Oct 05 2013

Moritz Bleibtreu: ”Habe das Glück zwei bis drei Mal im Jahr jemand anderes zu sein”

Published by at 15:59 under Samsa

SOURCE: http://www.wort.lu

Der Schauspieler im Gespräch bei der Premiere von “Vijay and I”.
Interview: Cordula Schnuer

Im Utopolis auf Kirchberg feierte am Freitagabend der Streifen “Vijay and I”, eine Luxemburger Samsa-Film-Koproduktion, Premiere. Wort.lu konnte sich bei dieser Gelegenheit mit dem Schauspieler Moritz Bleibtreu unterhalten.

Der Film handelt von einem erfolglosen Schauspieler (Moritz Bleibtreu), der nach einem Unfall seine Frau (Patricia Arquette) im Glauben lässt, er sei ums Leben gekommen, und als geheimnisvoller indischer Freund „Vijay“ verkleidet versucht, ein dann doch nicht so neues Leben zu beginnen.

Will Wilder bekommt die Chance sich neu zu erfinden und von vorne anzufangen. Haben Sie sich das auch schon mal gewünscht?

Ehrlich gesagt nein. Aber es ist auch so, dass ich wahnsinniges Glück habe, das machen zu können, was ich immer machen wollte und das ist Schauspieler sein. Als Schauspieler hat man das Glück unter Umständen zwei bis drei Mal im Jahr jemand anderes zu sein. Diese Ausflüge in ein anderes Leben erlauben es mir ein bisschen Abstand von mir selbst zu nehmen. Es geht im Film nicht um mich selbst, sondern um eine Figur, die wichtiger ist als ich und meine persönliche Befindlichkeit. Ich bin so froh und glücklich mich darauf vorbereiten zu können jemand anderes zu sein, dass ich dann wieder froh bin ich selber sein zu können.

Will geht in dem Film auf seine eigene Beerdigung. Würde Sie das auch reizen?

Nein, gar nicht. Ich weiß nicht, ob man das überhaupt wissen möchte. Nichts ist so sicher wie der Tod, deswegen brauche ich da nicht so wahnsinnig viel drüber nachdenken und mich darauf vorbereiten. Das wird eh geschehen. Ich glaube es ist interessant für Menschen, die kein ausgefülltes Leben haben und sich nach vielen Dingen sehnen, die im Leben nicht geklappt haben, die sich nicht sicher sind, wie sie von den Menschen wahrgenommen werden, die mit sich selbst ein bisschen im Unreinen sind. Ich glaube die fänden es interessant zu wissen, was die Menschen wirklich über sie denken. Ich habe das große Glück einen sehr soliden kleinen Freundeskreis zu haben und ich glaube ich weiß, was die über mich denken.

Was hat Ihnen an Luxemburg besonders gefallen?

Das kann ich schwer sagen. Drehen ist eine sehr intensive Arbeit, wo man von morgens bis abends beschäftigt ist und froh ist, wenn man wieder zu Hause ist, gerade bei einem Film wie ”Vijay and I”, wo wir mit langen Maskenzeiten gearbeitet haben. Das Schminken hat eineinhalb Stunden gedauert, das Abschminken noch mal eine Dreiviertelstunde. Ich fand es irre angenehm hier zu drehen, weil alles so überschaubar ist. Da ist eine Ruhe, die man in Städten wie Berlin nicht hat. Gleichzeitig habt ihr hier wahnsinnig gut organisierte Service-Units, die auf höchstem Niveau arbeiten und das hat die Arbeit sehr leicht gemacht. Ich finde es wirklich schön hier und freue mich jedes Mal, wenn ich hier bin.

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Der Schauspieler im Gespräch bei der Premiere von “Vijay and I”.
Interview: Cordula Schnuer

Im Utopolis auf Kirchberg feierte am Freitagabend der Streifen “Vijay and I”, eine Luxemburger Samsa-Film-Koproduktion, Premiere. Wort.lu konnte sich bei dieser Gelegenheit mit dem Schauspieler Moritz Bleibtreu unterhalten.

Der Film handelt von einem erfolglosen Schauspieler (Moritz Bleibtreu), der nach einem Unfall seine Frau (Patricia Arquette) im Glauben lässt, er sei ums Leben gekommen, und als geheimnisvoller indischer Freund „Vijay“ verkleidet versucht, ein dann doch nicht so neues Leben zu beginnen.

Will Wilder bekommt die Chance sich neu zu erfinden und von vorne anzufangen. Haben Sie sich das auch schon mal gewünscht?

Ehrlich gesagt nein. Aber es ist auch so, dass ich wahnsinniges Glück habe, das machen zu können, was ich immer machen wollte und das ist Schauspieler sein. Als Schauspieler hat man das Glück unter Umständen zwei bis drei Mal im Jahr jemand anderes zu sein. Diese Ausflüge in ein anderes Leben erlauben es mir ein bisschen Abstand von mir selbst zu nehmen. Es geht im Film nicht um mich selbst, sondern um eine Figur, die wichtiger ist als ich und meine persönliche Befindlichkeit. Ich bin so froh und glücklich mich darauf vorbereiten zu können jemand anderes zu sein, dass ich dann wieder froh bin ich selber sein zu können.

Will geht in dem Film auf seine eigene Beerdigung. Würde Sie das auch reizen?

Nein, gar nicht. Ich weiß nicht, ob man das überhaupt wissen möchte. Nichts ist so sicher wie der Tod, deswegen brauche ich da nicht so wahnsinnig viel drüber nachdenken und mich darauf vorbereiten. Das wird eh geschehen. Ich glaube es ist interessant für Menschen, die kein ausgefülltes Leben haben und sich nach vielen Dingen sehnen, die im Leben nicht geklappt haben, die sich nicht sicher sind, wie sie von den Menschen wahrgenommen werden, die mit sich selbst ein bisschen im Unreinen sind. Ich glaube die fänden es interessant zu wissen, was die Menschen wirklich über sie denken. Ich habe das große Glück einen sehr soliden kleinen Freundeskreis zu haben und ich glaube ich weiß, was die über mich denken.

Was hat Ihnen an Luxemburg besonders gefallen?

Das kann ich schwer sagen. Drehen ist eine sehr intensive Arbeit, wo man von morgens bis abends beschäftigt ist und froh ist, wenn man wieder zu Hause ist, gerade bei einem Film wie ”Vijay and I”, wo wir mit langen Maskenzeiten gearbeitet haben. Das Schminken hat eineinhalb Stunden gedauert, das Abschminken noch mal eine Dreiviertelstunde. Ich fand es irre angenehm hier zu drehen, weil alles so überschaubar ist. Da ist eine Ruhe, die man in Städten wie Berlin nicht hat. Gleichzeitig habt ihr hier wahnsinnig gut organisierte Service-Units, die auf höchstem Niveau arbeiten und das hat die Arbeit sehr leicht gemacht. Ich finde es wirklich schön hier und freue mich jedes Mal, wenn ich hier bin.

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