Feb 13 2012

Biltgen: “Keine Kachkéis- a Bouneschlupp-Mentalität”

Published by at 03:45 under Filmprais,Industry

SOURCE: http://www.wort.lu

Interview zum Filmland Luxemburg
Kommunikations- und Medienminister François Biltgen über die Luxemburger Filme, die Frage des Inhalts und eine anstehende Reform
Interview: Vesna Andonovic

biltgen

Am Donnerstag wurde an der Spree die 62. Auflage der Internationalen Filmfestspiele von Berlin eröffnet. Auch wenn keine Produktion des Filmlandes Luxemburg in diesem Jahr im Wettbewerb oder der offiziellen Auswahl zu finden ist, trifft sich die großherzogliche Filmszene am kommenden Montag beim nunmehr traditionellen Empfang in der Luxemburger Botschaft.

Kommunikations- und Medienminister François Biltgen wird ebenfalls dort sein und verriet uns schon vorab, welche Hoffnungen, Erwartungen und Baustellen er noch im hiesigen Filmsektor sieht.

Welches war der letzte Luxemburger Film, den Sie sich angesehen haben?

„The Road Uphill“, die Dokumentation über die Schleck-Brüder. Als zuständiger Minister versuche ich immer mir die Filme, die im Rennen für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ sind, anzusehen. Da ich abends nicht gerne unterwegs bin, und somit selten ins Kino gehe, ist meine tägliche Crosstrainer-Sitzung der ideale Zeitpunkt hierfür.
Ein Filmfestival, wie das von Berlin oder Cannes, ist eine willkommene Plattform, um die nationale Produktion gebührend in Szene zu setzen. Oft werden solche Auftritte aber auch als kostspielig und unnütz kritisiert …

Der Film Fund verfügt über einen spezifischen Budgetposten für solche internationale Auftritte. Luxemburg geht zwar nicht überall hin, doch es gibt Filmfestivals, wie die Berlinale oder Cannes, wo denen es einfach wichtig ist, anwesend zu sein. Es geht letztlich nicht nur um die Filme, die dort gezeigt werden, sondern um die Gelegenheit für die Luxemburger Filmschaffenden, die unerlässlichen internationalen Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Deshalb sind solche Initiativen wie der Empfang der Luxemburger Botschafterin wesentlich und auch deshalb versuche ich, stets persönlich dort anwesend zu sein. In solchem Rahmen wird oftmals der Grundstein für zukünftige Zusammenarbeiten gesetzt. Zudem sind Berlin oder Cannes für mich als Minister hervorragende Gelegenheiten, um die versammelten Luxemburger Filmschaffenden zum Gedankenaustausch und zu einer Bestandsaufnahme zu treffen.

Es spielt also keine Rolle, ob Luxemburger Filme in der offiziellen Auswahl, gar im Wettbewerb eines Festivals laufen?

Nein, in dem Sinne nicht. Natürlich ist dies umso erfreulicher, es ist jedoch nicht ausschlaggebend. Ein Festival ist wichtig für das Networking des Filmschaffenden und wegen der parallel laufenden Märkte, um Filme in den Vertrieb zu bekommen. Zu den Missionen des Film Fund gehört bekanntlich ja auch die Förderung des Luxemburger Films, und dazu gehört eine Präsenz bei ausgewählten Filmfestivals.
Um ein international vollwertig genommenes Filmland zu sein, genügt es nicht, als Produktionspartner Gelder und Techniker zuzuliefern, man muss auch eine eigenständige Filmproduktion aufbauen.

Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Wir brauchen Co-Produktionen, weil sie eine gewisse Marktstabilität garantieren, müssen jedoch gleichzeitig versuchen, immer mehr Luxemburger Elemente mit einzubringen. Vor einem Jahr haben wir das 20. Jubiläum des Film Fund gefeiert. In dieser Zeit haben wir in der kleinen, europäischen Filmwelt den Standort Luxemburg auf die Landkarte gesetzt. Luxemburger Themen, Regisseure, Schauspieler und Techniker sollen definitiv ihren Platz haben, ich bin jedoch gegen eine „Kachkéis a Bouneschlupp“-Mentalität.

Ich stelle einen klaren filmischen Qualitätsanspruch an Produktionen: Es darf nicht sein, dass ein Film „gut“ ist, nur weil er luxemburgisch ist – auch wir müssen uns internationalen Qualitätsstandards stellen können. Dass sich in Luxemburg überhaupt filmische Qualität entwickeln konnte, hat auch maßgeblich mit internationalen Zusammenarbeiten zu tun. Hinzu könnte man weitere Beobachtungen fügen: Selbst die größten Box-Office-Erfolge von Luxemburger Filmen liegen deutlich unter 10 000 Zuschauer; das Genre des Dokumentarfilms scheint hierzulande auf großes Interesse zu stoßen … Auf diesen Betrachtungen müssen wir aufbauen, stets mit der Qualität als Messlatte.

Bei der Stuhlwahl ist für viele das Polster und das Muster ausschlaggebend, dabei sind, meiner Meinung nach die vier Beine ebenso, gar noch wichtiger. Für den „Roud-Wäiss-Blo“-Filmsessel würde ich mir wünschen, dass diese Standbeine Qualität – auf allen Ebenen –, Internationalität – durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit –, Vertrieb und Innovation – durch Regie- und Schauspielnachwuchs – sind.
Die Idee, hierzulande Studios zu bauen, spukt schon seit geraumer Zeit durch die Köpfe …

Es gibt ja bereits Studios, nur keine zentralen. Letzteres würde nur funktionieren, wenn alle Produzenten dies auch wollten. Es ist aber sicherlich nicht die Rolle des Staates, ein Studio zu bauen. Die Filmstudio-Idee entstand durch eine leerstehende, ehemalige Arbed-Halle in Düdelingen, in der die Produzentenvereinigung ULPA eine Möglichkeit sah, Studios einzurichten. Dies ginge jedoch nur als gemeinschaftliches Projekt der ULPA, der Stadt Düdelingen und des Staates. Wie es hier weitergeht, kann ich derzeit nicht abschätzen.

Das Interview wurde für die Online-Ausgabe gekürzt. Den ganzen Text finden Sie im Luxemburger Wort vom 10. Februar 2012.

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SOURCE: http://www.wort.lu

Interview zum Filmland Luxemburg
Kommunikations- und Medienminister François Biltgen über die Luxemburger Filme, die Frage des Inhalts und eine anstehende Reform
Interview: Vesna Andonovic

biltgen

Am Donnerstag wurde an der Spree die 62. Auflage der Internationalen Filmfestspiele von Berlin eröffnet. Auch wenn keine Produktion des Filmlandes Luxemburg in diesem Jahr im Wettbewerb oder der offiziellen Auswahl zu finden ist, trifft sich die großherzogliche Filmszene am kommenden Montag beim nunmehr traditionellen Empfang in der Luxemburger Botschaft.

Kommunikations- und Medienminister François Biltgen wird ebenfalls dort sein und verriet uns schon vorab, welche Hoffnungen, Erwartungen und Baustellen er noch im hiesigen Filmsektor sieht.

Welches war der letzte Luxemburger Film, den Sie sich angesehen haben?

„The Road Uphill“, die Dokumentation über die Schleck-Brüder. Als zuständiger Minister versuche ich immer mir die Filme, die im Rennen für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ sind, anzusehen. Da ich abends nicht gerne unterwegs bin, und somit selten ins Kino gehe, ist meine tägliche Crosstrainer-Sitzung der ideale Zeitpunkt hierfür.
Ein Filmfestival, wie das von Berlin oder Cannes, ist eine willkommene Plattform, um die nationale Produktion gebührend in Szene zu setzen. Oft werden solche Auftritte aber auch als kostspielig und unnütz kritisiert …

Der Film Fund verfügt über einen spezifischen Budgetposten für solche internationale Auftritte. Luxemburg geht zwar nicht überall hin, doch es gibt Filmfestivals, wie die Berlinale oder Cannes, wo denen es einfach wichtig ist, anwesend zu sein. Es geht letztlich nicht nur um die Filme, die dort gezeigt werden, sondern um die Gelegenheit für die Luxemburger Filmschaffenden, die unerlässlichen internationalen Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Deshalb sind solche Initiativen wie der Empfang der Luxemburger Botschafterin wesentlich und auch deshalb versuche ich, stets persönlich dort anwesend zu sein. In solchem Rahmen wird oftmals der Grundstein für zukünftige Zusammenarbeiten gesetzt. Zudem sind Berlin oder Cannes für mich als Minister hervorragende Gelegenheiten, um die versammelten Luxemburger Filmschaffenden zum Gedankenaustausch und zu einer Bestandsaufnahme zu treffen.

Es spielt also keine Rolle, ob Luxemburger Filme in der offiziellen Auswahl, gar im Wettbewerb eines Festivals laufen?

Nein, in dem Sinne nicht. Natürlich ist dies umso erfreulicher, es ist jedoch nicht ausschlaggebend. Ein Festival ist wichtig für das Networking des Filmschaffenden und wegen der parallel laufenden Märkte, um Filme in den Vertrieb zu bekommen. Zu den Missionen des Film Fund gehört bekanntlich ja auch die Förderung des Luxemburger Films, und dazu gehört eine Präsenz bei ausgewählten Filmfestivals.
Um ein international vollwertig genommenes Filmland zu sein, genügt es nicht, als Produktionspartner Gelder und Techniker zuzuliefern, man muss auch eine eigenständige Filmproduktion aufbauen.

Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Wir brauchen Co-Produktionen, weil sie eine gewisse Marktstabilität garantieren, müssen jedoch gleichzeitig versuchen, immer mehr Luxemburger Elemente mit einzubringen. Vor einem Jahr haben wir das 20. Jubiläum des Film Fund gefeiert. In dieser Zeit haben wir in der kleinen, europäischen Filmwelt den Standort Luxemburg auf die Landkarte gesetzt. Luxemburger Themen, Regisseure, Schauspieler und Techniker sollen definitiv ihren Platz haben, ich bin jedoch gegen eine „Kachkéis a Bouneschlupp“-Mentalität.

Ich stelle einen klaren filmischen Qualitätsanspruch an Produktionen: Es darf nicht sein, dass ein Film „gut“ ist, nur weil er luxemburgisch ist – auch wir müssen uns internationalen Qualitätsstandards stellen können. Dass sich in Luxemburg überhaupt filmische Qualität entwickeln konnte, hat auch maßgeblich mit internationalen Zusammenarbeiten zu tun. Hinzu könnte man weitere Beobachtungen fügen: Selbst die größten Box-Office-Erfolge von Luxemburger Filmen liegen deutlich unter 10 000 Zuschauer; das Genre des Dokumentarfilms scheint hierzulande auf großes Interesse zu stoßen … Auf diesen Betrachtungen müssen wir aufbauen, stets mit der Qualität als Messlatte.

Bei der Stuhlwahl ist für viele das Polster und das Muster ausschlaggebend, dabei sind, meiner Meinung nach die vier Beine ebenso, gar noch wichtiger. Für den „Roud-Wäiss-Blo“-Filmsessel würde ich mir wünschen, dass diese Standbeine Qualität – auf allen Ebenen –, Internationalität – durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit –, Vertrieb und Innovation – durch Regie- und Schauspielnachwuchs – sind.
Die Idee, hierzulande Studios zu bauen, spukt schon seit geraumer Zeit durch die Köpfe …

Es gibt ja bereits Studios, nur keine zentralen. Letzteres würde nur funktionieren, wenn alle Produzenten dies auch wollten. Es ist aber sicherlich nicht die Rolle des Staates, ein Studio zu bauen. Die Filmstudio-Idee entstand durch eine leerstehende, ehemalige Arbed-Halle in Düdelingen, in der die Produzentenvereinigung ULPA eine Möglichkeit sah, Studios einzurichten. Dies ginge jedoch nur als gemeinschaftliches Projekt der ULPA, der Stadt Düdelingen und des Staates. Wie es hier weitergeht, kann ich derzeit nicht abschätzen.

Das Interview wurde für die Online-Ausgabe gekürzt. Den ganzen Text finden Sie im Luxemburger Wort vom 10. Februar 2012.

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