Nov 03 2013

Mozart und Männerkörper

Published by at 00:50 under Amour Fou,Festival

SOURCE: http://www.wort.lu

“Naked Opera” bei “Message to Man”-Filmfestival in Sankt Petersburg mit dem Presse-Jury-Preis ausgezeichnet

(jls/vac) Die Amour-Fou-Produktion “Naked Opera” von Regisseurin Angela Christlieb, die bereits bei der 63. Berlinale im vergangenen Februar mit dem neu geschaffenen und mit 5 000 Euro dotierten Heiner-Carow-Preis der Defa-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat nun beim “Message to Man”-Filmfestival in Sankt Petersburg ebenfalls den Presse-Jury-Preis erhalten.

Marc leidet an einer unheilbaren Krankheit und weiß nicht, wie viele weitere Jahre ihm vergönnt sind. Deshalb möchte der 36-Jährige noch einmal aus dem Vollen schöpfen, und zum Glück hat er auch das Geld dazu.

Mit jungen „Begleitern“ führt er ein ausschweifendes Leben in den Luxushotels diverser Städte, wobei seine Reisepläne vom Spielplan der großen Opernhäuser diktiert werden: Marc liebt „Don Giovanni“ und möchte keine Produktion von Mozarts berühmter Oper verpassen. Mit dem berühmten, aber auch tragischen Frauenhelden hat er einiges gemeinsam, so scheint es. Vor der Kamera gibt Marc seine Lebensphilosophie preis, die auf Verführung, Macht, Geld, der Kontrolle seiner selbst und anderer Menschen beruht.

Eigenartiges Porträt

Es ist ein eigenartiges Porträt, das Angela Christlieb in ihrem Dokumentarfilm „Naked Opera“ von einem Luxemburger mit scheinbarem Hang zum Extravaganten zeichnet. Das Bild eines Selbstdarstellers, der sich ungern in die Karten blicken lässt, und nur wohldosiert Privates preisgibt. Mal scheint er die Anwesenheit der Kamera zu genießen, mal steht er kurz davor, das Filmteam vor die Tür zu setzen.

Ganz besonders, wenn die ganze Mise-en-scène ihn zu nerven beginnt, die Regisseurin aus dem Off ihn etwa bittet, zum Fenster zu gehen und es zu öffnen. „Wenn es der Wahrheitsfindung dient!“, seufzt er mit nicht zu überhörendem Sarkasmus.

Mehr Fiktion als Fakt

Auf dem Weg zu dieser Wahrheitsfindung setzt „Naked Opera“ filmische Mittel ein, die eigentlich mehr Fiktion als Fakt sind. Das tun sehr viele andere Dokumentarfilme auch, denn die Wirklichkeit lässt sich nicht einfach so mit der Kamera „einfangen“.

In der luxemburgisch-deutschen Koproduktion ist die Fiktionalisierung aber vielleicht weitreichender, als der ein getreues Abbild der Realität erwartende Kinogänger in einer Dokumentation zu sehen bereit ist.

Cineastische Gratwanderung

Die spielerisch-fantasievolle Ausschmückung der Tatsachen entspricht in diesem Fall wohl dem Thema, und Angela Christlieb legt besonders im letzten Teil ihre Methode der filmischen Inszenierung ansatzweise offen, ohne aber dem Zuschauer deren Ausmaß zu verraten.

„Naked Opera“ ist eine cineastische Gratwanderung zwischen zwei Gattungen, die höchst unterhaltsam ist und wohl auch deshalb in der Vorstellung im Rahmen der „Panorama Dokumente“-Reihe in Berlin viel Beifall erhalten hatte.

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“Naked Opera” bei “Message to Man”-Filmfestival in Sankt Petersburg mit dem Presse-Jury-Preis ausgezeichnet

(jls/vac) Die Amour-Fou-Produktion “Naked Opera” von Regisseurin Angela Christlieb, die bereits bei der 63. Berlinale im vergangenen Februar mit dem neu geschaffenen und mit 5 000 Euro dotierten Heiner-Carow-Preis der Defa-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat nun beim “Message to Man”-Filmfestival in Sankt Petersburg ebenfalls den Presse-Jury-Preis erhalten.

Marc leidet an einer unheilbaren Krankheit und weiß nicht, wie viele weitere Jahre ihm vergönnt sind. Deshalb möchte der 36-Jährige noch einmal aus dem Vollen schöpfen, und zum Glück hat er auch das Geld dazu.

Mit jungen „Begleitern“ führt er ein ausschweifendes Leben in den Luxushotels diverser Städte, wobei seine Reisepläne vom Spielplan der großen Opernhäuser diktiert werden: Marc liebt „Don Giovanni“ und möchte keine Produktion von Mozarts berühmter Oper verpassen. Mit dem berühmten, aber auch tragischen Frauenhelden hat er einiges gemeinsam, so scheint es. Vor der Kamera gibt Marc seine Lebensphilosophie preis, die auf Verführung, Macht, Geld, der Kontrolle seiner selbst und anderer Menschen beruht.

Eigenartiges Porträt

Es ist ein eigenartiges Porträt, das Angela Christlieb in ihrem Dokumentarfilm „Naked Opera“ von einem Luxemburger mit scheinbarem Hang zum Extravaganten zeichnet. Das Bild eines Selbstdarstellers, der sich ungern in die Karten blicken lässt, und nur wohldosiert Privates preisgibt. Mal scheint er die Anwesenheit der Kamera zu genießen, mal steht er kurz davor, das Filmteam vor die Tür zu setzen.

Ganz besonders, wenn die ganze Mise-en-scène ihn zu nerven beginnt, die Regisseurin aus dem Off ihn etwa bittet, zum Fenster zu gehen und es zu öffnen. „Wenn es der Wahrheitsfindung dient!“, seufzt er mit nicht zu überhörendem Sarkasmus.

Mehr Fiktion als Fakt

Auf dem Weg zu dieser Wahrheitsfindung setzt „Naked Opera“ filmische Mittel ein, die eigentlich mehr Fiktion als Fakt sind. Das tun sehr viele andere Dokumentarfilme auch, denn die Wirklichkeit lässt sich nicht einfach so mit der Kamera „einfangen“.

In der luxemburgisch-deutschen Koproduktion ist die Fiktionalisierung aber vielleicht weitreichender, als der ein getreues Abbild der Realität erwartende Kinogänger in einer Dokumentation zu sehen bereit ist.

Cineastische Gratwanderung

Die spielerisch-fantasievolle Ausschmückung der Tatsachen entspricht in diesem Fall wohl dem Thema, und Angela Christlieb legt besonders im letzten Teil ihre Methode der filmischen Inszenierung ansatzweise offen, ohne aber dem Zuschauer deren Ausmaß zu verraten.

„Naked Opera“ ist eine cineastische Gratwanderung zwischen zwei Gattungen, die höchst unterhaltsam ist und wohl auch deshalb in der Vorstellung im Rahmen der „Panorama Dokumente“-Reihe in Berlin viel Beifall erhalten hatte.

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