Feb 25 2011

“Ich will luxemburgische Filme machen”

Published by at 14:06 under Deutsch,Festival

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

LUXEMBURG – Filme machen wollte Eric Lamhène schon in der Sekundarstufe. Nach der Schule besuchte er die Universität in Canterbury. Dort studierte er die Grundlagen, bevor er für seinen Master an die London Film School ging.

el

Als Abschlussarbeit entstand sein Kurzfilm “Lauschter”, den er im vergangenen Jahr in Luxemburg drehte. Im Moment ist er zu Gast im Talent-Campus der Berlinale. Das Talent-Campus ist Weiterbildung und Treffpunkt für junge Filmschaffende.

Tageblatt: Was haben Sie für ein Gefühl nach ein paar Tagen Talent-Campus? Bringt es Ihnen etwas?

Eric Lamhène: “Ja, auf jeden Fall. Wir hören viele Vorträge von Leuten, die sehr viel Erfahrung haben. Das sind Experten, die erzählen davon, was sie erlebt haben und wie sie dort angekommen sind, wo sie jetzt sind. Und sie sprechen darüber, wie sie arbeiten, was mich am meisten interessiert.”

“T”: Zum Beispiel?

“Gerade war ich bei einem Seminar mit Ralph Fiennes und István Szabó, dem großen ungarischen Regisseur. Er hat erzählt, wie er mit Schauspielern arbeitet. Er liebe seine Schauspieler, hat er gesagt. Und er liebe die Gesellschaft, in der er lebt. Das finde ich großartig, denn man fühlt das auch in seinen Filmen. Oder Harry Belafonte, der war gestern da. Ein unglaublicher Mann. Er erzählte von seinen Begegnungen mit Martin Luther King und John F. Kennedy. Alle Leute, die hierher kommen, zeigen Humanismus.”

“T”: Glauben Sie, man muss ein Menschenfreund sein, um Filme machen zu können?

“Ich denke ja. Wenn ich einen Film mache, liebe ich die Charaktere und das muss man spüren.”

“T”: Was nehmen Sie mit vom Talent-Campus?

“Ganz sicher diese Begegnungen. Und den Auftrag, nicht nur Entertainment in meinen Filmen zu machen, sondern auch gesellschaftsrelevante Themen zu finden. Hier wird viel über Ägypten gesprochen und über Menschen, die durch ihren Aktivismus die Gesellschaft verändern können. Vielleicht bin ich noch sehr idealistisch, aber Künstler haben auch den Auftrag, Vorreiter zu sein.”

“T”: Haben Sie Regievorbilder? Oder Filme, von denen Sie denken „so einen würde ich gerne mal machen”?

“Ich liebe japanisches Kino. Zum Beispiel der Film ’Tokyo Story‘ von Yasujirõ Ozu aus dem Jahre 1953. Ich liebe Filme aus dieser Zeit. In dem Film geht es um einen Generationenkonflikt – Eltern, Kinder, Großeltern. In diesem Film erkennt man, was es heißt zu leben. Mit allem, was dazugehört: geboren werden, Beziehungen haben, sterben. Aber ich bin auch ein großer Freund von Michael Haneke, dem Österreicher, der ’Das weiße Band‘ gedreht hat.”

“T”: Warum japanisches Kino?

“Keine Ahnung, vielleicht war ich meinem früheren Leben Japaner, wer weiß.”

“T”: Wie wichtig ist die Geschichte eines Films?

“Ich glaube die Geschichte eines Films ist sehr wichtig, aber sie ist immer nur dazu da, um die innere Geschichte der Charaktere, ihr inneres Leben, dem Zuschauer zu offenbaren. Die Charaktere sind das Herz und die Seele der Geschichte. Film ist immer eine emotionale Verbindung zwischen den Menschen auf der Leinwand und den Menschen im Kinosaal.”

“T”: Was ist Ihr nächstes Projekt?

“Wieder ein Kurzfilm. In ’Flou‘ geht es um ein 17-jähriges Mädchen aus schwierigen Familienverhältnissen und ihren besten Freund, den Nachbarjungen. Der Junge vermutet, sein Vater hätte etwas mit einer anderen Frau. Daraufhin testet Flou den Mann aus.
Produziert wird der Film von Samsa. Wir wollen im Frühjahr drehen.”

“T”: Haben Sie vor, in Luxemburg zu bleiben?

“Auf jeden Fall. Luxemburg ist meine Heimat, es ist das, was ich kenne. Ich will luxemburgische Filme machen, mit luxemburgischen Schauspielern, auf Luxemburgisch.”

(Heike Bucher)

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu

LUXEMBURG – Filme machen wollte Eric Lamhène schon in der Sekundarstufe. Nach der Schule besuchte er die Universität in Canterbury. Dort studierte er die Grundlagen, bevor er für seinen Master an die London Film School ging.

el

Als Abschlussarbeit entstand sein Kurzfilm “Lauschter”, den er im vergangenen Jahr in Luxemburg drehte. Im Moment ist er zu Gast im Talent-Campus der Berlinale. Das Talent-Campus ist Weiterbildung und Treffpunkt für junge Filmschaffende.

Tageblatt: Was haben Sie für ein Gefühl nach ein paar Tagen Talent-Campus? Bringt es Ihnen etwas?

Eric Lamhène: “Ja, auf jeden Fall. Wir hören viele Vorträge von Leuten, die sehr viel Erfahrung haben. Das sind Experten, die erzählen davon, was sie erlebt haben und wie sie dort angekommen sind, wo sie jetzt sind. Und sie sprechen darüber, wie sie arbeiten, was mich am meisten interessiert.”

“T”: Zum Beispiel?

“Gerade war ich bei einem Seminar mit Ralph Fiennes und István Szabó, dem großen ungarischen Regisseur. Er hat erzählt, wie er mit Schauspielern arbeitet. Er liebe seine Schauspieler, hat er gesagt. Und er liebe die Gesellschaft, in der er lebt. Das finde ich großartig, denn man fühlt das auch in seinen Filmen. Oder Harry Belafonte, der war gestern da. Ein unglaublicher Mann. Er erzählte von seinen Begegnungen mit Martin Luther King und John F. Kennedy. Alle Leute, die hierher kommen, zeigen Humanismus.”

“T”: Glauben Sie, man muss ein Menschenfreund sein, um Filme machen zu können?

“Ich denke ja. Wenn ich einen Film mache, liebe ich die Charaktere und das muss man spüren.”

“T”: Was nehmen Sie mit vom Talent-Campus?

“Ganz sicher diese Begegnungen. Und den Auftrag, nicht nur Entertainment in meinen Filmen zu machen, sondern auch gesellschaftsrelevante Themen zu finden. Hier wird viel über Ägypten gesprochen und über Menschen, die durch ihren Aktivismus die Gesellschaft verändern können. Vielleicht bin ich noch sehr idealistisch, aber Künstler haben auch den Auftrag, Vorreiter zu sein.”

“T”: Haben Sie Regievorbilder? Oder Filme, von denen Sie denken „so einen würde ich gerne mal machen”?

“Ich liebe japanisches Kino. Zum Beispiel der Film ’Tokyo Story‘ von Yasujirõ Ozu aus dem Jahre 1953. Ich liebe Filme aus dieser Zeit. In dem Film geht es um einen Generationenkonflikt – Eltern, Kinder, Großeltern. In diesem Film erkennt man, was es heißt zu leben. Mit allem, was dazugehört: geboren werden, Beziehungen haben, sterben. Aber ich bin auch ein großer Freund von Michael Haneke, dem Österreicher, der ’Das weiße Band‘ gedreht hat.”

“T”: Warum japanisches Kino?

“Keine Ahnung, vielleicht war ich meinem früheren Leben Japaner, wer weiß.”

“T”: Wie wichtig ist die Geschichte eines Films?

“Ich glaube die Geschichte eines Films ist sehr wichtig, aber sie ist immer nur dazu da, um die innere Geschichte der Charaktere, ihr inneres Leben, dem Zuschauer zu offenbaren. Die Charaktere sind das Herz und die Seele der Geschichte. Film ist immer eine emotionale Verbindung zwischen den Menschen auf der Leinwand und den Menschen im Kinosaal.”

“T”: Was ist Ihr nächstes Projekt?

“Wieder ein Kurzfilm. In ’Flou‘ geht es um ein 17-jähriges Mädchen aus schwierigen Familienverhältnissen und ihren besten Freund, den Nachbarjungen. Der Junge vermutet, sein Vater hätte etwas mit einer anderen Frau. Daraufhin testet Flou den Mann aus.
Produziert wird der Film von Samsa. Wir wollen im Frühjahr drehen.”

“T”: Haben Sie vor, in Luxemburg zu bleiben?

“Auf jeden Fall. Luxemburg ist meine Heimat, es ist das, was ich kenne. Ich will luxemburgische Filme machen, mit luxemburgischen Schauspielern, auf Luxemburgisch.”

(Heike Bucher)

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