Jun 06 2012

Wenn sich Schwester und Bruder lieben…

Published by at 01:32 under Articles,Industry

SOURCE: http://www.journal.lu

Im Rahmen des Discovery Zone- Film Festivals wurde die deutsch-österreichisch-luxemburgische Co-Produktion „Tabu“ von Christoph Stark im März in luxemburgischer Erstaufführung präsentiert. Der Film war auch für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kategorie beste Co-Produktion (Iris Films) nominiert. Als Basis für das Drehbuch diente die Lebensgeschichte des österreichischen Dichters Georg Trakl (1887-1914), dem eine inzestuöse Relation zu seiner Schwester Margarethe, genannt Gretl, nachgesagt wurde. Genau diese Beziehung, dieses Tabu beschreibt der Film, der den Untertitel „Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ trägt.

Auf dezente Weise ein Tabu beschreiben

Der Film spielt zu Anfang des 20. Jahrhundert in Salzburg. Gretl Trakl (Peri Baumeister) ist eine außerordentlich begabte Pianospielerin. Ihre Aussichten, in die Meisterklasse von Professor Brückner (Rainer Bock) in Wien aufgenommen zu werden, sind ausgezeichnet. Sie liebt im Geheimen ihren Bruder Georg (Lars Eidinger), mit dem sie auch sexuellen Kontakt hat. Georg arbeitet als Apotheker. So kann er heimlich seiner süchtigen Mutter (Petra Morzé) Laudanum beschafft. Er schreibt sich seine Gedanken und innigsten Gefühle als Gedichte von der Seele. Gretl zieht nach Wien und auch hier geht die inzestuöse Beziehung weiter. Es entstehen Probleme, die sie öfters noch mit Geld regeln können. Um dem Inzest ein Ende zu bereiten, verlangt Georg, dass Gretl Brückner heiratet. Als der Professor ein Kind von ihr will, sucht sie ihren Bruder wieder auf. „Tabu“ ist kein voyeuristischer Film.

Ein paar Nacktszenen unterstreichen lediglich den sexuellen Aspekt dieser inzestuösen Liebe. Der Film tut sich anfangs schwer, das Interesse des Zuschauers für diese aparte Geschichte zu wecken. Ausschnitte aus Trakls Gedichten werden von seiner Off-Stimme rezitiert und sind fürs erste pompöse Werke mit spannenden Wörter, die aber nichts Erkennbares aussagen. Erst als der Regisseur die Beziehung im sozialen Umfeld positioniert, und die wahren Probleme ersichtlich werden, kann man sich ins Geschehen einfühlen. „Tabu“ ist ein ruhiger Film, der speziell von Peri Baumeister getragen wird.

In ihrem allerersten Film spielt sie eine überzeugende Frau, die tief von ihrem Bruder besessen ist und für die das Wort „Inzest“ nicht existiert, nur bedingungslose Liebe.

Sie wurde im Januar als beste Darstellerin beim Max Ophüls Preis Film Festival in Saarbrücken ausgezeichnet. Der Zuschauer braucht auch Zeit, sich an Georgs Charakter zu gewöhnen. Zu Beginn sucht er im Rotlichtmilieu Entspannung, was angesichts seines Hangs zu seiner Schwester schwer zu verstehen ist.

Erst als verwirrter Apotheker mit einem Hang zur Poesie und zu Gretl, wird seine Rolle glaubhafter.

Auf Luxemburger Seite spielen Patrick Hastert, Jules Werner und Germain Wagner kleine Nebenrollen, und Thierry Faber hat den Film zusammengeschnitten.

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Im Rahmen des Discovery Zone- Film Festivals wurde die deutsch-österreichisch-luxemburgische Co-Produktion „Tabu“ von Christoph Stark im März in luxemburgischer Erstaufführung präsentiert. Der Film war auch für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in der Kategorie beste Co-Produktion (Iris Films) nominiert. Als Basis für das Drehbuch diente die Lebensgeschichte des österreichischen Dichters Georg Trakl (1887-1914), dem eine inzestuöse Relation zu seiner Schwester Margarethe, genannt Gretl, nachgesagt wurde. Genau diese Beziehung, dieses Tabu beschreibt der Film, der den Untertitel „Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ trägt.

Auf dezente Weise ein Tabu beschreiben

Der Film spielt zu Anfang des 20. Jahrhundert in Salzburg. Gretl Trakl (Peri Baumeister) ist eine außerordentlich begabte Pianospielerin. Ihre Aussichten, in die Meisterklasse von Professor Brückner (Rainer Bock) in Wien aufgenommen zu werden, sind ausgezeichnet. Sie liebt im Geheimen ihren Bruder Georg (Lars Eidinger), mit dem sie auch sexuellen Kontakt hat. Georg arbeitet als Apotheker. So kann er heimlich seiner süchtigen Mutter (Petra Morzé) Laudanum beschafft. Er schreibt sich seine Gedanken und innigsten Gefühle als Gedichte von der Seele. Gretl zieht nach Wien und auch hier geht die inzestuöse Beziehung weiter. Es entstehen Probleme, die sie öfters noch mit Geld regeln können. Um dem Inzest ein Ende zu bereiten, verlangt Georg, dass Gretl Brückner heiratet. Als der Professor ein Kind von ihr will, sucht sie ihren Bruder wieder auf. „Tabu“ ist kein voyeuristischer Film.

Ein paar Nacktszenen unterstreichen lediglich den sexuellen Aspekt dieser inzestuösen Liebe. Der Film tut sich anfangs schwer, das Interesse des Zuschauers für diese aparte Geschichte zu wecken. Ausschnitte aus Trakls Gedichten werden von seiner Off-Stimme rezitiert und sind fürs erste pompöse Werke mit spannenden Wörter, die aber nichts Erkennbares aussagen. Erst als der Regisseur die Beziehung im sozialen Umfeld positioniert, und die wahren Probleme ersichtlich werden, kann man sich ins Geschehen einfühlen. „Tabu“ ist ein ruhiger Film, der speziell von Peri Baumeister getragen wird.

In ihrem allerersten Film spielt sie eine überzeugende Frau, die tief von ihrem Bruder besessen ist und für die das Wort „Inzest“ nicht existiert, nur bedingungslose Liebe.

Sie wurde im Januar als beste Darstellerin beim Max Ophüls Preis Film Festival in Saarbrücken ausgezeichnet. Der Zuschauer braucht auch Zeit, sich an Georgs Charakter zu gewöhnen. Zu Beginn sucht er im Rotlichtmilieu Entspannung, was angesichts seines Hangs zu seiner Schwester schwer zu verstehen ist.

Erst als verwirrter Apotheker mit einem Hang zur Poesie und zu Gretl, wird seine Rolle glaubhafter.

Auf Luxemburger Seite spielen Patrick Hastert, Jules Werner und Germain Wagner kleine Nebenrollen, und Thierry Faber hat den Film zusammengeschnitten.

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