Aug 15 2012

Kritikloser Blick auf Mikronationen

Published by at 01:40 under Minotaurus

SOURCE: http://www.journal.lu

Weil die Welt aus den Fugen geraten ist, versuchen immer mehr Menschen, dem Alltag mit all seinen Konventionen zu entkommen. Verschiedene gründen ihre eigenen Staaten, so genannte Mikronationen, wo sie u. a. ihre eigenen Gesetze ausrufen, ohne jegliche rechtliche Basis.

kopen

Diese Staaten sind aber international nicht anerkannt und werden von oben herab belächelt. Regisseur Paul Poet besuchte sechs solcher Mikronationen und packte seine Erlebnisse in den Dokumentarfilm „Empire Me – Der Staat bin ich“, der ab Samstag im „Utopia“ zu sehen ist, eine Co-Produktion der luxemburgischen Minotaurus Film.

Von Sealand bis zu den schwimmenden Städten von Serenissima

Poets Rundgang beginnt zehn Kilometer vor der Küste von Suffolk in England. 1967 wurde eine Festung aus dem 2. Weltkrieg vom Ex-Major Paddy Roy Bates zum eigenständigen Staat Sealand proklamiert. Als Fürst Roy regiert er seitdem über die „Principality of Sealand“.

Ein weiteres Fürstentum nennt sich „Principality of Hutt River“ und liegt im Westen von Australien. Im italienischen Piemont wurde die Förderation von Damanhur 1975 ausgerufen, eine Gemeinschaft mit eigenen sozialen Strukturen.

In Bad Belzig (bei Berlin) befindet sich das Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZeGG), in der Theorie ein „Modellprojekt für eine ökologisch und sozial nachhaltige Lebensweise“. In der Praxis gehen die Besucher der freien Liebe nach.

Im Freistaat Christiania in Kopenhagen leben Drogendealer und Aussteiger in einer Pseudo-Harmonie, die des Öfteren von der Polizei gestört wird. Serenissima ist der Beiname von Venedig.

Die schwimmenden Städten von Serenissima sind Boote, die mit Abfall und viel Krimskrams gebaut wurden. Der Regisseur begleitet sie von Slowenien aus bis in die Lagunenstadt.

Verrückte oder was?

Das große Problem mit „Empire Me“ ist, dass der Film sich auf eine rein oberflächliche Beschreibung dieser sechs Mikronationen beschränkt und daher viele Fragen offen lässt.

Am Ende fällt es einem schwer, zu beurteilen, ob die Bewohner komplett Verrückte sind, die sich u. a. Fürstentitel geben, oder nur einen Vorwand suchen, sich ihren Utopien oder ihrer Sucht (Sex, Drogen, Macht oder Geld) hin zu geben.

Warum diese Menschen aus der traditionellen Gesellschaft ausstiegen, wird nicht beantwortet, genauso wenig wie sich diese Staaten finanziell tragen.

Zu dokumentarisch ernst nimmt sich Poet. Es dringt keine Kritik durch, keine Ironie. Es scheint als wäre er ein knallharter Verfechter dieser Aussteiger.

Aber wirklich ernst kann man diese Menschen nicht nehmen. Die Ausgangsposition dieses Dokumentarfilms ist interessant, nur die Ausführung nicht.

CH.S.

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Weil die Welt aus den Fugen geraten ist, versuchen immer mehr Menschen, dem Alltag mit all seinen Konventionen zu entkommen. Verschiedene gründen ihre eigenen Staaten, so genannte Mikronationen, wo sie u. a. ihre eigenen Gesetze ausrufen, ohne jegliche rechtliche Basis.

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Diese Staaten sind aber international nicht anerkannt und werden von oben herab belächelt. Regisseur Paul Poet besuchte sechs solcher Mikronationen und packte seine Erlebnisse in den Dokumentarfilm „Empire Me – Der Staat bin ich“, der ab Samstag im „Utopia“ zu sehen ist, eine Co-Produktion der luxemburgischen Minotaurus Film.

Von Sealand bis zu den schwimmenden Städten von Serenissima

Poets Rundgang beginnt zehn Kilometer vor der Küste von Suffolk in England. 1967 wurde eine Festung aus dem 2. Weltkrieg vom Ex-Major Paddy Roy Bates zum eigenständigen Staat Sealand proklamiert. Als Fürst Roy regiert er seitdem über die „Principality of Sealand“.

Ein weiteres Fürstentum nennt sich „Principality of Hutt River“ und liegt im Westen von Australien. Im italienischen Piemont wurde die Förderation von Damanhur 1975 ausgerufen, eine Gemeinschaft mit eigenen sozialen Strukturen.

In Bad Belzig (bei Berlin) befindet sich das Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZeGG), in der Theorie ein „Modellprojekt für eine ökologisch und sozial nachhaltige Lebensweise“. In der Praxis gehen die Besucher der freien Liebe nach.

Im Freistaat Christiania in Kopenhagen leben Drogendealer und Aussteiger in einer Pseudo-Harmonie, die des Öfteren von der Polizei gestört wird. Serenissima ist der Beiname von Venedig.

Die schwimmenden Städten von Serenissima sind Boote, die mit Abfall und viel Krimskrams gebaut wurden. Der Regisseur begleitet sie von Slowenien aus bis in die Lagunenstadt.

Verrückte oder was?

Das große Problem mit „Empire Me“ ist, dass der Film sich auf eine rein oberflächliche Beschreibung dieser sechs Mikronationen beschränkt und daher viele Fragen offen lässt.

Am Ende fällt es einem schwer, zu beurteilen, ob die Bewohner komplett Verrückte sind, die sich u. a. Fürstentitel geben, oder nur einen Vorwand suchen, sich ihren Utopien oder ihrer Sucht (Sex, Drogen, Macht oder Geld) hin zu geben.

Warum diese Menschen aus der traditionellen Gesellschaft ausstiegen, wird nicht beantwortet, genauso wenig wie sich diese Staaten finanziell tragen.

Zu dokumentarisch ernst nimmt sich Poet. Es dringt keine Kritik durch, keine Ironie. Es scheint als wäre er ein knallharter Verfechter dieser Aussteiger.

Aber wirklich ernst kann man diese Menschen nicht nehmen. Die Ausgangsposition dieses Dokumentarfilms ist interessant, nur die Ausführung nicht.

CH.S.

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