Jan 09 2014

Räuber, Clowns und Buffalo Bill

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SOURCE: http://www.wort.lu

Über 20 in Luxemburg entstandene Produktionen werden 2014 im Kino zu sehen sein.

Gespannt sein darf man unter anderem auf Frank Hoffmanns und Pol Cruchtens freie Adaption von Schillers „Die Räuber“, ein Projekt, an dem die Produktionsgesellschaft Red Lion bereits seit ein paar Jahren arbeitet. Die Handlung des klassischen Stückes wurde in die Luxemburger Finanzwelt der Jetztzeit verlegt. Die Autoren kündigen ein Familiendrama mit Film-noir-Touch an. Mit Maximilian Schell, Tchéky Karyo, Isild Le Besco, Eric Caravaca u. a. ist die internationale Koproduktion hochkarätig besetzt.

2014 soll auch Pol Cruchtens viel gepriesener und ergreifender „Never Die Young“, eine Mischung aus Dokumentarfilm und Filmessay, endlich in die Kinos kommen. Die Premiere hatte bereits im März 2013 im Rahmen des „Discovery Zone“-Filmfestivals stattgefunden.


“Ouni d’Hänn” (Regie: Donato Rotunno) ist die Verfilmung des Romans “Amok” von Tullio Forgiarini.
Foto: Ricardo Vaz Palma / Iris Productions)

Wie Cruchten ist auch Donato Rotunno ein Regisseur mit langjähriger Erfahrung, auch wenn er sich in den letzten Jahren vor allem auf das Produktionsgeschäft konzentriert hat. Nicht für die eigene Firma, Tarantula Luxembourg, sondern für Iris Produc᠆tions hat er nun wieder einen Spielfilm gedreht. „Ouni d’Hänn“ ist die Verfilmung von Tullio Forgiarinis Roman „Amok – Eng Lëtzebuerger Liebeschronik“, der inhaltlich wie sprachlich schonungslosen Beschreibung sozialer Verwahrlosung und der Entstehung von Gewalt unter (in diesem Fall sehr jungen) Jugendlichen.

Wie Frust und Gewalt unter dem Deckmäntelchen luxemburgischer Wohlanständigkeit brodeln, ist auch das Thema der Coming-of-Age-Geschichte „Mammejong“, dem Spielfilmdebüt von Jacques Molitor, das Lucil Films produzierte.

Bady Minck gilt als Perfektionistin, die sich gerne Zeit lässt. Da sie in den letzten Jahren vor allem als Produzentin aktiv war (unter anderem von „Hannah Arendt“), hat es denn auch einige Jahre gedauert, „Mappa Mundi“ fertigzustellen. Es geht „um das Bild der Welt, das wir Menschen seit Jahrtausenden stets aufs Neue entwerfen“, wie es in einer Projektpräsentation heißt, dies am Beispiel von „mehr als hundert Weltkarten aus 15 000 Jahren“.


“Les brigands“ von Frank Hoffmann und Pol Cruchten wurde von Schillers “Die Räuber“ inspiriert.
Foto: François Fabert / Red Lion

Bady Mincks Produktionsfirma Amour fou wird 2014 auch einen Film herausbringen, der exakt so wie die luxemburgisch-österreichische Doppelgesellschaft heißt. „Amour fou“ dreht sich um den Selbstmord des deutschen Dichters Heinrich von Kleist und wird von Jessica Hausner („Lourdes“) inszeniert. Kein klassisches Erzählkino sollte man sich auch von „Fieber“ erwarten, bei dem die bekannte deutsche Filmemacherin und Kamerafrau Elfi Mikesch Regie geführt hat.

Dramen und Komödien

Juliette Films, die Gesellschaft von Paul Thiltges und David Grumbach, kündigt drei Spielfilme für 2014 an: Die beiden Dramen „Post Partum“ von Delphine Noels und „Puppy Love“ von Delphine Lehericey sind das Debütwerk junger Regisseurinnen, genauso wie die romantische Komödie „Standby“ der Brüder Ronan und Rob Burke, einer luxemburgisch-irischen Koproduktion.

Mit Tschechien koproduziert hat Tarantula den Film „Clownwise“ von Viktor Taus, die Geschichte eines einst erfolgreichen, dann aber im Streit auseinandergegangenen Clown-Trios, das sich zu einem Comeback zusammenraufen soll.


Max Thommes und Maja Juric in “Mammejong” von Jacques Molitor.
Foto: Fabrizo Maltese / Lucil Film

Von Tarantula stammt zudem das Kriegsdrama „Secrets of War“ von Dennis Bots, das vom Kriegsjahr 1943 in einem limburgischen Dorf aus der Sicht von Kindern erzählt.

Auch Red Lion wird 2014 mehrere Koproduktionen in die Kinos bringen: „Love Eternal“ von Brendan Muldowney, die Geschichte eines jungen Mannes mit morbiden Neigungen; „Le goût des myrtilles“ von Thomas de Thier, der poetischen Beschreibung eines Tages im Leben eines alten Ehepaares (Michel Piccoli und Natacha Parry) und „Die Erfindung der Liebe“, den die Regisseurin Lola Randl nach dem Tod der Hauptdarstellerin völlig umgearbeitet hat, ohne die Brüche zu verbergen. Formal radikal ist auch „L’étrange couleur des larmes de ton corps“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani, der die Suche eines Mannes nach seiner ver-schwundenen Frau in einem merkwürdigen Miethaus schildert.

Um die Rückkehr eines Toten, allerdings ohne das gruselige Beiwerk des Horrorkinos, geht es in Vincent Lannoos „Les âmes de papier“, den Samsa Film koproduziert hat.

Autorenkino und Mainstream-Entertainment

Halb autobiografische Züge hat „Abus de faiblesse“ der französischen Regisseurin Catherine Breillat („Romance“), die Geschichte einer behinderten Frau, die einem charmanten Betrüger verfällt. Nicolas Steils Iris-Gruppe hat ihn mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle produziert. Steht Breillat für Autorenfilm made in Frankreich, setzt Iris mit Catherine Castels romantischer Komödie „Belle comme la femme d’une autre“ eher auf Mainstream-Unterhaltung französischer Prägung. Mit dabei sind Olivier Marchal, Zabou Breitman und Audrey Fleurot.

Auf dem Markt des französischen Unterhaltungskinos mischt auch Bidibul Productions seit ein paar Jahren mit. „Le dernier diamant“ ist ein „Polar“ klassischer Prägung. Im Mittelpunkt steht ein Diamantenraub in Antwerpen, an dem unter anderem Yvan Attal und Bérénice Béjo beteiligt sind. Bidibul hat außerdem den Animationsfilm „Le prince et les 108 démons“ koproduziert, dessen abenteuerreiche Handlung im China des 12. Jahrhunderts spielt.

Gerade im Animationsfilm hatte Luxemburg in letzter Zeit einige Erfolge vorzuweisen. Mélusine Productions darf sich nach „Ernest et Célestine“ über einen weiteren Erfolg freuen: Für die Kinder- und Jugendfilmreihe „Generation“ der Berlinale wurde ihr neuer Trickfilm „Tante Hilda“, die Geschichte einer energischen Naturschützerin, selektioniert. Der Film kommt im Februar auch in die Kinos. Und im Rahmen des „Discovery Zone“-Festivals im März läuft eine weitere Mélusine-Produktion, „Ma maman est en Amérique, elle a rencontré Buffalo Bill“.

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SOURCE: http://www.wort.lu

Über 20 in Luxemburg entstandene Produktionen werden 2014 im Kino zu sehen sein.

Gespannt sein darf man unter anderem auf Frank Hoffmanns und Pol Cruchtens freie Adaption von Schillers „Die Räuber“, ein Projekt, an dem die Produktionsgesellschaft Red Lion bereits seit ein paar Jahren arbeitet. Die Handlung des klassischen Stückes wurde in die Luxemburger Finanzwelt der Jetztzeit verlegt. Die Autoren kündigen ein Familiendrama mit Film-noir-Touch an. Mit Maximilian Schell, Tchéky Karyo, Isild Le Besco, Eric Caravaca u. a. ist die internationale Koproduktion hochkarätig besetzt.

2014 soll auch Pol Cruchtens viel gepriesener und ergreifender „Never Die Young“, eine Mischung aus Dokumentarfilm und Filmessay, endlich in die Kinos kommen. Die Premiere hatte bereits im März 2013 im Rahmen des „Discovery Zone“-Filmfestivals stattgefunden.


“Ouni d’Hänn” (Regie: Donato Rotunno) ist die Verfilmung des Romans “Amok” von Tullio Forgiarini.
Foto: Ricardo Vaz Palma / Iris Productions)

Wie Cruchten ist auch Donato Rotunno ein Regisseur mit langjähriger Erfahrung, auch wenn er sich in den letzten Jahren vor allem auf das Produktionsgeschäft konzentriert hat. Nicht für die eigene Firma, Tarantula Luxembourg, sondern für Iris Produc᠆tions hat er nun wieder einen Spielfilm gedreht. „Ouni d’Hänn“ ist die Verfilmung von Tullio Forgiarinis Roman „Amok – Eng Lëtzebuerger Liebeschronik“, der inhaltlich wie sprachlich schonungslosen Beschreibung sozialer Verwahrlosung und der Entstehung von Gewalt unter (in diesem Fall sehr jungen) Jugendlichen.

Wie Frust und Gewalt unter dem Deckmäntelchen luxemburgischer Wohlanständigkeit brodeln, ist auch das Thema der Coming-of-Age-Geschichte „Mammejong“, dem Spielfilmdebüt von Jacques Molitor, das Lucil Films produzierte.

Bady Minck gilt als Perfektionistin, die sich gerne Zeit lässt. Da sie in den letzten Jahren vor allem als Produzentin aktiv war (unter anderem von „Hannah Arendt“), hat es denn auch einige Jahre gedauert, „Mappa Mundi“ fertigzustellen. Es geht „um das Bild der Welt, das wir Menschen seit Jahrtausenden stets aufs Neue entwerfen“, wie es in einer Projektpräsentation heißt, dies am Beispiel von „mehr als hundert Weltkarten aus 15 000 Jahren“.


“Les brigands“ von Frank Hoffmann und Pol Cruchten wurde von Schillers “Die Räuber“ inspiriert.
Foto: François Fabert / Red Lion

Bady Mincks Produktionsfirma Amour fou wird 2014 auch einen Film herausbringen, der exakt so wie die luxemburgisch-österreichische Doppelgesellschaft heißt. „Amour fou“ dreht sich um den Selbstmord des deutschen Dichters Heinrich von Kleist und wird von Jessica Hausner („Lourdes“) inszeniert. Kein klassisches Erzählkino sollte man sich auch von „Fieber“ erwarten, bei dem die bekannte deutsche Filmemacherin und Kamerafrau Elfi Mikesch Regie geführt hat.

Dramen und Komödien

Juliette Films, die Gesellschaft von Paul Thiltges und David Grumbach, kündigt drei Spielfilme für 2014 an: Die beiden Dramen „Post Partum“ von Delphine Noels und „Puppy Love“ von Delphine Lehericey sind das Debütwerk junger Regisseurinnen, genauso wie die romantische Komödie „Standby“ der Brüder Ronan und Rob Burke, einer luxemburgisch-irischen Koproduktion.

Mit Tschechien koproduziert hat Tarantula den Film „Clownwise“ von Viktor Taus, die Geschichte eines einst erfolgreichen, dann aber im Streit auseinandergegangenen Clown-Trios, das sich zu einem Comeback zusammenraufen soll.


Max Thommes und Maja Juric in “Mammejong” von Jacques Molitor.
Foto: Fabrizo Maltese / Lucil Film

Von Tarantula stammt zudem das Kriegsdrama „Secrets of War“ von Dennis Bots, das vom Kriegsjahr 1943 in einem limburgischen Dorf aus der Sicht von Kindern erzählt.

Auch Red Lion wird 2014 mehrere Koproduktionen in die Kinos bringen: „Love Eternal“ von Brendan Muldowney, die Geschichte eines jungen Mannes mit morbiden Neigungen; „Le goût des myrtilles“ von Thomas de Thier, der poetischen Beschreibung eines Tages im Leben eines alten Ehepaares (Michel Piccoli und Natacha Parry) und „Die Erfindung der Liebe“, den die Regisseurin Lola Randl nach dem Tod der Hauptdarstellerin völlig umgearbeitet hat, ohne die Brüche zu verbergen. Formal radikal ist auch „L’étrange couleur des larmes de ton corps“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani, der die Suche eines Mannes nach seiner ver-schwundenen Frau in einem merkwürdigen Miethaus schildert.

Um die Rückkehr eines Toten, allerdings ohne das gruselige Beiwerk des Horrorkinos, geht es in Vincent Lannoos „Les âmes de papier“, den Samsa Film koproduziert hat.

Autorenkino und Mainstream-Entertainment

Halb autobiografische Züge hat „Abus de faiblesse“ der französischen Regisseurin Catherine Breillat („Romance“), die Geschichte einer behinderten Frau, die einem charmanten Betrüger verfällt. Nicolas Steils Iris-Gruppe hat ihn mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle produziert. Steht Breillat für Autorenfilm made in Frankreich, setzt Iris mit Catherine Castels romantischer Komödie „Belle comme la femme d’une autre“ eher auf Mainstream-Unterhaltung französischer Prägung. Mit dabei sind Olivier Marchal, Zabou Breitman und Audrey Fleurot.

Auf dem Markt des französischen Unterhaltungskinos mischt auch Bidibul Productions seit ein paar Jahren mit. „Le dernier diamant“ ist ein „Polar“ klassischer Prägung. Im Mittelpunkt steht ein Diamantenraub in Antwerpen, an dem unter anderem Yvan Attal und Bérénice Béjo beteiligt sind. Bidibul hat außerdem den Animationsfilm „Le prince et les 108 démons“ koproduziert, dessen abenteuerreiche Handlung im China des 12. Jahrhunderts spielt.

Gerade im Animationsfilm hatte Luxemburg in letzter Zeit einige Erfolge vorzuweisen. Mélusine Productions darf sich nach „Ernest et Célestine“ über einen weiteren Erfolg freuen: Für die Kinder- und Jugendfilmreihe „Generation“ der Berlinale wurde ihr neuer Trickfilm „Tante Hilda“, die Geschichte einer energischen Naturschützerin, selektioniert. Der Film kommt im Februar auch in die Kinos. Und im Rahmen des „Discovery Zone“-Festivals im März läuft eine weitere Mélusine-Produktion, „Ma maman est en Amérique, elle a rencontré Buffalo Bill“.

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