Sep 10 2014

iPad unterm Reifrock

Published by at 01:43 under Samsa

SOURCE: http://www.wort.lu

Christophe Wagners Film auf den Spuren der Nachkriegszeit

Armand (Jules Werner, r.) feiert mit seiner Braut.

Eine täuschend echt wirkende „L’Africaine“-Zigarettenschachtel mit ihrem geschnörkelten Schriftzug liegt zwischen den Tellern und Krügen in historischem Dessin.„Anstrengend ist das! Ich hätte gar nicht gedacht, was für ein Aufwand schon eine einfache Szene sein kann. Aber sicher wird das heute noch abgedreht“, sagt Jeanny Friederich-Schmit schon ganz im „Filmsprech“, die an der Seite ihres echten Mannes als eine von etwa 30 Komparsen am Set von „Eng nei Zäit“ an der Hochzeitstafel rund um die Profischauspieler sitzen darf.

Historische Details: Selbst die Zigarettenpackungen müssen wie das Original im Jahr 1945 wirken.

Im kriegsgeschundenen Hof des Bauerngehöfts, der eigentlich eine umdekorierte historische Mühle bei Schleif ist, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. „Unsere Dekorateure und Requisiteure haben eine Wahnsinns-Arbeit geleistet“, flüstert Produzent Claude Waringo kurz bevor der Dreh wieder startet und Kameramann Jako Raybaut noch einmal das Bild durch das Okular der auf Schienen montierten Kamera kontrolliert.

Jeanny Friederich-Schmit (r.)  und ihr Mann Pierre sind als Komparsen beim Dreh dabei.

Dort wo grade noch gespannte Aufmerksamkeit auf die Anweisungen der Regieassistenten herrschte, bricht plötzlich ungezügelte Freude aus. Die spartanisch wirkende Hochzeit, bei der die für damalige Verhältnisse fast schon luxuriöse „Quetschentaart“ gerade als Dessert gereicht wurde, ist von einem Moment auf den anderen in vollem Gang, und es wird lauthals gesungen und getanzt.

Historisch perfekte Bilder

Doch geht diesmal etwas mit dem Ton schief. Tonmeister Carlo Thoss fordert die Gesellschaft auf, noch einmal die Geräuschkulisse der gerade gedrehten Szene nachzustellen. Mit der „Angel“ fischt sein Assistent dann auch die Atmosphäre ein: die Tanzschritte auf dem mit Stroh ausgestreuten Hof, die Gesprächsfetzen an der in Weiß gedeckten Tafel und der Rummel um die Szene. Da dafür nicht noch einmal die Kamera läuft, wird auch nicht so ganz strikt auf Details geachtet, die sonst undenkbar wären. Plötzlich werden Fotos mit einem iPad geschossen, und die junge Kamerafrau, die die Dreharbeiten für die spätere DVD dokumentiert, läuft mit moderner Technik durch die Menge. Sonst eine Todsünde – jede falsche Nuance könnte das Endprodukt gefährden und die Illusion der historischen Situation zerstören.

Abseits des Sets warten ein paar Komparsen auf ihren Einsatz. Zur Erinnerung wird mit dem ipad fotografiert.

Denn sogar zur Patina des Anstrichs in Räumen und Kulissen hat sich Regisseur Christophe Wagner mit seinem Team Gedanken gemacht. „Wir haben eine Patinierung benutzt, die das Licht besonders reflektiert. Im Inneren entstand dann zum Beispiel fast eine Art Spiegelung auf der Textur der Wand. Das wird im Kino sicher toll wirken.“ Insgesamt sei der Film trotz des düsteren Themas „sehr viel heller“ als zum Beispiel „Doudege Wénkel“, für den der Regisseur schon mit der Produktionsfirma Samsa Film zusammenarbeitete.

Regisseur Christophe Wagner

Die Mittagspause wird ausgerufen. Und plötzlich finden sich die Hochzeitsgäste und die Set-Crew gemeinsam an den ein paar hundert Meter entfernten, unter Zelten eingerichteten Bierbänken zum richtigen Mittagsmahl des Filmcaterings ein.

Schauspieler André Jung nutzt die Pause in seinem Wohnwagen. Er schätzt die Arbeit mit dem Team. „Man merkt dem Ganzen an, wie viel professioneller die Dreharbeiten im Land geworden sind. Dass es reibungslos abläuft, zeigt schon, dass die Crew hier gut harmoniert und sich um die Geschichte viele Gedanken macht.“

Unaufbearbeitete  Nachkriegszeit im Fokus

Die Szenerie eines spannungsgeladenen, klassischen „Whodunnit“-Krimis über den Mord an einer Familie, der sich wirklich im Jahr 1945 in Windhof-Welscheid ereignete, öffnet ein Kapitel einer noch zu wenig aufgearbeiteten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. „Es ist gut, dass der Film Aufmerksamkeit darauf lenken wird“, betont Jung.

Jules, der Protagonist des Films, wird von Luc Schlitz gespielt.

Hauptdarsteller Luc Schiltz raucht noch genüsslich eine moderne Zigarette. „Endlich ist das Wetter einigermaßen“, sagt er und genießt die Wärme. Wir drehen ja nicht im Studio. Und der Regen der letzten Tage hat uns schon eingeschränkt. Ich bin mal gespannt, wenn wir im Winter drehen, wie es dann hier wird.“ Und eilt wieder zum Dreh.

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Christophe Wagners Film auf den Spuren der Nachkriegszeit

Armand (Jules Werner, r.) feiert mit seiner Braut.

Eine täuschend echt wirkende „L’Africaine“-Zigarettenschachtel mit ihrem geschnörkelten Schriftzug liegt zwischen den Tellern und Krügen in historischem Dessin.„Anstrengend ist das! Ich hätte gar nicht gedacht, was für ein Aufwand schon eine einfache Szene sein kann. Aber sicher wird das heute noch abgedreht“, sagt Jeanny Friederich-Schmit schon ganz im „Filmsprech“, die an der Seite ihres echten Mannes als eine von etwa 30 Komparsen am Set von „Eng nei Zäit“ an der Hochzeitstafel rund um die Profischauspieler sitzen darf.

Historische Details: Selbst die Zigarettenpackungen müssen wie das Original im Jahr 1945 wirken.

Im kriegsgeschundenen Hof des Bauerngehöfts, der eigentlich eine umdekorierte historische Mühle bei Schleif ist, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. „Unsere Dekorateure und Requisiteure haben eine Wahnsinns-Arbeit geleistet“, flüstert Produzent Claude Waringo kurz bevor der Dreh wieder startet und Kameramann Jako Raybaut noch einmal das Bild durch das Okular der auf Schienen montierten Kamera kontrolliert.

Jeanny Friederich-Schmit (r.)  und ihr Mann Pierre sind als Komparsen beim Dreh dabei.

Dort wo grade noch gespannte Aufmerksamkeit auf die Anweisungen der Regieassistenten herrschte, bricht plötzlich ungezügelte Freude aus. Die spartanisch wirkende Hochzeit, bei der die für damalige Verhältnisse fast schon luxuriöse „Quetschentaart“ gerade als Dessert gereicht wurde, ist von einem Moment auf den anderen in vollem Gang, und es wird lauthals gesungen und getanzt.

Historisch perfekte Bilder

Doch geht diesmal etwas mit dem Ton schief. Tonmeister Carlo Thoss fordert die Gesellschaft auf, noch einmal die Geräuschkulisse der gerade gedrehten Szene nachzustellen. Mit der „Angel“ fischt sein Assistent dann auch die Atmosphäre ein: die Tanzschritte auf dem mit Stroh ausgestreuten Hof, die Gesprächsfetzen an der in Weiß gedeckten Tafel und der Rummel um die Szene. Da dafür nicht noch einmal die Kamera läuft, wird auch nicht so ganz strikt auf Details geachtet, die sonst undenkbar wären. Plötzlich werden Fotos mit einem iPad geschossen, und die junge Kamerafrau, die die Dreharbeiten für die spätere DVD dokumentiert, läuft mit moderner Technik durch die Menge. Sonst eine Todsünde – jede falsche Nuance könnte das Endprodukt gefährden und die Illusion der historischen Situation zerstören.

Abseits des Sets warten ein paar Komparsen auf ihren Einsatz. Zur Erinnerung wird mit dem ipad fotografiert.

Denn sogar zur Patina des Anstrichs in Räumen und Kulissen hat sich Regisseur Christophe Wagner mit seinem Team Gedanken gemacht. „Wir haben eine Patinierung benutzt, die das Licht besonders reflektiert. Im Inneren entstand dann zum Beispiel fast eine Art Spiegelung auf der Textur der Wand. Das wird im Kino sicher toll wirken.“ Insgesamt sei der Film trotz des düsteren Themas „sehr viel heller“ als zum Beispiel „Doudege Wénkel“, für den der Regisseur schon mit der Produktionsfirma Samsa Film zusammenarbeitete.

Regisseur Christophe Wagner

Die Mittagspause wird ausgerufen. Und plötzlich finden sich die Hochzeitsgäste und die Set-Crew gemeinsam an den ein paar hundert Meter entfernten, unter Zelten eingerichteten Bierbänken zum richtigen Mittagsmahl des Filmcaterings ein.

Schauspieler André Jung nutzt die Pause in seinem Wohnwagen. Er schätzt die Arbeit mit dem Team. „Man merkt dem Ganzen an, wie viel professioneller die Dreharbeiten im Land geworden sind. Dass es reibungslos abläuft, zeigt schon, dass die Crew hier gut harmoniert und sich um die Geschichte viele Gedanken macht.“

Unaufbearbeitete  Nachkriegszeit im Fokus

Die Szenerie eines spannungsgeladenen, klassischen „Whodunnit“-Krimis über den Mord an einer Familie, der sich wirklich im Jahr 1945 in Windhof-Welscheid ereignete, öffnet ein Kapitel einer noch zu wenig aufgearbeiteten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. „Es ist gut, dass der Film Aufmerksamkeit darauf lenken wird“, betont Jung.

Jules, der Protagonist des Films, wird von Luc Schlitz gespielt.

Hauptdarsteller Luc Schiltz raucht noch genüsslich eine moderne Zigarette. „Endlich ist das Wetter einigermaßen“, sagt er und genießt die Wärme. Wir drehen ja nicht im Studio. Und der Regen der letzten Tage hat uns schon eingeschränkt. Ich bin mal gespannt, wenn wir im Winter drehen, wie es dann hier wird.“ Und eilt wieder zum Dreh.

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