Dec 06 2009

„Nous trois“ Liebe und Freundschaft Anfang der 1970er Jahre

Published by at 19:07 under Screening Room

SOURCE: www.journal.lu – CHS

Regisseur Renaud Bertrand begann seine filmische Karriere als Regieassistent, um dann beim Fernsehen erste Filme und Serien zu drehen. Im Frühjahr 2009 fiel die erste Klappe zu seinem ersten Spielfilm „Nous trois“, eine französisch-luxemburgische Co-Produktion. Gedreht wurde in u. a. Luxemburg, Esch und in Longwy. Fabio Conversi (Babe Film) produzierte den französischen Teil der Produktion und Paul Thiltges und David Grumbach (Paul Thiltges Productions) den luxemburgischen. Drei Stars, Emmanuelle Béart („Manon des sources“, „Vinyan“), Stefano Accorsi („L’ultimo bacio“, „Romanzo criminale“) und Jacques Gamblin („L’enfer“, „Bellamy“), konnten für die Hauptrollen verpflichtet werden. Die Weltpremiere fand am Mittwoch im „Utopolis“ statt, im Beisein der Produzenten, des Regisseurs, der Hauptdarstellerin und des Newcomers Nathan Georgelin.

Sébastien hat Probleme mit seinen Eltern
1972. In seinen Tagträumen ersetzt der kleine Sébastien (Georgelin) die englische Queen durch seine Mutter Marie (Béart). Nur in der Rolle des Königs sieht er nicht seinen Vater (Gamblin), der ein geistesabwesendes Leben als Erfinder führt und vom Familienleben nichts mitbekommt – im Haushalt lebt noch sein älterer Bruder (Pierre Bertre) und Maries Vater (Sacha Briquet), der sich noch immer im Zweiten Weltkrieg glaubt. Als Michèle (Audrey Dana) und Philippe Martin (Accorsi) in der Nachbarschaft einziehen, entwickelt sich eine Freundschaft unter den zwei Familien, und Marie verliebt sich Hals über Kopf in Philippe. Der einzige, der etwas von dieser heimlichen Liebe mitbekommt, ist Sébastien, der jetzt dem König endlich das Gesicht von Philippe aufsetzen kann. Die Schwangerschaft von Michèle und ein schwerer Autounfall, bei dem die beiden Männer verletzt werden, bringen die Freundschaft ins Schwanken sowie die Liebe zwischen Marie und Philippe.
Mit den Augen eines Kindes
Da Sébastien wegen seines Alters nicht wirklich versteht, was in der Welt der Erwachsenen abgeht, und die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, bleibt der Regisseur zu sehr auf Distanz zu seinen Figuren. Die Relation zwischen Marie und ihrem Mann, der keinen Vornamen hat, wird nicht genauer dargestellt, ohne eine einzige Intimität oder eine Erklärung für die komplett weltfremde Haltung des Mannes. Die Affäre zwischen Marie und Philippe wird ebenfalls nicht weiter analysiert und beschränkt sich auf heimliche Küsse und dezente Bettszenen. Komischerweise stellt Sébastien die Beziehung seiner Mutter zu Philippe nicht in Frage. Ja, er scheint sie zu akzeptieren und lügt, um die ursprünglichen Verbindungen nicht zu kompromittieren. Diese Haltung scheint auf jeden Fall nicht ganz logisch zu sein, hängt er doch auch am Vater, den er aus dem brennenden Auto rettet. Große Emotionen werden nicht frei gesetzt, obschon sie in dieser Geschichte von Nöten gewesen wären, z. B. zum Schluss. Mit einigen Gags und mit seinem lockeren Stil langweilt „Nous trois“ zwar nicht, und lässt den Zuschauer nach jeder Szene hoffen, dass noch irgendetwas Aufregendes passieren wird. Diese Hoffnung geht jedoch in der Kälte des Drehbuchs unter.
Schauspielerisch ein Lichtblick
Schauspielerische Glanzleistungen gibt es ebenfalls nicht zu vermelden. Auch wenn Béart noch versucht verschiedene Gefühlswallungen in ihren Blicken auszudrücken, bleibt Accorsi in seiner Gesichtsmimik ziemlich emotionslos. Gamblin bemüht sich durch seine unbeholfene Haltung, einen geistesabwesenden Erfinder, eine Art „nutty professor“, abzugeben, aber überzeugen kann er nicht. Der einzige Lichtblick des Films ist Nathan Georgelin, der bereits Erfahrungen vor der Kamera bei der Fernsehserie „Terre de lumière“ gesammelt hat. In seiner ganzen Natürlichkeit spielt der Kleine einen glaubwürdigen Sébastien. Myriam Muller spielt eine Lehrerin und Hervé Sogne einen Freund der Martins.
Artistische und technische Leistungen
Bühnenbildnerin Christina Schaffer hat das Ambiente der Anfang 1970er Jahre recht gut wiedergegeben. Die Inneneinrichtungen der Häuser sind mit Haushaltsgeräten und Möbeln aus der Zeit ausstaffiert und die Wände zeitgemäß tapeziert. Die Kostüme von Uli Simon scheinen auch aus der Zeit zu stammen. Die Originalmusik stammt von André Dziezuk und Marc Mergen und wird mit Oldies der 1970er ergänzt. Die Traumszenen, u. a. mit Béart als Queen, sind zum Teil original gedreht oder von Archivmaterial digital bearbeitet worden. Kamerachef Yves Carpe hat eine anständige Arbeit im Breitwandformat geleistet.
Leider aber genügen die ordentlichen artistischen und technischen Leistungen nicht, den Film über das Mittelmaß zu heben. Der Film wird erst Anfang des nächsten Jahres im Kino starten.

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SOURCE: www.journal.lu – CHS

Regisseur Renaud Bertrand begann seine filmische Karriere als Regieassistent, um dann beim Fernsehen erste Filme und Serien zu drehen. Im Frühjahr 2009 fiel die erste Klappe zu seinem ersten Spielfilm „Nous trois“, eine französisch-luxemburgische Co-Produktion. Gedreht wurde in u. a. Luxemburg, Esch und in Longwy. Fabio Conversi (Babe Film) produzierte den französischen Teil der Produktion und Paul Thiltges und David Grumbach (Paul Thiltges Productions) den luxemburgischen. Drei Stars, Emmanuelle Béart („Manon des sources“, „Vinyan“), Stefano Accorsi („L’ultimo bacio“, „Romanzo criminale“) und Jacques Gamblin („L’enfer“, „Bellamy“), konnten für die Hauptrollen verpflichtet werden. Die Weltpremiere fand am Mittwoch im „Utopolis“ statt, im Beisein der Produzenten, des Regisseurs, der Hauptdarstellerin und des Newcomers Nathan Georgelin.

Sébastien hat Probleme mit seinen Eltern
1972. In seinen Tagträumen ersetzt der kleine Sébastien (Georgelin) die englische Queen durch seine Mutter Marie (Béart). Nur in der Rolle des Königs sieht er nicht seinen Vater (Gamblin), der ein geistesabwesendes Leben als Erfinder führt und vom Familienleben nichts mitbekommt – im Haushalt lebt noch sein älterer Bruder (Pierre Bertre) und Maries Vater (Sacha Briquet), der sich noch immer im Zweiten Weltkrieg glaubt. Als Michèle (Audrey Dana) und Philippe Martin (Accorsi) in der Nachbarschaft einziehen, entwickelt sich eine Freundschaft unter den zwei Familien, und Marie verliebt sich Hals über Kopf in Philippe. Der einzige, der etwas von dieser heimlichen Liebe mitbekommt, ist Sébastien, der jetzt dem König endlich das Gesicht von Philippe aufsetzen kann. Die Schwangerschaft von Michèle und ein schwerer Autounfall, bei dem die beiden Männer verletzt werden, bringen die Freundschaft ins Schwanken sowie die Liebe zwischen Marie und Philippe.
Mit den Augen eines Kindes
Da Sébastien wegen seines Alters nicht wirklich versteht, was in der Welt der Erwachsenen abgeht, und die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, bleibt der Regisseur zu sehr auf Distanz zu seinen Figuren. Die Relation zwischen Marie und ihrem Mann, der keinen Vornamen hat, wird nicht genauer dargestellt, ohne eine einzige Intimität oder eine Erklärung für die komplett weltfremde Haltung des Mannes. Die Affäre zwischen Marie und Philippe wird ebenfalls nicht weiter analysiert und beschränkt sich auf heimliche Küsse und dezente Bettszenen. Komischerweise stellt Sébastien die Beziehung seiner Mutter zu Philippe nicht in Frage. Ja, er scheint sie zu akzeptieren und lügt, um die ursprünglichen Verbindungen nicht zu kompromittieren. Diese Haltung scheint auf jeden Fall nicht ganz logisch zu sein, hängt er doch auch am Vater, den er aus dem brennenden Auto rettet. Große Emotionen werden nicht frei gesetzt, obschon sie in dieser Geschichte von Nöten gewesen wären, z. B. zum Schluss. Mit einigen Gags und mit seinem lockeren Stil langweilt „Nous trois“ zwar nicht, und lässt den Zuschauer nach jeder Szene hoffen, dass noch irgendetwas Aufregendes passieren wird. Diese Hoffnung geht jedoch in der Kälte des Drehbuchs unter.
Schauspielerisch ein Lichtblick
Schauspielerische Glanzleistungen gibt es ebenfalls nicht zu vermelden. Auch wenn Béart noch versucht verschiedene Gefühlswallungen in ihren Blicken auszudrücken, bleibt Accorsi in seiner Gesichtsmimik ziemlich emotionslos. Gamblin bemüht sich durch seine unbeholfene Haltung, einen geistesabwesenden Erfinder, eine Art „nutty professor“, abzugeben, aber überzeugen kann er nicht. Der einzige Lichtblick des Films ist Nathan Georgelin, der bereits Erfahrungen vor der Kamera bei der Fernsehserie „Terre de lumière“ gesammelt hat. In seiner ganzen Natürlichkeit spielt der Kleine einen glaubwürdigen Sébastien. Myriam Muller spielt eine Lehrerin und Hervé Sogne einen Freund der Martins.
Artistische und technische Leistungen
Bühnenbildnerin Christina Schaffer hat das Ambiente der Anfang 1970er Jahre recht gut wiedergegeben. Die Inneneinrichtungen der Häuser sind mit Haushaltsgeräten und Möbeln aus der Zeit ausstaffiert und die Wände zeitgemäß tapeziert. Die Kostüme von Uli Simon scheinen auch aus der Zeit zu stammen. Die Originalmusik stammt von André Dziezuk und Marc Mergen und wird mit Oldies der 1970er ergänzt. Die Traumszenen, u. a. mit Béart als Queen, sind zum Teil original gedreht oder von Archivmaterial digital bearbeitet worden. Kamerachef Yves Carpe hat eine anständige Arbeit im Breitwandformat geleistet.
Leider aber genügen die ordentlichen artistischen und technischen Leistungen nicht, den Film über das Mittelmaß zu heben. Der Film wird erst Anfang des nächsten Jahres im Kino starten.

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