Mar 22 2012

Spannende Unterrichtsstunde

Published by at 01:29 under PTD

SOURCE: http://www.journal.lu

Die Belle Epoque scheint eine herrliche Zeit für viele Menschen gewesen zu sein, waren es doch Jahre der Entdeckungen, des sozialen und wirtschaftlichen Aufschwungs der Gesellschaft, die sich zudem noch liberalisierte und von vielen Tabus befreien konnte. Allgemein zählt die Zeit zwischen den 1880er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Belle Epoque.

Nachdem Andy Bausch mit „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ die Zeit während des Zweiten Weltkriegs dokumentiert hat, nahm er sich nun einer Epoche an, von der es etliche Bildbände gibt, die aber in dieser filmischen Form noch nicht dokumentiert wurde und so eher ein großes Publikum finden wird. Am vorgestrigen Mittwochabend war die offizielle luxemburgische Erstaufführung von „D’Belle Epoque“ , eine Produktion von Paul Thiltges Distributions, im Utopolis.

Isabelles Erinnerungen

Da es nicht genug Filmdokumente aus der „schönen“ Epoche gibt – das Kino wurde ja erst in diesen Jahren erfunden – griff Andy Bausch auf die Form des Fiktionskinos zurück. Daher beginnt sein Film als Spielfilm, in dem Isabelle (Vicky Krieps), die Tochter eines Zeitungsverlegers (Marco Lorenzini), mit ihrer Zofe Betty (Gintaré Parulyté) auf die Suche nach einem Koffer geht. Auf dem Dachboden fallen den beiden hunderte von Fotos aus einem großen Koffer vor die Füße. „Belle“ beginnt sich, ans Jahr 1899 zu erinnern, wo der Fotograf Charles Bernhoef, „Photographe de la Cour“, erste Fotos von ihr nahm. Die Namen von u. a. Fotograf Jean-Baptiste Fischer, Staatsminister Paul Eyschen, dem „rouden Dokter“ Michel Welter – Arzt und Politiker – , Caspar Mathias Spoo – Industrieller und Politiker – , Hercule Grün und der Großherzogin Marie-Adélaïde werden genannt und anhand kurzer Beschreibungen in den Zeitkontext gesetzt.

Man erfährt von der Gründung neuer Parteien, von Streiks in der Stahlindustrie, warum der Pont Adolphe, die „nei Bréck“, auch noch Todesbrücke genannt wurde, wann es die ersten Autos in Luxemburg gab oder der städtische Bahnhof im „Misseler Barock“ gebaut wurde, von den Schmalspurbahnen „Jangli“ und „Charly“, von der Champagner-Fabrik Mercier, den Auswanderungen nach Amerika, den ersten Kinovorstellungen und der Pariser Weltausstellung.

Fotos, Filme, Fiktionen

Die Belle Epoque wird in erster Linie durch historische Fotos dokumentiert, aber auch durch Filmausschnitte soweit die Siebte Kunst bereits zum Einsatz kam, u. a. über Großherzogin Marie-Adélaïde und die Champagner-Fabrik. Fast die Hälfte der 98 Minuten Laufzeit sind aber fiktive Bilder von Isabelle, ihrer Familie und nachgestellte Szenen, in denen u. a. Jules Werner, Myriam Muller, Ender Frings, Tom Leick, Steve Karier und Pit Simon zu sehen sind.

Im Gegensatz zu „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ gab es keine Zeitzeugen mehr, und so entschied sich Bausch für diese Mixtur aus Fiktion, Fotos und Filmausschnitten. Die Fiktion gibt dem Film eine gewisse Dynamik, und so entstand ein extrem interessanter Mix über (fast) die gesamte Belle Epoque in Luxemburg. Natürlich fallen hier sehr viele Namen, die ein Luxemburger eigentlich kennen müsste. Konzentration ist erfordert, aber die findet man schnell angesichts des flotten Rhythmus’ des Films. Der Film startet heute im „Utopolis“, „CineBelval“, „Kursaal“ und „Starlight“.

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Die Belle Epoque scheint eine herrliche Zeit für viele Menschen gewesen zu sein, waren es doch Jahre der Entdeckungen, des sozialen und wirtschaftlichen Aufschwungs der Gesellschaft, die sich zudem noch liberalisierte und von vielen Tabus befreien konnte. Allgemein zählt die Zeit zwischen den 1880er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Belle Epoque.

Nachdem Andy Bausch mit „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ die Zeit während des Zweiten Weltkriegs dokumentiert hat, nahm er sich nun einer Epoche an, von der es etliche Bildbände gibt, die aber in dieser filmischen Form noch nicht dokumentiert wurde und so eher ein großes Publikum finden wird. Am vorgestrigen Mittwochabend war die offizielle luxemburgische Erstaufführung von „D’Belle Epoque“ , eine Produktion von Paul Thiltges Distributions, im Utopolis.

Isabelles Erinnerungen

Da es nicht genug Filmdokumente aus der „schönen“ Epoche gibt – das Kino wurde ja erst in diesen Jahren erfunden – griff Andy Bausch auf die Form des Fiktionskinos zurück. Daher beginnt sein Film als Spielfilm, in dem Isabelle (Vicky Krieps), die Tochter eines Zeitungsverlegers (Marco Lorenzini), mit ihrer Zofe Betty (Gintaré Parulyté) auf die Suche nach einem Koffer geht. Auf dem Dachboden fallen den beiden hunderte von Fotos aus einem großen Koffer vor die Füße. „Belle“ beginnt sich, ans Jahr 1899 zu erinnern, wo der Fotograf Charles Bernhoef, „Photographe de la Cour“, erste Fotos von ihr nahm. Die Namen von u. a. Fotograf Jean-Baptiste Fischer, Staatsminister Paul Eyschen, dem „rouden Dokter“ Michel Welter – Arzt und Politiker – , Caspar Mathias Spoo – Industrieller und Politiker – , Hercule Grün und der Großherzogin Marie-Adélaïde werden genannt und anhand kurzer Beschreibungen in den Zeitkontext gesetzt.

Man erfährt von der Gründung neuer Parteien, von Streiks in der Stahlindustrie, warum der Pont Adolphe, die „nei Bréck“, auch noch Todesbrücke genannt wurde, wann es die ersten Autos in Luxemburg gab oder der städtische Bahnhof im „Misseler Barock“ gebaut wurde, von den Schmalspurbahnen „Jangli“ und „Charly“, von der Champagner-Fabrik Mercier, den Auswanderungen nach Amerika, den ersten Kinovorstellungen und der Pariser Weltausstellung.

Fotos, Filme, Fiktionen

Die Belle Epoque wird in erster Linie durch historische Fotos dokumentiert, aber auch durch Filmausschnitte soweit die Siebte Kunst bereits zum Einsatz kam, u. a. über Großherzogin Marie-Adélaïde und die Champagner-Fabrik. Fast die Hälfte der 98 Minuten Laufzeit sind aber fiktive Bilder von Isabelle, ihrer Familie und nachgestellte Szenen, in denen u. a. Jules Werner, Myriam Muller, Ender Frings, Tom Leick, Steve Karier und Pit Simon zu sehen sind.

Im Gegensatz zu „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“ gab es keine Zeitzeugen mehr, und so entschied sich Bausch für diese Mixtur aus Fiktion, Fotos und Filmausschnitten. Die Fiktion gibt dem Film eine gewisse Dynamik, und so entstand ein extrem interessanter Mix über (fast) die gesamte Belle Epoque in Luxemburg. Natürlich fallen hier sehr viele Namen, die ein Luxemburger eigentlich kennen müsste. Konzentration ist erfordert, aber die findet man schnell angesichts des flotten Rhythmus’ des Films. Der Film startet heute im „Utopolis“, „CineBelval“, „Kursaal“ und „Starlight“.

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