Mar 08 2013

Mord und Totschlage vor Kinderaugen?

Published by at 04:58 under Lux,Screening Room

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Ab welchem Alter sind Filme mit Gewaltszenen für Kinder in Luxemburg eigentlich erlaubt? Stein des Anstoßes ist “Der Hobbit”. Er ist ab 6 Jahren hier zugelassen.

Das neue Werk von Regisseur Peter Jackson “Der Hobbit – Eine unerwartete Reise” erntet bei Filmkritikern und Kinopublikum nur Lob. Doch in Luxemburg wird Kritik laut. Sie richtet sich nicht an die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Werk “Hobbit”, sondern an die Altersfreigabe des Streifens, der im Dezember und Januar in den Kinos hierzulande lief. Abgeordneter Claude Adam von “déi gréng” stellt dazu eine parlamentarische Frage an den Minister für Kommunikation und Medien, François Biltgen. Adam berichtet, dass während in Deutschland Kinder ab 12 Jahren den Film im Kino sehen durften, war der Film in Luxemburg ab 6 Jahren freigegeben.

In Luxemburg entscheiden die Kinobetreiber über die Altersgrenze des Publikums, ab welcher der Film freigegeben wird. Anschließend bekommt die staatliche Kommission die Liste mit den Angaben der Betreiber, erklärt ihr Präsident Tom Krieps gegenüber Tageblatt.lu am Donnerstag. Hat die CSCF keine Einwände zu den Altersfreigaben, kommen die Filme in die Kinos, so Krieps weiter. Claude Adam fragt, angesichts der Gewalt- und Massaker-Szenen im “Hobbit”, ob sich die Mitglieder der CSCF den Film angeschaut haben? War die Klassifizierung des Films tatsächlich für dieses Alter geeignet und hinreichend?

Altersfreigabe mit besonderem Hinweis

“Der Film war von Utopia mit der Altersfreigabe 6+ und einer Warnung versehen, dass darin Gewaltszenen enthalten sind”, erklärt Tom Krieps. Nur unter dieser Bedingung habe die Film-Kommission der Freigabe ab dieser Altersgrenze zugestimmt, berichtet der Präsident. Er selbst habe sich “Der Hobbit” mit seiner Tochter angeschaut. In der Tat werden Szenen gezeigt, die etwas “speziell” sind, stimmt er Abgeordneten Adam zu. “Allerdings”, so Tom Krieps, “sind die Eltern gefordert zu entscheiden, ob sie sich mit ihren Kindern den Film anschauen oder nicht.”

Warum sich die Betreiber nicht an die Altersvorgabe wie in Deutschland orientiert haben, sagt CSCF-Präsident Krieps: “Zunäschst geht es den Kino-Betreibern darum, so viele Menschen wie möglch ins Kino zu locken. In Deutschland gelten in diesem Bereich traditionell strengere Regeln. In Frankreich war “Der Hobbit” für alle Altersklassen freigegeben” Dort ist der Film “Der Hobbit – eine unerwartete Reise” ohne Altersbeschränkung gelaufen. “Wenn man will, kann man die Altersbeschränkung umgehen”, sagt Tom Krieps. Er gibt ein Beispiel: Gehen die Eltern mit ihrem achtjährigen Kind in eine Vorstellung, die erst für die Altersgruppe ab zehn freigegeben ist, dürfen sich alle den Film ansehen. Denn der Nachwuchs kommt in Begleitung der Eltern ins Kino. Wäre das Kind alleine ins Kino gegangen, wäre es nach Hause geschickt worden.

Die Film-Aufseher

Seit 2009 hat Luxemburg per Gesetz ein Gremium, das die Freigabe der Filme beobachtet. Die Mitglieder der “Commission de surveillance de la classification des films” (CSCF) wachen über “kritische Elemente in den Filmen wie Gewalt-, Horror-, Sexszenen oder Drogen- und Alkoholmissbrauch”.
Dort sitzen unter anderem Vertreter des Ombuds-Comité fier d’Rechter vum Kand” (ORK), der Kultur- und Familienministerien, des Ministeriums für Kommunikation und Medien. Außerdem gehören der CSCF Psychologen, Erziehungswissenschaftler, Pädagogen und Filmkritiker an.

Im Gesetz von 2009 sind fünf Freigabe-Kategorien aufgelistet: Filme, die für alle Altersgruppen freigegeben oder solche für Zuschauer ab jeweils 6, 12, 16 und 18 Jahren zugänglich sind. Die Kommission kann Filme überprüfen, wenn Bürger sich beschweren oder wenn die CSCF-Mitglieder selbst Angaben zur Altersfreigabe kritisch sehen.

(ds/Tageblatt.lu)

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Ab welchem Alter sind Filme mit Gewaltszenen für Kinder in Luxemburg eigentlich erlaubt? Stein des Anstoßes ist “Der Hobbit”. Er ist ab 6 Jahren hier zugelassen.

Das neue Werk von Regisseur Peter Jackson “Der Hobbit – Eine unerwartete Reise” erntet bei Filmkritikern und Kinopublikum nur Lob. Doch in Luxemburg wird Kritik laut. Sie richtet sich nicht an die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Werk “Hobbit”, sondern an die Altersfreigabe des Streifens, der im Dezember und Januar in den Kinos hierzulande lief. Abgeordneter Claude Adam von “déi gréng” stellt dazu eine parlamentarische Frage an den Minister für Kommunikation und Medien, François Biltgen. Adam berichtet, dass während in Deutschland Kinder ab 12 Jahren den Film im Kino sehen durften, war der Film in Luxemburg ab 6 Jahren freigegeben.

In Luxemburg entscheiden die Kinobetreiber über die Altersgrenze des Publikums, ab welcher der Film freigegeben wird. Anschließend bekommt die staatliche Kommission die Liste mit den Angaben der Betreiber, erklärt ihr Präsident Tom Krieps gegenüber Tageblatt.lu am Donnerstag. Hat die CSCF keine Einwände zu den Altersfreigaben, kommen die Filme in die Kinos, so Krieps weiter. Claude Adam fragt, angesichts der Gewalt- und Massaker-Szenen im “Hobbit”, ob sich die Mitglieder der CSCF den Film angeschaut haben? War die Klassifizierung des Films tatsächlich für dieses Alter geeignet und hinreichend?

Altersfreigabe mit besonderem Hinweis

“Der Film war von Utopia mit der Altersfreigabe 6+ und einer Warnung versehen, dass darin Gewaltszenen enthalten sind”, erklärt Tom Krieps. Nur unter dieser Bedingung habe die Film-Kommission der Freigabe ab dieser Altersgrenze zugestimmt, berichtet der Präsident. Er selbst habe sich “Der Hobbit” mit seiner Tochter angeschaut. In der Tat werden Szenen gezeigt, die etwas “speziell” sind, stimmt er Abgeordneten Adam zu. “Allerdings”, so Tom Krieps, “sind die Eltern gefordert zu entscheiden, ob sie sich mit ihren Kindern den Film anschauen oder nicht.”

Warum sich die Betreiber nicht an die Altersvorgabe wie in Deutschland orientiert haben, sagt CSCF-Präsident Krieps: “Zunäschst geht es den Kino-Betreibern darum, so viele Menschen wie möglch ins Kino zu locken. In Deutschland gelten in diesem Bereich traditionell strengere Regeln. In Frankreich war “Der Hobbit” für alle Altersklassen freigegeben” Dort ist der Film “Der Hobbit – eine unerwartete Reise” ohne Altersbeschränkung gelaufen. “Wenn man will, kann man die Altersbeschränkung umgehen”, sagt Tom Krieps. Er gibt ein Beispiel: Gehen die Eltern mit ihrem achtjährigen Kind in eine Vorstellung, die erst für die Altersgruppe ab zehn freigegeben ist, dürfen sich alle den Film ansehen. Denn der Nachwuchs kommt in Begleitung der Eltern ins Kino. Wäre das Kind alleine ins Kino gegangen, wäre es nach Hause geschickt worden.

Die Film-Aufseher

Seit 2009 hat Luxemburg per Gesetz ein Gremium, das die Freigabe der Filme beobachtet. Die Mitglieder der “Commission de surveillance de la classification des films” (CSCF) wachen über “kritische Elemente in den Filmen wie Gewalt-, Horror-, Sexszenen oder Drogen- und Alkoholmissbrauch”.
Dort sitzen unter anderem Vertreter des Ombuds-Comité fier d’Rechter vum Kand” (ORK), der Kultur- und Familienministerien, des Ministeriums für Kommunikation und Medien. Außerdem gehören der CSCF Psychologen, Erziehungswissenschaftler, Pädagogen und Filmkritiker an.

Im Gesetz von 2009 sind fünf Freigabe-Kategorien aufgelistet: Filme, die für alle Altersgruppen freigegeben oder solche für Zuschauer ab jeweils 6, 12, 16 und 18 Jahren zugänglich sind. Die Kommission kann Filme überprüfen, wenn Bürger sich beschweren oder wenn die CSCF-Mitglieder selbst Angaben zur Altersfreigabe kritisch sehen.

(ds/Tageblatt.lu)

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