Feb 20 2011

Wer nicht wächst, wird (…) geschluckt

Published by at 00:16 under Deutsch,Filmprais

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

jani thilges

Im Mittwochabend [wurde] die Koproduktion „Mein bester Feind“ der Luxemburger „Samsa Film“ und der österreichischen „Aichholzer Filmproduktion“ bei der 61. Berlinale uraufgeführt.

Das Tageblatt unterhielt sich mit Jani Thiltges von „Samsa Film“ über die Entwicklung seiner Gesellschaft, die 2011 ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann.

Tageblatt: “Mein bester Feind” ist nicht der erste Film, der in Koproduktion mit “Samsa Film” entstand und auf der Berlinale gezeigt wird. 2007 wurde “Irina Palm” dort uraufgeführt.

“Ja, ’Irina Palm‘ war damals wirklich ’the talk of the town‘ in Berlin. Der Film kannte einen riesigen Erfolg, beim Publikum und bei der Presse, ging aber bei der Preisverteilung leer aus. Das kann uns mit ’Mein bester Feind‘ nicht passieren, hier können wir gar keinen Preis gewinnen, da der Film zwar im Wettbewerb, aber außer Konkurrenz gezeigt wird. Er läuft heute Abend um 19.30 Uhr als Galavorstellung sozusagen, in Präsenz von Moritz Bleibtreu und anderen Mitwirkenden.”

Ist “Mein bester Feind” die erste Zusammenarbeit zwischen Ihrer und einer österreichischen Produktionsgesellschaft?

“Nein, wir haben bereits mehrere Filme zusammen gemacht, weil es ein Kooperationsabkommen mit den Österreichern gibt. Bei ’Mein bester Feind‘ ist Samsa minoritär beteiligt, bei anderen Filmen ist es genau umgekehrt. Das wechselt sich ab und das läuft auch schon etwa sechs Jahren gut so.”

Beschränkte sich die Kooperation bei “Mein bester Feind” auf das Finanzielle?

“Ja, das ganze war eine rein finanzielle Koproduktion. D. h., wir investieren Geld und erhalten dafür im Gegenzug Rechte. Es handelt sich dabei um einen für österreichische Verhältnisse relativ teuren Film, mehr als vier Millionen Euro, und daher brauchten sie Partner. Uns gefiel das Drehbuch und so waren wir bereit, den Weg mitzugehen. Ich kenne Wolfgang Murnberger, den Regisseur, auch schon relativ lange und den Produzenten Josef Aichholzer ebenfalls. In dem Jahr, als ’Irina Palm‘ in Berlin uraufgeführt wurde, wurde dort auch der Aichholzer-Film ’Der Fälscher‘ uraufgeführt, der später in den USA den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekam. Wir hatten uns damals in Berlin kennengelernt und gleich beschlossen, irgendwann ein gemeinsames Projekt anzugehen, was nun mit ’Mein bester Feind‘ geschehen ist.”

“Für “Irina Palm” gab’s leider keinen Preis, für “Mein bester Feind” kann es keinen geben, doch erst vor wenigen Tagen wurde “Illégal” mit dem “Magritte”, dem neuen belgischen Filmpreis, ausgezeichnet.

“Das hat uns sehr gefreut, vor allem auch, weil wir hier nicht nur als auf finanzieller Ebene zusammenarbeiteten, sondern den Film zusammen mit unserem Partner Patrick Quinet, mit dem wir schon seit 20 Jahren eine Firma in Belgien haben, produzierten. Samsa ist ja nicht nur in Luxemburg präsent, sondern eben auch in Belgien, in Frankreich und demnächst … aber darüber kann ich derzeit noch nichts genaues sagen. Wer nicht selbst wächst, wird irgendwann geschluckt.” (schmunzelt)

“Samsa Film” besteht nun seit 25 Jahren. Neben Ihnen sind ja auch Claude Waringo und Christian Kmiotek seit Anfang an dabei. Sie kennen sich alle drei bereits aus der Schulzeit, haben zusammen Theater gespielt. Hatten Sie nie Lust, mal selbst vor der Kamera zu stehen?

“Nein, nein, bestimmt nicht. Ich war an der Filmschule, habe den Beruf des Regisseurs erlernt, aber am liebsten produziere ich. Ich glaube auch, dass es das ist, was ich im Leben am besten kann. Es macht mir auch sehr viel Spaß und daher zieht es mich gar nicht weder vor noch hinter die Kamera. Ich bleibe lieber im Hintergrund!”

Was macht Ihnen bei der Arbeit als Produzent denn am meisten Spaß?

“Im Fall von ’Mein bester Feind‘ war es eigentlich eher eine Art Spiel, die Freude dabei zu sein. Ich habe das Drehbuch gelesen und zu Claude gesagt, voilà, das ist ein Film für Berlin 2011. Es ist witzig, wenn’s dann auch so geschieht. Oft geht es auch daneben. Wenn das dann klappt, sind wir auf der gewonnenen Seite.
Der Film läuft am Mittwochabend als Uraufführung, er wird sich gut verkaufen lassen. Also genau das, was unser Ziel war. Ansonsten macht die Arbeit als Produzent mir Spaß, weil ich Ideen entwickeln kann. Spaß macht es mir auch zu helfen, Luxemburger Regisseure im Ausland bekannt zu machen. Wir drehen jetzt einen Film von Beryl Koltz ’Hot hot hot‘, im Sommer werden wir den ersten Film mit Christophe Wagner, einem anderen jungen Regisseur, drehen. Und was mir sehr viel Freude macht, ist, dass ich mittlerweile auch Kurse für junge europäische Produzenten gebe. Je älter ich werde, desto mehr Erfahrungen sammle ich und diese kann ich dann an die Neuen weitergeben.”

Welche aktuellen Projekte gibt es bei “Samsa Film”?

“Viele! Also, was die Dreharbeiten angeht, so fangen wir am 4. März mit ’Mauvaise herbe‘ an, einem Film von Safy Nebbou mit Charles Berling und seinem Sohn Emile, der zum größten Teil in Luxemburg, aber auch im Poitou-Charentes gedreht wird. Am 16. Mai starten die Dreharbeiten zu einem belgischen Film, bei dem Joaquim Lafosse die Regie führt, eine Woche später diejenigen zu dem vierten Film, den wir unter der Regie von Frédéric Fonteyne produzieren, dann – wie schon erwähnt – den Film von Christophe Wagner im Sommer, … Die Arbeit geht uns nicht aus – und das ist gut so!”

(François Besch)

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jani thilges

Im Mittwochabend [wurde] die Koproduktion „Mein bester Feind“ der Luxemburger „Samsa Film“ und der österreichischen „Aichholzer Filmproduktion“ bei der 61. Berlinale uraufgeführt.

Das Tageblatt unterhielt sich mit Jani Thiltges von „Samsa Film“ über die Entwicklung seiner Gesellschaft, die 2011 ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann.

Tageblatt: “Mein bester Feind” ist nicht der erste Film, der in Koproduktion mit “Samsa Film” entstand und auf der Berlinale gezeigt wird. 2007 wurde “Irina Palm” dort uraufgeführt.

“Ja, ’Irina Palm‘ war damals wirklich ’the talk of the town‘ in Berlin. Der Film kannte einen riesigen Erfolg, beim Publikum und bei der Presse, ging aber bei der Preisverteilung leer aus. Das kann uns mit ’Mein bester Feind‘ nicht passieren, hier können wir gar keinen Preis gewinnen, da der Film zwar im Wettbewerb, aber außer Konkurrenz gezeigt wird. Er läuft heute Abend um 19.30 Uhr als Galavorstellung sozusagen, in Präsenz von Moritz Bleibtreu und anderen Mitwirkenden.”

Ist “Mein bester Feind” die erste Zusammenarbeit zwischen Ihrer und einer österreichischen Produktionsgesellschaft?

“Nein, wir haben bereits mehrere Filme zusammen gemacht, weil es ein Kooperationsabkommen mit den Österreichern gibt. Bei ’Mein bester Feind‘ ist Samsa minoritär beteiligt, bei anderen Filmen ist es genau umgekehrt. Das wechselt sich ab und das läuft auch schon etwa sechs Jahren gut so.”

Beschränkte sich die Kooperation bei “Mein bester Feind” auf das Finanzielle?

“Ja, das ganze war eine rein finanzielle Koproduktion. D. h., wir investieren Geld und erhalten dafür im Gegenzug Rechte. Es handelt sich dabei um einen für österreichische Verhältnisse relativ teuren Film, mehr als vier Millionen Euro, und daher brauchten sie Partner. Uns gefiel das Drehbuch und so waren wir bereit, den Weg mitzugehen. Ich kenne Wolfgang Murnberger, den Regisseur, auch schon relativ lange und den Produzenten Josef Aichholzer ebenfalls. In dem Jahr, als ’Irina Palm‘ in Berlin uraufgeführt wurde, wurde dort auch der Aichholzer-Film ’Der Fälscher‘ uraufgeführt, der später in den USA den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekam. Wir hatten uns damals in Berlin kennengelernt und gleich beschlossen, irgendwann ein gemeinsames Projekt anzugehen, was nun mit ’Mein bester Feind‘ geschehen ist.”

“Für “Irina Palm” gab’s leider keinen Preis, für “Mein bester Feind” kann es keinen geben, doch erst vor wenigen Tagen wurde “Illégal” mit dem “Magritte”, dem neuen belgischen Filmpreis, ausgezeichnet.

“Das hat uns sehr gefreut, vor allem auch, weil wir hier nicht nur als auf finanzieller Ebene zusammenarbeiteten, sondern den Film zusammen mit unserem Partner Patrick Quinet, mit dem wir schon seit 20 Jahren eine Firma in Belgien haben, produzierten. Samsa ist ja nicht nur in Luxemburg präsent, sondern eben auch in Belgien, in Frankreich und demnächst … aber darüber kann ich derzeit noch nichts genaues sagen. Wer nicht selbst wächst, wird irgendwann geschluckt.” (schmunzelt)

“Samsa Film” besteht nun seit 25 Jahren. Neben Ihnen sind ja auch Claude Waringo und Christian Kmiotek seit Anfang an dabei. Sie kennen sich alle drei bereits aus der Schulzeit, haben zusammen Theater gespielt. Hatten Sie nie Lust, mal selbst vor der Kamera zu stehen?

“Nein, nein, bestimmt nicht. Ich war an der Filmschule, habe den Beruf des Regisseurs erlernt, aber am liebsten produziere ich. Ich glaube auch, dass es das ist, was ich im Leben am besten kann. Es macht mir auch sehr viel Spaß und daher zieht es mich gar nicht weder vor noch hinter die Kamera. Ich bleibe lieber im Hintergrund!”

Was macht Ihnen bei der Arbeit als Produzent denn am meisten Spaß?

“Im Fall von ’Mein bester Feind‘ war es eigentlich eher eine Art Spiel, die Freude dabei zu sein. Ich habe das Drehbuch gelesen und zu Claude gesagt, voilà, das ist ein Film für Berlin 2011. Es ist witzig, wenn’s dann auch so geschieht. Oft geht es auch daneben. Wenn das dann klappt, sind wir auf der gewonnenen Seite.
Der Film läuft am Mittwochabend als Uraufführung, er wird sich gut verkaufen lassen. Also genau das, was unser Ziel war. Ansonsten macht die Arbeit als Produzent mir Spaß, weil ich Ideen entwickeln kann. Spaß macht es mir auch zu helfen, Luxemburger Regisseure im Ausland bekannt zu machen. Wir drehen jetzt einen Film von Beryl Koltz ’Hot hot hot‘, im Sommer werden wir den ersten Film mit Christophe Wagner, einem anderen jungen Regisseur, drehen. Und was mir sehr viel Freude macht, ist, dass ich mittlerweile auch Kurse für junge europäische Produzenten gebe. Je älter ich werde, desto mehr Erfahrungen sammle ich und diese kann ich dann an die Neuen weitergeben.”

Welche aktuellen Projekte gibt es bei “Samsa Film”?

“Viele! Also, was die Dreharbeiten angeht, so fangen wir am 4. März mit ’Mauvaise herbe‘ an, einem Film von Safy Nebbou mit Charles Berling und seinem Sohn Emile, der zum größten Teil in Luxemburg, aber auch im Poitou-Charentes gedreht wird. Am 16. Mai starten die Dreharbeiten zu einem belgischen Film, bei dem Joaquim Lafosse die Regie führt, eine Woche später diejenigen zu dem vierten Film, den wir unter der Regie von Frédéric Fonteyne produzieren, dann – wie schon erwähnt – den Film von Christophe Wagner im Sommer, … Die Arbeit geht uns nicht aus – und das ist gut so!”

(François Besch)

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