Feb 08 2009

Im Kino zu Hause

Published by at 02:01 under Industry,Screening Room

source: www.revue.lu 

Nach einem Fehlstart und einer hindernisreichen Warmlaufrunde kommt das CineBelval allmählich in Schwung. Grund genug für Betreiber Raymond Massard, eine erste positive Bilanz zu ziehen.

Es geht Raymond Massard wieder gut. Immer besser sogar. Der Schock der verpatzten Eröffnung ist verdaut. Die vorangegangenen anstrengenden Monate des Schleifens sind vergessen. Zwar strahlt das CineBelval immer noch nicht im perfekten Glanz, aber die wichtigsten Arbeiten sind abgeschlossen. Der Rest – die Dekoration des Foyers, die Fertigstellung des Eingangsbereichs – sind Kinkerlitzchen im Vergleich zu den Problemen, die während der Bauarbeiten zu bewältigen waren. 


«Schwamm driwwer!», so der Betreiber des Multiplex. Über die Gründe, warum das neue Lichtspielhaus nicht wie geplant eingeweiht werden konnte, will er nicht debattieren, sondern bemerkt lediglich, dass ein Fehler, der binnen fünf Stunden am Schreibtisch behoben wird, kein schwer wiegender war. Und damit Punktum! Weniger zögerlich rückt Raymond Massard mit ersten Zahlen heraus. Bislang wurden 3.000 CineCards verkauft. Mit dieser Kundenkarte, die für sämtliche Kinos der Caramba-Gruppe gültig und für 60 (zehn Vorstellungen) oder 35 (fünf Vorstellungen) Euro erhältlich ist, hamstert der Kinogänger «Sternchen». Für zehn gibt es ein Gratis-Ticket. Zudem locken zahlreiche Überraschungsgeschenke, und wer bis Mitte Dezember die meisten Sterne gesammelt hat, darf nach Los Angeles reisen. Ein sehr attraktiver Köder, doch auch sonst ist die Philosophie des CineBelval darauf ausgerichtet, Stammkunden zu gewinnen. 

Besonders stolz ist Raymond Massard auf das Foyer. «Hei sëtzen ëmmer Leit, déi entweder matenee schnëssen, am Programmheft bliederen oder a Rou eng Cola drénken.» Im CineBelval soll man sich wie zu Hause fühlen. Das Filmangebot ist allerdings bewusst auf Blockbuster, Familienunterhaltung und das französischsprachige Publikum ausgerichtet. Im Süden des Landes und im nahen Grenzgebiet leben immerhin mehrere zehntausend Menschen, die bis jetzt keine anspruchsvolle Alternative zum Utopolis auf Kirchberg hatten. Ein Teil dieser potenziellen Kinogänger wird nun wahrscheinlich den kürzeren und bequemeren Weg wählen. Außerdem rechnet Raymond Massard mit «neuen» treuen Kunden. Mit Leuten, die in Zukunft öfter aus den Pantoffeln schlüpfen, um statt vor der Glotze vor einer 220 Quadratmeter großen Leinwand zu sitzen und hautnah mitzuerleben, wie sich Nicole 
Kidman in «Australia» in Hugh Jackman verknallt. 
Für frisch Verliebte gibt es im CineBelval übrigens die Loveseats mit mehr Platz zum Kuscheln. Langbeinige haben größere Beinfreiheit als in anderen Kinosälen. Tickets können – neuerdings ohne Mehrkosten – bequem über Internet gebucht werden. Weitere Vorteile sind der einstweilen noch kostenlose unterirdische Parkplatz des Einkaufszentrums BelvalPlaza I, von dem man per Aufzug direkt ins Multiplex 
gelangt, und das Timing der Filmvorführungen. Egal, zu welcher Zeit man im CineBelval eintrifft, man braucht nie länger als eine halbe Stunde auf den Beginn der nächsten Vorstellung zu warten. 
Diese Art gleitende Betriebszeit hat darüber hinaus den Vorteil, dass sich an den Kassen, an denen auch Popcorn, Nachos und Getränke verkauft werden, keine Schlangen bilden. Dennoch war der Publikumsstrom in den beiden ersten Januarwochen eher schwach. «Wann am Februar deen éischte Restaurant owes seng Kichen bis no zing Auer ophuet, wäert dat sech änneren», behauptet der Kinobetreiber optimistisch. Mit den momentanen Besucherzahlen, die täglich steigen, ist er mehr als zufrieden. Bis Ende des Jahres sollen es 400.000 bis 450.000 sein. «Dat ass duerch-
aus realistesch.» Auf die Frage, ob er hin und wieder nicht wüsste, wo ihm der Kopf steht, lacht Raymond Massard. Erstens hat er ein dickes Fell, zweitens kann er sich auf sein Team verlassen und drittens steht ihm mit Ehefrau Carine ein «wandelndes Filmlexikon» zur Seite. 
Während er sich nahezu rund um die Uhr um die tausend ungeklärten Details kümmert, die entweder die Technik, das Personal oder den Tagesablauf des Multiplex betreffen, betreut Carine Massard die Internetseite und das monatlich erscheinende «Caramba-movie news»-Heft, informiert sich über die Filme, die in den nächsten Wochen und Monaten Premiere in den USA feiern, stellt mit ihrem Mann und einem weiteren Mitarbeiter das Programm zusammen. Im Grunde genommen ist Raymond Massard ein wahrer Glückspilz. Erst wurde er in die Kinowelt hineingeboren – seine Familie ist seit 1908 im Geschäft –, dann konnte er es sich leisten, sein Hobby zum Beruf zu machen, und nun ist auch noch einer seiner schönsten Träume in Erfüllung gegangen. Von seinen beiden Töchtern, die ebenfalls sehr engagiert sind, verlangt er trotzdem, dass sie zunächst einen «anständigen» Job erlernen. 

Trotz aller Heiterkeit und Zuversicht gibt es einzelne Schwachpunkte. Die «Buddies’ Night», das Gegenstück zur beliebten «Ladies’ Night», muss bekannter werden. Davon, dass es im größten der insgesamt sieben Säle etwas zu kühl ist, wenn von den 540 Sitzen nur ein Viertel besetzt ist, weiß Raymond Massard nichts. Den Hinweis, dass Schwarzfahrer es aufgrund der sprichwörtlichen Offenheit leicht haben, sich unbemerkt in eine Vorstellung hineinzuschmuggeln, weist er grinsend zurück. Da jeder Kinosessel mit einem Sensor ausgestattet ist, wird genau erkennbar, wie viele Zuschauer im Saal Platz genommen haben. Grünes Licht bedeutet: bezahlt. Rotes Licht verrät Schwindler. Apropos rot. Auch wenn die unterschiedliche Beleuchtung und Farbe der Säle harmonisch aufeinander abgestimmt sind, beeindruckend bleibt der rote Vorhang in Saal 1, der an das goldene Zeitalter der siebten Kunst erinnert und die Wärme betont, die das CineBelval wirkungsvoll auszustrahlen versucht.

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Nach einem Fehlstart und einer hindernisreichen Warmlaufrunde kommt das CineBelval allmählich in Schwung. Grund genug für Betreiber Raymond Massard, eine erste positive Bilanz zu ziehen.

Es geht Raymond Massard wieder gut. Immer besser sogar. Der Schock der verpatzten Eröffnung ist verdaut. Die vorangegangenen anstrengenden Monate des Schleifens sind vergessen. Zwar strahlt das CineBelval immer noch nicht im perfekten Glanz, aber die wichtigsten Arbeiten sind abgeschlossen. Der Rest – die Dekoration des Foyers, die Fertigstellung des Eingangsbereichs – sind Kinkerlitzchen im Vergleich zu den Problemen, die während der Bauarbeiten zu bewältigen waren. 


«Schwamm driwwer!», so der Betreiber des Multiplex. Über die Gründe, warum das neue Lichtspielhaus nicht wie geplant eingeweiht werden konnte, will er nicht debattieren, sondern bemerkt lediglich, dass ein Fehler, der binnen fünf Stunden am Schreibtisch behoben wird, kein schwer wiegender war. Und damit Punktum! Weniger zögerlich rückt Raymond Massard mit ersten Zahlen heraus. Bislang wurden 3.000 CineCards verkauft. Mit dieser Kundenkarte, die für sämtliche Kinos der Caramba-Gruppe gültig und für 60 (zehn Vorstellungen) oder 35 (fünf Vorstellungen) Euro erhältlich ist, hamstert der Kinogänger «Sternchen». Für zehn gibt es ein Gratis-Ticket. Zudem locken zahlreiche Überraschungsgeschenke, und wer bis Mitte Dezember die meisten Sterne gesammelt hat, darf nach Los Angeles reisen. Ein sehr attraktiver Köder, doch auch sonst ist die Philosophie des CineBelval darauf ausgerichtet, Stammkunden zu gewinnen. 

Besonders stolz ist Raymond Massard auf das Foyer. «Hei sëtzen ëmmer Leit, déi entweder matenee schnëssen, am Programmheft bliederen oder a Rou eng Cola drénken.» Im CineBelval soll man sich wie zu Hause fühlen. Das Filmangebot ist allerdings bewusst auf Blockbuster, Familienunterhaltung und das französischsprachige Publikum ausgerichtet. Im Süden des Landes und im nahen Grenzgebiet leben immerhin mehrere zehntausend Menschen, die bis jetzt keine anspruchsvolle Alternative zum Utopolis auf Kirchberg hatten. Ein Teil dieser potenziellen Kinogänger wird nun wahrscheinlich den kürzeren und bequemeren Weg wählen. Außerdem rechnet Raymond Massard mit «neuen» treuen Kunden. Mit Leuten, die in Zukunft öfter aus den Pantoffeln schlüpfen, um statt vor der Glotze vor einer 220 Quadratmeter großen Leinwand zu sitzen und hautnah mitzuerleben, wie sich Nicole 
Kidman in «Australia» in Hugh Jackman verknallt. 
Für frisch Verliebte gibt es im CineBelval übrigens die Loveseats mit mehr Platz zum Kuscheln. Langbeinige haben größere Beinfreiheit als in anderen Kinosälen. Tickets können – neuerdings ohne Mehrkosten – bequem über Internet gebucht werden. Weitere Vorteile sind der einstweilen noch kostenlose unterirdische Parkplatz des Einkaufszentrums BelvalPlaza I, von dem man per Aufzug direkt ins Multiplex 
gelangt, und das Timing der Filmvorführungen. Egal, zu welcher Zeit man im CineBelval eintrifft, man braucht nie länger als eine halbe Stunde auf den Beginn der nächsten Vorstellung zu warten. 
Diese Art gleitende Betriebszeit hat darüber hinaus den Vorteil, dass sich an den Kassen, an denen auch Popcorn, Nachos und Getränke verkauft werden, keine Schlangen bilden. Dennoch war der Publikumsstrom in den beiden ersten Januarwochen eher schwach. «Wann am Februar deen éischte Restaurant owes seng Kichen bis no zing Auer ophuet, wäert dat sech änneren», behauptet der Kinobetreiber optimistisch. Mit den momentanen Besucherzahlen, die täglich steigen, ist er mehr als zufrieden. Bis Ende des Jahres sollen es 400.000 bis 450.000 sein. «Dat ass duerch-
aus realistesch.» Auf die Frage, ob er hin und wieder nicht wüsste, wo ihm der Kopf steht, lacht Raymond Massard. Erstens hat er ein dickes Fell, zweitens kann er sich auf sein Team verlassen und drittens steht ihm mit Ehefrau Carine ein «wandelndes Filmlexikon» zur Seite. 
Während er sich nahezu rund um die Uhr um die tausend ungeklärten Details kümmert, die entweder die Technik, das Personal oder den Tagesablauf des Multiplex betreffen, betreut Carine Massard die Internetseite und das monatlich erscheinende «Caramba-movie news»-Heft, informiert sich über die Filme, die in den nächsten Wochen und Monaten Premiere in den USA feiern, stellt mit ihrem Mann und einem weiteren Mitarbeiter das Programm zusammen. Im Grunde genommen ist Raymond Massard ein wahrer Glückspilz. Erst wurde er in die Kinowelt hineingeboren – seine Familie ist seit 1908 im Geschäft –, dann konnte er es sich leisten, sein Hobby zum Beruf zu machen, und nun ist auch noch einer seiner schönsten Träume in Erfüllung gegangen. Von seinen beiden Töchtern, die ebenfalls sehr engagiert sind, verlangt er trotzdem, dass sie zunächst einen «anständigen» Job erlernen. 

Trotz aller Heiterkeit und Zuversicht gibt es einzelne Schwachpunkte. Die «Buddies’ Night», das Gegenstück zur beliebten «Ladies’ Night», muss bekannter werden. Davon, dass es im größten der insgesamt sieben Säle etwas zu kühl ist, wenn von den 540 Sitzen nur ein Viertel besetzt ist, weiß Raymond Massard nichts. Den Hinweis, dass Schwarzfahrer es aufgrund der sprichwörtlichen Offenheit leicht haben, sich unbemerkt in eine Vorstellung hineinzuschmuggeln, weist er grinsend zurück. Da jeder Kinosessel mit einem Sensor ausgestattet ist, wird genau erkennbar, wie viele Zuschauer im Saal Platz genommen haben. Grünes Licht bedeutet: bezahlt. Rotes Licht verrät Schwindler. Apropos rot. Auch wenn die unterschiedliche Beleuchtung und Farbe der Säle harmonisch aufeinander abgestimmt sind, beeindruckend bleibt der rote Vorhang in Saal 1, der an das goldene Zeitalter der siebten Kunst erinnert und die Wärme betont, die das CineBelval wirkungsvoll auszustrahlen versucht.

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