Oct 13 2013

Aufbruch zu besseren Zeiten

Published by at 02:37 under Juliette Films,PTD

SOURCE: http://www.journal.lu

CHRISTIAN SPIELMANN

Mit „D’Fifties zu Lëtzebuerg“ dokumentiert Andy Bausch die 1950er Jahre in Luxemburg

Andy Bausch hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er ein glückliches Händchen im Drehen von Dokumentarfilmen hat.

Nach den Kriegsjahren in „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ und die Zeit um die Jahrhundertwende in „D’Belle Epoque“, zeichnet der luxemburgische Regisseur nun ein Bild der 1950er Jahre in Luxemburg mit „D’Fifties zu Lëtzebuerg“.

Die Kirche, die Politik und die Luxemburger:

Zu Beginn der Fünfziger saß der Krieg noch tief in den Köpfen der Leute. Der Staat wurde eigentlich von der Kirche gelenkt. Viele Leute sahen ihr Heil im Besuch der Messe und im Glauben an einen Gott. Daher gingen Ende dieses Jahrzehnts mehr Menschen in die Kirche als in die Kinos, die immerhin 4,8 Millionen Besucher verzeichnen konnten. Die Kirche versuchte ihre Moral hochzuhalten, und der Pfarrer war der Herr im Dorf. Doch allmählich begannen die Menschen mit dem steten Fortschritt und der sich dadurch entwickelnden Wohlstandsgesellschaft anders zu denken und zu leben. Prinz Jean heiratete 1953 die belgische Prinzessin Joséphine-Charlotte. Robert Schuman schürte die Idee eines vereinten Europas, und Luxemburg lebte in dieser Begeisterung auf. Die CECA-Verträge und die Montanunion waren die Grundsteine für Luxemburg an der Spitze eines geeinten Europas. Die Arbed blühte auf und bot Ende der Fünfziger 16.000 Leuten Arbeit. Der Kalte Krieg ging nicht spurlos am Großherzogtum vorbei, und es kam zu Protesten gegen Russland, die mit der Stürmung der russischen Botschaft ihren Höhepunkt erlebten.

Kultur und Sport

Die Kultur spielte eine wichtige Rolle in diesem Jahrzehnt; das Land bekam seine eigene Fernsehsendung, „Bei ons doheem“ und das Kino boomte wie nie zuvor.

Auch wenn noch viele Luxemburger anti-deutsch eingestellt waren, so waren die deutschen Filme die am bestbesuchtesten. Der Fall des Films „Die Sünderin“ wird ebenfalls aufgerollt, ein Film, den die Kirche wegen seiner Einstellung zur Euthanasie wie auch wegen einiger freizügiger Szenen nicht mochte. Der Radsport erlebte sein wahrscheinlich erfolgreichstes Jahrzehnt, mit Ausnahmefahrern wie Bim Diederich, Jempy Schmitz, Elsy Jacobs und natürlich Charly Gaul. Josy Barthel, die Fußballclubs Alliance und Jeunesse fehlen genauso wenig wie der Turner Josy Stoffel oder Bemerkungen zum Thema Doping. Und es gibt noch vieles vieles mehr zu entdecken!

Gute, schlechte und lustige Erinnerungen

Zeitzeugen, u. a. Pe’l Schlechter, Lex Roth, Fernand Fox, Henri Losch, Rosch Krieps, Roger Quaino, Josy Stoffel, Colette Flesch, Pilo Fonck, Josée Jaminet, Jean Defrang, Lucien Haas, Bim Diederich, Nic Weber und Maître Gaston Vogel wühlen in ihren Erinnerungen, die zum großen Teil positiv oder gar lustig sind. Nur wenige Geschichten sind mit schlechten Gefühlen verbunden, wie etwa die Versuche der Kirche, die Presse klein zu kriegen.

Andy Bausch hat es wieder geschafft, eine Epoche filmisch auf eine interessante Art und Weise zu dokumentieren. Neben den historischen Film- und Fotoaufnahmen, sind einige Szenen nachgestellt, mit u. a. Nilton Martins, Gilles Soeder und Christiane Rausch, bzw. nachbearbeitet worden, wie etwa Werbeanzeigen. „D’Fifties zu Lëtzebuerg“ startet am 23. Oktober in unseren Kinos, den Besuch sollte man sich unbedingt jetzt schon vormerken.

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CHRISTIAN SPIELMANN

Mit „D’Fifties zu Lëtzebuerg“ dokumentiert Andy Bausch die 1950er Jahre in Luxemburg

Andy Bausch hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er ein glückliches Händchen im Drehen von Dokumentarfilmen hat.

Nach den Kriegsjahren in „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ und die Zeit um die Jahrhundertwende in „D’Belle Epoque“, zeichnet der luxemburgische Regisseur nun ein Bild der 1950er Jahre in Luxemburg mit „D’Fifties zu Lëtzebuerg“.

Die Kirche, die Politik und die Luxemburger:

Zu Beginn der Fünfziger saß der Krieg noch tief in den Köpfen der Leute. Der Staat wurde eigentlich von der Kirche gelenkt. Viele Leute sahen ihr Heil im Besuch der Messe und im Glauben an einen Gott. Daher gingen Ende dieses Jahrzehnts mehr Menschen in die Kirche als in die Kinos, die immerhin 4,8 Millionen Besucher verzeichnen konnten. Die Kirche versuchte ihre Moral hochzuhalten, und der Pfarrer war der Herr im Dorf. Doch allmählich begannen die Menschen mit dem steten Fortschritt und der sich dadurch entwickelnden Wohlstandsgesellschaft anders zu denken und zu leben. Prinz Jean heiratete 1953 die belgische Prinzessin Joséphine-Charlotte. Robert Schuman schürte die Idee eines vereinten Europas, und Luxemburg lebte in dieser Begeisterung auf. Die CECA-Verträge und die Montanunion waren die Grundsteine für Luxemburg an der Spitze eines geeinten Europas. Die Arbed blühte auf und bot Ende der Fünfziger 16.000 Leuten Arbeit. Der Kalte Krieg ging nicht spurlos am Großherzogtum vorbei, und es kam zu Protesten gegen Russland, die mit der Stürmung der russischen Botschaft ihren Höhepunkt erlebten.

Kultur und Sport

Die Kultur spielte eine wichtige Rolle in diesem Jahrzehnt; das Land bekam seine eigene Fernsehsendung, „Bei ons doheem“ und das Kino boomte wie nie zuvor.

Auch wenn noch viele Luxemburger anti-deutsch eingestellt waren, so waren die deutschen Filme die am bestbesuchtesten. Der Fall des Films „Die Sünderin“ wird ebenfalls aufgerollt, ein Film, den die Kirche wegen seiner Einstellung zur Euthanasie wie auch wegen einiger freizügiger Szenen nicht mochte. Der Radsport erlebte sein wahrscheinlich erfolgreichstes Jahrzehnt, mit Ausnahmefahrern wie Bim Diederich, Jempy Schmitz, Elsy Jacobs und natürlich Charly Gaul. Josy Barthel, die Fußballclubs Alliance und Jeunesse fehlen genauso wenig wie der Turner Josy Stoffel oder Bemerkungen zum Thema Doping. Und es gibt noch vieles vieles mehr zu entdecken!

Gute, schlechte und lustige Erinnerungen

Zeitzeugen, u. a. Pe’l Schlechter, Lex Roth, Fernand Fox, Henri Losch, Rosch Krieps, Roger Quaino, Josy Stoffel, Colette Flesch, Pilo Fonck, Josée Jaminet, Jean Defrang, Lucien Haas, Bim Diederich, Nic Weber und Maître Gaston Vogel wühlen in ihren Erinnerungen, die zum großen Teil positiv oder gar lustig sind. Nur wenige Geschichten sind mit schlechten Gefühlen verbunden, wie etwa die Versuche der Kirche, die Presse klein zu kriegen.

Andy Bausch hat es wieder geschafft, eine Epoche filmisch auf eine interessante Art und Weise zu dokumentieren. Neben den historischen Film- und Fotoaufnahmen, sind einige Szenen nachgestellt, mit u. a. Nilton Martins, Gilles Soeder und Christiane Rausch, bzw. nachbearbeitet worden, wie etwa Werbeanzeigen. „D’Fifties zu Lëtzebuerg“ startet am 23. Oktober in unseren Kinos, den Besuch sollte man sich unbedingt jetzt schon vormerken.

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