Dec 28 2012

Der siebten Kunst verfallen

Published by at 01:30 under PTD

SOURCE: http://www.journal.lu

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Paul Thiltges trägt viele Hüte und ist seit vielen Jahren im Film-Business aktiv. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die eine Karriere als Regisseur oder Schauspieler eingeschlagen haben, arbeitet er eher im Hintergrund und befasst sich vor allem mit der Produktion sowie dem Vertrieb und Verkauf von Filmen. Dabei hat es allerdings etwas gedauert, bis er sich für die siebte Kunst begeistern konnte. „Der Winnetou-Film ‚Der Schatz im Silbersee‘ war der erste Streifen, den ich in einem kleinen Kino in Esch/Alzette gesehen habe. Danach hat es gedauert, bis ich nach meinem Job bei der Sparkasse über zehn Jahre als Lehrer gearbeitet habe und mich damals in der Freizeit intensiver mit Theater und Film beschäftigt habe. Es war Anfang der 80er der Jahre, als mein Bruder Jani und Andy Bausch mich fragten, ob ich den Film ‚When the music’s over‘ produzieren möchte. Ich sagte zu, wollte aber erst einmal wissen, was ‚produzieren‘ eigentlich bedeutet.“

Auf Anhieb klappte die Zusammenarbeit und für Andy Bauschs nächstes Projekt „Gwyncilla, Legend of Dark Ages“ im Jahre 1986 holte man weitere Leute an Bord, mit denen anschließend die Samsa Film asbl gegründet wurde. Einen ersten Erfolg verzeichnete die junge Firma 1989 mit Frank Hoffmanns Film „Schacko Klak“, der auf einer literarischen Vorlage von Roger Manderscheid basiert. „Einen ‚Film Fund‘, der eine gewisse finanzielle Unterstützung garantierte, gab es damals noch nicht. Wir hatten aber rund 650.000 Euro zur Verfügung, um diesen Film zu drehen. Heutzutage wäre es nicht mehr möglich, mit der Summe einen historischen Streifen ins Kino zu bringen, der im zweiten Weltkrieg spielt. Die Ausstattung sowie die Statisten kosten selbstverständlich ein wenig Geld… ‚Schacko Klak‘ gab mir den Anstoß, den Lehrerberuf an den Nagel zu hängen und ins Filmgeschäft einzusteigen. Mein Bruder Jani und Claude Waringo trafen eine ähnliche Entscheidung, gingen aber erst zur Filmschule…ich bin dagegen Autodidakt und habe mich über europäische Weiterbildungsprojekte wie EAVE weitergebildet.“

Eigene Firma

Die Filmszene im Großherzogtum steckte am Anfang der 90er Jahre zwar noch in ihren Kinderschuhen, aber sie fing damals an, sich zu professionalisieren und aus dem harten Samsa-Kern entwickelten sich konkrete Infrastrukturen.
Paul Thiltges zog es vor allem zur Produktion und zum Vertrieb von Animationsfilmen, eine Vorliebe, die nicht von den anderen Gründungsmitgliedern von Samsa Film geteilt wurde, weil das Geschäft ihnen zu riskant war. Daraufhin gründete er die Firma „Samsa Distributions“, aus der 1993 „Paul Thiltges Distributions“ (PTD) entstand. „Gleichzeitig startete ich ‚Monipoly Productions‘ mit der Münchner Produzentin Monika Aubele, eine Produktionsfirma, die sich auf Animationsfilme konzentrierte. Nach einer Weile wurde ich von ausländischen Produzenten darauf angesprochen, ob ich nicht Dokumentarfilme in meinen PTD-Katalog aufnehmen will. Dabei gelang es mir, mit dem Österreicher Michael Glawogger einen der großen Filmemacher an Bord zu holen. Er ist sozusagen eines meiner besten Pferde im Stall und seine Filme ‚Megacities‘ sowie ‚Workingman’s Death‘ zählen zu den unumgänglichen und hochdekorierten Dokumentarfilmen der letzten Jahrzehnte.“
Synchronisierungen

Was Zeichentrickfilme betrifft hat Paul Thiltges sich die Rechte von vielen kleinen Juwelen gesichert, darunter Koproduktionen wie „La Freccia Azzurra“, „Kirikou et la Sorcière“ oder „D’Lotti vu Bastelduerf“. Diese lässt er fast ausnahmslos auf Luxemburgisch synchronisieren. „Es ist mir wichtig, dass die Kinder diese Filme in ihrer Muttersprache zu sehen bekommen, Wir haben eine kleine aber auch sehr schöne Sprache, die wir sorgsam schützen sollten. Außerdem ist es mir wichtig, dass wir Qualitätskinderfilme im Programm haben und für die ganz Kleinen synchronisieren. Bislang haben wir das ganz ohne die Hilfe des ‚Film Fund‘ gemacht. Mittlerweile gibt es aber einen Wunsch des zuständigen Ministers François Biltgen, dass vor allem für die Koproduktionen für Kinder auch eine luxemburgische Fassung des Films vorgesehen ist und es dafür mittlerweile eine finanzielle Hilfe geben kann.“

Zukunftsmusik

Neben den vielen Projekten, die inzwischen gut laufen, gibt es auch einige neue Projekte, an denen Paul Thiltges beteiligt ist. Im Bereich des Marketing und der Kommunikation will man in Zukunft dafür sorgen, dass Produktionen aus dem Großherzogtum gleichermaßen in Luxemburg und im Ausland besser vermarktet werden, sei es über VOD-Plattformen wie iTunes, in Schulen, oder über die luxemburgischen Botschaften und natürlich auch den Weg auf die internationalen Festivals finden. Noch in diesem Monat wird eine luxemburgische Filmakademie gegründet, deren Mitglieder aus den Bereichen der Produktion, Regie und Drehbuch, Schauspiel sowie Technik kommen und künftig auch für den „Lëtzebuerger Filmpräiss“ mitstimmen können. Ferner verrät der Präsident der Luxemburger Filmproduzenten, dass im Januar in Kehlen die Filmland S.A. ihre Pforten offiziell öffnen wird. „Es gibt einen Vertrag mit neun Gesellschaften, von denen letzten Endes acht in Kehlen ansässig sein werden. Damit wird unsere hiesige Filmindustrie ein wenig näher aneinander rücken und es werden sicherlich neue Synergien entstehen.“

Ein weiteres Projekt, das Paul Thiltges am Herzen liegt, ist die von ihm mitgegründete „Fondation Thierry van Werveke“. In den nächsten Jahren sollen Filme mit dem 2009 verstorbenen „Thierry National“ auf DVD veröffentlicht werden, die bislang aus diversen Gründen nicht erhältlich waren.
Als erster Streifen kommt in der kommenden Woche Andy Bauschs „Three Shake-a-leg Steps to Heaven“ von 1993, eine Samsa Film Produktion in die Läden. Der Erlös geht an die von der Stiftung unterstützten Projekte.

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Paul Thiltges trägt viele Hüte und ist seit vielen Jahren im Film-Business aktiv. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die eine Karriere als Regisseur oder Schauspieler eingeschlagen haben, arbeitet er eher im Hintergrund und befasst sich vor allem mit der Produktion sowie dem Vertrieb und Verkauf von Filmen. Dabei hat es allerdings etwas gedauert, bis er sich für die siebte Kunst begeistern konnte. „Der Winnetou-Film ‚Der Schatz im Silbersee‘ war der erste Streifen, den ich in einem kleinen Kino in Esch/Alzette gesehen habe. Danach hat es gedauert, bis ich nach meinem Job bei der Sparkasse über zehn Jahre als Lehrer gearbeitet habe und mich damals in der Freizeit intensiver mit Theater und Film beschäftigt habe. Es war Anfang der 80er der Jahre, als mein Bruder Jani und Andy Bausch mich fragten, ob ich den Film ‚When the music’s over‘ produzieren möchte. Ich sagte zu, wollte aber erst einmal wissen, was ‚produzieren‘ eigentlich bedeutet.“

Auf Anhieb klappte die Zusammenarbeit und für Andy Bauschs nächstes Projekt „Gwyncilla, Legend of Dark Ages“ im Jahre 1986 holte man weitere Leute an Bord, mit denen anschließend die Samsa Film asbl gegründet wurde. Einen ersten Erfolg verzeichnete die junge Firma 1989 mit Frank Hoffmanns Film „Schacko Klak“, der auf einer literarischen Vorlage von Roger Manderscheid basiert. „Einen ‚Film Fund‘, der eine gewisse finanzielle Unterstützung garantierte, gab es damals noch nicht. Wir hatten aber rund 650.000 Euro zur Verfügung, um diesen Film zu drehen. Heutzutage wäre es nicht mehr möglich, mit der Summe einen historischen Streifen ins Kino zu bringen, der im zweiten Weltkrieg spielt. Die Ausstattung sowie die Statisten kosten selbstverständlich ein wenig Geld… ‚Schacko Klak‘ gab mir den Anstoß, den Lehrerberuf an den Nagel zu hängen und ins Filmgeschäft einzusteigen. Mein Bruder Jani und Claude Waringo trafen eine ähnliche Entscheidung, gingen aber erst zur Filmschule…ich bin dagegen Autodidakt und habe mich über europäische Weiterbildungsprojekte wie EAVE weitergebildet.“

Eigene Firma

Die Filmszene im Großherzogtum steckte am Anfang der 90er Jahre zwar noch in ihren Kinderschuhen, aber sie fing damals an, sich zu professionalisieren und aus dem harten Samsa-Kern entwickelten sich konkrete Infrastrukturen.
Paul Thiltges zog es vor allem zur Produktion und zum Vertrieb von Animationsfilmen, eine Vorliebe, die nicht von den anderen Gründungsmitgliedern von Samsa Film geteilt wurde, weil das Geschäft ihnen zu riskant war. Daraufhin gründete er die Firma „Samsa Distributions“, aus der 1993 „Paul Thiltges Distributions“ (PTD) entstand. „Gleichzeitig startete ich ‚Monipoly Productions‘ mit der Münchner Produzentin Monika Aubele, eine Produktionsfirma, die sich auf Animationsfilme konzentrierte. Nach einer Weile wurde ich von ausländischen Produzenten darauf angesprochen, ob ich nicht Dokumentarfilme in meinen PTD-Katalog aufnehmen will. Dabei gelang es mir, mit dem Österreicher Michael Glawogger einen der großen Filmemacher an Bord zu holen. Er ist sozusagen eines meiner besten Pferde im Stall und seine Filme ‚Megacities‘ sowie ‚Workingman’s Death‘ zählen zu den unumgänglichen und hochdekorierten Dokumentarfilmen der letzten Jahrzehnte.“
Synchronisierungen

Was Zeichentrickfilme betrifft hat Paul Thiltges sich die Rechte von vielen kleinen Juwelen gesichert, darunter Koproduktionen wie „La Freccia Azzurra“, „Kirikou et la Sorcière“ oder „D’Lotti vu Bastelduerf“. Diese lässt er fast ausnahmslos auf Luxemburgisch synchronisieren. „Es ist mir wichtig, dass die Kinder diese Filme in ihrer Muttersprache zu sehen bekommen, Wir haben eine kleine aber auch sehr schöne Sprache, die wir sorgsam schützen sollten. Außerdem ist es mir wichtig, dass wir Qualitätskinderfilme im Programm haben und für die ganz Kleinen synchronisieren. Bislang haben wir das ganz ohne die Hilfe des ‚Film Fund‘ gemacht. Mittlerweile gibt es aber einen Wunsch des zuständigen Ministers François Biltgen, dass vor allem für die Koproduktionen für Kinder auch eine luxemburgische Fassung des Films vorgesehen ist und es dafür mittlerweile eine finanzielle Hilfe geben kann.“

Zukunftsmusik

Neben den vielen Projekten, die inzwischen gut laufen, gibt es auch einige neue Projekte, an denen Paul Thiltges beteiligt ist. Im Bereich des Marketing und der Kommunikation will man in Zukunft dafür sorgen, dass Produktionen aus dem Großherzogtum gleichermaßen in Luxemburg und im Ausland besser vermarktet werden, sei es über VOD-Plattformen wie iTunes, in Schulen, oder über die luxemburgischen Botschaften und natürlich auch den Weg auf die internationalen Festivals finden. Noch in diesem Monat wird eine luxemburgische Filmakademie gegründet, deren Mitglieder aus den Bereichen der Produktion, Regie und Drehbuch, Schauspiel sowie Technik kommen und künftig auch für den „Lëtzebuerger Filmpräiss“ mitstimmen können. Ferner verrät der Präsident der Luxemburger Filmproduzenten, dass im Januar in Kehlen die Filmland S.A. ihre Pforten offiziell öffnen wird. „Es gibt einen Vertrag mit neun Gesellschaften, von denen letzten Endes acht in Kehlen ansässig sein werden. Damit wird unsere hiesige Filmindustrie ein wenig näher aneinander rücken und es werden sicherlich neue Synergien entstehen.“

Ein weiteres Projekt, das Paul Thiltges am Herzen liegt, ist die von ihm mitgegründete „Fondation Thierry van Werveke“. In den nächsten Jahren sollen Filme mit dem 2009 verstorbenen „Thierry National“ auf DVD veröffentlicht werden, die bislang aus diversen Gründen nicht erhältlich waren.
Als erster Streifen kommt in der kommenden Woche Andy Bauschs „Three Shake-a-leg Steps to Heaven“ von 1993, eine Samsa Film Produktion in die Läden. Der Erlös geht an die von der Stiftung unterstützten Projekte.

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