Mar 10 2009

Tausend Ozeane am Land

Published by at 03:07 under Screening Room

Am Lëtzebuerger Land ënnersicht d’Jutta Hopfgartner den Film Tausend Ozeane, produzéiert vun IRIS PRODUCTIONS:

Gottes Badewanne ist schön

Luki Friedens Film Tausend Ozeane verbreitet eine eigenartige Stimmung
 
Leicht ist es nicht, über diesen Film zu schreiben. Entweder geht man auf dessen eigentliches Sujet ein und versucht sich eingehend mit der von dem  Schweizer Regisseur Luki Frieden aufgeworfenen Thematik zu beschäftigen. Oder man tut es nicht. Tut man es, übt man Verrat an einem Film, der darauf aufgebaut ist, in der zweiten Hälfte mit eben diesem Thema durch einen Knalleffekt zu überraschen. Entscheidet man sich gegen eine Betrachtung, kann man dem Film nicht wirklich gerecht werden.

Hier sei nichts verraten, obwohl das nicht einfach ist. Immer wieder wird jeder, der aus dem Kino kommt, über Erklärungen, die im zweiten Teil gegeben werden, nachdenken. Wird sich fragen, welches Rätsel aus dem ersten durch welche Szene im zweiten Teil beantwortet wird. Das klingt verwirrt? Sehen Sie sich den Film an. Keine Angst – er ist durch und durch verständlich. Die vielen Metaphern fügen sich zusehends in ein kohärentes Bild. Am Schluss haben Sie die Puzzlesteine in der Hand und das ganze Bild schon mal gesehen. Die Geschichte beginnt, als Michael Willer (Max Riemelt) mit einigem Zögern endgültig als Juniorchef in den Autohandel seines Vaters (Thierry van Werweke) einsteigt.

Eigentlich wollte der junge Mann ja Tierarzt werden, aber der Vater braucht ihn, und so folgt er aus Verantwortungsgefühl dessen Willen. Die reichlich holprige Rede des Juniors ist knapp beendet, da lockt ihn sein Freund aus Kinderzeiten hinaus – noch einmal hinaus in eine andere, ferne Welt, zu einer Malediveninsel. Der Urlaub ist herrlich, und am Ende will Björn (Maximilian Simonischek) nicht mehr mit nach Hause. Er habe hier alles, was er braucht. Die Bilder haben eindrucksvoll unterstrichen, was er meint: das Meer, den Strand, eine wunderbare Ruhe.

Michael kehrt allein zurück zum ungehaltenen Vater, findet Unterstützung bei seiner Mutter (Nicole Max). Komisch ist nur, dass sein kleiner Bruder Erik (Joel Basman) ihn vom Flughafen abholt, obwohl doch keiner wissen konnte, wann, von wo und ob überhaupt Michael zur Pflicht zurückkehren würde. Eigenartig ist auch, dass Michael sich in den Kopf gesetzt hat, seinen Freund Björn zurückzuholen. Und besonders seltsam ist, dass  Eric zu wissen scheint, warum Björn bleiben wollte, und seinen Bruder bittet, das mit dem Zurückholen doch tunlichst zu unterlassen.

Von Beginn an baut sich eine seltsame Stimmung auf. Das liegt an dem gestelzten Gehabe, das die Akteure in vielen Szenen an den Tag legen. Alles wirkt künstlich, unwirklich; doch die Geschichte verläuft logisch. Das bginnt mit den fröhlichen Urlaubsszenen. Da tanzen fünf junge Menschen am Strand, im Hintergrund versinkt die Sonne in atemberaubend schönen Farben im Meer. Doch das Tanzen wirkt seltsam statisch, die Körper der Agierenden sind nur als Schatten erkennbar. Michael trinkt unaufhörlich Wasser, die Mutter wirkt verklärt und verschlingt eine Lady-Di-Reportage nach der andern. Schon ist man geneigt, dem Regisseur vorwerfen zu wollen, dass er ein wenig zu viel wollte, zu viel mit Einstellungen (Kindheitserinnerungen grundsätzlich aus der Vogelperspektive), rasan ten Schnitten wie Gedankenblitze (Mi chael sucht im Internet nach der Insel und in Sekundenbruchteilen flitzen Bilder an ihm vorbei) spielt. Erst im zweiten Teil erfährt man, dass auch im ersten schon alles seinen Sinn hat.

Tausend Ozeane ist eine luxemburgisch-schweizerische Koproduktion. Sie ist zwar schwer verdaulich, trotzdem sehr interessant. Das hiesige Publikum wird sich an der massiven Präsenz Luxemburger Schaupieler erfreuen. Und die machen ihre Sache ausnehmend gut. Allen voran natürlich Thierry van Werweke – es ist ein Genuss, ihn hier noch einmal erleben zu dürfen. 

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Am Lëtzebuerger Land ënnersicht d’Jutta Hopfgartner den Film Tausend Ozeane, produzéiert vun IRIS PRODUCTIONS:

Gottes Badewanne ist schön

Luki Friedens Film Tausend Ozeane verbreitet eine eigenartige Stimmung
 
Leicht ist es nicht, über diesen Film zu schreiben. Entweder geht man auf dessen eigentliches Sujet ein und versucht sich eingehend mit der von dem  Schweizer Regisseur Luki Frieden aufgeworfenen Thematik zu beschäftigen. Oder man tut es nicht. Tut man es, übt man Verrat an einem Film, der darauf aufgebaut ist, in der zweiten Hälfte mit eben diesem Thema durch einen Knalleffekt zu überraschen. Entscheidet man sich gegen eine Betrachtung, kann man dem Film nicht wirklich gerecht werden.

Hier sei nichts verraten, obwohl das nicht einfach ist. Immer wieder wird jeder, der aus dem Kino kommt, über Erklärungen, die im zweiten Teil gegeben werden, nachdenken. Wird sich fragen, welches Rätsel aus dem ersten durch welche Szene im zweiten Teil beantwortet wird. Das klingt verwirrt? Sehen Sie sich den Film an. Keine Angst – er ist durch und durch verständlich. Die vielen Metaphern fügen sich zusehends in ein kohärentes Bild. Am Schluss haben Sie die Puzzlesteine in der Hand und das ganze Bild schon mal gesehen. Die Geschichte beginnt, als Michael Willer (Max Riemelt) mit einigem Zögern endgültig als Juniorchef in den Autohandel seines Vaters (Thierry van Werweke) einsteigt.

Eigentlich wollte der junge Mann ja Tierarzt werden, aber der Vater braucht ihn, und so folgt er aus Verantwortungsgefühl dessen Willen. Die reichlich holprige Rede des Juniors ist knapp beendet, da lockt ihn sein Freund aus Kinderzeiten hinaus – noch einmal hinaus in eine andere, ferne Welt, zu einer Malediveninsel. Der Urlaub ist herrlich, und am Ende will Björn (Maximilian Simonischek) nicht mehr mit nach Hause. Er habe hier alles, was er braucht. Die Bilder haben eindrucksvoll unterstrichen, was er meint: das Meer, den Strand, eine wunderbare Ruhe.

Michael kehrt allein zurück zum ungehaltenen Vater, findet Unterstützung bei seiner Mutter (Nicole Max). Komisch ist nur, dass sein kleiner Bruder Erik (Joel Basman) ihn vom Flughafen abholt, obwohl doch keiner wissen konnte, wann, von wo und ob überhaupt Michael zur Pflicht zurückkehren würde. Eigenartig ist auch, dass Michael sich in den Kopf gesetzt hat, seinen Freund Björn zurückzuholen. Und besonders seltsam ist, dass  Eric zu wissen scheint, warum Björn bleiben wollte, und seinen Bruder bittet, das mit dem Zurückholen doch tunlichst zu unterlassen.

Von Beginn an baut sich eine seltsame Stimmung auf. Das liegt an dem gestelzten Gehabe, das die Akteure in vielen Szenen an den Tag legen. Alles wirkt künstlich, unwirklich; doch die Geschichte verläuft logisch. Das bginnt mit den fröhlichen Urlaubsszenen. Da tanzen fünf junge Menschen am Strand, im Hintergrund versinkt die Sonne in atemberaubend schönen Farben im Meer. Doch das Tanzen wirkt seltsam statisch, die Körper der Agierenden sind nur als Schatten erkennbar. Michael trinkt unaufhörlich Wasser, die Mutter wirkt verklärt und verschlingt eine Lady-Di-Reportage nach der andern. Schon ist man geneigt, dem Regisseur vorwerfen zu wollen, dass er ein wenig zu viel wollte, zu viel mit Einstellungen (Kindheitserinnerungen grundsätzlich aus der Vogelperspektive), rasan ten Schnitten wie Gedankenblitze (Mi chael sucht im Internet nach der Insel und in Sekundenbruchteilen flitzen Bilder an ihm vorbei) spielt. Erst im zweiten Teil erfährt man, dass auch im ersten schon alles seinen Sinn hat.

Tausend Ozeane ist eine luxemburgisch-schweizerische Koproduktion. Sie ist zwar schwer verdaulich, trotzdem sehr interessant. Das hiesige Publikum wird sich an der massiven Präsenz Luxemburger Schaupieler erfreuen. Und die machen ihre Sache ausnehmend gut. Allen voran natürlich Thierry van Werweke – es ist ein Genuss, ihn hier noch einmal erleben zu dürfen. 

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  1. adminon 13 Mar 2009 at 08:17

    http://www.variety.com/review/VE1117939850.html?categoryid=31&cs=1

    New Int’l. Release
    A Thousand Oceans
    Tausend ozeane (Switzerland-Luxembourg)
    By BOYD VAN HOEIJ
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    POWERED BY
    A Frenetic Films (in Switzerland)/Iris Distribution (in Luxembourg) release of a Carac Film (Switzerland)/Iris Prods. (Luxembourg) production, in association with Swiss TV. (International sales: Iris Distribution, Luxembourg.) Produced by Theres Scherer, Nadja Baraniak, Nicolas Steil. Executive producers, Baraniak, Steil. Directed by Luki Frieden. Screenplay, Frieden, Jasmine Hoch, Thommie Bayer.

    With: Max Riemelt, Thierry van Werveke, Nicole Max, Maximilian Simonischek, Joel Basman.
    (German, French dialogue)

    A Swiss-German slacker realizes something must have gone horribly wrong at home while he was enjoying a holiday in the Maldives in “A Thousand Oceans,” the sophomore effort of Swiss helmer Luki Frieden (“November”). Ambitious but flawed psychological drama dawdles before its big reveal halfway through, but the acting is strong enough to get auds to the affecting second half, which has some nice — if not fully developed — ideas. Indie fests will want to dive in before “Oceans” is swallowed up in Eurotube package deals.
    On the day he’s made a junior partner at the car dealership of his hard-nosed father (Thierry van Werveke), 24-year-old bum Meikel (Max Riemelt) is persuaded by his friend Bjorn (Maximilian Simonischek) to escape to the Maldives with him for a final carefree holiday. However, when he returns home, Meikel realizes something has irrevocably changed during his absence.

    However, everyone, including his French-speaking mother (Nicole Max) and younger brother (Joel Basman), is keeping mum. Initially, Meikel is convinced the mystery has something to do with Bjorn, who refused to return home from the Maldives with him. But it gradually becomes clear the problem may lie with Meikel himself.

    Ominous shots of dark-water waves and a coolly menacing score by Luk Zimmermann clue in auds early on that something else is going on just beneath the surface. But it takes more than 40 of the pic’s 80 minutes to get to the explanation that reconfigures the first half, and it’s only beyond this point that things become really interesting.

    Frieden and co-writers Jasmine Hoch and Thommie Bayer simply move the characters around in the early stages to hide the twist — precious time they could have used to further develop some of the narrative and visual opportunities of the latter half. Editor Misch Bervard’s klutzy shuffling of the many narrative loose ends doesn’t help.

    German thesp Riemelt (“Napola”) convincingly limns a character scarred by an overbearing father and unsure how to take his future into his own hands. His very different perf in the latter part of the film is just as strong, effectively gluing the film’s two halves together. Other roles are underwritten, with only the late Luxembourg character actor van Werveke (“Knockin’ on Heaven’s Door”) adding some depth as Meikel’s father, especially in a poignant scene of him breaking down at his son’s desk.

    D.p. Carlo Thiel overdoes the jitters but gets the most out of the locations on an obviously tight budget. Other tech credits are modest.

    More than one option
    (Co) Swiss TV
    (Co) Television Suisse Romande (TSR)
    More than one option
    (Film) November
    (Film) Noviembre
    (Film) November
    2005 – Courteney Cox Arquette, Greg Harrison
    Camera (color), Carlo Thiel; editor, Misch Bervard; music, Luk Zimmermann; art director, Hanspeter Remund; costume designer, Linda Harper; sound (Dolby Digital), Carlo Thoss; assistant director, Marianne Eggenberger; casting, Ruth Hirschfeld. Reviewed at Cine Utopia, Luxembourg, March 8, 2009. Running time: 80 MIN.

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