Jan 11 2012

Rupert Everett depressiv

Published by at 01:14 under Delux,Deutsch,Industry

SOURCE:http://relevant.at

Rupert Everett: Die Welt wird immer konservativer

Rupert Everett hat seine Paraderolle gefunden und perfektioniert. Immer wieder gibt er – wie in “Die Hochzeit meines besten Freundes” mit Julia Roberts – den leicht Arroganten, Gebildeten und Wortgewandten und oft auch Schwulen. So auch in seinem neuen Film “In guten Händen”. Mit dieser Besetzungspolitik hat er sich inzwischen abgefunden, erzählt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

In Ihrem neuen Film geht es im die Erfindung des ersten Vibrators. Was war Ihre Motivation, da mitzumachen?

Rupert Everett: “Ich hielt es einfach für eine witzige Idee. Als man mir sagte, es sei ein Film über die Erfindung des ersten Vibrators, musste ich lachen. Einen anderen Grund gab es eigentlich nicht.”

Wir haben Sie es geschafft, bei den Dreharbeiten ernst zu bleiben?

Rupert Everett: “Das ist ja immer so bei Filmen: Nichts ist so lustig wie es nachher auf der Leinwand aussieht – gerade wenn man eine Frau nach der anderen auf dem Behandlungsstuhl mit dem Vibrator sieht. Außerdem haben wir in Luxemburg gedreht. Ich will nicht rassistisch sein, aber es ist ein sehr, sehr langweiliger Ort und wir waren wochenlang da. Und es war furchtbar kalt. Wir haben morgens im Schnee, im Dunkeln angefangen und abends im Schnee, im Dunkeln aufgehört. Und dann haben wir die meiste Zeit auch noch in einem Industriegebiet verbracht, wo das Studio war. Wir alle wurden langsam aber sicher etwas depressiv.”

Ist der Film trotzdem ein englischer?

Rupert Everett: “Ich denke schon. Er hat eine amerikanische Regisseurin und europäisches Geld. Aber wahrscheinlich ist es ein englischer Kostümfilm.”

Ist es ausschließlich ein Frauenfilm? Oder haben Männer auch etwas davon?

Rupert Everett: “Ich weiß es nicht. Der weibliche Orgasmus ist nicht wirklich ein Männerthema. Ich tue mich mit diesen Zuordnungen aber schwer. Familienfilm, Teenagerfilm… Ein Familienfilm ist es wahrscheinlich eher nicht.”

Hat die Erfindung des Vibrators die Gesellschaft verändert?

Rupert Everett: “Die Erkenntnis, dass auch Frauen die gleichen körperlichen Bedürfnisse haben wie Männer, war ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Die Geschichte dreht sich – kurz bevor Frauen das Wahlrecht bekamen – um den Kampf der Frau für Gleichheit und die Entstehung einer weiblichen Identität. Auf eine komische Art und Weise ist es also tatsächlich ein wichtiger Schritt gewesen.”

Sie spielen einen etwas arroganten, sehr gebildeten und auch witzigen Mann. Das scheint die Rolle zu sein, auf die Sie festgelegt sind. Warum eigentlich?

Rupert Everett: “Du wirst immer nur für eine einzige Rolle gebucht – und dann stirbst du… Ich denke, das war schon immer so, heute gilt es aber mehr als jemals zuvor. Die Tage, in denen ein Weißer Othello gespielt hat, sind vorbei. Das hat natürlich seine Berechtigung, führt aber auch dazu, dass man mich nimmt, wenn man einen arroganten Erfinder braucht und niemand anderen und dass ich nicht die Chance bekomme, etwas anderes zu spielen.”

Vor einigen Jahren haben Sie schwule Männer davor gewarnt, sich zu outen, wenn Sie eine Karriere in Hollywood haben wollen. Warum?

Rupert Everett: “Das ist doch offensichtlich. Gibt es heute schwule Schauspieler in Hollywood? Nein! Nur ein paar von den Älteren.”

Was ist mit Neil Patrick Harris, den “Barney” aus der erfolgreichen TV-Serie “How I met your mother”?

Rupert Everett: “Er ist im Fernsehen erfolgreich – das ist etwas anderes. Es hat nicht den gleichen moralischen oder ethischen Code wie das Mainstream-Kino auf der ganzen Welt. Ich denke, das ist kein Hollywood-Problem. Ich denke, das gilt genau so auch für das deutsche Kino. Wir leben in einer seltsamen Welt. Die Political Correctness sagt uns, dass wir gegen dieses oder jenes nichts haben dürfen. Vielleicht ist Political Correctness aber keine gute Sache. Sie bildet einen Nebel, hinter dem die richtige Welt immer noch existiert. Und die richtige Welt nimmt mich als schwulen Schauspieler in einer Heterowelt nicht wirklich ernst – zumindest nicht so ernst wie einen heterosexuellen Menschen. Schwule sind für Witze gut.”

Und das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert?

Rupert Everett: “Nein. Wenn überhaupt, dann wird die Welt immer konservativer. Aber vielleicht ist es auch einfach nicht mehr wichtig. Es gibt wichtigere Dinge als die Frage, wie sich ein schwuler Schauspieler fühlt, über die man nachdenken muss.”

Sie planen einen Film über Oscar Wilde. Was fasziniert Sie so an ihm?

Rupert Everett: “Ich liebe Oscar Wilde und ich dachte, es ist eine interessante Geschichte. Die meisten Geschichten über ihn enden, wenn er ins Gefängnis geht. Das war für mich aber immer der faszinierendste Teil seines Lebens. Darum habe ich diese Geschichte über die letzten zehn Tage seines Lebens geschrieben. Es ist die Geschichte eines Geistes, der einfach zusammenbricht. Oscar Wilde ist ein Name, den jeder kennt, über den aber nicht automatisch jeder auch viel weiß. Außerdem muss man sich im Markt da positionieren, wo die Leute einen haben wollen. Dieses Projekt passt zu mir.”

(APA/dpa)

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Rupert Everett: Die Welt wird immer konservativer

Rupert Everett hat seine Paraderolle gefunden und perfektioniert. Immer wieder gibt er – wie in “Die Hochzeit meines besten Freundes” mit Julia Roberts – den leicht Arroganten, Gebildeten und Wortgewandten und oft auch Schwulen. So auch in seinem neuen Film “In guten Händen”. Mit dieser Besetzungspolitik hat er sich inzwischen abgefunden, erzählt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

In Ihrem neuen Film geht es im die Erfindung des ersten Vibrators. Was war Ihre Motivation, da mitzumachen?

Rupert Everett: “Ich hielt es einfach für eine witzige Idee. Als man mir sagte, es sei ein Film über die Erfindung des ersten Vibrators, musste ich lachen. Einen anderen Grund gab es eigentlich nicht.”

Wir haben Sie es geschafft, bei den Dreharbeiten ernst zu bleiben?

Rupert Everett: “Das ist ja immer so bei Filmen: Nichts ist so lustig wie es nachher auf der Leinwand aussieht – gerade wenn man eine Frau nach der anderen auf dem Behandlungsstuhl mit dem Vibrator sieht. Außerdem haben wir in Luxemburg gedreht. Ich will nicht rassistisch sein, aber es ist ein sehr, sehr langweiliger Ort und wir waren wochenlang da. Und es war furchtbar kalt. Wir haben morgens im Schnee, im Dunkeln angefangen und abends im Schnee, im Dunkeln aufgehört. Und dann haben wir die meiste Zeit auch noch in einem Industriegebiet verbracht, wo das Studio war. Wir alle wurden langsam aber sicher etwas depressiv.”

Ist der Film trotzdem ein englischer?

Rupert Everett: “Ich denke schon. Er hat eine amerikanische Regisseurin und europäisches Geld. Aber wahrscheinlich ist es ein englischer Kostümfilm.”

Ist es ausschließlich ein Frauenfilm? Oder haben Männer auch etwas davon?

Rupert Everett: “Ich weiß es nicht. Der weibliche Orgasmus ist nicht wirklich ein Männerthema. Ich tue mich mit diesen Zuordnungen aber schwer. Familienfilm, Teenagerfilm… Ein Familienfilm ist es wahrscheinlich eher nicht.”

Hat die Erfindung des Vibrators die Gesellschaft verändert?

Rupert Everett: “Die Erkenntnis, dass auch Frauen die gleichen körperlichen Bedürfnisse haben wie Männer, war ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Die Geschichte dreht sich – kurz bevor Frauen das Wahlrecht bekamen – um den Kampf der Frau für Gleichheit und die Entstehung einer weiblichen Identität. Auf eine komische Art und Weise ist es also tatsächlich ein wichtiger Schritt gewesen.”

Sie spielen einen etwas arroganten, sehr gebildeten und auch witzigen Mann. Das scheint die Rolle zu sein, auf die Sie festgelegt sind. Warum eigentlich?

Rupert Everett: “Du wirst immer nur für eine einzige Rolle gebucht – und dann stirbst du… Ich denke, das war schon immer so, heute gilt es aber mehr als jemals zuvor. Die Tage, in denen ein Weißer Othello gespielt hat, sind vorbei. Das hat natürlich seine Berechtigung, führt aber auch dazu, dass man mich nimmt, wenn man einen arroganten Erfinder braucht und niemand anderen und dass ich nicht die Chance bekomme, etwas anderes zu spielen.”

Vor einigen Jahren haben Sie schwule Männer davor gewarnt, sich zu outen, wenn Sie eine Karriere in Hollywood haben wollen. Warum?

Rupert Everett: “Das ist doch offensichtlich. Gibt es heute schwule Schauspieler in Hollywood? Nein! Nur ein paar von den Älteren.”

Was ist mit Neil Patrick Harris, den “Barney” aus der erfolgreichen TV-Serie “How I met your mother”?

Rupert Everett: “Er ist im Fernsehen erfolgreich – das ist etwas anderes. Es hat nicht den gleichen moralischen oder ethischen Code wie das Mainstream-Kino auf der ganzen Welt. Ich denke, das ist kein Hollywood-Problem. Ich denke, das gilt genau so auch für das deutsche Kino. Wir leben in einer seltsamen Welt. Die Political Correctness sagt uns, dass wir gegen dieses oder jenes nichts haben dürfen. Vielleicht ist Political Correctness aber keine gute Sache. Sie bildet einen Nebel, hinter dem die richtige Welt immer noch existiert. Und die richtige Welt nimmt mich als schwulen Schauspieler in einer Heterowelt nicht wirklich ernst – zumindest nicht so ernst wie einen heterosexuellen Menschen. Schwule sind für Witze gut.”

Und das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert?

Rupert Everett: “Nein. Wenn überhaupt, dann wird die Welt immer konservativer. Aber vielleicht ist es auch einfach nicht mehr wichtig. Es gibt wichtigere Dinge als die Frage, wie sich ein schwuler Schauspieler fühlt, über die man nachdenken muss.”

Sie planen einen Film über Oscar Wilde. Was fasziniert Sie so an ihm?

Rupert Everett: “Ich liebe Oscar Wilde und ich dachte, es ist eine interessante Geschichte. Die meisten Geschichten über ihn enden, wenn er ins Gefängnis geht. Das war für mich aber immer der faszinierendste Teil seines Lebens. Darum habe ich diese Geschichte über die letzten zehn Tage seines Lebens geschrieben. Es ist die Geschichte eines Geistes, der einfach zusammenbricht. Oscar Wilde ist ein Name, den jeder kennt, über den aber nicht automatisch jeder auch viel weiß. Außerdem muss man sich im Markt da positionieren, wo die Leute einen haben wollen. Dieses Projekt passt zu mir.”

(APA/dpa)

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