Feb 18 2011

Millionenhilfe für den Film

Published by at 00:06 under Deutsch,Industry

SOURCE: Südwest Presse

Berlin. Der deutsche Film ist erfolgreich. 189 deutsche Premieren gab es im schwachen Kinojahr 2010. Grund dafür ist auch eine millionenschwere Filmförderung. Gelder gibt es auch für ausländische Produktionen.

Das Strandhaus, die Autos, die Fähre, der Hafen – alles sieht nach USA aus. Doch der Polanski-Film “Der Ghostwriter” wurde unter anderem auf Usedom und Sylt gedreht. Die Insel Martha”s Vineyard aus der literarischen Vorlage gilt als sehr exklusiv, die Dreharbeiten vor der Küste Amerikas wären entsprechend teuer geworden.

Dass man nach Deutschland auswich, hatte aber noch einen anderen Grund: deutsche Filmförderung. Der Gewinner des Silbernen Bären der Berlinale 2010 wurde mit deutschem Geld unterstütz und vom Potsdamer Studio Babelsberg gedreht. Manche Produktionen ziehen sogar von einem Fördertopf zum nächsten – ein absurder Wanderzirkus entsteht damit.

Hierzulande wird viel Geld für die Unterstützung von Filmen, Filmwirtschaft, Kultur und Standorten ausgegeben. Im vergangenen Jahr waren es 317 Mio. EUR. Für Kulturstaatsminister Bernd Neumann sind die in der Gesamtförderung enthaltenen 60 Mio. EUR des Deutschen Filmförderfonds etwa gut angelegtes Geld. “Wir werden im Ausland darum beneidet. Es wäre unklug, dies abzubrechen. Und deswegen werde ich darum kämpfen, dass wir ihn trotz der Haushaltskonsolidierung um weitere drei Jahre verlängern.” Der Fonds habe seit 2007 einen “großen Schub” gebracht und filmpolitisch viel bewirkt.

Zu den geförderten Produktionen zählten in Deutschland gedrehte Filme wie “Der Vorleser” und “Inglourious Basterds”, kleinere Projekte und Dokumentationen. Die US-Großproduktion “Inglourious Basterds” kostete die deutschen Steuerzahler 2009 knapp 7 Mio. EUR, ein Zehntel der gesamten Produktionskosten von 70 Mio. EUR. Geld, das trotz des großen kommerziellen Erfolgs nicht zurückgezahlt werden musste.

In den USA dagegen ist Filmförderung unbekannt. Hinter Produktionen steht dort eine ganz andere Finanzmacht, der Markt ist größer, die Filme werden weltweit verkauft und der Werbeetat opulenter. Deutsche Werke sollen aber gegenüber den übermächtigen amerikanischen Produktionen auf der Leinwand und im Fernsehen eine Chance haben. “99 Prozent aller erfolgreichen Filme in Deutschland wurden unterstützt”, weiß Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein.

Eine ungeförderte preiswerte Produktion wie “Muxmäuschenstill” aus dem Jahr 2004 ist die absolute Ausnahme. Die Bundesländer geben jährlich 243 Mio. EUR aus, um Studios auszulasten und Städte und Orte bekannt zu machen, die öffentlich-rechtlichen Landessender sind mit dabei. So wurde der fast fertige “A Dangerous Method” von David Cronenberg über Siegmund Freud und Carl Gustav Jung unter anderem auf dem Bodensee gedreht. Die Filmförderung Baden-Württemberg hat in den 15 Jahren ihres Bestehens 700 Produktionen unterstützt, Drehbücher und die Kinoszene des Landes gefördert.

Aber auch die EU hilft, etwa durch das Media-Programm und den neuen Fonds “Media Mundus” mit insgesamt 15 Mio. EUR für einen Austausch unter europäischen Filmemachern. Produzent Michael Eckelt von der Riva Filmproduktion sieht kein Problem an Fördermittel zu kommen: “In Belgien und Luxemburg wird einem das Geld fast hinterher geworfen.” Die Situation des Fernsehens sei dagegen “eine Katastrophe”. Es werde immer weniger Geld von den Sendern ausgegeben.

Michael Würfel von der AG Dok sieht dagegen vor allem Großproduktionen unterstützt und vermisst Mittel für anspruchsvolle Dokumentarfilme. Sein Werk “Leben unter Palmen. Das Ökodorf Sieben Linden” fand kein Interesse, unter anderem, weil er es fertig angeboten hatte. TV-Kanäle hätten aber feste inhaltliche und zeitliche Vorstellungen für bestimmte Sendeplätze. Ohne ein Interesse des Fernsehens gebe es aber keine Gelder. “Ein Rainer Werner Faßbinder hätte heute keine Chance mehr”, glaubt Würfel.

Problematisch finden Experten auch unterfinanzierte Filme: Ein bisschen Geld vom Fernsehen, der Filmförderung, vom Verleih – von allem zu wenig, aber zu viel für nichts.

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SOURCE: Südwest Presse

Berlin. Der deutsche Film ist erfolgreich. 189 deutsche Premieren gab es im schwachen Kinojahr 2010. Grund dafür ist auch eine millionenschwere Filmförderung. Gelder gibt es auch für ausländische Produktionen.

Das Strandhaus, die Autos, die Fähre, der Hafen – alles sieht nach USA aus. Doch der Polanski-Film “Der Ghostwriter” wurde unter anderem auf Usedom und Sylt gedreht. Die Insel Martha”s Vineyard aus der literarischen Vorlage gilt als sehr exklusiv, die Dreharbeiten vor der Küste Amerikas wären entsprechend teuer geworden.

Dass man nach Deutschland auswich, hatte aber noch einen anderen Grund: deutsche Filmförderung. Der Gewinner des Silbernen Bären der Berlinale 2010 wurde mit deutschem Geld unterstütz und vom Potsdamer Studio Babelsberg gedreht. Manche Produktionen ziehen sogar von einem Fördertopf zum nächsten – ein absurder Wanderzirkus entsteht damit.

Hierzulande wird viel Geld für die Unterstützung von Filmen, Filmwirtschaft, Kultur und Standorten ausgegeben. Im vergangenen Jahr waren es 317 Mio. EUR. Für Kulturstaatsminister Bernd Neumann sind die in der Gesamtförderung enthaltenen 60 Mio. EUR des Deutschen Filmförderfonds etwa gut angelegtes Geld. “Wir werden im Ausland darum beneidet. Es wäre unklug, dies abzubrechen. Und deswegen werde ich darum kämpfen, dass wir ihn trotz der Haushaltskonsolidierung um weitere drei Jahre verlängern.” Der Fonds habe seit 2007 einen “großen Schub” gebracht und filmpolitisch viel bewirkt.

Zu den geförderten Produktionen zählten in Deutschland gedrehte Filme wie “Der Vorleser” und “Inglourious Basterds”, kleinere Projekte und Dokumentationen. Die US-Großproduktion “Inglourious Basterds” kostete die deutschen Steuerzahler 2009 knapp 7 Mio. EUR, ein Zehntel der gesamten Produktionskosten von 70 Mio. EUR. Geld, das trotz des großen kommerziellen Erfolgs nicht zurückgezahlt werden musste.

In den USA dagegen ist Filmförderung unbekannt. Hinter Produktionen steht dort eine ganz andere Finanzmacht, der Markt ist größer, die Filme werden weltweit verkauft und der Werbeetat opulenter. Deutsche Werke sollen aber gegenüber den übermächtigen amerikanischen Produktionen auf der Leinwand und im Fernsehen eine Chance haben. “99 Prozent aller erfolgreichen Filme in Deutschland wurden unterstützt”, weiß Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein.

Eine ungeförderte preiswerte Produktion wie “Muxmäuschenstill” aus dem Jahr 2004 ist die absolute Ausnahme. Die Bundesländer geben jährlich 243 Mio. EUR aus, um Studios auszulasten und Städte und Orte bekannt zu machen, die öffentlich-rechtlichen Landessender sind mit dabei. So wurde der fast fertige “A Dangerous Method” von David Cronenberg über Siegmund Freud und Carl Gustav Jung unter anderem auf dem Bodensee gedreht. Die Filmförderung Baden-Württemberg hat in den 15 Jahren ihres Bestehens 700 Produktionen unterstützt, Drehbücher und die Kinoszene des Landes gefördert.

Aber auch die EU hilft, etwa durch das Media-Programm und den neuen Fonds “Media Mundus” mit insgesamt 15 Mio. EUR für einen Austausch unter europäischen Filmemachern. Produzent Michael Eckelt von der Riva Filmproduktion sieht kein Problem an Fördermittel zu kommen: “In Belgien und Luxemburg wird einem das Geld fast hinterher geworfen.” Die Situation des Fernsehens sei dagegen “eine Katastrophe”. Es werde immer weniger Geld von den Sendern ausgegeben.

Michael Würfel von der AG Dok sieht dagegen vor allem Großproduktionen unterstützt und vermisst Mittel für anspruchsvolle Dokumentarfilme. Sein Werk “Leben unter Palmen. Das Ökodorf Sieben Linden” fand kein Interesse, unter anderem, weil er es fertig angeboten hatte. TV-Kanäle hätten aber feste inhaltliche und zeitliche Vorstellungen für bestimmte Sendeplätze. Ohne ein Interesse des Fernsehens gebe es aber keine Gelder. “Ein Rainer Werner Faßbinder hätte heute keine Chance mehr”, glaubt Würfel.

Problematisch finden Experten auch unterfinanzierte Filme: Ein bisschen Geld vom Fernsehen, der Filmförderung, vom Verleih – von allem zu wenig, aber zu viel für nichts.

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