Oct 13 2015

„Eine Historikerin der Gefühle“

Published by at 01:20 under Red Lion

SOURCE: http://www.wort.lu

Die „roten” Menschen, die russische Seele und eine Begegnung mit Pol Cruchten

Interview: Vesna Andonovic

Jahrelang wurde Swetlana Alexijewitsch als heiße Anwärterin für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Nun hat die weißrussische Schriftstellerin, Jahrgang 1948, deren Bücher bislang in 35 Sprachen übersetzt wurden, ihn endlich erhalten. 2013 trafen wir sie bei der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu einem exklusiven Interview: Eine ebenso bescheidene wie bestimmte Autorin verriet uns, wer dieser „rote Mensch“ ist, über den sie schreibt, was die russische Seele ausmacht und wieso sie dem Luxemburger Regisseur Pol Cruchten die Filmrechte zu ihrem „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ überließ.

Ihr Name – Swetlana – hat das russische Wort für Licht als Wurzel. Ist man stets von Dunkel umgeben und einsam, wenn man ein „Licht“ auf Dinge zu werfen versucht?

Ein schöner Gedanke … Ich denke jedoch, dass es viele dieser kleinen Lichtquellen – sprich Menschen, die „leuchten“ und Helligkeit spenden – gibt und die so versuchen, gegen die Dunkelheit, die uns umzingelt, anzugehen …

Im Mittelpunkt Ihres Schreibens steht das Schicksal des „roten Menschen“. Wer ist er? Was zeichnet ihn aus?

Es ist der Mensch, der nach dem Zerfall der Sowjetunion übrig geblieben ist. In Russland gibt es ein Sprichwort dazu, das ihn als eine Mischung aus Kindergarten und Gefängnis beschreibt. Würde man einen literarischen Vergleich ziehen, so wäre er wohl irgendwo zwischen Solschenizyn und Schalamow angesiedelt. Alexander Solschenizyn zufolge reinigt das Lager den Menschen und bringt in ihm Größe hervor. Warlam Schalamow, zu dem ich mich eher hingezogen fühle, hingegen behauptet, dass der Gulag den Menschen zerstört und eine Erfahrung ist, die ihm nur in dieser Extremsituation dient. Mein „roter Mensch“ ist jener, der gewohnt ist, im Lager zu leben und zu leiden. Außerhalb dieses Lagers ist er nicht fähig, etwas aufzubauen. Deshalb lebt er seine heutige Freiheit – fernab der Lager – in einer Second-Hand-Zeit und sehnt sich zurück nach einer starken Hand, die ihn führt, so wie früher im Stalinismus und zu Sowjetzeiten. Diese Sehnsucht trägt der „rote Mensch“ in sich, sie wird ihm nicht allein von Führern wie Wladimir Putin oder Alexander Lukaschenko aufgezwungen.

Das klingt ziemlich nach „russischer Seele“, die selbst im größten Glück stets eine ebenso große Traurigkeit verspürt …

Ich würde sagen, dass die Erfahrung des Glücks der russischen Kultur in gewisser Weise fremd ist. In ihr dreht sich alles um die Erfahrung des Todes und des Leidens. Das ist, was bislang unsere gesellschaftliche und private Existenz ausgemacht hat und es noch immer tut.

Wäre Glück demnach die niemals erreichbare Utopie des „roten Menschen“?

Ich weiß nicht, ob man überhaupt von „Glück“ als einem Tatbestand sprechen kann. Ich denke, es gibt eher Momente, die von einem Glücksgefühl erfüllt sind und die uns geschenkt werden, um uns Kraft zu geben, uns darauf vorzubereiten, dass wir sterben werden.

Es ist eine Sache, über erlebtes Leid zu sprechen und eine ganz andere, es dann später Schwarz auf Weiß auf Papier gedruckt zu lesen. Wie reagieren die Menschen, mit denen Sie während Ihrer Recherche für Ihre Bücher gesprochen haben, nach deren Veröffentlichung?

Natürlich finden sich nicht alle so darin wieder, wie sie es womöglich gedacht oder vielleicht gewünscht hätten. Denn aus ihrer großen und komplexen Lebensgeschichte nehme ich für meine Bücher nur ein Fragment heraus. Natürlich fühlen sich dann manche nur splitterhaft dargestellt oder zu sehr reduziert – und verstehen auch manchmal nicht, wieso ich gerade diesen spezifischen Aspekt ausgewählt habe, um darüber zu schreiben, wo doch Anderes aus ihrer Sicht viel wichtiger ist. Dieses Gefühl der Unvollständigkeit kann eigentlich ein jeder nachvollziehen, der selbst eigenes Erlebtes aufschreibt. Liest man dies später, scheint einem, als sei nicht alles gesagt worden.

Welche Rolle obliegt Ihnen denn als Schreiberin dieser Schicksale: eine eher dokumentarische oder ebenfalls literarische Rolle?

Es gibt kein objektives Ursprungsdokument, mit dem man eine Erzählung vergleichen kann, und auch der Mensch, der sie erzählt, erschafft sie währenddessen: Er ist zugleich Autor und Schauspieler der eigenen Historie. Ich betrachte mich als eine Historikerin der Gefühle, die dadurch, dass sie individuelle Geschichten sammelt und aus ihnen einen ganz bestimmten Aspekt beleuchtet, auch ein genaueres Bild einer Epoche entstehen lassen kann.

Ist das Schreiben für Sie dann eine einsame Angelegenheit oder sind diese Menschen, deren Schicksal Sie erzählen, in dem Moment bei Ihnen?

Schreiben ist immer eine einsame Angelegenheit, allein schon dadurch, dass man diese Tragödien in Worte fassen und sie zu „Literatur“ machen muss. Ich habe in Tschernobyl Kinder sterben sehen. Ich habe erlebt, wie in Afghanistan Kinder auf andere Kinder geschossen und sie getötet haben oder aber von ihnen getötet wurden. Es ist schwierig, aus solch tragischen Erlebnissen so etwas wie Literatur zu machen.

Stichwort „tragisch“: Nach Ihren Büchern über Frauen in der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, die alltäglichen Folgen der Katastrophe von Tschernobyl und den „Zinkjungen“ des Afghanistan-Kriegs widmen Sie Ihr neues Projekt der Liebe …

Ja. Doch neben der Liebe beschäftige ich mich derzeit ebenfalls auch mit dem Älterwerden und dem Sterben. Früher drehte sich die komplette Existenz, die gesellschaftliche und private, um die Ideologie: Allem war eine leitende Idee übergeordnet. Nun, da der „rote Mensch“ frei ist und buchstäblich zu seinem Leben „zurückkehrt“, will ich verstehen, wie dieser „ideenlose“ Mensch, dem allein die Liebe und der Tod geblieben sind, dies tut.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist nicht Ihre erste internationale Auszeichnung. Ihre Werke wurden bislang in 35 Sprachen übersetzt und verkaufen sich weltweit mit großem Erfolg. Doch in der Heimat blieb jegliche Wertschätzung bislang aus …

In meiner Heimat herrscht ein autoritäres Regime. Dennoch bin ich, nach mehreren Jahren im Exil, dorthin zurückgekehrt, weil ich einfach bei dem sein muss, über das ich schreiben will. Dass meine Bücher dort nicht zu finden sind und öffentliche Auftritte mir verboten sind, ist genau die richtige Wertschätzung für meine Arbeit, finde ich.

Sie haben erklärt, dass Sie Ihre Preisgeld dazu verwenden, Menschen in Ihrer Heimat Ihre Bücher zugänglich zu machen…

Genau. Derzeit wird dort ein großes Atomkraftwerk geplant, und ich möchte den Menschen mit meinem Tschernobyl-Buch zeigen, welche Konsequenzen solch eine Entscheidung haben und welch tragisches Schicksal einen dadurch ereilen kann.

Was kann Literatur denn bestenfalls beim Leser bewirken?

Sie soll ihn zum Nachdenken anregen und ihm vor Augen führen, wie schwierig es manchmal ist, Mensch zu sein und wie es dennoch möglich ist, ein solcher zu sein und zu bleiben, selbst in der Hölle. Dostojewski hat behauptet, dass erst das Leiden den Menschen zum Menschen macht.

Klingt ziemlich aussichtslos …

Die gesamte russische Kultur fußt auf dieser Prämisse. Natürlich wäre Glück ein viel schönerer Motor, und ich denke, dass es letztlich auch das Glück ist, das aus dem Menschen einen Menschen macht. Auch Federico García Lorca hat einmal behauptet, dass der Mensch nicht glücklich sein kann, weil er ständig von Unglück umgeben ist. Ich finde einfach, es gibt Dinge, die man nicht akzeptieren kann und soll; z. B. dass Menschen nach der Katastrophe ohne jegliche Schutzkleidung in die Todeszone von Tschernobyl oder Kinder in den Krieg nach Afghanistan geschickt wurden.

Ist der Mensch überhaupt lernfähig?

Ich denke schon. Nur leider, wenn es soweit ist, dass er vielleicht etwas hinzugelernt hat, ist es meist so spät, dass ihm nicht viel Zeit mehr bleibt, daraus Nutzen zu ziehen.

Sie hatten schon viele Anfragen für die Filmrechte zu Ihrem Tschernobyl-Buch, doch Sie haben sie alle abgelehnt. Bis der Luxemburger Regisseur Pol Cruchten kam …

Ich habe seinen Film „Never Die Young“ gesehen und die Art und Weise, wie er mit Bildern eine Geschichte erzählt, schien mir vom ersten Moment an die richtige für die Geschichten, die ich in meinem Buch erzählt habe.

Eine gewisse Wahlverwandtschaft ist durchaus spürbar …

Es freut mich, dass Sie das so sehen …

Welches Gefühl ist es, sein Buch, einem Fremden anzuvertrauen? Ein beunruhigendes?

Nein, überhaupt nicht. Wenn man jemandem so weit vertraut, es ihm zu „überlassen“, ist es ganz spannend, seine eigene, ganz persönliche Sichtweise darauf zu entdecken. Es ist immer bereichernd, einen „Gesprächspartner“ zu haben.

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Die „roten” Menschen, die russische Seele und eine Begegnung mit Pol Cruchten

Interview: Vesna Andonovic

Jahrelang wurde Swetlana Alexijewitsch als heiße Anwärterin für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Nun hat die weißrussische Schriftstellerin, Jahrgang 1948, deren Bücher bislang in 35 Sprachen übersetzt wurden, ihn endlich erhalten. 2013 trafen wir sie bei der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu einem exklusiven Interview: Eine ebenso bescheidene wie bestimmte Autorin verriet uns, wer dieser „rote Mensch“ ist, über den sie schreibt, was die russische Seele ausmacht und wieso sie dem Luxemburger Regisseur Pol Cruchten die Filmrechte zu ihrem „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ überließ.

Ihr Name – Swetlana – hat das russische Wort für Licht als Wurzel. Ist man stets von Dunkel umgeben und einsam, wenn man ein „Licht“ auf Dinge zu werfen versucht?

Ein schöner Gedanke … Ich denke jedoch, dass es viele dieser kleinen Lichtquellen – sprich Menschen, die „leuchten“ und Helligkeit spenden – gibt und die so versuchen, gegen die Dunkelheit, die uns umzingelt, anzugehen …

Im Mittelpunkt Ihres Schreibens steht das Schicksal des „roten Menschen“. Wer ist er? Was zeichnet ihn aus?

Es ist der Mensch, der nach dem Zerfall der Sowjetunion übrig geblieben ist. In Russland gibt es ein Sprichwort dazu, das ihn als eine Mischung aus Kindergarten und Gefängnis beschreibt. Würde man einen literarischen Vergleich ziehen, so wäre er wohl irgendwo zwischen Solschenizyn und Schalamow angesiedelt. Alexander Solschenizyn zufolge reinigt das Lager den Menschen und bringt in ihm Größe hervor. Warlam Schalamow, zu dem ich mich eher hingezogen fühle, hingegen behauptet, dass der Gulag den Menschen zerstört und eine Erfahrung ist, die ihm nur in dieser Extremsituation dient. Mein „roter Mensch“ ist jener, der gewohnt ist, im Lager zu leben und zu leiden. Außerhalb dieses Lagers ist er nicht fähig, etwas aufzubauen. Deshalb lebt er seine heutige Freiheit – fernab der Lager – in einer Second-Hand-Zeit und sehnt sich zurück nach einer starken Hand, die ihn führt, so wie früher im Stalinismus und zu Sowjetzeiten. Diese Sehnsucht trägt der „rote Mensch“ in sich, sie wird ihm nicht allein von Führern wie Wladimir Putin oder Alexander Lukaschenko aufgezwungen.

Das klingt ziemlich nach „russischer Seele“, die selbst im größten Glück stets eine ebenso große Traurigkeit verspürt …

Ich würde sagen, dass die Erfahrung des Glücks der russischen Kultur in gewisser Weise fremd ist. In ihr dreht sich alles um die Erfahrung des Todes und des Leidens. Das ist, was bislang unsere gesellschaftliche und private Existenz ausgemacht hat und es noch immer tut.

Wäre Glück demnach die niemals erreichbare Utopie des „roten Menschen“?

Ich weiß nicht, ob man überhaupt von „Glück“ als einem Tatbestand sprechen kann. Ich denke, es gibt eher Momente, die von einem Glücksgefühl erfüllt sind und die uns geschenkt werden, um uns Kraft zu geben, uns darauf vorzubereiten, dass wir sterben werden.

Es ist eine Sache, über erlebtes Leid zu sprechen und eine ganz andere, es dann später Schwarz auf Weiß auf Papier gedruckt zu lesen. Wie reagieren die Menschen, mit denen Sie während Ihrer Recherche für Ihre Bücher gesprochen haben, nach deren Veröffentlichung?

Natürlich finden sich nicht alle so darin wieder, wie sie es womöglich gedacht oder vielleicht gewünscht hätten. Denn aus ihrer großen und komplexen Lebensgeschichte nehme ich für meine Bücher nur ein Fragment heraus. Natürlich fühlen sich dann manche nur splitterhaft dargestellt oder zu sehr reduziert – und verstehen auch manchmal nicht, wieso ich gerade diesen spezifischen Aspekt ausgewählt habe, um darüber zu schreiben, wo doch Anderes aus ihrer Sicht viel wichtiger ist. Dieses Gefühl der Unvollständigkeit kann eigentlich ein jeder nachvollziehen, der selbst eigenes Erlebtes aufschreibt. Liest man dies später, scheint einem, als sei nicht alles gesagt worden.

Welche Rolle obliegt Ihnen denn als Schreiberin dieser Schicksale: eine eher dokumentarische oder ebenfalls literarische Rolle?

Es gibt kein objektives Ursprungsdokument, mit dem man eine Erzählung vergleichen kann, und auch der Mensch, der sie erzählt, erschafft sie währenddessen: Er ist zugleich Autor und Schauspieler der eigenen Historie. Ich betrachte mich als eine Historikerin der Gefühle, die dadurch, dass sie individuelle Geschichten sammelt und aus ihnen einen ganz bestimmten Aspekt beleuchtet, auch ein genaueres Bild einer Epoche entstehen lassen kann.

Ist das Schreiben für Sie dann eine einsame Angelegenheit oder sind diese Menschen, deren Schicksal Sie erzählen, in dem Moment bei Ihnen?

Schreiben ist immer eine einsame Angelegenheit, allein schon dadurch, dass man diese Tragödien in Worte fassen und sie zu „Literatur“ machen muss. Ich habe in Tschernobyl Kinder sterben sehen. Ich habe erlebt, wie in Afghanistan Kinder auf andere Kinder geschossen und sie getötet haben oder aber von ihnen getötet wurden. Es ist schwierig, aus solch tragischen Erlebnissen so etwas wie Literatur zu machen.

Stichwort „tragisch“: Nach Ihren Büchern über Frauen in der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, die alltäglichen Folgen der Katastrophe von Tschernobyl und den „Zinkjungen“ des Afghanistan-Kriegs widmen Sie Ihr neues Projekt der Liebe …

Ja. Doch neben der Liebe beschäftige ich mich derzeit ebenfalls auch mit dem Älterwerden und dem Sterben. Früher drehte sich die komplette Existenz, die gesellschaftliche und private, um die Ideologie: Allem war eine leitende Idee übergeordnet. Nun, da der „rote Mensch“ frei ist und buchstäblich zu seinem Leben „zurückkehrt“, will ich verstehen, wie dieser „ideenlose“ Mensch, dem allein die Liebe und der Tod geblieben sind, dies tut.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist nicht Ihre erste internationale Auszeichnung. Ihre Werke wurden bislang in 35 Sprachen übersetzt und verkaufen sich weltweit mit großem Erfolg. Doch in der Heimat blieb jegliche Wertschätzung bislang aus …

In meiner Heimat herrscht ein autoritäres Regime. Dennoch bin ich, nach mehreren Jahren im Exil, dorthin zurückgekehrt, weil ich einfach bei dem sein muss, über das ich schreiben will. Dass meine Bücher dort nicht zu finden sind und öffentliche Auftritte mir verboten sind, ist genau die richtige Wertschätzung für meine Arbeit, finde ich.

Sie haben erklärt, dass Sie Ihre Preisgeld dazu verwenden, Menschen in Ihrer Heimat Ihre Bücher zugänglich zu machen…

Genau. Derzeit wird dort ein großes Atomkraftwerk geplant, und ich möchte den Menschen mit meinem Tschernobyl-Buch zeigen, welche Konsequenzen solch eine Entscheidung haben und welch tragisches Schicksal einen dadurch ereilen kann.

Was kann Literatur denn bestenfalls beim Leser bewirken?

Sie soll ihn zum Nachdenken anregen und ihm vor Augen führen, wie schwierig es manchmal ist, Mensch zu sein und wie es dennoch möglich ist, ein solcher zu sein und zu bleiben, selbst in der Hölle. Dostojewski hat behauptet, dass erst das Leiden den Menschen zum Menschen macht.

Klingt ziemlich aussichtslos …

Die gesamte russische Kultur fußt auf dieser Prämisse. Natürlich wäre Glück ein viel schönerer Motor, und ich denke, dass es letztlich auch das Glück ist, das aus dem Menschen einen Menschen macht. Auch Federico García Lorca hat einmal behauptet, dass der Mensch nicht glücklich sein kann, weil er ständig von Unglück umgeben ist. Ich finde einfach, es gibt Dinge, die man nicht akzeptieren kann und soll; z. B. dass Menschen nach der Katastrophe ohne jegliche Schutzkleidung in die Todeszone von Tschernobyl oder Kinder in den Krieg nach Afghanistan geschickt wurden.

Ist der Mensch überhaupt lernfähig?

Ich denke schon. Nur leider, wenn es soweit ist, dass er vielleicht etwas hinzugelernt hat, ist es meist so spät, dass ihm nicht viel Zeit mehr bleibt, daraus Nutzen zu ziehen.

Sie hatten schon viele Anfragen für die Filmrechte zu Ihrem Tschernobyl-Buch, doch Sie haben sie alle abgelehnt. Bis der Luxemburger Regisseur Pol Cruchten kam …

Ich habe seinen Film „Never Die Young“ gesehen und die Art und Weise, wie er mit Bildern eine Geschichte erzählt, schien mir vom ersten Moment an die richtige für die Geschichten, die ich in meinem Buch erzählt habe.

Eine gewisse Wahlverwandtschaft ist durchaus spürbar …

Es freut mich, dass Sie das so sehen …

Welches Gefühl ist es, sein Buch, einem Fremden anzuvertrauen? Ein beunruhigendes?

Nein, überhaupt nicht. Wenn man jemandem so weit vertraut, es ihm zu „überlassen“, ist es ganz spannend, seine eigene, ganz persönliche Sichtweise darauf zu entdecken. Es ist immer bereichernd, einen „Gesprächspartner“ zu haben.

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