May 08 2011

Luxemburger Rocker und ein tätowierter Amerikaner

Published by at 14:38 under Deutsch,Festival

SOURCE: http://www.journal.lu

Das erste Discovery Zone Filmfestival bot in der vergangenen Woche neben der Möglichkeit, neue Filme zu entdecken, auch luxemburgischen Filmemachern die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren. So lief der überdrehte Kurzfilm „La fameuse route“ von Adolf El Assal im Vorprogramm des ausgezeichneten belgischen Films „Rundskop“ (Tête de Bœuf) von Michael R. Roskam, bei dem es um Hormonschmuggel in den Reihen von Viehzüchtern in Belgien geht. Es liefen aber auch interessante Dokumentarfilme wie „Scary“ und „Cave Of Forgotten Dreams“ oder der Spielfilm „Mein bester Feind“, eine österreichisch-luxemburgische Koproduktion (Samsa Film).

„We Might As Well Fail“

„Laaf“, der erste Kurzfilm von Loïc Tanson und Thierry Besseling, lief nochmals im Vorprogramm des luxemburgischen Dokumentarfilms „We Might As Well Fail“ (oder „Rockdoc“) von Govinda Van Maele.

Der Film beschreibt die Rockszene in Luxemburg und geht der Frage nach, ob es sich lohnt, hier im Land professionell Musiker zu sein oder zu werden. In sich immer wiederholenden Äußerungen von befragten Musikern aus u.a. den Gruppen Tvesla, Miaow Miaow, Eternal Tango oder Defdump wird die mehrheitliche Antwort erkennbar, dass es sich finanziell nicht wirklich lohnt. Falls man die Musikszene in Luxemburg nicht kennt, wird man nach diesem Film nicht viel klüger sein. Der Regisseur scheint davon auszugehen, dass die Zuschauer sich bestens in der Szene auskennen, denn es werden keine Namen von Musikern oder Gruppen eingeblendet. Außerdem fehlt eine objektive Meinung zur Szene, wie z.B. Interviews mit Journalisten oder RundfunkmoderatorInnen, die zum Thema etwas zu sagen haben.

„The Scary Guy“

Ein überaus interessanter Dokumentarfilm lief am Montagmorgen im „Utopia“: „Scary“ von Uli Kick mit dem am ganzen Körper tätowierten „The Scary Guy“ (Der gruselige Kerl), der selbst anwesend war und nach der Vorstellung für eine interessante Diskussionsrunde mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern sorgte.

Earl Kaufmann hieß der sympathische Kerl mit seinem Geburtsnamen, ehe er diesen offiziell in The Scary Guy umänderte, wobei „The Scary“ als Vorname fungiert, während „Guy“ der Nachname sein soll. Er bereist die Welt seit etlichen Jahren und hält Konferenzen über seine Beweggründe ab, bei denen er die Leute, besonders Jugendliche, auf die Problematik des Andersseins anspricht und zum Umdenken bringt.

Er steht für Toleranz, denn als er sich mit seinen Tätowierungen zu erkennen gab, brach für die Leute um ihn herum, Arbeitskollegen und Freunde, eine ganze Welt zusammen. Von einem Moment auf den anderen behandelten sie ihn wie einen Aussätzigen, obwohl er sich charakterlich nie verändert hat. Wer diesen außerordentlichen Menschen näher kennenlernen möchte, kann ihn am Samstag, den 7. Mai, ab 19:00 Uhr im Centre Civique in Hesperingen treffen (www.jugendtreffhesper.lu). The Scary Guy ist bereits zum zweiten Mal in Luxemburg.

„Cave Of Forgotten Dreams“

Die „Höhle der vergessenen Träume“ ist eine Dokumentation in 3D von Werner Herzog über die am 18. Dezember 1994 durch die Speläologen Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire entdeckte Grotte in Chauvet in der Ardèche. Das Einzigartige an dieser Tropfsteinhöhle ist die rund 35.000 Jahre alte Wandmalerei mit den ältesten Zeichnungen von Menschenhand, die je entdeckt wurden.

In der Hauptsache sind hier Tiere aus der Eiszeit dargestellt, u.a. Wollnashörner, Höhlenlöwen, Panther, Hirsche, Mammuts, Wildpferde oder Höhlenbären. Der Höhlenboden ist übersät mit Tierknochen. Es ist aber auch eine Frau zur Hälfte hier gemalt worden. Die Höhle ist für Besucher gesperrt, doch dank dieses Films kann der Zuschauer wie ein Forscher durch die Grotte spazieren und sich von der Schönheit dieser Zeichnungen überwältigen lassen.

„Mein bester Feind“

Die luxemburgisch-österreichische Koproduktion von Wolfgang Murnberger erzählt die tragikomische Geschichte der jüdischen Familie Jakob Kaufmanns (Udo Samel), die eine Zeichnung von Michelangelo besitzt, die 1938 von den Nazis „beschlagnahmt“ wird. Nur wird das Bild 1943 als Kopie entlarvt und droht das deutsche Reich in eine tiefe Krise zu stürzen. Das Original muss nun dringend gefunden werden.

Der einzige, der über den Verbleib des Originals Bescheid wissen könnte, ist Jakobs Sohn Victor (Moritz Bleibtreu), der in einem KZ interniert ist. Der SS-Sturmbannführer Rudi Smekal (Georg Friedrich), einst Victors bester Freund, soll diesen zum Reden bringen. In der Folge entspinnt sich ein aufregendes, aber auch lustiges Hin und Her um das verschollene Bild, das den Besuch im Kino rechtfertigt.

Das Festival geht heute Abend im „Utopolis“ mit einer Reihe von luxemburgischen Kurzfilmen zu Ende. In Premiere werden dabei „Double saut“ von Laura Schroeder, „Der Solist“ von Pierre Hansen und „Rose et Violet“ von Claude Grosch und Luc Otter gezeigt.

› CH.S.
veröffentlicht am 05.05.2011

Comments

comments

SOURCE: http://www.journal.lu

Das erste Discovery Zone Filmfestival bot in der vergangenen Woche neben der Möglichkeit, neue Filme zu entdecken, auch luxemburgischen Filmemachern die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren. So lief der überdrehte Kurzfilm „La fameuse route“ von Adolf El Assal im Vorprogramm des ausgezeichneten belgischen Films „Rundskop“ (Tête de Bœuf) von Michael R. Roskam, bei dem es um Hormonschmuggel in den Reihen von Viehzüchtern in Belgien geht. Es liefen aber auch interessante Dokumentarfilme wie „Scary“ und „Cave Of Forgotten Dreams“ oder der Spielfilm „Mein bester Feind“, eine österreichisch-luxemburgische Koproduktion (Samsa Film).

„We Might As Well Fail“

„Laaf“, der erste Kurzfilm von Loïc Tanson und Thierry Besseling, lief nochmals im Vorprogramm des luxemburgischen Dokumentarfilms „We Might As Well Fail“ (oder „Rockdoc“) von Govinda Van Maele.

Der Film beschreibt die Rockszene in Luxemburg und geht der Frage nach, ob es sich lohnt, hier im Land professionell Musiker zu sein oder zu werden. In sich immer wiederholenden Äußerungen von befragten Musikern aus u.a. den Gruppen Tvesla, Miaow Miaow, Eternal Tango oder Defdump wird die mehrheitliche Antwort erkennbar, dass es sich finanziell nicht wirklich lohnt. Falls man die Musikszene in Luxemburg nicht kennt, wird man nach diesem Film nicht viel klüger sein. Der Regisseur scheint davon auszugehen, dass die Zuschauer sich bestens in der Szene auskennen, denn es werden keine Namen von Musikern oder Gruppen eingeblendet. Außerdem fehlt eine objektive Meinung zur Szene, wie z.B. Interviews mit Journalisten oder RundfunkmoderatorInnen, die zum Thema etwas zu sagen haben.

„The Scary Guy“

Ein überaus interessanter Dokumentarfilm lief am Montagmorgen im „Utopia“: „Scary“ von Uli Kick mit dem am ganzen Körper tätowierten „The Scary Guy“ (Der gruselige Kerl), der selbst anwesend war und nach der Vorstellung für eine interessante Diskussionsrunde mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern sorgte.

Earl Kaufmann hieß der sympathische Kerl mit seinem Geburtsnamen, ehe er diesen offiziell in The Scary Guy umänderte, wobei „The Scary“ als Vorname fungiert, während „Guy“ der Nachname sein soll. Er bereist die Welt seit etlichen Jahren und hält Konferenzen über seine Beweggründe ab, bei denen er die Leute, besonders Jugendliche, auf die Problematik des Andersseins anspricht und zum Umdenken bringt.

Er steht für Toleranz, denn als er sich mit seinen Tätowierungen zu erkennen gab, brach für die Leute um ihn herum, Arbeitskollegen und Freunde, eine ganze Welt zusammen. Von einem Moment auf den anderen behandelten sie ihn wie einen Aussätzigen, obwohl er sich charakterlich nie verändert hat. Wer diesen außerordentlichen Menschen näher kennenlernen möchte, kann ihn am Samstag, den 7. Mai, ab 19:00 Uhr im Centre Civique in Hesperingen treffen (www.jugendtreffhesper.lu). The Scary Guy ist bereits zum zweiten Mal in Luxemburg.

„Cave Of Forgotten Dreams“

Die „Höhle der vergessenen Träume“ ist eine Dokumentation in 3D von Werner Herzog über die am 18. Dezember 1994 durch die Speläologen Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire entdeckte Grotte in Chauvet in der Ardèche. Das Einzigartige an dieser Tropfsteinhöhle ist die rund 35.000 Jahre alte Wandmalerei mit den ältesten Zeichnungen von Menschenhand, die je entdeckt wurden.

In der Hauptsache sind hier Tiere aus der Eiszeit dargestellt, u.a. Wollnashörner, Höhlenlöwen, Panther, Hirsche, Mammuts, Wildpferde oder Höhlenbären. Der Höhlenboden ist übersät mit Tierknochen. Es ist aber auch eine Frau zur Hälfte hier gemalt worden. Die Höhle ist für Besucher gesperrt, doch dank dieses Films kann der Zuschauer wie ein Forscher durch die Grotte spazieren und sich von der Schönheit dieser Zeichnungen überwältigen lassen.

„Mein bester Feind“

Die luxemburgisch-österreichische Koproduktion von Wolfgang Murnberger erzählt die tragikomische Geschichte der jüdischen Familie Jakob Kaufmanns (Udo Samel), die eine Zeichnung von Michelangelo besitzt, die 1938 von den Nazis „beschlagnahmt“ wird. Nur wird das Bild 1943 als Kopie entlarvt und droht das deutsche Reich in eine tiefe Krise zu stürzen. Das Original muss nun dringend gefunden werden.

Der einzige, der über den Verbleib des Originals Bescheid wissen könnte, ist Jakobs Sohn Victor (Moritz Bleibtreu), der in einem KZ interniert ist. Der SS-Sturmbannführer Rudi Smekal (Georg Friedrich), einst Victors bester Freund, soll diesen zum Reden bringen. In der Folge entspinnt sich ein aufregendes, aber auch lustiges Hin und Her um das verschollene Bild, das den Besuch im Kino rechtfertigt.

Das Festival geht heute Abend im „Utopolis“ mit einer Reihe von luxemburgischen Kurzfilmen zu Ende. In Premiere werden dabei „Double saut“ von Laura Schroeder, „Der Solist“ von Pierre Hansen und „Rose et Violet“ von Claude Grosch und Luc Otter gezeigt.

› CH.S.
veröffentlicht am 05.05.2011

Comments

comments

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply