Nov 19 2009

„House Of Boys“: Homosexuelle Liebe in Amsterdam

Published by at 01:15 under Articles,Screening Room

SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

Jean-Claude Schlim studierte an der Pariser Filmschule. 1988 produzierte er den Kurzfilm „Somewhere in Europe“ von Pol Cruchten. Er jobbte in Paris als Journalist. Zurück in Luxemburg arbeitete er für kurze Zeit beim Centre National de l’Audiovisuel. Schließlich begann er als free-lance Techniker bei verschiedenen lokalen Filmproduktionen mitzuwirken, ehe er als Line Producer, Produktionsmanager oder ausführender Produzent seine Brötchen beim Film verdiente. Er arbeitete an den Filmsets von u. a. „Shadow Of A Vampire“, „CQ“, „The Merchant Of Venise“, „Black Dju“, „Perl oder Pica“ oder „An American Werewolf in Paris“. Natürlich reizte es ihn seit langem, selbst einmal einen Film zu drehen.

Rund fünf Jahre liefen die Vorbereitungen zu seinem ersten abendfüllenden Spielfilm „House Of Boys“. Hauptursache für das lange Warten auf die erste Klappe, waren finanzielle Probleme. Es war nicht einfach, einen Produzenten zu überzeugen, Geld in eine Geschichte über Homosexuelle und Aids zu investieren. Dennoch fanden sich mit der luxemburgischen Delux Productions (Produzent: Jimmy de Brabant) und der deutschen Elsani Film zwei Produktionsfirmen, die sich an das heikle Thema herantrauten. Gedreht wurde in Luxemburg und in Köln. Die offizielle Premiere war am gestrigen Dienstagabend im „Utopolis“.
Homosexualität in den 1980er Jahren
Luxemburg anno 1984. Der 17-jährige Frank (Layke Anderson) ist homosexuell. Da seine Eltern (Sascha Ley und Chris McHallem) seine Neigung als abartig empfinden, verlässt er Luxemburg in Richtung Amsterdam, wo er im „House of Boys“ von Madame (Udo Kier) unterkommt. Hier lebt er mit gleichgesinnten jungen Männern und Emma (Eleanor David), der einzigen Frau, in einer Art Kommune zusammen. Besonders Jake (Benn Northover) hat es ihm angetan, nur ist dieser bisexuell und hat eine Freundin, Carole (Emma Griffits-Malin). Jakes homosexuelle Seite kommt nur bei besonderen Kunden zur Geltung, z. B. dem reichen Amerikaner Rick (Ross Anthony). Frank darf erst einmal Dienst an der Bar verrichten, ehe er mit seinem ersten Live-Striptease die Kunden des Hauses verzückt. Als Jake mit seiner Freundin wegen einer gewollten Schwangerschaftsunterbrechung Schluss macht, sieht Frank seine Chance gekommen, Jake zu erobern. Ihre Liebe ist aber nur von kurzer Dauer, da Jake an einer neuen Krankheit erkrankt: Aids. Doktor Marsh (Stephen Fry) nimmt sich Jake an und versucht ihm, so gut es geht zu helfen. Doch in dieser Zeit gab es noch keine wirksamen Medikamente gegen diese Immunschwäche.
Die Anfangsjahre des Aids
„House Of Boys“ ist aus Sicht einer luxemburgischen Co-Produktion sicher ein couragiertes Werk, das mit viel Realismus – einige kurze Szenen pornografischer Natur hätten zwar nicht unbedingt sein müssen – die Thematik der Homosexualität und der Krankheit behandelt, die immer wieder im Zusammenhang mit der gleichgeschlechtlichen Liebe genannt wird, Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Aids wurde bereits 1981 als eigenständige Krankheit anerkannt. Im Film wird die Krankheit lediglich als Barriere in der Liebe zwischen Frank und Jake dargestellt, und der Regisseur geht nicht weiter auf die Folgen von Aids ein. Frank bleibt z. B. von der Immunschwäche verschont, und es scheint nur Jake allein getroffen zu haben.
Der Regieneuling weiß, wie er seine Darsteller in Szene zu setzten hat (Kamera: Carlo Thiel), und er erschafft eine in die Geschichte passende Atmosphäre. Layke Anderson als Frank zeigt eine ordentliche Leistung, genau wie Benn Northover als Jake. In den Nebenrollen entdeckt man u. a. Tom Leick, Luc Feit, Nora König, Jules Werner, Loic Peckels, Gintare Parulyte, David Goldrake und Jean-Claude Schlim selbst.
Die Musik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Neben der Originalfilmmusik von Gast Waltzing, sind u. a. Titel von Dangerous Muse, Jimmy Sommerville, Steve Harley, Soft Cell oder Cyril Collard zu hören.
Echte Gefühle fehlen
Das größte Problem des Films ist allerdings die Darstellung der Liebe zwischen Frank und Jake, der es etwas an Überzeugungskraft fehlt sowie an echten Gefühlen. In seinem sexuellen Trieb ist Frank ein Teenager, der bei jedem Mann Gefallen findet, und sich keine weiteren Gedanken macht. Der bisexuelle Jake hingegen stellt seinen Körper nur gegen Bezahlung zur Verfügung. Echte Liebe hat er noch mit niemandem gemacht. Erst die Zuneigung zu Frank eröffnet ihm die Möglichkeit, seiner Homosexualität freien Lauf zu geben. Die Umstände, welche diese beiden unterschiedlichen Charaktere dazu führen, sich auf Gedeih und Verderb zu lieben, werden im Film auf zu oberflächige Art und Weise beschrieben. Viele überlange Szenen erschweren zudem den Rhythmus des Films, der mit 120 Minuten Laufzeit um etliches zu lang geraten ist. „House Of Boys“ ist von seiner Thematik her kein einfacher Film, dennoch nicht uninteressant. Ab Freitag ist der Film im „Utopia“ zu sehen, in englischer Sprache mit französischen Unter titeln.

Comments

comments

SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

Jean-Claude Schlim studierte an der Pariser Filmschule. 1988 produzierte er den Kurzfilm „Somewhere in Europe“ von Pol Cruchten. Er jobbte in Paris als Journalist. Zurück in Luxemburg arbeitete er für kurze Zeit beim Centre National de l’Audiovisuel. Schließlich begann er als free-lance Techniker bei verschiedenen lokalen Filmproduktionen mitzuwirken, ehe er als Line Producer, Produktionsmanager oder ausführender Produzent seine Brötchen beim Film verdiente. Er arbeitete an den Filmsets von u. a. „Shadow Of A Vampire“, „CQ“, „The Merchant Of Venise“, „Black Dju“, „Perl oder Pica“ oder „An American Werewolf in Paris“. Natürlich reizte es ihn seit langem, selbst einmal einen Film zu drehen.

Rund fünf Jahre liefen die Vorbereitungen zu seinem ersten abendfüllenden Spielfilm „House Of Boys“. Hauptursache für das lange Warten auf die erste Klappe, waren finanzielle Probleme. Es war nicht einfach, einen Produzenten zu überzeugen, Geld in eine Geschichte über Homosexuelle und Aids zu investieren. Dennoch fanden sich mit der luxemburgischen Delux Productions (Produzent: Jimmy de Brabant) und der deutschen Elsani Film zwei Produktionsfirmen, die sich an das heikle Thema herantrauten. Gedreht wurde in Luxemburg und in Köln. Die offizielle Premiere war am gestrigen Dienstagabend im „Utopolis“.
Homosexualität in den 1980er Jahren
Luxemburg anno 1984. Der 17-jährige Frank (Layke Anderson) ist homosexuell. Da seine Eltern (Sascha Ley und Chris McHallem) seine Neigung als abartig empfinden, verlässt er Luxemburg in Richtung Amsterdam, wo er im „House of Boys“ von Madame (Udo Kier) unterkommt. Hier lebt er mit gleichgesinnten jungen Männern und Emma (Eleanor David), der einzigen Frau, in einer Art Kommune zusammen. Besonders Jake (Benn Northover) hat es ihm angetan, nur ist dieser bisexuell und hat eine Freundin, Carole (Emma Griffits-Malin). Jakes homosexuelle Seite kommt nur bei besonderen Kunden zur Geltung, z. B. dem reichen Amerikaner Rick (Ross Anthony). Frank darf erst einmal Dienst an der Bar verrichten, ehe er mit seinem ersten Live-Striptease die Kunden des Hauses verzückt. Als Jake mit seiner Freundin wegen einer gewollten Schwangerschaftsunterbrechung Schluss macht, sieht Frank seine Chance gekommen, Jake zu erobern. Ihre Liebe ist aber nur von kurzer Dauer, da Jake an einer neuen Krankheit erkrankt: Aids. Doktor Marsh (Stephen Fry) nimmt sich Jake an und versucht ihm, so gut es geht zu helfen. Doch in dieser Zeit gab es noch keine wirksamen Medikamente gegen diese Immunschwäche.
Die Anfangsjahre des Aids
„House Of Boys“ ist aus Sicht einer luxemburgischen Co-Produktion sicher ein couragiertes Werk, das mit viel Realismus – einige kurze Szenen pornografischer Natur hätten zwar nicht unbedingt sein müssen – die Thematik der Homosexualität und der Krankheit behandelt, die immer wieder im Zusammenhang mit der gleichgeschlechtlichen Liebe genannt wird, Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Aids wurde bereits 1981 als eigenständige Krankheit anerkannt. Im Film wird die Krankheit lediglich als Barriere in der Liebe zwischen Frank und Jake dargestellt, und der Regisseur geht nicht weiter auf die Folgen von Aids ein. Frank bleibt z. B. von der Immunschwäche verschont, und es scheint nur Jake allein getroffen zu haben.
Der Regieneuling weiß, wie er seine Darsteller in Szene zu setzten hat (Kamera: Carlo Thiel), und er erschafft eine in die Geschichte passende Atmosphäre. Layke Anderson als Frank zeigt eine ordentliche Leistung, genau wie Benn Northover als Jake. In den Nebenrollen entdeckt man u. a. Tom Leick, Luc Feit, Nora König, Jules Werner, Loic Peckels, Gintare Parulyte, David Goldrake und Jean-Claude Schlim selbst.
Die Musik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Neben der Originalfilmmusik von Gast Waltzing, sind u. a. Titel von Dangerous Muse, Jimmy Sommerville, Steve Harley, Soft Cell oder Cyril Collard zu hören.
Echte Gefühle fehlen
Das größte Problem des Films ist allerdings die Darstellung der Liebe zwischen Frank und Jake, der es etwas an Überzeugungskraft fehlt sowie an echten Gefühlen. In seinem sexuellen Trieb ist Frank ein Teenager, der bei jedem Mann Gefallen findet, und sich keine weiteren Gedanken macht. Der bisexuelle Jake hingegen stellt seinen Körper nur gegen Bezahlung zur Verfügung. Echte Liebe hat er noch mit niemandem gemacht. Erst die Zuneigung zu Frank eröffnet ihm die Möglichkeit, seiner Homosexualität freien Lauf zu geben. Die Umstände, welche diese beiden unterschiedlichen Charaktere dazu führen, sich auf Gedeih und Verderb zu lieben, werden im Film auf zu oberflächige Art und Weise beschrieben. Viele überlange Szenen erschweren zudem den Rhythmus des Films, der mit 120 Minuten Laufzeit um etliches zu lang geraten ist. „House Of Boys“ ist von seiner Thematik her kein einfacher Film, dennoch nicht uninteressant. Ab Freitag ist der Film im „Utopia“ zu sehen, in englischer Sprache mit französischen Unter titeln.

Comments

comments

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply