Feb 09 2012

Filmemacher Marc Simon und Marc Weber im Interview

Published by at 01:20 under No-Low Budget

SOURCE: http://www.journal.lu

Doppelter Einsatz

Im Sommer 2011 sorgte die luxemburgische Spaßband The Fitness für Aufsehen mit ihrem frischen und leicht durchgeknallten Video „Fitness Style“. Die Macher hinter diesem Clip sind die beiden luxemburgischen Nachwuchsfilmer Marc Simon und Marc Weber, deren kreative Basis sich in der österreichischen Hauptstadt Wien befindet. Das „Journal“ stellt die beiden Filmemacher im nachfolgenden Interview vor.


Aber bitte mit Musik

Lëtzebuerger Journal: Das Medium Film ist schon seit längerem Ihre Leidenschaft… .

Marc Weber: … genau. Wir beide kennen uns bereits von kleinauf und sind begeisterte Musikfans seit wir denken können. Von der Musik bis zur Literatur, bzw. dem Film ist ja kein weiter Weg zurückzulegen. Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Leser und glaube, dass diese Liebe zum geschriebenen Wort mein visuelles Denken beeinflusst hat. Damals war mein erster Gedanke jedoch nicht, dass ich irgendwann Filme drehen würde. Irgendwann war ich mir als Jugendlicher allerdings bewusst, dass ich in meinem späteren Leben gerne etwas machen würde, das die Menschen emotional bewegt und sie auch zum Nachdenken anregt. Musik und Film sind – und da spreche ich für uns beide – unsere Lieblingsmedien. Ich betone, dass die Musik im Film für uns eine bedeutende Rolle einnimmt. Ohne einen guten Soundtrack, der mit den Bildern und der Story harmoniert, ist es meines Erachtens schwierig, einen guten Film zu realisieren.

Marc Simon: Mein Zuhause hat mich stark geprägt: Meine Eltern haben mir eine wunderbare Kindheit geschenkt, weil meine Mutter z.B. zuhause beim Nachwuchs geblieben ist. Darüber hinaus waren und sind beide Elternteile sehr kulturinteressiert, so dass ich bereits im Alter von sechs Jahren in Kontakt mit dem Kinoclub des Utopia-Kinos gekommen bin.

L.J.: Wann ist die Idee denn in Ihnen beiden gereift, das Filmemachen an einer Hochschule zu erlernen?

M.S.: Die Idee, etwas im Bereich Film zu machen, schwirrte schon immer in meinem Kopf herum. Nach dem Abitur machte ich mich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz in Luxemburg. Da in dieser Zeit ein ganz großer der luxemburgischen Filmzunft verstorben war, war es damals schwierig, überhaupt eine Rückmeldung zu erhalten. Ich entschied mich dann für ein Architekturstudium in Wien: Die österreichische Hauptstadt erweist sich als optimaler Standort für dieses Studium. Des Weiteren kann ich in dieser Stadt meine Leidenschaft für den Film ausleben. Nachdem ich mit Marc das erste gemeinsame Projekt realisiert hatte, war mir schnell klar, dass die „visuelle Gestaltung“ eher mein Ding sein würde.

M.W.: Nach meinem Sekundarschulabschluss entschied ich mich für eine Ausbildung zum Grundschullehrer. Diese brach ich nach drei Jahren jedoch ab, da ich eine neue Herausforderung suchte. Ich wollte nicht meinen „normalen“ Beruf ausüben und mich lediglich in meiner Freizeit der Kunst hingeben. Dies hätte mich nicht zufrieden gestellt. Ich entschloss mich daher, einen Tapetenwechsel zu vollziehen: Ich kehrte Luxemburg den Rücken, um in einer Großstadt mein Glück zu versuchen. Meine Wahl fiel dann auf Wien, weil Marc bereits da lebte.

Videos auf dem Musikkanal

L.J.: Sie beide realisieren Kurzfilme und Musikvideos und bedienen ein ziemlich breites Publikum. Befasst man sich mit Ihren Arbeiten, so kommt man nicht an der Behauptung vorbei, Sie beide würden eine Vorliebe für das Trashige hegen. Oder sind die Trash-Elemente ein Mittel zum Zweck, um ihre Arbeiten mit einer provokativen Note zu versehen?

Simon/Weber: Vor einem Jahr haben wir – parallel zu unseren Filmstudien – damit begonnen, Videos und Kurzfilme zu drehen. Wir verfügten für diese Projekte über kein Budget; alles – vom Ideen-Sammeln bis zum Schnitt – wurde in Eigenregie realisiert. Das Trashige unseres Stils lässt sich auch durch die geringen, uns zur Verfügung stehenden Mittel erklären. Wir hatten kein Geld, keine Crew und nicht die erforderliche Technik. Trotzdem versuchten wir, unsere Mittel so einzusetzen, dass unsere Arbeiten den Ihnen sehr eigenen „Look“ erhielten. Geld spielt schon eine Rolle; allerdings kann man durchaus auch ohne viel Geld seine eigenen Ideen umsetzen; man muss nur wissen wie.

Zum Stichwort „provokativ“ ist zu sagen, dass „Provokation“ für uns schon ein Thema ist; wir glauben allerdings nicht, dass man das Provokative an einem trashigen Stil festmachen kann. Der Kunst soll immer etwas Provokatives anhaften, wenn man mit künstlerischen Mitteln versucht, die Gesellschaft auf eine gewisse At und Weise darzustellen.

L.J.: Einige Ihrer Videoclips wurden auf dem renommierten österreichischen Musiksender Go-TV ausgestrahlt. Für Sie muss das ja einem Ritterschlag gleichkommen. Welches ist für Sie nun die größte Herausforderung: „Trashvideos“ oder subtilere Arbeiten, wie das Video zum Titel „Familiar Thing“ der Band DAWA?

S./W.: Wir sind sehr glücklich darüber, dass es nach unserer kurzen Anlaufzeit bereits so schell zwei Videos ins Programm von Go-TV geschafft haben. Das liegt natürlich nicht nur an unseren Clips, sondern auch an den Bands, die sich auf einem gewissen musikalischen Niveau bewegen. Was nun die größte Herausforderung darstellt, ist schwer zu sagen. Dies hängt auch immer wieder von den einzelnen Bands ab sowie den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Alle bisher realisierten Filme und Clips waren wichtige Erfahrungen für uns: Wir haben viel dazu gelernt; mussten aber auch immer viel Energie in die Projekte investieren, bis wir ein Resultat erzielt hatten, mit dem wir zufrieden waren. Wir sind sehr selbstkritisch, da wir ein konkretes Ziel vor Augen haben. Der Weg dorthin ist noch ein weiter. Es ist wichtig, sich neuen Herausforderungen zu stellen, um sich immer weiterentwickeln zu können.

L.J.: Fassen Sie demnächst auch Projekte mit Musikern aus der luxemburgischen Kulturszene ins Auge?

S./W.: Zur luxemburgischen Kulturszene und speziell zur Musikszene haben wir Kontakte seit unserem 14. oder 15. Lebensjahr. Wir haben den Aufschwung der hiesigen Musikszene selbst miterlebt; viele Bands agieren heute recht professionell. Über einen Mangel an talentierten Künstlern braucht man sich in Luxemburg keineswegs zu beklagen. Wir würden es jedoch begrüßen, wenn beispielsweise mehr Musiker den Versuch wagen würden, mit ihrer Kunst auch ihr täglich Brot zu verdienen. Sicher bringt eine solche Entscheidung auch gewisse Risiken mit sich. In den kommenden Monaten werden wir beide wieder das eine oder andere Projekt mit luxemburgischen Musikern auf die Beinen stellen. Momentan steht eine Zusammenarbeit mit einem Musiker aus London in den Startblöcken.

› Die Fragen stellte Patrick Versall

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SOURCE: http://www.journal.lu

Doppelter Einsatz

Im Sommer 2011 sorgte die luxemburgische Spaßband The Fitness für Aufsehen mit ihrem frischen und leicht durchgeknallten Video „Fitness Style“. Die Macher hinter diesem Clip sind die beiden luxemburgischen Nachwuchsfilmer Marc Simon und Marc Weber, deren kreative Basis sich in der österreichischen Hauptstadt Wien befindet. Das „Journal“ stellt die beiden Filmemacher im nachfolgenden Interview vor.


Aber bitte mit Musik

Lëtzebuerger Journal: Das Medium Film ist schon seit längerem Ihre Leidenschaft… .

Marc Weber: … genau. Wir beide kennen uns bereits von kleinauf und sind begeisterte Musikfans seit wir denken können. Von der Musik bis zur Literatur, bzw. dem Film ist ja kein weiter Weg zurückzulegen. Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Leser und glaube, dass diese Liebe zum geschriebenen Wort mein visuelles Denken beeinflusst hat. Damals war mein erster Gedanke jedoch nicht, dass ich irgendwann Filme drehen würde. Irgendwann war ich mir als Jugendlicher allerdings bewusst, dass ich in meinem späteren Leben gerne etwas machen würde, das die Menschen emotional bewegt und sie auch zum Nachdenken anregt. Musik und Film sind – und da spreche ich für uns beide – unsere Lieblingsmedien. Ich betone, dass die Musik im Film für uns eine bedeutende Rolle einnimmt. Ohne einen guten Soundtrack, der mit den Bildern und der Story harmoniert, ist es meines Erachtens schwierig, einen guten Film zu realisieren.

Marc Simon: Mein Zuhause hat mich stark geprägt: Meine Eltern haben mir eine wunderbare Kindheit geschenkt, weil meine Mutter z.B. zuhause beim Nachwuchs geblieben ist. Darüber hinaus waren und sind beide Elternteile sehr kulturinteressiert, so dass ich bereits im Alter von sechs Jahren in Kontakt mit dem Kinoclub des Utopia-Kinos gekommen bin.

L.J.: Wann ist die Idee denn in Ihnen beiden gereift, das Filmemachen an einer Hochschule zu erlernen?

M.S.: Die Idee, etwas im Bereich Film zu machen, schwirrte schon immer in meinem Kopf herum. Nach dem Abitur machte ich mich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz in Luxemburg. Da in dieser Zeit ein ganz großer der luxemburgischen Filmzunft verstorben war, war es damals schwierig, überhaupt eine Rückmeldung zu erhalten. Ich entschied mich dann für ein Architekturstudium in Wien: Die österreichische Hauptstadt erweist sich als optimaler Standort für dieses Studium. Des Weiteren kann ich in dieser Stadt meine Leidenschaft für den Film ausleben. Nachdem ich mit Marc das erste gemeinsame Projekt realisiert hatte, war mir schnell klar, dass die „visuelle Gestaltung“ eher mein Ding sein würde.

M.W.: Nach meinem Sekundarschulabschluss entschied ich mich für eine Ausbildung zum Grundschullehrer. Diese brach ich nach drei Jahren jedoch ab, da ich eine neue Herausforderung suchte. Ich wollte nicht meinen „normalen“ Beruf ausüben und mich lediglich in meiner Freizeit der Kunst hingeben. Dies hätte mich nicht zufrieden gestellt. Ich entschloss mich daher, einen Tapetenwechsel zu vollziehen: Ich kehrte Luxemburg den Rücken, um in einer Großstadt mein Glück zu versuchen. Meine Wahl fiel dann auf Wien, weil Marc bereits da lebte.

Videos auf dem Musikkanal

L.J.: Sie beide realisieren Kurzfilme und Musikvideos und bedienen ein ziemlich breites Publikum. Befasst man sich mit Ihren Arbeiten, so kommt man nicht an der Behauptung vorbei, Sie beide würden eine Vorliebe für das Trashige hegen. Oder sind die Trash-Elemente ein Mittel zum Zweck, um ihre Arbeiten mit einer provokativen Note zu versehen?

Simon/Weber: Vor einem Jahr haben wir – parallel zu unseren Filmstudien – damit begonnen, Videos und Kurzfilme zu drehen. Wir verfügten für diese Projekte über kein Budget; alles – vom Ideen-Sammeln bis zum Schnitt – wurde in Eigenregie realisiert. Das Trashige unseres Stils lässt sich auch durch die geringen, uns zur Verfügung stehenden Mittel erklären. Wir hatten kein Geld, keine Crew und nicht die erforderliche Technik. Trotzdem versuchten wir, unsere Mittel so einzusetzen, dass unsere Arbeiten den Ihnen sehr eigenen „Look“ erhielten. Geld spielt schon eine Rolle; allerdings kann man durchaus auch ohne viel Geld seine eigenen Ideen umsetzen; man muss nur wissen wie.

Zum Stichwort „provokativ“ ist zu sagen, dass „Provokation“ für uns schon ein Thema ist; wir glauben allerdings nicht, dass man das Provokative an einem trashigen Stil festmachen kann. Der Kunst soll immer etwas Provokatives anhaften, wenn man mit künstlerischen Mitteln versucht, die Gesellschaft auf eine gewisse At und Weise darzustellen.

L.J.: Einige Ihrer Videoclips wurden auf dem renommierten österreichischen Musiksender Go-TV ausgestrahlt. Für Sie muss das ja einem Ritterschlag gleichkommen. Welches ist für Sie nun die größte Herausforderung: „Trashvideos“ oder subtilere Arbeiten, wie das Video zum Titel „Familiar Thing“ der Band DAWA?

S./W.: Wir sind sehr glücklich darüber, dass es nach unserer kurzen Anlaufzeit bereits so schell zwei Videos ins Programm von Go-TV geschafft haben. Das liegt natürlich nicht nur an unseren Clips, sondern auch an den Bands, die sich auf einem gewissen musikalischen Niveau bewegen. Was nun die größte Herausforderung darstellt, ist schwer zu sagen. Dies hängt auch immer wieder von den einzelnen Bands ab sowie den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Alle bisher realisierten Filme und Clips waren wichtige Erfahrungen für uns: Wir haben viel dazu gelernt; mussten aber auch immer viel Energie in die Projekte investieren, bis wir ein Resultat erzielt hatten, mit dem wir zufrieden waren. Wir sind sehr selbstkritisch, da wir ein konkretes Ziel vor Augen haben. Der Weg dorthin ist noch ein weiter. Es ist wichtig, sich neuen Herausforderungen zu stellen, um sich immer weiterentwickeln zu können.

L.J.: Fassen Sie demnächst auch Projekte mit Musikern aus der luxemburgischen Kulturszene ins Auge?

S./W.: Zur luxemburgischen Kulturszene und speziell zur Musikszene haben wir Kontakte seit unserem 14. oder 15. Lebensjahr. Wir haben den Aufschwung der hiesigen Musikszene selbst miterlebt; viele Bands agieren heute recht professionell. Über einen Mangel an talentierten Künstlern braucht man sich in Luxemburg keineswegs zu beklagen. Wir würden es jedoch begrüßen, wenn beispielsweise mehr Musiker den Versuch wagen würden, mit ihrer Kunst auch ihr täglich Brot zu verdienen. Sicher bringt eine solche Entscheidung auch gewisse Risiken mit sich. In den kommenden Monaten werden wir beide wieder das eine oder andere Projekt mit luxemburgischen Musikern auf die Beinen stellen. Momentan steht eine Zusammenarbeit mit einem Musiker aus London in den Startblöcken.

› Die Fragen stellte Patrick Versall

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