Mar 02 2012

100 Jahre Kino „Kursaal“ !

Published by at 01:23 under Screening Room

SOURCE: http://www.journal.lu

Das Kino „Kursaal“ in Rümelingen feiert heute seinen 100. Geburtstag

Das Rümelinger Kino „Kursaal“, im Volksmund auch „den alen Kino“ genannt, feiert ein nicht nur für Luxemburger Verhältnisse ungewöhnliches Jubiläum : Es wird 100 Jahre alt. Es ist das einzige Kino im Lande, das auf einhundert Jahre ununterbrochenen Kinobetrieb zurückschauen kann.

1908 wird Rümelingen zur Stadt erhoben; der Wirt Jean Sturm-Muller baut einen Festsaal an sein Wirtshaus in der Bahnhofstraße , der heutigen rue des Martyrs, an. Das neue Medium Kino beginnt in Rümelingen die Einwohner zu begeistern: Immer öfters zeigen ambulante Kinovorführer ihre Filmchen im Festsaal des Gastwirts. 1912 wird der Saal unter dem Impuls des neuen Mieters Jean Thill-Didier in ein festes Lichtspieltheater umgebaut. Eine Projektionskabine wird eingerichtet und ein Balkon nachgebaut.

Als erster betreibt Conrad Massard das Kino; etwas später ist es das Ehepaar Félix Nittel-Gaasch. 1920 kauft J.-P. Hurt-Gaasch, der Schwager von Félix Nittel, das Gebäude und gibt dem Kino den Namen „Kursaal“, dies in Erinnerung an eine Kur in Wiesbaden. In den 1920er Jahren werden im Kino auch Boxkämpfe auf der Bühne vor der Leinwand ausgetragen.

Die Bilder beginnen im „Kursaal“ zu reden

1927 eröffnet Eugène Ungs ein zweites Kino in der Minettstadt, das „Palace“. Ab 1932 zieht der Tonfilm ins Kino ein. Die vormals stummen Bilder, die nur von einem Pianisten begleitet wurden, beginnen zu reden mit einer Lautstärke von sage und schreibe 4 Watt. Seit 1931 ist Arthur Massard, der Enkel von Conrad Massard, Filmvorführer. Nach dem Tode von J.-P. Hurt im Februar 1933, erbt dessen Schwägerin, Frau Nittel, das Gebäude.

Im Krieg flüchten Arthur Massard und seine Mutter ins Ausland. Da die Familie Deserteuren Unterschlupf geboten hat, übernimmt ein deutscher Nazi-Kommissar die Leitung des Kinosaals. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs wird das Kino glücklicherweise nur leicht beschädigt. Arthur Massard kann nach seiner Rückkehr am Ende der Feindseeligkeiten den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Als Frau Nittel stirbt, vererbt sie ihm das Kino.

Eine neue breite Leinwand, eine Krise und Umbauten

In den Jahren 1953-1954 wird das Gebäude komplett neu errichtet. Ein Geschäft, Appartements und ein neuer Eingang zum Kino werden gebaut. Im Jahr 1956 wird der Saal für das neue Cinematoscope-Breitwandverfahren aufgerüstet, mit zwei neuen Bauer-M7-Projektoren und einer 8 Meter breiten Leinwand.

Trotz der Kinokrise, die sich Ende der 1960er Jahre bemerkbar macht und bis in die Siebzigerandauert, überlebt das Kino der Familie Massard, auch wenn Arthur Massard einen zweiten Job annehmen muss, und die wöchentlichen Vorstellungen auf vier gekürzt werden.

1976 werden die Sitze, die Projektoren und die Stereoanlage aus dem 1974 geschlossenen Rümelinger „Palace“ im „Kursaal“ montiert.

„Star Wars“ eröffnete Dolby-Stereo-Ära

Anfang der 1980er verpasst man dem Saal abermals einen neuen Look, als die Sessel aus dem hauptstädtischen Kino „Europe“ eingebaut werden. Arthur Massard stirbt im November 1987. Damit seine Frau Marie – sie haben 1948 geheiratet – den Spielbetrieb aufrecht erhalten kann, wird die Kabine durch ihren Sohn Raymond voll automatisiert.

1989 wandert auch die Bestuhlung des kleinen „Europe 2“ aus Luxemburg-Stadt nach Rümelingen. Im Rahmen der finanziellen Hilfen, die es von staatlicher Seite für die Luxemburger Kinos gibt, kann 1995 eine digitale DTS-Tonanlage installiert werden. Im Januar 1998 verschwinden die letzten hölzernen Sitze aus dem Parkett und werden durch bequeme Kinosessel ersetzt. 2003 stirbt Marie Massard, und ihre beiden Kinder, Florence und Raymond, führen den Kinobetrieb weiter. Im November 2011 wird ein digitaler Projektor installiert, die Tonanlage erneuert und eine neue Leinwand eingezogen. Ein wenig später werden die Sitze neu bezogen und der Saal wird neu gestrichen.

Am kommenden Freitag, den 2. März, wird dieses einmalige Jubiläum im engsten Kreis gebührend gefeiert, ehe dann das Publikum mit einigen Vorpremieren verwöhnt wird. Das „Kursaal“ ist somit fit für das digitale Zeitalter, also für die nächsten 100 Jahre! Viel Glück zum Geburtstag und alles Gute!

› CH.S.

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Das Kino „Kursaal“ in Rümelingen feiert heute seinen 100. Geburtstag

Das Rümelinger Kino „Kursaal“, im Volksmund auch „den alen Kino“ genannt, feiert ein nicht nur für Luxemburger Verhältnisse ungewöhnliches Jubiläum : Es wird 100 Jahre alt. Es ist das einzige Kino im Lande, das auf einhundert Jahre ununterbrochenen Kinobetrieb zurückschauen kann.

1908 wird Rümelingen zur Stadt erhoben; der Wirt Jean Sturm-Muller baut einen Festsaal an sein Wirtshaus in der Bahnhofstraße , der heutigen rue des Martyrs, an. Das neue Medium Kino beginnt in Rümelingen die Einwohner zu begeistern: Immer öfters zeigen ambulante Kinovorführer ihre Filmchen im Festsaal des Gastwirts. 1912 wird der Saal unter dem Impuls des neuen Mieters Jean Thill-Didier in ein festes Lichtspieltheater umgebaut. Eine Projektionskabine wird eingerichtet und ein Balkon nachgebaut.

Als erster betreibt Conrad Massard das Kino; etwas später ist es das Ehepaar Félix Nittel-Gaasch. 1920 kauft J.-P. Hurt-Gaasch, der Schwager von Félix Nittel, das Gebäude und gibt dem Kino den Namen „Kursaal“, dies in Erinnerung an eine Kur in Wiesbaden. In den 1920er Jahren werden im Kino auch Boxkämpfe auf der Bühne vor der Leinwand ausgetragen.

Die Bilder beginnen im „Kursaal“ zu reden

1927 eröffnet Eugène Ungs ein zweites Kino in der Minettstadt, das „Palace“. Ab 1932 zieht der Tonfilm ins Kino ein. Die vormals stummen Bilder, die nur von einem Pianisten begleitet wurden, beginnen zu reden mit einer Lautstärke von sage und schreibe 4 Watt. Seit 1931 ist Arthur Massard, der Enkel von Conrad Massard, Filmvorführer. Nach dem Tode von J.-P. Hurt im Februar 1933, erbt dessen Schwägerin, Frau Nittel, das Gebäude.

Im Krieg flüchten Arthur Massard und seine Mutter ins Ausland. Da die Familie Deserteuren Unterschlupf geboten hat, übernimmt ein deutscher Nazi-Kommissar die Leitung des Kinosaals. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs wird das Kino glücklicherweise nur leicht beschädigt. Arthur Massard kann nach seiner Rückkehr am Ende der Feindseeligkeiten den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Als Frau Nittel stirbt, vererbt sie ihm das Kino.

Eine neue breite Leinwand, eine Krise und Umbauten

In den Jahren 1953-1954 wird das Gebäude komplett neu errichtet. Ein Geschäft, Appartements und ein neuer Eingang zum Kino werden gebaut. Im Jahr 1956 wird der Saal für das neue Cinematoscope-Breitwandverfahren aufgerüstet, mit zwei neuen Bauer-M7-Projektoren und einer 8 Meter breiten Leinwand.

Trotz der Kinokrise, die sich Ende der 1960er Jahre bemerkbar macht und bis in die Siebzigerandauert, überlebt das Kino der Familie Massard, auch wenn Arthur Massard einen zweiten Job annehmen muss, und die wöchentlichen Vorstellungen auf vier gekürzt werden.

1976 werden die Sitze, die Projektoren und die Stereoanlage aus dem 1974 geschlossenen Rümelinger „Palace“ im „Kursaal“ montiert.

„Star Wars“ eröffnete Dolby-Stereo-Ära

Anfang der 1980er verpasst man dem Saal abermals einen neuen Look, als die Sessel aus dem hauptstädtischen Kino „Europe“ eingebaut werden. Arthur Massard stirbt im November 1987. Damit seine Frau Marie – sie haben 1948 geheiratet – den Spielbetrieb aufrecht erhalten kann, wird die Kabine durch ihren Sohn Raymond voll automatisiert.

1989 wandert auch die Bestuhlung des kleinen „Europe 2“ aus Luxemburg-Stadt nach Rümelingen. Im Rahmen der finanziellen Hilfen, die es von staatlicher Seite für die Luxemburger Kinos gibt, kann 1995 eine digitale DTS-Tonanlage installiert werden. Im Januar 1998 verschwinden die letzten hölzernen Sitze aus dem Parkett und werden durch bequeme Kinosessel ersetzt. 2003 stirbt Marie Massard, und ihre beiden Kinder, Florence und Raymond, führen den Kinobetrieb weiter. Im November 2011 wird ein digitaler Projektor installiert, die Tonanlage erneuert und eine neue Leinwand eingezogen. Ein wenig später werden die Sitze neu bezogen und der Saal wird neu gestrichen.

Am kommenden Freitag, den 2. März, wird dieses einmalige Jubiläum im engsten Kreis gebührend gefeiert, ehe dann das Publikum mit einigen Vorpremieren verwöhnt wird. Das „Kursaal“ ist somit fit für das digitale Zeitalter, also für die nächsten 100 Jahre! Viel Glück zum Geburtstag und alles Gute!

› CH.S.

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