Jul 08 2012

Filme der Befreiung

Published by at 01:58 under Lucil Film

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Als Bernard Michaux (Lucil Film) vor etwa vier Jahren mit der Idee zu Laura Schroeder kam, einen Abenteuerfilm für Kinder über die Legende der Melusina zu drehen, sagte sie sofort zu.

Sie hatte Lust, sich mit dieser sagenumwobenen Figur näher zu beschäftigen und von ihr ausgehend das Abenteuer des Jungen Jeff zu erzählen, der sich gemeinsam mit seinen drei Freunden auf eine geheimnisvolle Suche nach dem Schatz der Melusina macht.

„Eigentlich lag das Konzept für den Film auf der genau gegenüberliegenden Seite von dem, was ich bis dahin gemacht hatte“, sagt Laura Schroeder. Ein Kinderfilm, erzählerisch und handlungsorientiert, dazu noch in luxemburgischer Sprache, das hat auf den ersten Blick wirklich nicht viel mit dem eher intimistischen und experimentellen Ansatz ihrer bis dahin entstandenen Arbeiten zu tun.

Atmosphären und Stimmungen

Sowohl in ihren Kurzfilmen „Senteurs“ oder „Double Saut“, als auch in „Luxtime“, einer interdisziplinären Produktion des TNL, schaffte sie in erster Linie Atmosphären und Stimmungen, um das konfliktreiche Innenleben ihrer Figuren nach außen zu kehren. Sie machte Filme, um immer und immer wieder aufs Neue „Fragen zu umkreisen, auf die ich keine klare Antworten habe“. Nun erzählt sie also ein Abenteuer. Mit Anfang, Entwicklung und Schluss. Für Kinder.

Doch vielleicht liegt genau in den verschiedenen Ansätzen der Crew-Mitglieder die Stärke des „ersten luxemburgischen Kinderfilms“. Laura Schroeder arbeitete eng mit den vier Drehbuchautoren zusammen, sorgte dafür, dass nicht nur das Abenteuer der Schatzsuche, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt des Films stehen: die Freundschaft zwischen den vier Kindern, die allmähliche Befreiung Jeffs von der Autorität seines Vaters, das Überwinden des Todes der Mutter … „Ich habe jetzt das Gefühl, dass das Gleichgewicht stimmt“, sagt Laura Schroeder, denn der Film könne nun auf verschiedenen Ebenen funktionieren. Je nach Alter und Geschmack.

Luxemburgisch – eine Filmsprache?

Dass es sich bei dem Film um eine luxemburgisch-deutsche Koproduktion handelt, freut Laura Schroeder ganz besonders: Von Anfang an existieren zwei Fassungen, eine deutschsprachige und eine auf Luxemburgisch. „Es war gut, dass ich dazu gezwungen wurde, einen Film auf Luxemburgisch zu machen, ich habe meinen Komplex überwunden“, sagt sie und lacht.

Denn vor ihren Erfahrungen mit Schatzritter hatte sie Angst, das Luxemburgische als Filmsprache sei zu „bäurisch“. Jetzt weiß sie, die luxemburgische Sprache eignet sich sehr wohl, sie gebe mehr her, als sie immer glauben wollte. Außerdem wünscht sie dem Film natürlich so viele Zuschauer wie möglich. Und dadurch, dass er fast zeitgleich auch in deutschen Kinosälen anläuft, stehen die Chancen gut, dass viele Kinderaugen die Bilder vom Bockfelsen sehen werden.

Doch jetzt, nach der langen Arbeit für die Schatzritter, hat sie Lust auf etwas Kleines, Intimes. So klein scheint ihr nächstes Projekt allerdings gar nicht zu sein. „Desperate Kingdom of Love“ heißt der Arbeitstitel ihrer nächsten Produktion. Es handelt sich um eine doppelte Mutter-Tochter-Geschichte: eine junge Frau, die ihr Baby zu ihrer Mutter gibt, es Jahre später bereut und das Kind daraufhin entführt, um mit ihm ans Meer zu fahren. An den genauen Gründen, warum sich die Frau nicht in der Lage fühlte, ihr Kind selbst zu erziehen, ist sie gerade wieder dran. Immer wieder neu versucht sie, das Dilemma der Frau zu fassen und zu zeigen, wie diese gebrochene Frau zurück ins Leben findet. Sie möchte kein Urteil fällen oder einen einzigen richtigen Ausweg aufzeigen, sondern Fragen offenlassen.

Der Schlüssel des Films liegt in der Befreiung eines Menschen, der über etwas hinwegkommt, um woanders hinzukommen. Wie in vielen ihrer Filme. Auch der kleine Jeff wird freier und freier, auf der Suche nach dem Schatz …

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Als Bernard Michaux (Lucil Film) vor etwa vier Jahren mit der Idee zu Laura Schroeder kam, einen Abenteuerfilm für Kinder über die Legende der Melusina zu drehen, sagte sie sofort zu.

Sie hatte Lust, sich mit dieser sagenumwobenen Figur näher zu beschäftigen und von ihr ausgehend das Abenteuer des Jungen Jeff zu erzählen, der sich gemeinsam mit seinen drei Freunden auf eine geheimnisvolle Suche nach dem Schatz der Melusina macht.

„Eigentlich lag das Konzept für den Film auf der genau gegenüberliegenden Seite von dem, was ich bis dahin gemacht hatte“, sagt Laura Schroeder. Ein Kinderfilm, erzählerisch und handlungsorientiert, dazu noch in luxemburgischer Sprache, das hat auf den ersten Blick wirklich nicht viel mit dem eher intimistischen und experimentellen Ansatz ihrer bis dahin entstandenen Arbeiten zu tun.

Atmosphären und Stimmungen

Sowohl in ihren Kurzfilmen „Senteurs“ oder „Double Saut“, als auch in „Luxtime“, einer interdisziplinären Produktion des TNL, schaffte sie in erster Linie Atmosphären und Stimmungen, um das konfliktreiche Innenleben ihrer Figuren nach außen zu kehren. Sie machte Filme, um immer und immer wieder aufs Neue „Fragen zu umkreisen, auf die ich keine klare Antworten habe“. Nun erzählt sie also ein Abenteuer. Mit Anfang, Entwicklung und Schluss. Für Kinder.

Doch vielleicht liegt genau in den verschiedenen Ansätzen der Crew-Mitglieder die Stärke des „ersten luxemburgischen Kinderfilms“. Laura Schroeder arbeitete eng mit den vier Drehbuchautoren zusammen, sorgte dafür, dass nicht nur das Abenteuer der Schatzsuche, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt des Films stehen: die Freundschaft zwischen den vier Kindern, die allmähliche Befreiung Jeffs von der Autorität seines Vaters, das Überwinden des Todes der Mutter … „Ich habe jetzt das Gefühl, dass das Gleichgewicht stimmt“, sagt Laura Schroeder, denn der Film könne nun auf verschiedenen Ebenen funktionieren. Je nach Alter und Geschmack.

Luxemburgisch – eine Filmsprache?

Dass es sich bei dem Film um eine luxemburgisch-deutsche Koproduktion handelt, freut Laura Schroeder ganz besonders: Von Anfang an existieren zwei Fassungen, eine deutschsprachige und eine auf Luxemburgisch. „Es war gut, dass ich dazu gezwungen wurde, einen Film auf Luxemburgisch zu machen, ich habe meinen Komplex überwunden“, sagt sie und lacht.

Denn vor ihren Erfahrungen mit Schatzritter hatte sie Angst, das Luxemburgische als Filmsprache sei zu „bäurisch“. Jetzt weiß sie, die luxemburgische Sprache eignet sich sehr wohl, sie gebe mehr her, als sie immer glauben wollte. Außerdem wünscht sie dem Film natürlich so viele Zuschauer wie möglich. Und dadurch, dass er fast zeitgleich auch in deutschen Kinosälen anläuft, stehen die Chancen gut, dass viele Kinderaugen die Bilder vom Bockfelsen sehen werden.

Doch jetzt, nach der langen Arbeit für die Schatzritter, hat sie Lust auf etwas Kleines, Intimes. So klein scheint ihr nächstes Projekt allerdings gar nicht zu sein. „Desperate Kingdom of Love“ heißt der Arbeitstitel ihrer nächsten Produktion. Es handelt sich um eine doppelte Mutter-Tochter-Geschichte: eine junge Frau, die ihr Baby zu ihrer Mutter gibt, es Jahre später bereut und das Kind daraufhin entführt, um mit ihm ans Meer zu fahren. An den genauen Gründen, warum sich die Frau nicht in der Lage fühlte, ihr Kind selbst zu erziehen, ist sie gerade wieder dran. Immer wieder neu versucht sie, das Dilemma der Frau zu fassen und zu zeigen, wie diese gebrochene Frau zurück ins Leben findet. Sie möchte kein Urteil fällen oder einen einzigen richtigen Ausweg aufzeigen, sondern Fragen offenlassen.

Der Schlüssel des Films liegt in der Befreiung eines Menschen, der über etwas hinwegkommt, um woanders hinzukommen. Wie in vielen ihrer Filme. Auch der kleine Jeff wird freier und freier, auf der Suche nach dem Schatz …

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