Feb 03 2009

Filme statt Stahl

Published by at 10:01 under Industry,Screening Room

source: www.wort.lu – Susanne Wahl

An die 450 Filminteressierte sind vergangenen Freitag auf das ehemalige Hochofengelände in Esch gepilgert, um sich zwei neue luxemburgische Produktionen anzusehen. Lucil Film und Paul Thiltges Distributions (PTD) präsentierten ihre Kurzfilme „Dawning“ von Ben Andrews und „X on a Map“ von Jeff Desom. Beide Filme sind vom luxemburgischen Filmfonds hoch gefördert.

Der große Saal des Cine Belval war so gut gefüllt, dass es dem ansonsten wortgewandten Nachwuchsregisseur Ben Andrews die Sprache verschlug, als er sich auf der Bühne umdrehte, um das Publikum zu begrüßen. Der 32-jährige Wahlluxemburger hat in Sydney Film studiert, „Dawning“ ist sein erster Film. Durch die üblichen Zufälle des Lebens ist der Kontakt zu dem Produzenten David Grumbach von PTD entstanden, dem das Skript gefiel.

Jules Werner und Tom Leick verkörpern zwei befreundete Nachtschwärmer. Dem einen dämmert langsam, was in der vergangenen Nacht vorgefallen ist, der andere versucht, es vor ihm zu verheimlichen. Der kurze Film über einen Filmriss ist eine runde Sache ohne großen Tiefgang, die von einem dokumentarischen Blick auf die Partywelt lebt. Die Kamera hält ganz nah auf die Gesichter, Rückblenden und Musik erzeugen eine geschäftige Hektik. Der Regisseur hat einen Film in Luxemburg gedreht, der keinerlei optischen Wiedererkennungswert hat. Würde man im Abspann nicht Cents und CHL lesen, man würde nicht ahnen, dass der Film hier entstand.

Eine Vorliebe für ungewöhnliche Musik

Ähnlich losgelöst von Ort, und allerdings auch von Zeit, erscheint „X on a Map“ von Jeff Desom, dem letzten Preisträger des Luxemburgischen Filmpreises. Der 25-Jährige kreiert, wie bereits in „Plot Spoiler“, sein eigenes Universum. Farbe und auch häufig Schärfe haben darin nichts verloren. Trotzdem ist sein Blick äußerst genau, den er auf seine Darsteller und auf industrielle Lebensbedingungen wirft.

Vicky Krieps ist in ihrer ersten Rolle in Luxemburg zu sehen, und man weiß, weshalb sie vom Schauspielhaus Zürich für die laufende Spielzeit engagiert wurde: Die 25-jährige Luxemburgerin hat Talent. Das „X“ auf der Landkarte meint einerseits den Fluchtpunkt auf der Weltkarte, wo eine der Hauptfiguren hin möchte, und ist andererseits ein Wortspiel. „Eggs“ („X“), das Ei des Kolumbus, werden in einem Film über die Entdeckung Amerikas auf eine Landkarte gehauen. Gedreht wurden diese Szenen übrigens im Stadtpark von Luxemburg. Die dreizehn Minuten Film nach einer Vorlage von Arthur Schnitzler sind vertrackt und verschachtelt. Um den Film zu verstehen, braucht man eigentlich eine Gebrauchsanweisung, aber er besticht durch seine versponnene, konsequente Eigenartigkeit. André Mergenthalers Musik passt dazu wunderbar.

Jeff Desoms Vorliebe für ungewöhnliche Musik zeigt sich auch in dem Musikclip für den Experimentalmusiker Hauschka, der zusätzlich gezeigt wurde. Die erste Aufführung haben die beiden kurzen Filme erfolgreich überstanden. Aber was kommt danach? Die Produzenten Bernard Michaux und David Grumbach verschicken fleißig DVDs an die großen und kleinen Festivals. Die Erfolgsrate, dort angenommen zu werden, liege im Allgemeinen bei 1:10, meint Bernard Michaux.

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source: www.wort.lu – Susanne Wahl

An die 450 Filminteressierte sind vergangenen Freitag auf das ehemalige Hochofengelände in Esch gepilgert, um sich zwei neue luxemburgische Produktionen anzusehen. Lucil Film und Paul Thiltges Distributions (PTD) präsentierten ihre Kurzfilme „Dawning“ von Ben Andrews und „X on a Map“ von Jeff Desom. Beide Filme sind vom luxemburgischen Filmfonds hoch gefördert.

Der große Saal des Cine Belval war so gut gefüllt, dass es dem ansonsten wortgewandten Nachwuchsregisseur Ben Andrews die Sprache verschlug, als er sich auf der Bühne umdrehte, um das Publikum zu begrüßen. Der 32-jährige Wahlluxemburger hat in Sydney Film studiert, „Dawning“ ist sein erster Film. Durch die üblichen Zufälle des Lebens ist der Kontakt zu dem Produzenten David Grumbach von PTD entstanden, dem das Skript gefiel.

Jules Werner und Tom Leick verkörpern zwei befreundete Nachtschwärmer. Dem einen dämmert langsam, was in der vergangenen Nacht vorgefallen ist, der andere versucht, es vor ihm zu verheimlichen. Der kurze Film über einen Filmriss ist eine runde Sache ohne großen Tiefgang, die von einem dokumentarischen Blick auf die Partywelt lebt. Die Kamera hält ganz nah auf die Gesichter, Rückblenden und Musik erzeugen eine geschäftige Hektik. Der Regisseur hat einen Film in Luxemburg gedreht, der keinerlei optischen Wiedererkennungswert hat. Würde man im Abspann nicht Cents und CHL lesen, man würde nicht ahnen, dass der Film hier entstand.

Eine Vorliebe für ungewöhnliche Musik

Ähnlich losgelöst von Ort, und allerdings auch von Zeit, erscheint „X on a Map“ von Jeff Desom, dem letzten Preisträger des Luxemburgischen Filmpreises. Der 25-Jährige kreiert, wie bereits in „Plot Spoiler“, sein eigenes Universum. Farbe und auch häufig Schärfe haben darin nichts verloren. Trotzdem ist sein Blick äußerst genau, den er auf seine Darsteller und auf industrielle Lebensbedingungen wirft.

Vicky Krieps ist in ihrer ersten Rolle in Luxemburg zu sehen, und man weiß, weshalb sie vom Schauspielhaus Zürich für die laufende Spielzeit engagiert wurde: Die 25-jährige Luxemburgerin hat Talent. Das „X“ auf der Landkarte meint einerseits den Fluchtpunkt auf der Weltkarte, wo eine der Hauptfiguren hin möchte, und ist andererseits ein Wortspiel. „Eggs“ („X“), das Ei des Kolumbus, werden in einem Film über die Entdeckung Amerikas auf eine Landkarte gehauen. Gedreht wurden diese Szenen übrigens im Stadtpark von Luxemburg. Die dreizehn Minuten Film nach einer Vorlage von Arthur Schnitzler sind vertrackt und verschachtelt. Um den Film zu verstehen, braucht man eigentlich eine Gebrauchsanweisung, aber er besticht durch seine versponnene, konsequente Eigenartigkeit. André Mergenthalers Musik passt dazu wunderbar.

Jeff Desoms Vorliebe für ungewöhnliche Musik zeigt sich auch in dem Musikclip für den Experimentalmusiker Hauschka, der zusätzlich gezeigt wurde. Die erste Aufführung haben die beiden kurzen Filme erfolgreich überstanden. Aber was kommt danach? Die Produzenten Bernard Michaux und David Grumbach verschicken fleißig DVDs an die großen und kleinen Festivals. Die Erfolgsrate, dort angenommen zu werden, liege im Allgemeinen bei 1:10, meint Bernard Michaux.

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One Response to “Filme statt Stahl”

  1. Barnig Marcon 04 Feb 2009 at 09:45

    Mai Respekt namol un die ganz Equipe!

    Jeff, du hues dain eegenen Style deens de och hei an dengem 2te Film perfekt eriwerbrengs. War wirklech nees pafff…

    Fuer su weider

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