Jean Asselborn und die irisch-luxemburgisch-niederländische Koproduktion „Mammal“ von Regisseurin Rebecca Daly sind nur zwei von mehreren Projekten, die derzeit dort entstehen. „Wir dachten, es sein sinnvoller erst mal zu arbeiten und etwas aufzuweisen zu haben, bevor wir uns groß präsentierten“, meint Govinda Van Maele mit einem Lächeln.

Beeindruckende Reife und Konsequenz

Hatte er sich von Anfang an als Vorgebe gesetzt, sich nicht zu übernehmen – und dies auch praktisch umgesetzt, geht Govinda Van Maele seinen Weg mit einer beeindruckenden Reife und Konsequenz, die ihm vielleicht gerade der stetigen Begleiter Selbstzweifel schenkt. In den Cannes-Glamour passt der junge Luxemburger irgendwie nicht wirklich, aber man wird ihn sicherlich einmal hier wiedersehen; auch dann wegen der Inhalte und nicht deren Verpackung – und das ist gut so.

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Diesjähriger „Filmfund“-Stipendiat Govinda Van Maele
Von Vesna Andonovic

Nicht jeder lässt für Geld die Hosen runter. Und Govinda Van Maele schon gar nicht. Auch dann nicht, wenn er damit in Cannes ganz offen gegen eine Luxemburger Tradition verstößt.

Die besagt nämlich, dass der Regisseur, der vom Filmfund dorthin eingeladen wird, am „Luxemburger Tag“ in den Badeanzug schlüpfen muss, um auf dem gegenüber vom nationalen Pavillon gelegenen Felsenhäufchen die Landesfahne zu hissen.

Eingeläutet hat diesen – da das Wasser im Mai noch recht kühl ist, eigentlich nur für die Zuschauer am Strand – sympathischen Brauch vor ein paar Jahren Bernard Michaux.

„Schwimmen ist nicht so mein Ding“

Für die aktuelle 68. Ausgabe des Festivals sind es gleich zwei junge Filmemacher, die Dank der – kleinen – finanziellen Unterstützung des Filmfunds etwas mediterrane Croisette-Luft schnuppern dürfen: Eric Lamhene und – eben besagter – Govinda Van Maele.

„Schwimmen ist nicht so mein Ding“, meint der junge Filmemacher mit der ruhig-abgeklärten Gelassenheit, die ihn auszeichnet. Auch die kann er sich erlauben, denn als Filmemacher hat er mit mehreren Kurzfilmen und der Dokumentation „We Might As Well Fail“ längst bewiesen, dass er etwas drauf hat.

Ein Unbekannter ist er demnach längst nicht mehr, hat er doch 2012 den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kategorie Kurzfilm für sein „En Dag am Fräien“ erhalten.

Kein klassischer Bildungsweg

Den klassischen Bildungsweg ist der junge Mann dennoch nicht gegangen, auch wenn Film ihn schon als 14-Jährigen begeistert hat. „Wir – also u. a. Bernard Michaux, Jeff Desom und Vicky Krieps – waren eine Clique Filmbegeisterter, die zusammen Allmögliches gedreht und am Computer zusammengeschnitten haben“, erinnert er sich.

Dass aus der Jugendliebe eine berufliche Langzeitbeziehung werden würde, war spätestens dann klar, als er als Praktikant bei „Red Lion“ anfing und dort alle Stadien einer Filmproduktion begleitete. „Man sollte sich nicht allzu viele Fragen über die Zukunft stellen, wenn man Regisseur werden will, sondern einfach das machen was man liebt!“, unterstreicht er bestimmt.

Ein Produktionshaus und Spielfilm

Für sein „Learning by doing“ hatte er dann auch einen guten Lehrmeister: Pol Cruchten. Van Maeles filmisches Markenzeichen ist eine Mischung aus Genre und Arthouse, die auf der Leinwand den Zuschauer nicht unberührt lassen kann.

Dabei behält der Filmemacher sich – mit Wechseln von Dokumentation zu Fiktion oder einer Mischung von professionellen Schauspielern oder Laiendarstellern – ganz bewusst einen Freiraum, der ihm erlaubt zwischen Welten zu wandern: „Regisseur ist ein zugleich simpler und schwieriger Beruf“, so Van Maele.

Sein Rezept ist denkbar einfach und wirkungsvoll: „Man muss einfach nur einen guten Rahmen und Vertrauen schaffen“, so Van Maele und fügt hinzu, „In einem Solchen ist das Unerwartete und seine kalkulierten ,Unfälle‘ Geschenke“, meint er mit einem Schmunzeln.

Kurzfilm, wichtigste „Schule“

Als wichtigste „Schule“ für angehende Regisseure gilt für ihn der Kurzfilm: „Seine beschränkteren Mittel spornen die Kreativität an, derweil seine finanziellen und formalen Zwänge einen lehren mit denselbigen umzugehen.“

Derzeit arbeitet Govinda Van Maele an seinem ersten Spielfilmprojekt, „Gutland“: „Natürlich ist es ein Anderes mehr Geld und somit überhaupt mehr Mittel zur Verfügung zu haben – aber im Gegenzug bringt dies auch eine viel größere Zahl von Einschränkungen mit sich“, führt der als Filmemacher und Produzent Tätige aus. Man müsse also Acht geben, dass diese Umstellung nicht zu großen Einfluss auf die eigene Kunst nehme, meint er nachdenklich.

Im vergangenen Jahr hat er mit seinen Kollegen Jean-Louis Schuller und Gilles Chenial das Produktionshaus „Les films fauves“ gegründet: Ihre Büros haben sie im kreativen „1535o“-Hub in Differdingen. „Foreign Affairs“, der Dokumentarfilm von Pasha Rafiy über Außenminister Jean Asselborn und die irisch-luxemburgisch-niederländische Koproduktion „Mammal“ von Regisseurin Rebecca Daly sind nur zwei von mehreren Projekten, die derzeit dort entstehen. „Wir dachten, es sein sinnvoller erst mal zu arbeiten und etwas aufzuweisen zu haben, bevor wir uns groß präsentierten“, meint Govinda Van Maele mit einem Lächeln.

Beeindruckende Reife und Konsequenz

Hatte er sich von Anfang an als Vorgebe gesetzt, sich nicht zu übernehmen – und dies auch praktisch umgesetzt, geht Govinda Van Maele seinen Weg mit einer beeindruckenden Reife und Konsequenz, die ihm vielleicht gerade der stetigen Begleiter Selbstzweifel schenkt. In den Cannes-Glamour passt der junge Luxemburger irgendwie nicht wirklich, aber man wird ihn sicherlich einmal hier wiedersehen; auch dann wegen der Inhalte und nicht deren Verpackung – und das ist gut so.

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