Aug 28 2014

“Never die young” im Rennen um den Oscar

Published by at 12:51 under Red Lion

SOURCE: http://www.wort.lu

(C.) Wie die “Commission nationale de sélection pour les Oscars” mitteilt, geht Pol Cruchtens Film “Never die young” für Luxemburg ins Rennen um die Vorauswahl als “Bester  nicht-englischsprachiger Film”. Allerdings muss der Film noch weitere Selektionen unter den internationalen Oscar-Vorschlägen passieren, um wirklich eine Chance auf eine Auszeichnung zu haben.

Am 15. Januar gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles bekannt, welche fünf Filme in die Endauswahl für den besten nicht-englischsprachigen Film kommen. Die Oscar-Verleihung ist am 22. Februar.

Der Dokumentarfilm über den Drogenkonsumenten Guido Peters, der sein Leben lang gegen die Abhängigkeit kämpft, erhielt bereits in diesem Jahr den Lëtzebuerger Filmpräis und wird ab dem 24. September in den Kinos im Land anlaufen.

Im März 2013 gab Pol Cruchten Wort.lu ein Interview zu dem Film:

Denkt man an Ihren ersten Spielfilm „Hochzäitsnuecht“, der als erster Luxemburger Beitrag 1992 beim Filmfestival von Cannes lief, scheint sich für Sie mit „Never Die Young“ in gewisser Weise ein Kreis zu schließen …

Genau, das kann man durchaus so sehen, wenngleich es wirklich keine bewusste Absicht war, erneut einen Film über Drogen zu machen. Das Schicksal hat es eher entschieden …

Was hat Sie dazu bewegt, sich erneut der Thematik der Drogenabhängigkeit zu widmen, bzw. woher stammt die Idee zu „Never Die Young“?

Nun, ich kenne die Person, deren Geschichte im Film erzählt wird, seit 15 Jahren und habe sie regelmäßig besucht. Bei unseren Treffen hat sie mir stückweise ihr Leben offenbart. Und was mich vor allem dabei beeindruckt hat, war, dass sie dabei nie in einen eigentlich zu erwartenden Pessimismus verfallen ist – im Gegenteil, stets gab es eine Prise Humor. Ich habe mir immer gesagt, man müsse daraus einen Film machen, wollte ihn nur produzieren und habe ihn zuerst Govinda van Male vorgeschlagen. Als er keinen richtigen Zugang dazu gefunden hat, habe ich das Projekt selbst übernommen. Der niederländische Dokumentarfilmer Joris Ivens hat einmal gesagt, dass je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, umso besser wird der Film, den man daraus zieht.

Dabei entspricht weder seine visuelle noch seine erzählerische Machart dem, was der Zuschauer erwarten könnte …

Für mich war von Beginn an klar, dass ich keine Fiktion daraus mache, da ich nicht wollte, dass ein Schauspieler in die Rolle eines Behinderten schlüpft – ich finde das irgendwie pervers und obszön. Ich wollte aber auch keinen „normalen“ Dokumentarfilm in Interviewform mit ihm machen, denn das hätte einen elendigen Touch gehabt. Also habe ich mir Jean Vigos Film wieder angeschaut, Werke der Brüder Lumière und Arbeiten von Joris Ivens – und an einem Sonntagnachmittag kam der Auslöser: Ich habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt und zu schreiben angefangen. Ich habe es einfach Hitchcock nachgetan: einfach das Gegenteil von dem tun, was man erwarten könnte. Das ist eine gute Lektion: Genau deshalb haben wir auch im Mai gedreht, als das Licht schöner war und die Bilder dadurch heller wurden. Es wäre einfach gewesen, mit einer Kamera ins Bahnhofsviertel zu gehen und dort Drogenabhängige zu filmen, aber genau das wollte ich nicht.

Es gibt zahlreiche menschenleere Einstellungen, und wenn Menschen in Erscheinung treten, sind sie meist von hinten gefilmt oder ihre Gesichter mit Masken verhüllt. Verwehren Sie dem Zuschauer so nicht die Identifikation?

Ich wollte die Anonymität der kleinen Städte filmen, wobei der Off-Erzähler dann die Emotionen vermittelt. Hätte man „gewöhnliche“ Straßen mit Menschen gefilmt, wäre die Spannung darin verloren gewesen. Die Idee der Masken stammt vom einem amerikanischen Amateurfotografen, der in den 60-70ern seiner Familie Masken anzog und sie in der Vorstadt fotografierte. Ich wollte vor allem einen Miserabilismus verhindern, da ich finde, dass beispielsweise Behinderte zu filmen irgendwie stets an eine Art Pornografie grenzt.

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(C.) Wie die “Commission nationale de sélection pour les Oscars” mitteilt, geht Pol Cruchtens Film “Never die young” für Luxemburg ins Rennen um die Vorauswahl als “Bester  nicht-englischsprachiger Film”. Allerdings muss der Film noch weitere Selektionen unter den internationalen Oscar-Vorschlägen passieren, um wirklich eine Chance auf eine Auszeichnung zu haben.

Am 15. Januar gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles bekannt, welche fünf Filme in die Endauswahl für den besten nicht-englischsprachigen Film kommen. Die Oscar-Verleihung ist am 22. Februar.

Der Dokumentarfilm über den Drogenkonsumenten Guido Peters, der sein Leben lang gegen die Abhängigkeit kämpft, erhielt bereits in diesem Jahr den Lëtzebuerger Filmpräis und wird ab dem 24. September in den Kinos im Land anlaufen.

Im März 2013 gab Pol Cruchten Wort.lu ein Interview zu dem Film:

Denkt man an Ihren ersten Spielfilm „Hochzäitsnuecht“, der als erster Luxemburger Beitrag 1992 beim Filmfestival von Cannes lief, scheint sich für Sie mit „Never Die Young“ in gewisser Weise ein Kreis zu schließen …

Genau, das kann man durchaus so sehen, wenngleich es wirklich keine bewusste Absicht war, erneut einen Film über Drogen zu machen. Das Schicksal hat es eher entschieden …

Was hat Sie dazu bewegt, sich erneut der Thematik der Drogenabhängigkeit zu widmen, bzw. woher stammt die Idee zu „Never Die Young“?

Nun, ich kenne die Person, deren Geschichte im Film erzählt wird, seit 15 Jahren und habe sie regelmäßig besucht. Bei unseren Treffen hat sie mir stückweise ihr Leben offenbart. Und was mich vor allem dabei beeindruckt hat, war, dass sie dabei nie in einen eigentlich zu erwartenden Pessimismus verfallen ist – im Gegenteil, stets gab es eine Prise Humor. Ich habe mir immer gesagt, man müsse daraus einen Film machen, wollte ihn nur produzieren und habe ihn zuerst Govinda van Male vorgeschlagen. Als er keinen richtigen Zugang dazu gefunden hat, habe ich das Projekt selbst übernommen. Der niederländische Dokumentarfilmer Joris Ivens hat einmal gesagt, dass je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, umso besser wird der Film, den man daraus zieht.

Dabei entspricht weder seine visuelle noch seine erzählerische Machart dem, was der Zuschauer erwarten könnte …

Für mich war von Beginn an klar, dass ich keine Fiktion daraus mache, da ich nicht wollte, dass ein Schauspieler in die Rolle eines Behinderten schlüpft – ich finde das irgendwie pervers und obszön. Ich wollte aber auch keinen „normalen“ Dokumentarfilm in Interviewform mit ihm machen, denn das hätte einen elendigen Touch gehabt. Also habe ich mir Jean Vigos Film wieder angeschaut, Werke der Brüder Lumière und Arbeiten von Joris Ivens – und an einem Sonntagnachmittag kam der Auslöser: Ich habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt und zu schreiben angefangen. Ich habe es einfach Hitchcock nachgetan: einfach das Gegenteil von dem tun, was man erwarten könnte. Das ist eine gute Lektion: Genau deshalb haben wir auch im Mai gedreht, als das Licht schöner war und die Bilder dadurch heller wurden. Es wäre einfach gewesen, mit einer Kamera ins Bahnhofsviertel zu gehen und dort Drogenabhängige zu filmen, aber genau das wollte ich nicht.

Es gibt zahlreiche menschenleere Einstellungen, und wenn Menschen in Erscheinung treten, sind sie meist von hinten gefilmt oder ihre Gesichter mit Masken verhüllt. Verwehren Sie dem Zuschauer so nicht die Identifikation?

Ich wollte die Anonymität der kleinen Städte filmen, wobei der Off-Erzähler dann die Emotionen vermittelt. Hätte man „gewöhnliche“ Straßen mit Menschen gefilmt, wäre die Spannung darin verloren gewesen. Die Idee der Masken stammt vom einem amerikanischen Amateurfotografen, der in den 60-70ern seiner Familie Masken anzog und sie in der Vorstadt fotografierte. Ich wollte vor allem einen Miserabilismus verhindern, da ich finde, dass beispielsweise Behinderte zu filmen irgendwie stets an eine Art Pornografie grenzt.

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