Oct 02 2009

Im Kino: Wo die Liebe hinfällt…

Published by at 14:37 under Screening Room

SOURCE: http://www.journal.lu

Am Mittwochabend fand im „Utopolis“ die luxemburgische Erstaufführung von „Universalove“ von Thomas Woschitz statt, eine österreichisch-serbisch-luxemburgische Co-Produktion, welche auf luxemburgischer Seite von Red Lion mitfinanziert wurde, also von Pol Cruchten und Jeanne Geiben. Die österreichische Produzentin Gabriele Kranzelbinder wohnte dieser Premiere ebenfalls bei, wie zahlreiche luxemburgische Filmschaffende und Guy Daleiden, der Direktor des Film Fund. Im Vorprogramm lief der Kurzfilm „Pido Perdón“ von Sascha Heyar, der auch von Red Lion produziert wurde und ganz in Rümelingen gedreht wurde.

„Pido Perdón“
Joe (Jules Werner) betreibt das älteste Kino des Landes. Die Ehe mit Julia (Vanessa Sanchez Rodriguez) scheint ins Wanken gekommen zu sein. In einem Wirtshaus erzählt ihm Jupp (Fernand Fox) vom Steiger Joseph (Marco Lorenzini), der seine Frau (Myriam Muller) aus Eifersucht erschossen hat. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, tötete er auch den heimlichen Geliebten seiner Frau. Joe sieht in der Nacht den toten Joseph. Er kann sich die Erscheinung nicht erklären. Doch Jupp sagte ihm, dass er selbst dahinter kommen müsse. „Pido Perdón“ bedeutet auf Spanisch um Verzeihung bitten. Sascha Heyar hat zuvor bei verschiedenen Filmproduktionen mitgearbeitet. Eine Idee zu einem Film und die Bekanntschaft zu Pol Cruchten ermöglichten diesen ersten 14-minütigen Film, der seine Uraufführung im Juli in Südkorea auf dem 13. Puchon International Fantastic Film Festival feierte. Formell geht der Film in Ordnung, da der Regieneuling ein Auge für Bilder hat. Seine Geschichte allerdings ist eine luxemburgische Version von „The Sixth Sense“, die ohne allzu große Überraschungen abläuft. Die Musik komponierte Daniel Balthasar und wird u. a. auf dem Cello von Emmanuelle Seiwerath gespielt. In Nebenrollen spielen noch Jupp Guddenburg, Danielle Lagermann und Nora Koenig.
„Universalove“
Der Film von Thomas Woschitz gewann dieses Jahr den Hauptpreis auf dem Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis. In Rio de Janeiro, New York, Belgrad, Tokio, Marseille und in Luxemburg verlieben sich Menschen ineinander, von den verschiedensten Schichten, Rassen und Überzeugungen. In Rio findet die schwarze Maria (Magda Gomes) Gefallen am weißen Fernsehstar João (Erom Cordeiro). In Brooklyn explodiert ein Taxifahrer (Damien Smith) fast vor Eifersucht. Milja (Anica Dobra) ist in Belgrad von ihrer langjährigen Relation zu Dusan (Dusan Askovic) enttäuscht. Ein Computerverkäufer (Kyoichi Komoto) verliebt sich in der japanischen Hauptstadt in die Frau (Makiko Kawai) auf einem Videofilm. In Marseille scheint die Liebe zwischen Julie (Liza Machover) und Rachid (Samir Menouar) am Ende zu sein, da Rachid Probleme mit einer Gaunerbande hat. Und in Luxemburg hat der verheiratete Geschäftsmann Ben (Daniel Plier) eine Affäre mit dem Teenager Luc (Sascha Migge). Mit Schulterkamera verfolgt Kameramann Enzo Brandner die Liebenden, und im Hintergrund läuft die Musik der Gruppe Naked Lunch. Das stete Hin und Her zwischen den einzelnen Spielplätzen von Gott Amor ist gut nachvollziehbar, mit Virtuosität zusammengeschnitten, und jede einzelne Geschichte steuert auf einen „Höhepunkt“ zu. Diese Apotheosen sind mehr oder weniger originell, aber leider kann man in der Realität die Zeit nicht anhalten, so wie Julie, um ihrer Liebe eine letzte Chance zu geben. Das Hauptproblem von dieser Mixtur ist aber das Fehlen von echten Gefühlen, von Sympathien den Protagonisten gegenüber.
Die konkreteste Geschichte ist die von Milja und Dusan und die überraschendeste jene, die in Tokio spielt. Die Musik dröhnt oft überlaut aus den Lautsprechern, so als wollte sie alle Gefühle der Welt übertönen, niedermachen, und die wackeligen Bilder erlauben keine genauere Betrachtung der einzelnen Liebenden. Am Ende bleibt ein hektischer Trip über den Globus, mit der Schlussfolgerung, dass die Liebe und das Schicksal nicht berechenbar sind. Die Liebe trifft jeden und jede, ob er oder sie es will oder nicht. Am Ende kann man sein Los nicht beeinflussen, und doch bleibt die Liebe etwas Einzigartiges. Ob diese Moral den ganzen Aufwand wert war, kann jeder im Kino „Utopia“ selbst entscheiden. Der Kurzfilm von Sascha Heyar läuft im Vorprogramm. › CH.S.

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Am Mittwochabend fand im „Utopolis“ die luxemburgische Erstaufführung von „Universalove“ von Thomas Woschitz statt, eine österreichisch-serbisch-luxemburgische Co-Produktion, welche auf luxemburgischer Seite von Red Lion mitfinanziert wurde, also von Pol Cruchten und Jeanne Geiben. Die österreichische Produzentin Gabriele Kranzelbinder wohnte dieser Premiere ebenfalls bei, wie zahlreiche luxemburgische Filmschaffende und Guy Daleiden, der Direktor des Film Fund. Im Vorprogramm lief der Kurzfilm „Pido Perdón“ von Sascha Heyar, der auch von Red Lion produziert wurde und ganz in Rümelingen gedreht wurde.

„Pido Perdón“
Joe (Jules Werner) betreibt das älteste Kino des Landes. Die Ehe mit Julia (Vanessa Sanchez Rodriguez) scheint ins Wanken gekommen zu sein. In einem Wirtshaus erzählt ihm Jupp (Fernand Fox) vom Steiger Joseph (Marco Lorenzini), der seine Frau (Myriam Muller) aus Eifersucht erschossen hat. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, tötete er auch den heimlichen Geliebten seiner Frau. Joe sieht in der Nacht den toten Joseph. Er kann sich die Erscheinung nicht erklären. Doch Jupp sagte ihm, dass er selbst dahinter kommen müsse. „Pido Perdón“ bedeutet auf Spanisch um Verzeihung bitten. Sascha Heyar hat zuvor bei verschiedenen Filmproduktionen mitgearbeitet. Eine Idee zu einem Film und die Bekanntschaft zu Pol Cruchten ermöglichten diesen ersten 14-minütigen Film, der seine Uraufführung im Juli in Südkorea auf dem 13. Puchon International Fantastic Film Festival feierte. Formell geht der Film in Ordnung, da der Regieneuling ein Auge für Bilder hat. Seine Geschichte allerdings ist eine luxemburgische Version von „The Sixth Sense“, die ohne allzu große Überraschungen abläuft. Die Musik komponierte Daniel Balthasar und wird u. a. auf dem Cello von Emmanuelle Seiwerath gespielt. In Nebenrollen spielen noch Jupp Guddenburg, Danielle Lagermann und Nora Koenig.
„Universalove“
Der Film von Thomas Woschitz gewann dieses Jahr den Hauptpreis auf dem Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis. In Rio de Janeiro, New York, Belgrad, Tokio, Marseille und in Luxemburg verlieben sich Menschen ineinander, von den verschiedensten Schichten, Rassen und Überzeugungen. In Rio findet die schwarze Maria (Magda Gomes) Gefallen am weißen Fernsehstar João (Erom Cordeiro). In Brooklyn explodiert ein Taxifahrer (Damien Smith) fast vor Eifersucht. Milja (Anica Dobra) ist in Belgrad von ihrer langjährigen Relation zu Dusan (Dusan Askovic) enttäuscht. Ein Computerverkäufer (Kyoichi Komoto) verliebt sich in der japanischen Hauptstadt in die Frau (Makiko Kawai) auf einem Videofilm. In Marseille scheint die Liebe zwischen Julie (Liza Machover) und Rachid (Samir Menouar) am Ende zu sein, da Rachid Probleme mit einer Gaunerbande hat. Und in Luxemburg hat der verheiratete Geschäftsmann Ben (Daniel Plier) eine Affäre mit dem Teenager Luc (Sascha Migge). Mit Schulterkamera verfolgt Kameramann Enzo Brandner die Liebenden, und im Hintergrund läuft die Musik der Gruppe Naked Lunch. Das stete Hin und Her zwischen den einzelnen Spielplätzen von Gott Amor ist gut nachvollziehbar, mit Virtuosität zusammengeschnitten, und jede einzelne Geschichte steuert auf einen „Höhepunkt“ zu. Diese Apotheosen sind mehr oder weniger originell, aber leider kann man in der Realität die Zeit nicht anhalten, so wie Julie, um ihrer Liebe eine letzte Chance zu geben. Das Hauptproblem von dieser Mixtur ist aber das Fehlen von echten Gefühlen, von Sympathien den Protagonisten gegenüber.
Die konkreteste Geschichte ist die von Milja und Dusan und die überraschendeste jene, die in Tokio spielt. Die Musik dröhnt oft überlaut aus den Lautsprechern, so als wollte sie alle Gefühle der Welt übertönen, niedermachen, und die wackeligen Bilder erlauben keine genauere Betrachtung der einzelnen Liebenden. Am Ende bleibt ein hektischer Trip über den Globus, mit der Schlussfolgerung, dass die Liebe und das Schicksal nicht berechenbar sind. Die Liebe trifft jeden und jede, ob er oder sie es will oder nicht. Am Ende kann man sein Los nicht beeinflussen, und doch bleibt die Liebe etwas Einzigartiges. Ob diese Moral den ganzen Aufwand wert war, kann jeder im Kino „Utopia“ selbst entscheiden. Der Kurzfilm von Sascha Heyar läuft im Vorprogramm. › CH.S.

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