Jun 24 2010

Tarantula: Wir waren jung und abenteuerlustig

Published by at 01:54 under Articles,Deutsch,Industry

SOURCE: http://www.tageblatt.lu/culture/41950.html – Olivier Del Fabbro
Vor 15 Jahren haben die beiden Filmliebhaber Donato Rotunno und Eddy Géradon-Luyckx die luxemburgische Produktionsfirma „Tarantula“ gegründet. Heute gibt es sie in vier verschiedenen Ländern: Luxemburg, Schweiz, Belgien und Frankreich.

25 Filme, darunter Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentarfilme, hat „Tarantula“ bereits produziert. Am Anfang war es ein spontanes Projekt. Nach und nach entwickelte sich aus einer schlichten Idee eine ambitionierte Produktionsfirma. Rückblickend auf die 15-jährige Geschichte von „Tarantula“ stand Donato Rotunno im Tageblatt-Interview Rede und Antwort.

Tageblatt: Herr Rotunno, wie hat alles mit Tarantula vor 15 Jahren begonnen?
Donato Rotunno: „Es hat alles kurz nach dem Erhalt meines Diploms an der Filmhochschule in Brüssel angefangen, als ich den Entschluss fasste, erste Filme zu realisieren. Wenn man jung ist, dann will man zuerst seine eigenen Filme machen; man beginnt mit Kurzfilmen und Dokumentarfilmen. Alles war ein bisschen gewagt. Eddy Géradon-Luyckx und ich haben uns gedacht, einfach mal anzufangen, ohne aber richtig darüber nachzudenken. Wir waren jung und abenteuerlustig. Nach und nach hegten wir den Wunsch, die Firma auszubauen und über die Grenzen Luxemburgs hinauszugehen. Man lernt Leute im Ausland kennen und teilt seine Vorstellungen und Interessen mit neuen Bekanntschaften. Irgendwann arbeitet man dann mit ihnen zusammen und man versucht sich an ersten gemeinsamen Projekten. Den ersten Spielfilm haben wir erst vor acht Jahren, also im Jahr 2002, gedreht.
Die ersten Jahre gingen vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln, laufen zu lernen, fallen zu lernen und wieder aufzustehen. Es war an sich eine natürliche Entwicklung. 15 Jahre sind nicht wenig und dennoch braucht man seine Zeit, etwas aufzubauen und die richtigen Kontakte zu knüpfen. Ich habe das Gefühl, dass es noch lange nicht zu Ende ist. Doch bereits heute, 15 Jahre nach der Gründung von ’Tarantula’, sehen wir, dass es sich gelohnt hat, so viel Zeit in dieses Projekt zu investieren.“

„T“: „Tarantula“ ist in mehreren Ländern vertreten: Luxemburg, Schweiz, Belgien, Frankreich. Wie kommt das?
D.R.: „Ja, das stimmt. Die Erklärung ist ganz simpel: Alleine schaffen wir es in Luxemburg nicht. Wir brauchen Partner und das in möglichst vielen verschiedenen Ländern im Ausland. Es geht einfach besser!
Wir müssen als Partner zusammenarbeiten und zusammenhalten. Nur so können wir stärker sein, da wir untereinander hilfreiche Informationen austauschen können. Wir arbeiten vor allem mit Belgien zusammen. Es ist ein Netzwerk, das sich selbst durch Zusammenarbeit unterhält. Das ist sehr wichtig. Ziel ist es aber nicht, immer größer zu werden, sondern effizienter zusammenarbeiten zu können, um eine gute und zufriedenstellende Arbeit zu leisten.“

„T“: „Tarantula“ produziert keine kommerziellen Filme. Wieso?
D.R.: „Keine kommerziellen Filme zu produzieren, entspricht unserer Richtlinie. Das hat auch etwas mit meinem persönlichen Charakter zu tun. Dies bedeutet wiederum nicht, dass ich mir keine Blockbuster anschaue. Ich denke, solange Platz für jeden da ist, ist alles gut. Ich kämpfe nicht unbedingt gegen das amerikanische Kino, ich kämpfe aber für das europäische Kino. Wir wollen diese Filme koproduzieren, da diese Filme Themen ansprechen, die nicht nur meine, sondern Probleme von vielen Menschen sind. Sie sind sozialkritisch. Das sind Dinge, die mich interessieren, aber nicht nur im Kino, sondern auch in der Literatur, im Leben … Und wenn man versucht, etwas alternierende und anspruchsvollere Filme zu drehen, dann ist das Publikum kleiner, aber wenn man dann positives Feedback bekommt, ist es umso wertvoller.“

„T“: Viele Filme, die von „Tarantula“ produziert wurden, wurden bereits für renommierte Festivals nominiert. Ist das eine Art Feedback, von der Sie eben gesprochen haben?
D.R.: „Absolut! Seit sechs bis sieben Jahren sind wir regelmäßig auf vielen Festivals vertreten. Hauptziel einer Filmproduktion ist es aber nicht, Trophäen zu sammeln. Man kann schon versuchen vorauszusagen, ob der Film erfolgreich sein wird oder nicht, wenn man nur das Drehbuch liest. Es ist aber wie beim Kochen. Die Suppe ist schnell versalzen. Wichtig ist vor allem, dass das Publikum den Film mag.“

„T“: Ist es für Sie wichtig, dass Luxemburg in den Filmen vertreten ist, sei es als Drehort oder durch Schauspieler?
D.R.: „Das ist uns schon wichtig. Vor allem luxemburgische Techniker sind meistens dabei. Es hängt aber natürlich auch vom Projekt ab. Wir versuchen schon deswegen, die luxemburgische Teilnahme an Filmen hochzuhalten, da der Film Fund Luxembourg dann mehr von den Produktionskosten übernimmt. Aber wir wollen auch den luxemburgischen Film im Ausland fördern.“
„T“: Wie sieht es mit der Finanzkrise aus? Ist sie in Ihrer Branche merkbar?
D.R.: „Die Frage wird immer gestellt. Naja, ich habe nicht das Gefühl, dass wir jemals in der Krise waren oder sind. Bei jedem Projekt muss man kämpfen. Man muss immer um Geld betteln und hoffen, dass man es kriegt. Bei jeder Produktion fängt man immer wieder von vorne an. Wir spüren die Krise teilweise, bei verschiedenen Projekten, aber nicht mehr als vorher. Und sollte sie da sein, wir sind daran gewöhnt!“

Das gesamte Interview finden Sie in der Montagsausgabe des Tabeblatt

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu/culture/41950.html – Olivier Del Fabbro
Vor 15 Jahren haben die beiden Filmliebhaber Donato Rotunno und Eddy Géradon-Luyckx die luxemburgische Produktionsfirma „Tarantula“ gegründet. Heute gibt es sie in vier verschiedenen Ländern: Luxemburg, Schweiz, Belgien und Frankreich.

25 Filme, darunter Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentarfilme, hat „Tarantula“ bereits produziert. Am Anfang war es ein spontanes Projekt. Nach und nach entwickelte sich aus einer schlichten Idee eine ambitionierte Produktionsfirma. Rückblickend auf die 15-jährige Geschichte von „Tarantula“ stand Donato Rotunno im Tageblatt-Interview Rede und Antwort.

Tageblatt: Herr Rotunno, wie hat alles mit Tarantula vor 15 Jahren begonnen?
Donato Rotunno: „Es hat alles kurz nach dem Erhalt meines Diploms an der Filmhochschule in Brüssel angefangen, als ich den Entschluss fasste, erste Filme zu realisieren. Wenn man jung ist, dann will man zuerst seine eigenen Filme machen; man beginnt mit Kurzfilmen und Dokumentarfilmen. Alles war ein bisschen gewagt. Eddy Géradon-Luyckx und ich haben uns gedacht, einfach mal anzufangen, ohne aber richtig darüber nachzudenken. Wir waren jung und abenteuerlustig. Nach und nach hegten wir den Wunsch, die Firma auszubauen und über die Grenzen Luxemburgs hinauszugehen. Man lernt Leute im Ausland kennen und teilt seine Vorstellungen und Interessen mit neuen Bekanntschaften. Irgendwann arbeitet man dann mit ihnen zusammen und man versucht sich an ersten gemeinsamen Projekten. Den ersten Spielfilm haben wir erst vor acht Jahren, also im Jahr 2002, gedreht.
Die ersten Jahre gingen vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln, laufen zu lernen, fallen zu lernen und wieder aufzustehen. Es war an sich eine natürliche Entwicklung. 15 Jahre sind nicht wenig und dennoch braucht man seine Zeit, etwas aufzubauen und die richtigen Kontakte zu knüpfen. Ich habe das Gefühl, dass es noch lange nicht zu Ende ist. Doch bereits heute, 15 Jahre nach der Gründung von ’Tarantula’, sehen wir, dass es sich gelohnt hat, so viel Zeit in dieses Projekt zu investieren.“

„T“: „Tarantula“ ist in mehreren Ländern vertreten: Luxemburg, Schweiz, Belgien, Frankreich. Wie kommt das?
D.R.: „Ja, das stimmt. Die Erklärung ist ganz simpel: Alleine schaffen wir es in Luxemburg nicht. Wir brauchen Partner und das in möglichst vielen verschiedenen Ländern im Ausland. Es geht einfach besser!
Wir müssen als Partner zusammenarbeiten und zusammenhalten. Nur so können wir stärker sein, da wir untereinander hilfreiche Informationen austauschen können. Wir arbeiten vor allem mit Belgien zusammen. Es ist ein Netzwerk, das sich selbst durch Zusammenarbeit unterhält. Das ist sehr wichtig. Ziel ist es aber nicht, immer größer zu werden, sondern effizienter zusammenarbeiten zu können, um eine gute und zufriedenstellende Arbeit zu leisten.“

„T“: „Tarantula“ produziert keine kommerziellen Filme. Wieso?
D.R.: „Keine kommerziellen Filme zu produzieren, entspricht unserer Richtlinie. Das hat auch etwas mit meinem persönlichen Charakter zu tun. Dies bedeutet wiederum nicht, dass ich mir keine Blockbuster anschaue. Ich denke, solange Platz für jeden da ist, ist alles gut. Ich kämpfe nicht unbedingt gegen das amerikanische Kino, ich kämpfe aber für das europäische Kino. Wir wollen diese Filme koproduzieren, da diese Filme Themen ansprechen, die nicht nur meine, sondern Probleme von vielen Menschen sind. Sie sind sozialkritisch. Das sind Dinge, die mich interessieren, aber nicht nur im Kino, sondern auch in der Literatur, im Leben … Und wenn man versucht, etwas alternierende und anspruchsvollere Filme zu drehen, dann ist das Publikum kleiner, aber wenn man dann positives Feedback bekommt, ist es umso wertvoller.“

„T“: Viele Filme, die von „Tarantula“ produziert wurden, wurden bereits für renommierte Festivals nominiert. Ist das eine Art Feedback, von der Sie eben gesprochen haben?
D.R.: „Absolut! Seit sechs bis sieben Jahren sind wir regelmäßig auf vielen Festivals vertreten. Hauptziel einer Filmproduktion ist es aber nicht, Trophäen zu sammeln. Man kann schon versuchen vorauszusagen, ob der Film erfolgreich sein wird oder nicht, wenn man nur das Drehbuch liest. Es ist aber wie beim Kochen. Die Suppe ist schnell versalzen. Wichtig ist vor allem, dass das Publikum den Film mag.“

„T“: Ist es für Sie wichtig, dass Luxemburg in den Filmen vertreten ist, sei es als Drehort oder durch Schauspieler?
D.R.: „Das ist uns schon wichtig. Vor allem luxemburgische Techniker sind meistens dabei. Es hängt aber natürlich auch vom Projekt ab. Wir versuchen schon deswegen, die luxemburgische Teilnahme an Filmen hochzuhalten, da der Film Fund Luxembourg dann mehr von den Produktionskosten übernimmt. Aber wir wollen auch den luxemburgischen Film im Ausland fördern.“
„T“: Wie sieht es mit der Finanzkrise aus? Ist sie in Ihrer Branche merkbar?
D.R.: „Die Frage wird immer gestellt. Naja, ich habe nicht das Gefühl, dass wir jemals in der Krise waren oder sind. Bei jedem Projekt muss man kämpfen. Man muss immer um Geld betteln und hoffen, dass man es kriegt. Bei jeder Produktion fängt man immer wieder von vorne an. Wir spüren die Krise teilweise, bei verschiedenen Projekten, aber nicht mehr als vorher. Und sollte sie da sein, wir sind daran gewöhnt!“

Das gesamte Interview finden Sie in der Montagsausgabe des Tabeblatt

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