Dec 05 2009

One happy, little family …

Published by at 11:49 under Filmprais

SOURCE: www.wort.lu

Andy Bauschs „InThierryView“ erhält den Publikumspreis, Jean- Claude Schlims „House of Boys“ wird zum Besten Spielfilm gekürt


Weht üblicherweise ein eiskalter Konkurrenz-Wind in der internationalen Filmbranche, ist dem im Großherzogtum nicht so. Kollegiales, ja gar freundschaftliches Klima herrscht im hiesigen Film-Mikrokosmos. Kein Wunder also, dass am Freitag bei der vierten Vergabe des „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kirchberger LuxExpo heiterer Sonnen-, pardon, Scheinwerferschein im Rahmen einer kleinen Familienfeier, preisgekrönte Häupter umspielte …

Niemand ist Prophet im eigenen Land, besagt die Volksweisheit. Dem entgegenwirken soll der „Lëtzebuerger Filmpräis“, der dem Luxemburger Publikum mit einer zweijährigen Regelmäßigkeit in Erinnerung ruft, dass es neben Holly-, Bolly- oder anderen -woods auch im Großherzogtum durchaus Sehenswertes zu entdecken gibt.

Dass von A wie „Am Éisléck“ über J wie „JCVD“ bis hin zu Y wie „You for me“ ganze 52 Filme in (passend zum Thema „glorreichen“) sieben Kategorien, i.e. Co-Produktion, Kurz-, Dokumentar-, Spiel- sowie Animationsfilm, Bester künstlerischer und technischer Beitrag, zur Auswahl standen, zeugt – selbst in heutigen Krisenzeiten – von der beachtlichen Vitalität des Sektors.

Letztere Wahl oblag der siebenköpfigen Jury – Präsidentin und Schauspielerin Désirée Nosbusch standen Filmkritiker Boyd van Hoeij, Barroso-Stellvertreterin Viviane Reding, Utopia-Direktor Nico Simon, Kameramann Klaus Peter Weber, Professor Frank Wilhelm und Regisseur Dan Wiroth zur Seite.

Der Publikumspreis derweil wurde über ein Onlinevoting vergeben.

Jurypräsidentin Désirée Nosbusch erinnerte an den verstorbenen Thierry van Werveke.
Cowboys, Indianer und ein Bus

Durch den Abend in der Kirchberger LuxExpo, zu dem nicht nur die ganze bunte Filmwelt, sondern ebenfalls zahlreiche geladene (Ehren-) Gäste, allesamt rund 800 an der Zahl, erschienen waren, führte gestern locker-flockig das sympathisch ungezwungene Moderatoren-Duo Max und Fred, musikalisch durchweg mitreißend unterstützt von den Musikern von Eternal Tango. Mit einem Sonderpreis bedachte die Jury Christina Schaffer, die nicht nur gleich an allen drei zur Wahl des besten Films stehenden Werken – „Réfractaires“, „Dust“, und „House of Boys“ –, sondern ebenfalls an solch unterschiedlichen Produktionen wie „The Girl with a Pearl Earring“ oder zuletzt „Nous trois“, der am vergangenen Mittwoch Premiere im Rahmen der den „Filmpräis“ begleitenden „Journées du film luxembourgeois“ feierte, mitgewirkt hat.

Der erste offizielle Preis besagter Feier ging dann in der Sparte „Kurzfilm“ an die Samsa Film-Produktion „Routine“ von Saesa Kiyokawa, die von der einschneidenden Begegnung des Busfahrers Mark (Jules Werner) mit einem kleinen Mädchen in rotem Regenmantel erzählt und sich gegen 14 Konkurrenten durchsetzten konnte. Lobende, aber auch kritische Worte gab es von der Jury, die zwar das hohe technische Niveau der Kurzfilme lobte, jedoch feststellen musste, dass dies oft auf Kosten des erzählerischen Elements geht.

Für ihren künstlerischen Beitrag wurde daraufhin das Duo Beryl Koltz und Armand Strainchamps, das für Regie und Drehbuch von „Diddeleng – 100 Joër, 100 Gesiichter“ verantwortlich zeichnet, geehrt. Ganze sechs Kilo Körpergewicht habe sie bei diesen Dreharbeiten zugelegt, erklärte die Regisseurin, die den Preis allen „Diddelenger“ widmete. Als besten technischen Beitrag wurde die Arbeit von Kameramann Carlo Thiel an Jean-Claude Schlims „House of Boys“ gewertet.

Der Preis der besten Co-Produktion ging indes an „Brideflight“ des niederländischen Regisseurs Ben Sombogaart, die von Samsa Film mitgetragen wurde.
„Salut l’artiste!“

Dass „loin des yeux“ noch lange nicht „loin du coeur“ bedeutet, zeigte dann die Hommage an den im Januar verstorbenen Thierry van Werveke: Die bewegende Ansprache von Jurypräsidentin Désirée Nosbusch, untermalt von zahlreichen Filmausschnitten aus der reich gefüllten Karriere des Darstellers, ließ die Erinnerung an ihn aufleben, ohne einem fehl am Platz gewesenen Pathos Raum zu gewähren. Mit einer „Standing ovation“ bedankten sich die ehemaligen Mitstreiter und Freunde bei ihrem „Thierry National“, und hießen die offizielle Gründung seiner Stifung, die jungen Künstlern und anderen „Troublemakern“ unter die Arme greifen soll, willkommen.

Dass der Film bekanntlich, seit seiner Erfindung durch die Gebrüder Lumière, seine Wurzeln in der Wirklichkeit hat, wurde mit der Kategorie des Dokumentarfilms bedacht: Hier musste Andy Bausch mit seinem „Entrée d’artistes“ nicht den Hintereingang benutzen, sondern konnte schnurstracks durch die weit geöffneten Pforten des Filmolymps schreiten. Und dies gleich zum wiederholten Mal, hatte das Publikum über eine Online-Abstimmung doch ebenfalls entschieden, dass „InThierrryView“, filmische Doku-Hommage an den Weggefährten der ersten Stunde, Thierry van Werveke, sein Lieblingsfilm der 2009er-Ausgabe des „Filmpräis“ ist – demnach ebenfalls ein letztes, bewegendes „Salut l’artiste!“ des Publikums.
Doppelte Ehrung

Der Animationsfilm wurde gleich doppelt – als Kurz- und in Spielfilmlänge – von der Jury bedacht. Konnte sich als Kurzfilm Thierry Schiels bewegende Geschichte „Le viel homme dans le brouillard“ durchsetzen, so wurden mit der Melusine Productions-Co-Produktion „Panique au village“ die Indianer und Cowboys des Regie-Binoms Stéphane Aubier und Vincent Patar ausgezeichnet.

In der „Königsklasse“, sprich der Kategorie des besten Luxemburger Spielfilms, deren Verkündung Viviane Reding und François Biltgen – von den Moderatoren als „the coolest team since Bonny & Clyde“ vorgestellt – oblag, konnte sich Jean-Claude Schlims aufrüttelndes Aids-Drama „House of Boys“ gegen die starke Konkurrenz von „Réfractaires“ und „Dust“ durchsetzen. Sichtlich berührt nahm der Regisseur den Preis für sein Erstlingswerk entgegen, und widmete ihn seinem Partner, der heute vor genau 14 Jahren der unerbittlichen Krankheit zum Opfer fiehl.

Den Anwesenden in Erinnerung bleiben wird dieser vierte „Crû“ als ein besonders erlesener, der nicht nur durch Qualität, sondern ebenso duch seine richtig ansprechende „Großes Kino“-Verpackung glänzte. Ein klein bisschen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Feeling, das man ganz ohne schlechtes Gewissen genießen konnte, und zwar zur Abwechslung einmal nicht auf, sondern vor der Leinwand. Long Live the Movies! …

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SOURCE: www.wort.lu

Andy Bauschs „InThierryView“ erhält den Publikumspreis, Jean- Claude Schlims „House of Boys“ wird zum Besten Spielfilm gekürt


Weht üblicherweise ein eiskalter Konkurrenz-Wind in der internationalen Filmbranche, ist dem im Großherzogtum nicht so. Kollegiales, ja gar freundschaftliches Klima herrscht im hiesigen Film-Mikrokosmos. Kein Wunder also, dass am Freitag bei der vierten Vergabe des „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kirchberger LuxExpo heiterer Sonnen-, pardon, Scheinwerferschein im Rahmen einer kleinen Familienfeier, preisgekrönte Häupter umspielte …

Niemand ist Prophet im eigenen Land, besagt die Volksweisheit. Dem entgegenwirken soll der „Lëtzebuerger Filmpräis“, der dem Luxemburger Publikum mit einer zweijährigen Regelmäßigkeit in Erinnerung ruft, dass es neben Holly-, Bolly- oder anderen -woods auch im Großherzogtum durchaus Sehenswertes zu entdecken gibt.

Dass von A wie „Am Éisléck“ über J wie „JCVD“ bis hin zu Y wie „You for me“ ganze 52 Filme in (passend zum Thema „glorreichen“) sieben Kategorien, i.e. Co-Produktion, Kurz-, Dokumentar-, Spiel- sowie Animationsfilm, Bester künstlerischer und technischer Beitrag, zur Auswahl standen, zeugt – selbst in heutigen Krisenzeiten – von der beachtlichen Vitalität des Sektors.

Letztere Wahl oblag der siebenköpfigen Jury – Präsidentin und Schauspielerin Désirée Nosbusch standen Filmkritiker Boyd van Hoeij, Barroso-Stellvertreterin Viviane Reding, Utopia-Direktor Nico Simon, Kameramann Klaus Peter Weber, Professor Frank Wilhelm und Regisseur Dan Wiroth zur Seite.

Der Publikumspreis derweil wurde über ein Onlinevoting vergeben.

Jurypräsidentin Désirée Nosbusch erinnerte an den verstorbenen Thierry van Werveke.
Cowboys, Indianer und ein Bus

Durch den Abend in der Kirchberger LuxExpo, zu dem nicht nur die ganze bunte Filmwelt, sondern ebenfalls zahlreiche geladene (Ehren-) Gäste, allesamt rund 800 an der Zahl, erschienen waren, führte gestern locker-flockig das sympathisch ungezwungene Moderatoren-Duo Max und Fred, musikalisch durchweg mitreißend unterstützt von den Musikern von Eternal Tango. Mit einem Sonderpreis bedachte die Jury Christina Schaffer, die nicht nur gleich an allen drei zur Wahl des besten Films stehenden Werken – „Réfractaires“, „Dust“, und „House of Boys“ –, sondern ebenfalls an solch unterschiedlichen Produktionen wie „The Girl with a Pearl Earring“ oder zuletzt „Nous trois“, der am vergangenen Mittwoch Premiere im Rahmen der den „Filmpräis“ begleitenden „Journées du film luxembourgeois“ feierte, mitgewirkt hat.

Der erste offizielle Preis besagter Feier ging dann in der Sparte „Kurzfilm“ an die Samsa Film-Produktion „Routine“ von Saesa Kiyokawa, die von der einschneidenden Begegnung des Busfahrers Mark (Jules Werner) mit einem kleinen Mädchen in rotem Regenmantel erzählt und sich gegen 14 Konkurrenten durchsetzten konnte. Lobende, aber auch kritische Worte gab es von der Jury, die zwar das hohe technische Niveau der Kurzfilme lobte, jedoch feststellen musste, dass dies oft auf Kosten des erzählerischen Elements geht.

Für ihren künstlerischen Beitrag wurde daraufhin das Duo Beryl Koltz und Armand Strainchamps, das für Regie und Drehbuch von „Diddeleng – 100 Joër, 100 Gesiichter“ verantwortlich zeichnet, geehrt. Ganze sechs Kilo Körpergewicht habe sie bei diesen Dreharbeiten zugelegt, erklärte die Regisseurin, die den Preis allen „Diddelenger“ widmete. Als besten technischen Beitrag wurde die Arbeit von Kameramann Carlo Thiel an Jean-Claude Schlims „House of Boys“ gewertet.

Der Preis der besten Co-Produktion ging indes an „Brideflight“ des niederländischen Regisseurs Ben Sombogaart, die von Samsa Film mitgetragen wurde.
„Salut l’artiste!“

Dass „loin des yeux“ noch lange nicht „loin du coeur“ bedeutet, zeigte dann die Hommage an den im Januar verstorbenen Thierry van Werveke: Die bewegende Ansprache von Jurypräsidentin Désirée Nosbusch, untermalt von zahlreichen Filmausschnitten aus der reich gefüllten Karriere des Darstellers, ließ die Erinnerung an ihn aufleben, ohne einem fehl am Platz gewesenen Pathos Raum zu gewähren. Mit einer „Standing ovation“ bedankten sich die ehemaligen Mitstreiter und Freunde bei ihrem „Thierry National“, und hießen die offizielle Gründung seiner Stifung, die jungen Künstlern und anderen „Troublemakern“ unter die Arme greifen soll, willkommen.

Dass der Film bekanntlich, seit seiner Erfindung durch die Gebrüder Lumière, seine Wurzeln in der Wirklichkeit hat, wurde mit der Kategorie des Dokumentarfilms bedacht: Hier musste Andy Bausch mit seinem „Entrée d’artistes“ nicht den Hintereingang benutzen, sondern konnte schnurstracks durch die weit geöffneten Pforten des Filmolymps schreiten. Und dies gleich zum wiederholten Mal, hatte das Publikum über eine Online-Abstimmung doch ebenfalls entschieden, dass „InThierrryView“, filmische Doku-Hommage an den Weggefährten der ersten Stunde, Thierry van Werveke, sein Lieblingsfilm der 2009er-Ausgabe des „Filmpräis“ ist – demnach ebenfalls ein letztes, bewegendes „Salut l’artiste!“ des Publikums.
Doppelte Ehrung

Der Animationsfilm wurde gleich doppelt – als Kurz- und in Spielfilmlänge – von der Jury bedacht. Konnte sich als Kurzfilm Thierry Schiels bewegende Geschichte „Le viel homme dans le brouillard“ durchsetzen, so wurden mit der Melusine Productions-Co-Produktion „Panique au village“ die Indianer und Cowboys des Regie-Binoms Stéphane Aubier und Vincent Patar ausgezeichnet.

In der „Königsklasse“, sprich der Kategorie des besten Luxemburger Spielfilms, deren Verkündung Viviane Reding und François Biltgen – von den Moderatoren als „the coolest team since Bonny & Clyde“ vorgestellt – oblag, konnte sich Jean-Claude Schlims aufrüttelndes Aids-Drama „House of Boys“ gegen die starke Konkurrenz von „Réfractaires“ und „Dust“ durchsetzen. Sichtlich berührt nahm der Regisseur den Preis für sein Erstlingswerk entgegen, und widmete ihn seinem Partner, der heute vor genau 14 Jahren der unerbittlichen Krankheit zum Opfer fiehl.

Den Anwesenden in Erinnerung bleiben wird dieser vierte „Crû“ als ein besonders erlesener, der nicht nur durch Qualität, sondern ebenso duch seine richtig ansprechende „Großes Kino“-Verpackung glänzte. Ein klein bisschen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Feeling, das man ganz ohne schlechtes Gewissen genießen konnte, und zwar zur Abwechslung einmal nicht auf, sondern vor der Leinwand. Long Live the Movies! …

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3 responses so far

3 Responses to “One happy, little family …”

  1. grausamon 05 Dec 2009 at 19:27

    grausam dat do..

  2. grausamon 05 Dec 2009 at 19:29

    d letzebuerger elite vertrueden fir sech mat hieren naischt-aussoenden filmer selwer ze zelebreieren. mir get et schlecht.

  3. grausamon 05 Dec 2009 at 19:31

    bis ob den “inthierryview”

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