Mar 04 2015

Schillers Banker

Published by at 10:23 under Red Lion

SOURCE: http://www.journal.lu

LUXEMBURG – CHRISTIAN SPIELMANN

„Die Räuber“ von Pol Cruchten und Frank Hoffmann feiert am Sonntag Luxemburg-Premiere

Das diesjährige 36. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken wurde mit der deutsch-belgisch-luxemburgischen Co-Produktion „Die Räuber“ (Les Brigands) von Frank Hoffmann und Pol Cruchten eröffnet.
In groben Zügen wurde der Hauptplot von Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ respektiert, aber auf den Finanzplatz Luxemburg zugeschnitten. Der Film wird am kommenden Sonntag im Rahmen des Luxembourg City Film Festival um 19.00 im „Utopia“ seine luxemburgische Premiere feiern.
Das Besondere am Film ist, dass es Maximilian Schells letzter Film war, der Schauspieler verstarb am 1. Februar 2014 . Hoffmann kannte den österreichischen Oscarpreisträger („Judgement at Nuremberg“) seit 2009. Bei den Ruhrfestspielen spielte Schell damals die Hauptrolle in dem Stück „Lieben Sie Strindberg …“, das Hoffmann inszenierte.

Die Räuber auf Luxemburgs Bankenplatz

Bankier Escher (Schell) fusioniert mit der Bank von Field (Georg Marin). Sein Sohn Franz (Robinson Stévenin) und seine Tochter Amalia (Isild le Besco) unterschreiben den Vertrag. Sein zweiter Sohn Karl (Eric Caravaca) sitzt im Gefängnis, weil er wegen Urkundenfälschung und Veruntreuung verurteilt wurde. In Wirklichkeit hat er das Urteil nur angenommen, um seinen Vater zu schützen. Bei seiner Entlassung, interessiert sich nur seine Schwester für ihn. Deshalb plant er mit seinen Komplizen – der alte Mann (Tchéky Karyo), Ivan (Mickey Hardt), Serge (Serge Wolf), Luis (Marc Baum) und Herman (Luc Schiltz) – , die väterliche Bank zu überfallen.

Wenig Sturm und Drang

Schillers Drama erschien 1781, gehört literarisch zum deutschen Sturm und Drang und wurde 1782 im Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt. Das Wort „Geldwäsche“ kannte Schiller nicht, und auch ein ausgefeiltes Bankensystem gab es damals nicht, allerdings Bruderneid und die sich daraus ergebenden Rivalitäten. Das luxemburgische Regie-Duo versetzte die Geschichte ins 21. Jahrhundert, wo es nicht immer ganz koscher in den Banken zugeht und jeder bereit ist, seine eigenen Interessen egal mit welchen Mitteln durchzuboxen.

Mit einem originellen Vorspann, der zu der flotten Musik von Michael Rother wie eine Tonspur abläuft, beginnt das Drama eigentlich leicht stürmisch. Die Kamera von Cruchtens Stamm-Kamerachef Jerzy Palacz erschafft eine gefällige Atmosphäre, die stets mit Musik untermalt ist. Der Drang nach einer originellen Umsetzung der Geschichte verliert sich in vielen Klischees über die Finanzwelt. Schell spielt seine Rolle mit wenig Überzeugung, aber mit viel Routine. Dieselbe Bemerkung trifft auch auf Karyo und Caravaca zu, während Isild le Besco wie eine wandelnde Schlafpille daherkommt.

Schauspielerisch gefällt Luc Schiltz in der kurzen Rolle des Ganoven Herman am besten.

Comments

comments

SOURCE: http://www.journal.lu

LUXEMBURG – CHRISTIAN SPIELMANN

„Die Räuber“ von Pol Cruchten und Frank Hoffmann feiert am Sonntag Luxemburg-Premiere

Das diesjährige 36. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken wurde mit der deutsch-belgisch-luxemburgischen Co-Produktion „Die Räuber“ (Les Brigands) von Frank Hoffmann und Pol Cruchten eröffnet.
In groben Zügen wurde der Hauptplot von Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ respektiert, aber auf den Finanzplatz Luxemburg zugeschnitten. Der Film wird am kommenden Sonntag im Rahmen des Luxembourg City Film Festival um 19.00 im „Utopia“ seine luxemburgische Premiere feiern.
Das Besondere am Film ist, dass es Maximilian Schells letzter Film war, der Schauspieler verstarb am 1. Februar 2014 . Hoffmann kannte den österreichischen Oscarpreisträger („Judgement at Nuremberg“) seit 2009. Bei den Ruhrfestspielen spielte Schell damals die Hauptrolle in dem Stück „Lieben Sie Strindberg …“, das Hoffmann inszenierte.

Die Räuber auf Luxemburgs Bankenplatz

Bankier Escher (Schell) fusioniert mit der Bank von Field (Georg Marin). Sein Sohn Franz (Robinson Stévenin) und seine Tochter Amalia (Isild le Besco) unterschreiben den Vertrag. Sein zweiter Sohn Karl (Eric Caravaca) sitzt im Gefängnis, weil er wegen Urkundenfälschung und Veruntreuung verurteilt wurde. In Wirklichkeit hat er das Urteil nur angenommen, um seinen Vater zu schützen. Bei seiner Entlassung, interessiert sich nur seine Schwester für ihn. Deshalb plant er mit seinen Komplizen – der alte Mann (Tchéky Karyo), Ivan (Mickey Hardt), Serge (Serge Wolf), Luis (Marc Baum) und Herman (Luc Schiltz) – , die väterliche Bank zu überfallen.

Wenig Sturm und Drang

Schillers Drama erschien 1781, gehört literarisch zum deutschen Sturm und Drang und wurde 1782 im Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt. Das Wort „Geldwäsche“ kannte Schiller nicht, und auch ein ausgefeiltes Bankensystem gab es damals nicht, allerdings Bruderneid und die sich daraus ergebenden Rivalitäten. Das luxemburgische Regie-Duo versetzte die Geschichte ins 21. Jahrhundert, wo es nicht immer ganz koscher in den Banken zugeht und jeder bereit ist, seine eigenen Interessen egal mit welchen Mitteln durchzuboxen.

Mit einem originellen Vorspann, der zu der flotten Musik von Michael Rother wie eine Tonspur abläuft, beginnt das Drama eigentlich leicht stürmisch. Die Kamera von Cruchtens Stamm-Kamerachef Jerzy Palacz erschafft eine gefällige Atmosphäre, die stets mit Musik untermalt ist. Der Drang nach einer originellen Umsetzung der Geschichte verliert sich in vielen Klischees über die Finanzwelt. Schell spielt seine Rolle mit wenig Überzeugung, aber mit viel Routine. Dieselbe Bemerkung trifft auch auf Karyo und Caravaca zu, während Isild le Besco wie eine wandelnde Schlafpille daherkommt.

Schauspielerisch gefällt Luc Schiltz in der kurzen Rolle des Ganoven Herman am besten.

Comments

comments

No responses yet

Comments are closed at this time.

Trackback URI |