Nov 12 2010

Erinnerungen an die amerikanischen Befreier

Published by at 13:10 under Articles,Deutsch,Screening Room

SOURCE: http://www.journal.lu/ – CH.S.

Andy Bausch wird demnächst einen Film drehen, der im Winter 1944 in Luxemburg spielt und der eine Liebesgeschichte zwischen einem amerikanischen Soldaten und einer Luxemburgerin erzählen wird. Um sich über die Kriegsjahre zu informieren, begann Andy, mit Zeitzeugen zu reden, und schnell wurde ihm klar, dass er diese Informationen unbedingt für die Nachwelt auf Film festhalten musste.

Der Dreh von „Schockela,Knätschgummi a brong Puppelcher“ dauerte etwa ein Jahr und wurde durch die Dreharbeiten zu „Trouble No More“ für rund vier Monate unterbrochen.
Die interessante Dokumentation feierte am Mittwoch ihre Premiere im „Utopolis“ im Beisein von Kulturministerin Octavie Modert, vielen Mitgliedern der Filmcrew, der Sponsoren und einer Reihe von Zeitzeugen, welche Produzent Paul Thilges (Paul Thilges Productions) begrüßte.
September 1944
Am 9. September 1944 marschierten die ersten amerikanischen Soldaten über die Grenze nach Petingen ein. Ein paar Tage später war Luxemburg von den deutschen Besatzern befreit.
Die Soldaten aus Übersee waren schnell die Helden der Bevölkerung, obwohl sie gar nichts von diesem kleinen Land inmitten Europas wussten, außer auf der Karte nach dem „little shoe“ zu suchen. Nach und nach adoptierten die Luxemburger die Soldaten, von denen sie viel Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten erhielten.
Die verschiedenen befragten luxemburgischen Zeitzeugen, von denen die bekanntesten Henri Losch, Roger Krieps oder der verstorbene Roger Manderscheid sind, erzählen, wie fasziniert sie von diesen Menschen waren.
Es sagen auch Amerikaner aus, die es nach dem Krieg in Luxemburg hielt, wie Shelton „Smitty” Smith oder Michael Bondi. Vom Kriegsfotografen Tony Vaccaro aus New York stammen viele der eingeblendeten Fotos aus Kriegstagen. Oder man erfährt von ihnen, wozu ein eiserner Helm noch geeignet war, vom Kochtopf oder Waschbecken über den Kotzeimer bis hin zur Toilette.
Viele weniger bekannte Tatsachen werden ebenfalls behandelt, wie dass über die Langwellenfrequenz von RTL gefälschte Nachrichtensendungen gesendet wurden, um den Feind zum Aufgeben zu bewegen, „Radio Annie“ genannt. Kurz wird auch die psychologische Kriegsführung der Amis angeschnitten, bei der etwa aufblasbare Panzer oder über Lautsprecher ausgestrahlte Kriegsgeräusche die Deutschen erschrecken sollten.
Die schwarzen Amerikaner
Viele Luxemburger hatten zuvor noch nie einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe gesehen. Die farbigen Soldaten waren in der Regel Lastwagenfahrer, die aber genau wie die GIs einen gewissen Charme auf die weibliche Bevölkerung ausstrahlten. Viele Frauen verliebten sich in die Amerikaner, wurden schwanger und brachten u.a. „brong Puppelcher“ zur Welt, obwohl die Soldaten mit Verhütungs-Sets ausgestattet waren.
Was Andy Bausch darüber hinaus noch alles an Aussagen über das letzte Kriegsjahr – im Dezember 1944 griffen die Deutschen ja noch einmal in den Ardennen an – gesammelt hat, u.a. über Eisenhower, Ernest Hemingway, Marlene Dietrich, die Kinos „Ecran“, „Capitole“ oder „Ciné de la Cour“, oder wie die Rundstedt-Offensive hätte verhindert werden können, sollte jeder selbst im Kino entdecken.
Ein anderes Bild der Befreier
Mit dieser sehenswerten Dokumentation, die aus historischen Filmaufnahmen, Fotos und nachgestellten Szenen besteht, gelingt es Andy Bausch, ein etwas anderes Bild der Amerikaner und Luxemburger zu zeichnen als das, was wir aus anderen Dokumentationen wie u.a. „Heim ins Reich“ kennen.
Für die einen waren die Amis Helden, für andere Rüpel, die keine Manieren hatten und wahrscheinlich direkt aus dem Gefängnis in den Krieg eingezogen wurden. Mit viel Dezenz behandelt der Regisseur auch das Kapitel der hier geborenen farbigen Babys.
Die Off-Stimme von André Jung gibt die nötigen Informationen zu den einzelnen Bildern. Die Interviews wurden u.a. von Carlo Thiel und Jean-Louis Schuller gefilmt.
Hier steht aber die Kamera auf einem Stativ und filmt sozusagen ganz alleine die Zeitzeugen. Hier hätte etwas Bewegung in den starren Bildern gut getan.
Die Musik komponierten Ben Barnich, Rico Querin und André Mergenthaler.
Der Film läuft in den Kinos „Utopolis“, „CineBelval“, „Ariston“, „Kursaal“ und „Starlight“.

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Andy Bausch wird demnächst einen Film drehen, der im Winter 1944 in Luxemburg spielt und der eine Liebesgeschichte zwischen einem amerikanischen Soldaten und einer Luxemburgerin erzählen wird. Um sich über die Kriegsjahre zu informieren, begann Andy, mit Zeitzeugen zu reden, und schnell wurde ihm klar, dass er diese Informationen unbedingt für die Nachwelt auf Film festhalten musste.

Der Dreh von „Schockela,Knätschgummi a brong Puppelcher“ dauerte etwa ein Jahr und wurde durch die Dreharbeiten zu „Trouble No More“ für rund vier Monate unterbrochen.
Die interessante Dokumentation feierte am Mittwoch ihre Premiere im „Utopolis“ im Beisein von Kulturministerin Octavie Modert, vielen Mitgliedern der Filmcrew, der Sponsoren und einer Reihe von Zeitzeugen, welche Produzent Paul Thilges (Paul Thilges Productions) begrüßte.
September 1944
Am 9. September 1944 marschierten die ersten amerikanischen Soldaten über die Grenze nach Petingen ein. Ein paar Tage später war Luxemburg von den deutschen Besatzern befreit.
Die Soldaten aus Übersee waren schnell die Helden der Bevölkerung, obwohl sie gar nichts von diesem kleinen Land inmitten Europas wussten, außer auf der Karte nach dem „little shoe“ zu suchen. Nach und nach adoptierten die Luxemburger die Soldaten, von denen sie viel Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten erhielten.
Die verschiedenen befragten luxemburgischen Zeitzeugen, von denen die bekanntesten Henri Losch, Roger Krieps oder der verstorbene Roger Manderscheid sind, erzählen, wie fasziniert sie von diesen Menschen waren.
Es sagen auch Amerikaner aus, die es nach dem Krieg in Luxemburg hielt, wie Shelton „Smitty” Smith oder Michael Bondi. Vom Kriegsfotografen Tony Vaccaro aus New York stammen viele der eingeblendeten Fotos aus Kriegstagen. Oder man erfährt von ihnen, wozu ein eiserner Helm noch geeignet war, vom Kochtopf oder Waschbecken über den Kotzeimer bis hin zur Toilette.
Viele weniger bekannte Tatsachen werden ebenfalls behandelt, wie dass über die Langwellenfrequenz von RTL gefälschte Nachrichtensendungen gesendet wurden, um den Feind zum Aufgeben zu bewegen, „Radio Annie“ genannt. Kurz wird auch die psychologische Kriegsführung der Amis angeschnitten, bei der etwa aufblasbare Panzer oder über Lautsprecher ausgestrahlte Kriegsgeräusche die Deutschen erschrecken sollten.
Die schwarzen Amerikaner
Viele Luxemburger hatten zuvor noch nie einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe gesehen. Die farbigen Soldaten waren in der Regel Lastwagenfahrer, die aber genau wie die GIs einen gewissen Charme auf die weibliche Bevölkerung ausstrahlten. Viele Frauen verliebten sich in die Amerikaner, wurden schwanger und brachten u.a. „brong Puppelcher“ zur Welt, obwohl die Soldaten mit Verhütungs-Sets ausgestattet waren.
Was Andy Bausch darüber hinaus noch alles an Aussagen über das letzte Kriegsjahr – im Dezember 1944 griffen die Deutschen ja noch einmal in den Ardennen an – gesammelt hat, u.a. über Eisenhower, Ernest Hemingway, Marlene Dietrich, die Kinos „Ecran“, „Capitole“ oder „Ciné de la Cour“, oder wie die Rundstedt-Offensive hätte verhindert werden können, sollte jeder selbst im Kino entdecken.
Ein anderes Bild der Befreier
Mit dieser sehenswerten Dokumentation, die aus historischen Filmaufnahmen, Fotos und nachgestellten Szenen besteht, gelingt es Andy Bausch, ein etwas anderes Bild der Amerikaner und Luxemburger zu zeichnen als das, was wir aus anderen Dokumentationen wie u.a. „Heim ins Reich“ kennen.
Für die einen waren die Amis Helden, für andere Rüpel, die keine Manieren hatten und wahrscheinlich direkt aus dem Gefängnis in den Krieg eingezogen wurden. Mit viel Dezenz behandelt der Regisseur auch das Kapitel der hier geborenen farbigen Babys.
Die Off-Stimme von André Jung gibt die nötigen Informationen zu den einzelnen Bildern. Die Interviews wurden u.a. von Carlo Thiel und Jean-Louis Schuller gefilmt.
Hier steht aber die Kamera auf einem Stativ und filmt sozusagen ganz alleine die Zeitzeugen. Hier hätte etwas Bewegung in den starren Bildern gut getan.
Die Musik komponierten Ben Barnich, Rico Querin und André Mergenthaler.
Der Film läuft in den Kinos „Utopolis“, „CineBelval“, „Ariston“, „Kursaal“ und „Starlight“.

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