May 01 2012

Elsy Jacobs: Ein filmisches Denkmal

Published by at 01:15 under Pyrrhus

SOURCE: http://www.wort.lu

elsy jacobs

(yw) – Im Jahr 1958 fuhr sie als erste Straßen-Radweltmeisterin bei den Damen in Reims über die Ziellinie. Im selben Jahr stellte sie in Mailand auf der Vigorelli-Radrennbahn einen neuen Stundenweltrekord auf. Das Trikot der Landesmeisterin konnte sie sich 15 Mal überstreifen. In ihrer gesamten Laufbahn hat sie rund 1200 Rennen bestritten, mehr als 300 Mal ging sie als Siegerin hervor. Die Rede ist von Elsy Jacobs, Luxemburgs wohl größte und erfolgreichste Radrennfahrerin.

“Sie ist eine wahre Legende des Radsports” resümiert der Filmproduzent und Regisseur Michel Tereba die sportliche Laufbahn der Elsy Jacobs, die auch den Titel « Luxemburger Großherzogin des Rennrads » trägt. In seiner 23-minütigen Dokumentation geht der Filmemacher der Produktionsfirma Pyrrhus Movie productions auf das Leben der Sportlerin ein. Im Film werden zentrale Momente der Luxemburgerin nachgezeichnet, sportlich wie auch privat. Interviews, Original-Kommentare und sogar neues Filmmaterial wurde verwendet, aber auch einstige Konkurrentinnen kommen zu Wort.

Spannend bis zum Schluss

In akribischer Feinarbeit hat Michel Tereba die sportlichen Highlights der Luxemburgerin eingefangen. Etwa hundert Stunden soll er in Recherche-Arbeit investiert haben, genauso viel Zeit nahm die  Zusammenstellung der Doku in Anspruch. Hinzu kommen noch drei Drehtage, die der Filmemacher benötigte, um die spannendsten Momente der Sportlerin in einem frischen Anstrich auf Zelluloid zu bannen. Genauso spannend verlief laut Regisseur auch die Suche nach Zeitzeugen, Menschen die zusammen mit Elsy Jacobs kräftig in die Pedalen traten.

So etwa eine ihrer größten Widersacherinnen Renée Ganneau, die derzeit in Genk (Belgien) lebt.  “Es war nicht einfach Kontakt mit ihr aufzunehmen, da die Frau weder über Internet noch über ein Handy verfügt. Wir mussten wie in früheren Zeiten per Post miteinander kommunizieren, um einen Termin an einem Ort in Zeebrugge auszumachen.  Um dorthin zu gelangen, mussten wir noch mehrere Sunden Auto fahren und waren uns die ganze Zeit nicht sicher, ob sie auch dort erscheinen würde. Schließlich hat es doch geklappt. Wir waren alle sehr erleichtert, als wir sie an unserem vereinbarten Ort antrafen. Es war spannend bis zum Schluss”, frohlockte Michael Tereba.

mike tereba

Dickköpfig und hartnäckig

In der Doku wissen aber auch andere ehemalige Rennfahrerinnen und Konkurrentinnen von Elsy Jacobs wie Victoire van Nuffel oder die Weltmeisterin Marie Rose Gaillard, die 1964 den WM-Titel holte, über die “störrische” Elsy zu berichten. “Elsy war schon ein dickköpfiger Mensch” weiss Tereba.

“Ich erinnere mich daran, gelesen zu haben, dass sie einer Konkurrentin versprochen haben soll, nie wieder mit ihr zu reden, falls diese das bevorstehende Rennen gewinnen soll. Leider sollte es dann auch so kommen, und Elsy hat nie wieder ein Wort mit ihr geredet”, erzählt der Filmproduzent mit breitem Lächeln. Ähnlich verlief auch ihr Verhältnis zum nationalen Verband, der sie 1975 aufgrund von Finanzproblemen nicht bei der Weltmeisterschaft angemeldet hatte.

Als der Streit eskalierte, verließ sie Luxemburg und nahm die französische Staatsbürgerschaft an. Doch so eigensinnig Elsy Jacobs auch war, so hartnäckig war sie auch. “Elsy setzte alles daran, ein Rennen zu gewinnen. Ihr Stundenweltrekord in Mailand hielt 14 Jahre lang.” Doch auch bei den Vertragsverhandlungen zeigte sich die Luxemburgerin eisern.

“Es kommt nicht von ungefähr, dass sie eine der bestbezahlten Sportlerinnen ihrer Zeit gewesen war”, so Tereba, der es sich im Jahr 2011 zur Aufgabe gemacht hat, der Luxemburger Ausnahme-Sportlerin ein filmisches Denkmal zu setzen. “Im Grunde war es die Gemeinde Garnich, die auf uns zukam, mit der Anfrage ein Film über die in Garnich aufgewachsene Elsy Jacobs zu realisieren,” erzählt Michel Tereba.

So authentisch wie möglich

Der Film, der auf dem Buch von Gaston Zangerlé und Roland Beck « Elsy Jacobs – grande-duchesse de la petite reine » basiert, wurde zwischen Oktober 2011 und Mai 2012 zusammengestellt. “Allerdings haben wir nicht durchgehend daran gearbeitet”, so Tereba. “Wir hatten ja auch noch andere Pojekte fertigzustellen. Trotzdem, das Resultat kann sich sehen lassen”.

Mit der Unterstützung des Musée du Cyclisme in Völklingen hat die Produktionsfirma auch Szenen nachgestellt. So etwa der grandiose Sieg von Elsy Jacobs 1958 in Reims. “Um so wahrheitsgemäß und authentisch wie möglich zu wirken, bekamen wir Fahrräder und Trikots aus dem Museum zur Verfügung gestellt. Für ein zusätzliches Hauch Französich sorgte Claude Kayser, der mit seinem Akkordeon die musikalische Note setzte.” Abgerundet wurde die Doku mit Archivaufnahmen aus dem CNA.

Grand Prix Elsy Jacobs

50 Jahre nach ihrem grandiosen Sieg um den Weltmeistertitel in Reims und nach dem Stundenweltrekord in Mailand, wird seit 2008 in Garnich der Grand Prix Elsy Jacobs ausgetragen. An diesem Wochenende geht das Rennen bereits in ihre fünfte Ausgabe.

In den Jahren zuvor, seit 2001, trug das Rennen den Titel Randonnée Elsy Jacobs. Wer dem Phänomen Elsy Jacobs näher kommen will, kann sich die Filmvorführungen am heutigen Samstag und Sonntag in Garnich und in Mamer während und nach den Rennen beziehungsweise nach der Preisüberreichung und in Präsenz des Regisseurs Michel Tereba ansehen.

Der Trailer zum Film

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elsy jacobs

(yw) – Im Jahr 1958 fuhr sie als erste Straßen-Radweltmeisterin bei den Damen in Reims über die Ziellinie. Im selben Jahr stellte sie in Mailand auf der Vigorelli-Radrennbahn einen neuen Stundenweltrekord auf. Das Trikot der Landesmeisterin konnte sie sich 15 Mal überstreifen. In ihrer gesamten Laufbahn hat sie rund 1200 Rennen bestritten, mehr als 300 Mal ging sie als Siegerin hervor. Die Rede ist von Elsy Jacobs, Luxemburgs wohl größte und erfolgreichste Radrennfahrerin.

“Sie ist eine wahre Legende des Radsports” resümiert der Filmproduzent und Regisseur Michel Tereba die sportliche Laufbahn der Elsy Jacobs, die auch den Titel « Luxemburger Großherzogin des Rennrads » trägt. In seiner 23-minütigen Dokumentation geht der Filmemacher der Produktionsfirma Pyrrhus Movie productions auf das Leben der Sportlerin ein. Im Film werden zentrale Momente der Luxemburgerin nachgezeichnet, sportlich wie auch privat. Interviews, Original-Kommentare und sogar neues Filmmaterial wurde verwendet, aber auch einstige Konkurrentinnen kommen zu Wort.

Spannend bis zum Schluss

In akribischer Feinarbeit hat Michel Tereba die sportlichen Highlights der Luxemburgerin eingefangen. Etwa hundert Stunden soll er in Recherche-Arbeit investiert haben, genauso viel Zeit nahm die  Zusammenstellung der Doku in Anspruch. Hinzu kommen noch drei Drehtage, die der Filmemacher benötigte, um die spannendsten Momente der Sportlerin in einem frischen Anstrich auf Zelluloid zu bannen. Genauso spannend verlief laut Regisseur auch die Suche nach Zeitzeugen, Menschen die zusammen mit Elsy Jacobs kräftig in die Pedalen traten.

So etwa eine ihrer größten Widersacherinnen Renée Ganneau, die derzeit in Genk (Belgien) lebt.  “Es war nicht einfach Kontakt mit ihr aufzunehmen, da die Frau weder über Internet noch über ein Handy verfügt. Wir mussten wie in früheren Zeiten per Post miteinander kommunizieren, um einen Termin an einem Ort in Zeebrugge auszumachen.  Um dorthin zu gelangen, mussten wir noch mehrere Sunden Auto fahren und waren uns die ganze Zeit nicht sicher, ob sie auch dort erscheinen würde. Schließlich hat es doch geklappt. Wir waren alle sehr erleichtert, als wir sie an unserem vereinbarten Ort antrafen. Es war spannend bis zum Schluss”, frohlockte Michael Tereba.

mike tereba

Dickköpfig und hartnäckig

In der Doku wissen aber auch andere ehemalige Rennfahrerinnen und Konkurrentinnen von Elsy Jacobs wie Victoire van Nuffel oder die Weltmeisterin Marie Rose Gaillard, die 1964 den WM-Titel holte, über die “störrische” Elsy zu berichten. “Elsy war schon ein dickköpfiger Mensch” weiss Tereba.

“Ich erinnere mich daran, gelesen zu haben, dass sie einer Konkurrentin versprochen haben soll, nie wieder mit ihr zu reden, falls diese das bevorstehende Rennen gewinnen soll. Leider sollte es dann auch so kommen, und Elsy hat nie wieder ein Wort mit ihr geredet”, erzählt der Filmproduzent mit breitem Lächeln. Ähnlich verlief auch ihr Verhältnis zum nationalen Verband, der sie 1975 aufgrund von Finanzproblemen nicht bei der Weltmeisterschaft angemeldet hatte.

Als der Streit eskalierte, verließ sie Luxemburg und nahm die französische Staatsbürgerschaft an. Doch so eigensinnig Elsy Jacobs auch war, so hartnäckig war sie auch. “Elsy setzte alles daran, ein Rennen zu gewinnen. Ihr Stundenweltrekord in Mailand hielt 14 Jahre lang.” Doch auch bei den Vertragsverhandlungen zeigte sich die Luxemburgerin eisern.

“Es kommt nicht von ungefähr, dass sie eine der bestbezahlten Sportlerinnen ihrer Zeit gewesen war”, so Tereba, der es sich im Jahr 2011 zur Aufgabe gemacht hat, der Luxemburger Ausnahme-Sportlerin ein filmisches Denkmal zu setzen. “Im Grunde war es die Gemeinde Garnich, die auf uns zukam, mit der Anfrage ein Film über die in Garnich aufgewachsene Elsy Jacobs zu realisieren,” erzählt Michel Tereba.

So authentisch wie möglich

Der Film, der auf dem Buch von Gaston Zangerlé und Roland Beck « Elsy Jacobs – grande-duchesse de la petite reine » basiert, wurde zwischen Oktober 2011 und Mai 2012 zusammengestellt. “Allerdings haben wir nicht durchgehend daran gearbeitet”, so Tereba. “Wir hatten ja auch noch andere Pojekte fertigzustellen. Trotzdem, das Resultat kann sich sehen lassen”.

Mit der Unterstützung des Musée du Cyclisme in Völklingen hat die Produktionsfirma auch Szenen nachgestellt. So etwa der grandiose Sieg von Elsy Jacobs 1958 in Reims. “Um so wahrheitsgemäß und authentisch wie möglich zu wirken, bekamen wir Fahrräder und Trikots aus dem Museum zur Verfügung gestellt. Für ein zusätzliches Hauch Französich sorgte Claude Kayser, der mit seinem Akkordeon die musikalische Note setzte.” Abgerundet wurde die Doku mit Archivaufnahmen aus dem CNA.

Grand Prix Elsy Jacobs

50 Jahre nach ihrem grandiosen Sieg um den Weltmeistertitel in Reims und nach dem Stundenweltrekord in Mailand, wird seit 2008 in Garnich der Grand Prix Elsy Jacobs ausgetragen. An diesem Wochenende geht das Rennen bereits in ihre fünfte Ausgabe.

In den Jahren zuvor, seit 2001, trug das Rennen den Titel Randonnée Elsy Jacobs. Wer dem Phänomen Elsy Jacobs näher kommen will, kann sich die Filmvorführungen am heutigen Samstag und Sonntag in Garnich und in Mamer während und nach den Rennen beziehungsweise nach der Preisüberreichung und in Präsenz des Regisseurs Michel Tereba ansehen.

Der Trailer zum Film

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