Jul 10 2014

Kurze Teilnahme

Published by at 01:22 under Screening Room

SOURCE: http://www.journal.lu

Tanja Frank und Carlo Thiel über ihr „Open-Screen“-Format – PATRICK VERSALL

Luxemburg Auslandsaufenthalte tun luxemburgischen Studenten gut: Man kann den eigenen Horizont erweitern und bringt, im allerbesten Fall neue Ideen mit zurück in die Heimat. Genauso erging es der Luxemburger Grafikerin Tanja Frank, die aus ihrer Studienstadt Brüssel das „Open-Screen“-Format nach Luxemburg mitbrachte. Zwischen 2004 und 2005 organisierten sie und der Kameramann Carlo Thiel in Kneipen, Kunsthallen und sogar am Oberstausee im Ösling Filmabende, an denen Kurzfilme gezeigt wurden, die Minimum fünf Sekunden und maximal 20 Minuten dauerten. Einmal im Monat zeigten Frank und Thiel Arbeiten, die Amateurfilmern ihnen zukommen ließen. Alle Filme wurden auf eine einzige digitale Kassette gepackt, damit am Abend der Vorstellung nur ein Dateiträgerformat benötigt wurde. Projiziert wurde fast alles: „Es wurde nie eine Auswahl getroffen, ich glaube wir haben vielleicht zwei Filme nicht gezeigt. Aber an die Gründe dafür kann ich mich nicht mehr erinnern”, so Kameramann Thiel. Schnell hatte sich das Konzept des „Open-Screen” herumgesprochen, so dass, wo auch immer die Abende stattfanden, man sicher sein konnte, dass es schwierig sein würde noch ein paar Quadratzentimeter zu ergattern, um sich sitzend oder stehend den Film reinzuziehen.

Dabei hatte nahm die Idee eines Kurzfilmabends nur schleppend Form angenommen. Man habe zwei Jahre nach einem Partner Ausschau gehalten, der ihnen einen Raum zu Verfügung stellen würde, erinnert sich die Grafikerin Tanja Frank. Denn die Kurzfilme sollten fast überall außer in einem Kino gezeigt werden. Der Partner fand sich in Person der Betreiber der Elevator-Bar in Hollerich, dem Vorläufer der heutigen Soulkitchen. Die ersten Filme liefen im Hinterraum der Bar, wo die Zuschauer sich in Sesseln lümmeln konnten, einen Drink bestellen und sich gleichzeitig die Filme reinziehen konnten. Niemand wurde gezwungen sich die komplette, zwei- bis zweieinhalbstündige Filmreihe anzuschauen: Wer nach einer halben Stunde keine Lust mehr hatte, konnte zur nächsten Kneipe weiterziehen. „Uns war wichtig, dass die Leute kommen und gehen konnten“, erklärt Frank „Und dass man sich die Filme in Sesseln sitzend anschauen konnte“, ergänzt die Grafikerin.

Wechsel der Location

Die Nachricht von dem für Luxemburg neuen Veranstaltungskonzept hatte sich vor zehn Jahren wie ein Lauffeuer verbreitet, so dass Frank und Thiel schon für die erste Auflage mehr als genug Filmmaterial zusammen bekommen hatten. Die im Monatsrhythmus organisierten „Open Screens“ betrachtet Tanja Frank heute noch als eine Art Filmschule: „Du drückst einem eine Kamera in die Hand und sagst ihm, dass er filmen soll, was er sieht.“ Am Abend der Projektion konnten Zuschauer und Regisseure sich über die Werke austauschen und die Filme auch miteinander vergleichen. Den Abschluss jedes „Open Screen“-Abends bildete die Vorführung eines Kurzfilms, der unter professionellen Bedingungen gedreht worden war.

2005 beendeten die beiden Filmfans das Abenteuer „Open Screen“. Frank und ihr Bekannter Thiel trugen nicht nur die Filme zusammen, sondern mussten jeden Monat aufs Neue eine Location ausfindig machen, die Technik dorthin transportieren und Flyer verteilen. Das ging an die Substanz. Irgendwann habe sie einfach nicht mehr gekonnt, blickt Tanja Frank auf diese Zeit zurück.

Am 18. Juli feiert das „Open-Screen“-Format seine Wiedergeburt in der hauptstädtischen Galerie Bradtke in der Avenue de la Gare. Bertreiber Michel Bradtke habe vor zwei Monaten bei angeklopft und gefragt, ob sie nicht Lust hätte ein Event auf die Beine zu stellen, so Frank. Also packten die beiden „Open-Screen“-Pioniere wieder ihre Projektionsgeräte aus und starteten mit Bradtke über die sozialen Netzwerke einen Aufruf an alle, die zuhause Filme haben, die sie einem Publikum vorführen möchten. Tanja Frank und Carlo Thiel sind überzeugt, dass das „Open-Screen“-Konzept auch in Zeiten von Youtube und Vimeo funktioniert, da die Teilnehmer sofort Reaktionen von Zuschauern erhalten. „Du schaust dir die Filme gemeinsam mit anderen Zuschauern an und sitzt nicht zuhause vor deinem Bildschirm“, so Frank.

www.bradtke.lu – openscreen@posteo.de

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Tanja Frank und Carlo Thiel über ihr „Open-Screen“-Format – PATRICK VERSALL

Luxemburg Auslandsaufenthalte tun luxemburgischen Studenten gut: Man kann den eigenen Horizont erweitern und bringt, im allerbesten Fall neue Ideen mit zurück in die Heimat. Genauso erging es der Luxemburger Grafikerin Tanja Frank, die aus ihrer Studienstadt Brüssel das „Open-Screen“-Format nach Luxemburg mitbrachte. Zwischen 2004 und 2005 organisierten sie und der Kameramann Carlo Thiel in Kneipen, Kunsthallen und sogar am Oberstausee im Ösling Filmabende, an denen Kurzfilme gezeigt wurden, die Minimum fünf Sekunden und maximal 20 Minuten dauerten. Einmal im Monat zeigten Frank und Thiel Arbeiten, die Amateurfilmern ihnen zukommen ließen. Alle Filme wurden auf eine einzige digitale Kassette gepackt, damit am Abend der Vorstellung nur ein Dateiträgerformat benötigt wurde. Projiziert wurde fast alles: „Es wurde nie eine Auswahl getroffen, ich glaube wir haben vielleicht zwei Filme nicht gezeigt. Aber an die Gründe dafür kann ich mich nicht mehr erinnern”, so Kameramann Thiel. Schnell hatte sich das Konzept des „Open-Screen” herumgesprochen, so dass, wo auch immer die Abende stattfanden, man sicher sein konnte, dass es schwierig sein würde noch ein paar Quadratzentimeter zu ergattern, um sich sitzend oder stehend den Film reinzuziehen.

Dabei hatte nahm die Idee eines Kurzfilmabends nur schleppend Form angenommen. Man habe zwei Jahre nach einem Partner Ausschau gehalten, der ihnen einen Raum zu Verfügung stellen würde, erinnert sich die Grafikerin Tanja Frank. Denn die Kurzfilme sollten fast überall außer in einem Kino gezeigt werden. Der Partner fand sich in Person der Betreiber der Elevator-Bar in Hollerich, dem Vorläufer der heutigen Soulkitchen. Die ersten Filme liefen im Hinterraum der Bar, wo die Zuschauer sich in Sesseln lümmeln konnten, einen Drink bestellen und sich gleichzeitig die Filme reinziehen konnten. Niemand wurde gezwungen sich die komplette, zwei- bis zweieinhalbstündige Filmreihe anzuschauen: Wer nach einer halben Stunde keine Lust mehr hatte, konnte zur nächsten Kneipe weiterziehen. „Uns war wichtig, dass die Leute kommen und gehen konnten“, erklärt Frank „Und dass man sich die Filme in Sesseln sitzend anschauen konnte“, ergänzt die Grafikerin.

Wechsel der Location

Die Nachricht von dem für Luxemburg neuen Veranstaltungskonzept hatte sich vor zehn Jahren wie ein Lauffeuer verbreitet, so dass Frank und Thiel schon für die erste Auflage mehr als genug Filmmaterial zusammen bekommen hatten. Die im Monatsrhythmus organisierten „Open Screens“ betrachtet Tanja Frank heute noch als eine Art Filmschule: „Du drückst einem eine Kamera in die Hand und sagst ihm, dass er filmen soll, was er sieht.“ Am Abend der Projektion konnten Zuschauer und Regisseure sich über die Werke austauschen und die Filme auch miteinander vergleichen. Den Abschluss jedes „Open Screen“-Abends bildete die Vorführung eines Kurzfilms, der unter professionellen Bedingungen gedreht worden war.

2005 beendeten die beiden Filmfans das Abenteuer „Open Screen“. Frank und ihr Bekannter Thiel trugen nicht nur die Filme zusammen, sondern mussten jeden Monat aufs Neue eine Location ausfindig machen, die Technik dorthin transportieren und Flyer verteilen. Das ging an die Substanz. Irgendwann habe sie einfach nicht mehr gekonnt, blickt Tanja Frank auf diese Zeit zurück.

Am 18. Juli feiert das „Open-Screen“-Format seine Wiedergeburt in der hauptstädtischen Galerie Bradtke in der Avenue de la Gare. Bertreiber Michel Bradtke habe vor zwei Monaten bei angeklopft und gefragt, ob sie nicht Lust hätte ein Event auf die Beine zu stellen, so Frank. Also packten die beiden „Open-Screen“-Pioniere wieder ihre Projektionsgeräte aus und starteten mit Bradtke über die sozialen Netzwerke einen Aufruf an alle, die zuhause Filme haben, die sie einem Publikum vorführen möchten. Tanja Frank und Carlo Thiel sind überzeugt, dass das „Open-Screen“-Konzept auch in Zeiten von Youtube und Vimeo funktioniert, da die Teilnehmer sofort Reaktionen von Zuschauern erhalten. „Du schaust dir die Filme gemeinsam mit anderen Zuschauern an und sitzt nicht zuhause vor deinem Bildschirm“, so Frank.

www.bradtke.lu – openscreen@posteo.de

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