Feb 15 2012

Für Ruhm un Reichtum

Published by at 01:30 under Festival

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

62. BERLINALE

In kulturellen Kreisen in Luxemburg ging es bereits einige Zeit vor der Eröffnung der 62. Berlinale los.

X fragt Y, ob er nicht eine Einladung zum Botschaftsempfang in der Klingelhöferstraße anlässlich der Berlinale habe. Und Z fragt Q ob er in Begleitung komme, oder aber ob sein zweiter Platz auf der Einladung noch frei sei. Denn Empfänge lieben sie, die Luxemburger.

Die Vorbereitung wäre gar nicht nötig gewesen, denn die Türen zur Botschaft standen am Montagabend sperrangelweit offen. Natürlich nur symbolisch, denn bei den Minusgraden wäre alles andere auch gesundheitsschädigend. Ob mit offizieller Einladung oder nicht, ob Luxemburger oder nicht, das moderne Gebäude in Berlin Mitte hieß jeden willkommen, der gekommen war, um sich über die luxemburgische Filmproduktion zu informieren, Kontakte zu knüpfen und mitzufeiern.

Unter sich

Doch da wohl die meisten anderen Menschen in Berlin an diesem Abend etwas anderes vorhatten, war man doch unter sich. Unter den nach offiziellen Angaben 500 Gästen war auch Paul Thiltges, der schon seit Mittwoch in der Stadt ist, sich pro Tag mindestens drei Filme ansieht und immer als einer der ersten seinen Platz im Kinosaal einnimmt, zentriert, ziemlich weit vorne, um auch jedes Detail mitzubekommen.

Oder Marc Recchia und Nikos Welter, der erste Cutter, der zweite Kameramann, deren Bewerbungen für den „Berlinale Talent Campus“ in diesem Jahr angenommen wurden und die nun noch bis zum 16. Februar beim „Speed Meeting“ internationale Kontakte knüpfen und bei Workshops mit renommierten Filmemachern – wie etwa Jurypräsident Mike Leigh oder Schauspielerin Juliette Binoche – wertvolle Erfahrungen sammeln können. Oder auch der Schauspieler Germain Wagner, der die Zeit der Berlinale gerne nutzt, um Leute zu treffen und um sich ein bisschen Großstadtwind um die Nase wehen zu lassen.

Kontakte knüpfen

Man kennt sich, freut sich auf das Wiedersehen, endlich hat man wieder einmal ein bisschen Zeit zu quatschen, in Luxemburg sieht man sich ja so selten! Wie gut, dass es die Berlinale gibt und den Empfang in der Botschaft, wo sich dann alle versammeln. Da macht es auch nichts, dass die Filmproduktion aus Luxemburg in diesem Jahr bei den internationalen Filmfestspielen in Berlin nur ganz am Rande vorkommt.

Einige Filme, wie der Dokumentarfilm „The Road Uphill“ über die Schleck-Brüder von Jean-Louis Schuller, werden zwar auf dem „European Film Market“, einer Plattform für Professionelle, präsentiert, doch im offiziellen Programm lassen sich dieses Mal keine Gesichter aus dem Großherzogtum finden. „Sehr verwunderlich“, findet dies Guy Daleiden, Direktor des Filmfonds. Doch so sei das nun mal, meint seine Mitarbeiterin Françoise Lentz, manche Filme seien bis zum Einsendetermin nicht fertig geworden, andere würden nicht angenommen.

Klei, aber fein

Martine Schommer, Botschafterin Luxemburgs in Berlin, fordert ihre Gäste auf, sich kräftig zu unterhalten und Kontakte zu knüpfen, um „Ruhm und Reichtum“ in das Großherzogtum zu bringen. Auch François Biltgen, der gerne nach Berlin reist, ließ es sich nicht nehmen, immer und immer wieder zu betonen, dass Luxemburg zwar klein, aber fein sei, dass Luxemburg es – trotz der im europäischen Vergleich kleinen Filmlandschaft – immer wieder schaffe, auf sich aufmerksam zu machen. Die Herausforderung für die Zukunft sieht der Kommunikationsminister darin, Filme als luxemburgische Produktionen zu kennzeichnen und gleichzeitig das hohe internationale Niveau zu erreichen.

Am Ende seiner kurzen Empfangsrede lud er dann die Gäste ein, gemeinsam zu essen und zu trinken, denn darin seien die Luxemburger schon viele Jahre Weltklasse. Viel länger als im Filmbusiness. Und so stand man beieinander, trank und aß, und ließ sich von dem internationalen Quartett „Schneeweiss & Rosenrot“ in ein musikalisches Fantasieland entführen, um sich dann morgen wieder unter die Massen am Potsdamer Platz zu mischen. Und vielleicht wirklich auf einige interessante Begegnungen zu stoßen.

(Janina Strötgen/Berlin/Tageblatt.lu)

Comments

comments

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

62. BERLINALE

In kulturellen Kreisen in Luxemburg ging es bereits einige Zeit vor der Eröffnung der 62. Berlinale los.

X fragt Y, ob er nicht eine Einladung zum Botschaftsempfang in der Klingelhöferstraße anlässlich der Berlinale habe. Und Z fragt Q ob er in Begleitung komme, oder aber ob sein zweiter Platz auf der Einladung noch frei sei. Denn Empfänge lieben sie, die Luxemburger.

Die Vorbereitung wäre gar nicht nötig gewesen, denn die Türen zur Botschaft standen am Montagabend sperrangelweit offen. Natürlich nur symbolisch, denn bei den Minusgraden wäre alles andere auch gesundheitsschädigend. Ob mit offizieller Einladung oder nicht, ob Luxemburger oder nicht, das moderne Gebäude in Berlin Mitte hieß jeden willkommen, der gekommen war, um sich über die luxemburgische Filmproduktion zu informieren, Kontakte zu knüpfen und mitzufeiern.

Unter sich

Doch da wohl die meisten anderen Menschen in Berlin an diesem Abend etwas anderes vorhatten, war man doch unter sich. Unter den nach offiziellen Angaben 500 Gästen war auch Paul Thiltges, der schon seit Mittwoch in der Stadt ist, sich pro Tag mindestens drei Filme ansieht und immer als einer der ersten seinen Platz im Kinosaal einnimmt, zentriert, ziemlich weit vorne, um auch jedes Detail mitzubekommen.

Oder Marc Recchia und Nikos Welter, der erste Cutter, der zweite Kameramann, deren Bewerbungen für den „Berlinale Talent Campus“ in diesem Jahr angenommen wurden und die nun noch bis zum 16. Februar beim „Speed Meeting“ internationale Kontakte knüpfen und bei Workshops mit renommierten Filmemachern – wie etwa Jurypräsident Mike Leigh oder Schauspielerin Juliette Binoche – wertvolle Erfahrungen sammeln können. Oder auch der Schauspieler Germain Wagner, der die Zeit der Berlinale gerne nutzt, um Leute zu treffen und um sich ein bisschen Großstadtwind um die Nase wehen zu lassen.

Kontakte knüpfen

Man kennt sich, freut sich auf das Wiedersehen, endlich hat man wieder einmal ein bisschen Zeit zu quatschen, in Luxemburg sieht man sich ja so selten! Wie gut, dass es die Berlinale gibt und den Empfang in der Botschaft, wo sich dann alle versammeln. Da macht es auch nichts, dass die Filmproduktion aus Luxemburg in diesem Jahr bei den internationalen Filmfestspielen in Berlin nur ganz am Rande vorkommt.

Einige Filme, wie der Dokumentarfilm „The Road Uphill“ über die Schleck-Brüder von Jean-Louis Schuller, werden zwar auf dem „European Film Market“, einer Plattform für Professionelle, präsentiert, doch im offiziellen Programm lassen sich dieses Mal keine Gesichter aus dem Großherzogtum finden. „Sehr verwunderlich“, findet dies Guy Daleiden, Direktor des Filmfonds. Doch so sei das nun mal, meint seine Mitarbeiterin Françoise Lentz, manche Filme seien bis zum Einsendetermin nicht fertig geworden, andere würden nicht angenommen.

Klei, aber fein

Martine Schommer, Botschafterin Luxemburgs in Berlin, fordert ihre Gäste auf, sich kräftig zu unterhalten und Kontakte zu knüpfen, um „Ruhm und Reichtum“ in das Großherzogtum zu bringen. Auch François Biltgen, der gerne nach Berlin reist, ließ es sich nicht nehmen, immer und immer wieder zu betonen, dass Luxemburg zwar klein, aber fein sei, dass Luxemburg es – trotz der im europäischen Vergleich kleinen Filmlandschaft – immer wieder schaffe, auf sich aufmerksam zu machen. Die Herausforderung für die Zukunft sieht der Kommunikationsminister darin, Filme als luxemburgische Produktionen zu kennzeichnen und gleichzeitig das hohe internationale Niveau zu erreichen.

Am Ende seiner kurzen Empfangsrede lud er dann die Gäste ein, gemeinsam zu essen und zu trinken, denn darin seien die Luxemburger schon viele Jahre Weltklasse. Viel länger als im Filmbusiness. Und so stand man beieinander, trank und aß, und ließ sich von dem internationalen Quartett „Schneeweiss & Rosenrot“ in ein musikalisches Fantasieland entführen, um sich dann morgen wieder unter die Massen am Potsdamer Platz zu mischen. Und vielleicht wirklich auf einige interessante Begegnungen zu stoßen.

(Janina Strötgen/Berlin/Tageblatt.lu)

Comments

comments

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply