Feb 03 2015

Mammejong Review

Published by at 01:45 under Lucil Film,Reviews

SOURCE: http://www.wirsindmovies.com

Der luxemburgisch-belgische Film „Mammejong“ von Jacques Molitor feierte beim diesjährigen Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken seine Uraufführung in der Reihe „Saarbrücker Premieren“. Zahlreiche filmische Einflüsse sind bei Molitors Werk erkennbar, Assoziationen stellt man als Zuschauer direkt her: Hier eine Prise „Big Fish“, da ein Hauch griechische Tragödie, dort ein wenig Märchenmotivik, dann noch eine gehörige Portion Coming-of-Age, vermischt mit etwas Verrücktheit – fertig ist das eindrucksvolle Indie-Werk „Mammejong“.

Philippe, der sich selbst nur Flëpp (Max Thommes) nennt, lebt alleine mit seiner herrischen und depressiven Mutter Sophie (Myriam Muller) in einem kleinen Ort in Luxemburg. Sein Vater hat sich ertränkt, als Flëpp noch ein kleiner Junge war, das Trauma hat der nunmehr junge Mann allerdings nie ganz überwunden, woran die obsessiv-inzestuöse Beziehung zu seiner Mutter großen Anteil hat. Doch plötzlich tritt das bosnische Mädchen Leena (Maja Juric) in sein Leben und stellt dies vollkommen auf den Kopf. Seiner Mutter ist die neue Frau natürlich ein Dorn im Auge und so beginnt ein steiniger Weg für den Mammejong (das Muttersöhnchen) Flëpp – wie er von den Gleichaltrigen im Dorf spöttisch bezeichnet wird. Im Laufe dieses Weges soll sich entscheiden, ob es ihm gelingt, sich zu emanzipieren und endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Mammejong“ ist eine metaphorisch aufgeladene Traumabewältigung und ein einfühlsames Porträt eines jungen, sensiblen Mannes, den ständig der Tod umgibt, was anhand der Tierkadaver, die er aufsammelt und mit einer „Seebestattung“ ehrt, gleich zu Beginn ersichtlich wird. Molitors Streifen hat absurde Momente und der Ton seines Films wechselt auch an einigen wenigen Stellen, aber im Großen und Ganzen gelingt es dem Filmemacher, ein rundes Gesamtwerk abzuliefern, das von seinen durchaus kuriosen Ideen und der tragischen Figurenkonstellation lebt. Die Traumsequenzen sind sehr kohärent in das Erzählkonstrukt eingebettet und wirken niemals wie Fremdkörper, die Metaphorik, die den gesamten Film durchzieht und auch die dramaturgische Funktion der Signalfarbe Rot verleihen dem Werk eine märchenhafte Aura, ohne je explizit „phantastisch“ zu sein. Außerdem gibt es da auch noch die facettenreiche Ausleuchtung von Flëpps Angst vor dem Ersticken, die den Film im Sinne seiner grundlegend eher ernsten Thematik geradezu erdet; obwohl diese Angst durchaus auch mit Hilfe von Einblicken in sein Unterbewusstsein verhandelt wird. Der Independent-Streifen ist kein fröhlicher Film, aber auch nicht so bedrückend, wie es der Inhalt vermuten lassen könnte.

Molitors Werk lief auf dem Festival im letzeburgischen (und z.T. englischen) Original mit deutschen Untertiteln. Es begeistert vor allem dank der packenden Darstellungen der drei Hauptdarsteller Thommes, Juric und Muller, deren Performances durch die Bank überzeugen und als mutig zu bewerten sind. Mut zum Ungeschönten, Mut zum Hässlichen, Mut zur Dynamik des Moments, da viele Szenen in langen Einstellungen ihren Weg in den Film gefunden haben. Die elegante Kameraarbeit von Jean-Louis Schuller sei an dieser Stelle noch einmal gesondert hervorgehoben, gerade die Unterwasseraufnahmen, die Rückblende in Flëpps Kindheit und die an die Ästhetik von Malick/Lubezki erinnernden Shots stellen seine kunstfertige Bildgestaltung unter Beweis.

Fazit: Independent-Kino trifft auf latent mitschwingende Phantastik in dieser teilweise wunderschön fotografierten Außenseiter-Ballade. Wer mit Filmen wie „Winter’s Bone“ oder „Beasts of the Southern Wild“ etwas anfangen kann, der wird auch mit „Mammejong“ bestens bedient. Hier findet man ein bisschen von allem, was das Coming-of-Age-Subgenre auszeichnet.

♥♥♥♥ (4/5)

Autor: Markus Schu

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SOURCE: http://www.wirsindmovies.com

Der luxemburgisch-belgische Film „Mammejong“ von Jacques Molitor feierte beim diesjährigen Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken seine Uraufführung in der Reihe „Saarbrücker Premieren“. Zahlreiche filmische Einflüsse sind bei Molitors Werk erkennbar, Assoziationen stellt man als Zuschauer direkt her: Hier eine Prise „Big Fish“, da ein Hauch griechische Tragödie, dort ein wenig Märchenmotivik, dann noch eine gehörige Portion Coming-of-Age, vermischt mit etwas Verrücktheit – fertig ist das eindrucksvolle Indie-Werk „Mammejong“.

Philippe, der sich selbst nur Flëpp (Max Thommes) nennt, lebt alleine mit seiner herrischen und depressiven Mutter Sophie (Myriam Muller) in einem kleinen Ort in Luxemburg. Sein Vater hat sich ertränkt, als Flëpp noch ein kleiner Junge war, das Trauma hat der nunmehr junge Mann allerdings nie ganz überwunden, woran die obsessiv-inzestuöse Beziehung zu seiner Mutter großen Anteil hat. Doch plötzlich tritt das bosnische Mädchen Leena (Maja Juric) in sein Leben und stellt dies vollkommen auf den Kopf. Seiner Mutter ist die neue Frau natürlich ein Dorn im Auge und so beginnt ein steiniger Weg für den Mammejong (das Muttersöhnchen) Flëpp – wie er von den Gleichaltrigen im Dorf spöttisch bezeichnet wird. Im Laufe dieses Weges soll sich entscheiden, ob es ihm gelingt, sich zu emanzipieren und endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Mammejong“ ist eine metaphorisch aufgeladene Traumabewältigung und ein einfühlsames Porträt eines jungen, sensiblen Mannes, den ständig der Tod umgibt, was anhand der Tierkadaver, die er aufsammelt und mit einer „Seebestattung“ ehrt, gleich zu Beginn ersichtlich wird. Molitors Streifen hat absurde Momente und der Ton seines Films wechselt auch an einigen wenigen Stellen, aber im Großen und Ganzen gelingt es dem Filmemacher, ein rundes Gesamtwerk abzuliefern, das von seinen durchaus kuriosen Ideen und der tragischen Figurenkonstellation lebt. Die Traumsequenzen sind sehr kohärent in das Erzählkonstrukt eingebettet und wirken niemals wie Fremdkörper, die Metaphorik, die den gesamten Film durchzieht und auch die dramaturgische Funktion der Signalfarbe Rot verleihen dem Werk eine märchenhafte Aura, ohne je explizit „phantastisch“ zu sein. Außerdem gibt es da auch noch die facettenreiche Ausleuchtung von Flëpps Angst vor dem Ersticken, die den Film im Sinne seiner grundlegend eher ernsten Thematik geradezu erdet; obwohl diese Angst durchaus auch mit Hilfe von Einblicken in sein Unterbewusstsein verhandelt wird. Der Independent-Streifen ist kein fröhlicher Film, aber auch nicht so bedrückend, wie es der Inhalt vermuten lassen könnte.

Molitors Werk lief auf dem Festival im letzeburgischen (und z.T. englischen) Original mit deutschen Untertiteln. Es begeistert vor allem dank der packenden Darstellungen der drei Hauptdarsteller Thommes, Juric und Muller, deren Performances durch die Bank überzeugen und als mutig zu bewerten sind. Mut zum Ungeschönten, Mut zum Hässlichen, Mut zur Dynamik des Moments, da viele Szenen in langen Einstellungen ihren Weg in den Film gefunden haben. Die elegante Kameraarbeit von Jean-Louis Schuller sei an dieser Stelle noch einmal gesondert hervorgehoben, gerade die Unterwasseraufnahmen, die Rückblende in Flëpps Kindheit und die an die Ästhetik von Malick/Lubezki erinnernden Shots stellen seine kunstfertige Bildgestaltung unter Beweis.

Fazit: Independent-Kino trifft auf latent mitschwingende Phantastik in dieser teilweise wunderschön fotografierten Außenseiter-Ballade. Wer mit Filmen wie „Winter’s Bone“ oder „Beasts of the Southern Wild“ etwas anfangen kann, der wird auch mit „Mammejong“ bestens bedient. Hier findet man ein bisschen von allem, was das Coming-of-Age-Subgenre auszeichnet.

♥♥♥♥ (4/5)

Autor: Markus Schu

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