Feb 25 2009

Tausend Ozeane Premiere

Published by at 13:30 under Screening Room

Heute Abend ist die Luxemburger Premiere von Tausend Ozeane, coproduziert von IRIS Productions.

Ein Interview mit dem Regisseur Luki Frieden. Quelle: http://www.tagblatt.ch/aktuell/kultur/tb-sk/-Wir-gingen-an-Grenzen-;art188,1256499

Es sind Grenzerfahrungen, die Luki Friedens Drama «Tausend Ozeane» prägen. Der Berner Regisseur über Parallelwelten, die Suche nach der perfekten Insel und die gewichtigen Themen seines Films, der jetzt im Kinok läuft.

Sie tauchen in «Tausend Ozeane» in die Welt eines Menschen im Wachkoma ein, zugleich aber erzählen Sie eine Familiengeschichte. Hat es Sie nie gereizt, aus dem Stoff eine Art Fantasy-Film zu machen?

Luki Frieden: Es ist reizvoll, von Parallelwelten zu erzählen, und ich wollte auch einen Film machen, der zunächst in einem Schwebezustand spielt. Es war mir aber von Anfang an wichtig, dass es eine objektivierende, realistische Sicht gibt. Ich habe mir intensiv überlegt, wie lange ich den Zuschauer auf die Folter spannen kann. Ich dachte da an David Finchers «The Game». Das ist ein wunderbarer Film, aber als ich realisierte, dass ich bis zum Schluss warten muss, bis ich die Auflösung erhalte, verlor ich das Interesse.

Waren es persönliche Erfahrungen mit einem Wachkomapatienten, die den Anstoss zum Film gaben?

Frieden: Nein, es war ein Dok-Film. In diesem Film gibt es eine Szene, in der ein zehnjähriges Mädchen auf einmal zu weinen beginnt, als ihr ein Therapiehund ins Bett gelegt wird – es schien da eine Art von Kommunikation zu geben. Zugleich spukte mir die Geschichte von zwei Brüdern auf einer Insel durch den Kopf, die vom Tod ihres Vaters erfahren. Der eine will sofort zurückkehren, der andere will bleiben. Aus diesen beiden Kernpunkten hat sich die Geschichte entwickelt.

Was weiss man über das Empfinden von Menschen im Wachkoma?

Frieden: Obschon viel geforscht wird, gibt es erst wenige Erkenntnisse. Ich habe vor allem mit Ärzten im Rehab Basel gesprochen, dem Zentrum für Wachkomapatienten und Hirnverletzte. Man spricht bei Wachkomapatienten von einem «ozeanischen Erleben», das heisst, sie sind manchmal nahe an der Bewusstseinsoberfläche und nehmen gewisse Dinge wahr, dann wieder sind sie tief versunken. Notärzte haben mir gesagt, es gebe viele Beispiele von Fällen, dass Schwerstkranke so lange nicht sterben können, wie Angehörige im Raum sind, die sie nicht loslassen wollen.

Ums Loslassen geht es in Ihrem Film immer wieder.

Frieden: Mit dieser Frage werden die Angehörigen von Wachkomapatienten unweigerlich konfrontiert. Soll man den Patienten unter allen Umständen am Leben erhalten? Oder soll man ihn sterben lassen? Es war mir aber wichtig, dass «Tausend Ozeane» nicht ein Film über eine Krankheit wird. Es ist vielmehr ein Film über eine Familie, die zuvor schon Probleme hatte. Jetzt bietet sich der Hauptfigur, die sich bisher treiben liess, die Möglichkeit, sich für den eigenen Weg zu entscheiden.

Sie haben auf den Malediven gedreht, es gibt Stunts, Szenen mit Tieren, Helikopterflüge. Wie war das mit einem Budget von 2,7 Millionen Franken zu machen?

Frieden: Es war eigentlich nicht möglich, wir gingen an Grenzen, ja darüber hinaus, aber wir haben es geschafft. Ursprünglich war der Film als Co-Produktion mit Deutschland und Luxemburg geplant. Die deutschen Partner erhielten dann keine Fernsehgelder – so blieb nur noch unser Partner in Luxemburg, und wir mussten das Budget reduzieren.

«Tausend Ozeane» ist Hochdeutsch gesprochen und spielt irgendwo im deutschen Sprachraum. War das ein künstlerischer Entscheid oder eine Folge der Produktionszwänge?

Frieden: Das war ein künstlerischer Entscheid, unter anderem deshalb, weil ich mit deutschen Schauspielern arbeiten wollte. Wir haben sogar Phantasie-Autonummern entworfen, damit die Handlung nicht zu lokalisieren ist, und die Schauplätze sind universell: Flughafen, Wald, Spital, Insel.

Für die Insel haben Sie einen Postkarten-Schauplatz gewählt.

Frieden: Die Insel ist real, zugleich entspricht sie einem Wunschbild, das wir alle in uns tragen. Wir alle spüren am Strand die absolute Freiheit. Das hat etwas Göttliches. Das Meer ist nicht ohne Grund ein Sinnbild für die Unendlichkeit.

Interview: Thomas Allenbach

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Heute Abend ist die Luxemburger Premiere von Tausend Ozeane, coproduziert von IRIS Productions.

Ein Interview mit dem Regisseur Luki Frieden. Quelle: http://www.tagblatt.ch/aktuell/kultur/tb-sk/-Wir-gingen-an-Grenzen-;art188,1256499

Es sind Grenzerfahrungen, die Luki Friedens Drama «Tausend Ozeane» prägen. Der Berner Regisseur über Parallelwelten, die Suche nach der perfekten Insel und die gewichtigen Themen seines Films, der jetzt im Kinok läuft.

Sie tauchen in «Tausend Ozeane» in die Welt eines Menschen im Wachkoma ein, zugleich aber erzählen Sie eine Familiengeschichte. Hat es Sie nie gereizt, aus dem Stoff eine Art Fantasy-Film zu machen?

Luki Frieden: Es ist reizvoll, von Parallelwelten zu erzählen, und ich wollte auch einen Film machen, der zunächst in einem Schwebezustand spielt. Es war mir aber von Anfang an wichtig, dass es eine objektivierende, realistische Sicht gibt. Ich habe mir intensiv überlegt, wie lange ich den Zuschauer auf die Folter spannen kann. Ich dachte da an David Finchers «The Game». Das ist ein wunderbarer Film, aber als ich realisierte, dass ich bis zum Schluss warten muss, bis ich die Auflösung erhalte, verlor ich das Interesse.

Waren es persönliche Erfahrungen mit einem Wachkomapatienten, die den Anstoss zum Film gaben?

Frieden: Nein, es war ein Dok-Film. In diesem Film gibt es eine Szene, in der ein zehnjähriges Mädchen auf einmal zu weinen beginnt, als ihr ein Therapiehund ins Bett gelegt wird – es schien da eine Art von Kommunikation zu geben. Zugleich spukte mir die Geschichte von zwei Brüdern auf einer Insel durch den Kopf, die vom Tod ihres Vaters erfahren. Der eine will sofort zurückkehren, der andere will bleiben. Aus diesen beiden Kernpunkten hat sich die Geschichte entwickelt.

Was weiss man über das Empfinden von Menschen im Wachkoma?

Frieden: Obschon viel geforscht wird, gibt es erst wenige Erkenntnisse. Ich habe vor allem mit Ärzten im Rehab Basel gesprochen, dem Zentrum für Wachkomapatienten und Hirnverletzte. Man spricht bei Wachkomapatienten von einem «ozeanischen Erleben», das heisst, sie sind manchmal nahe an der Bewusstseinsoberfläche und nehmen gewisse Dinge wahr, dann wieder sind sie tief versunken. Notärzte haben mir gesagt, es gebe viele Beispiele von Fällen, dass Schwerstkranke so lange nicht sterben können, wie Angehörige im Raum sind, die sie nicht loslassen wollen.

Ums Loslassen geht es in Ihrem Film immer wieder.

Frieden: Mit dieser Frage werden die Angehörigen von Wachkomapatienten unweigerlich konfrontiert. Soll man den Patienten unter allen Umständen am Leben erhalten? Oder soll man ihn sterben lassen? Es war mir aber wichtig, dass «Tausend Ozeane» nicht ein Film über eine Krankheit wird. Es ist vielmehr ein Film über eine Familie, die zuvor schon Probleme hatte. Jetzt bietet sich der Hauptfigur, die sich bisher treiben liess, die Möglichkeit, sich für den eigenen Weg zu entscheiden.

Sie haben auf den Malediven gedreht, es gibt Stunts, Szenen mit Tieren, Helikopterflüge. Wie war das mit einem Budget von 2,7 Millionen Franken zu machen?

Frieden: Es war eigentlich nicht möglich, wir gingen an Grenzen, ja darüber hinaus, aber wir haben es geschafft. Ursprünglich war der Film als Co-Produktion mit Deutschland und Luxemburg geplant. Die deutschen Partner erhielten dann keine Fernsehgelder – so blieb nur noch unser Partner in Luxemburg, und wir mussten das Budget reduzieren.

«Tausend Ozeane» ist Hochdeutsch gesprochen und spielt irgendwo im deutschen Sprachraum. War das ein künstlerischer Entscheid oder eine Folge der Produktionszwänge?

Frieden: Das war ein künstlerischer Entscheid, unter anderem deshalb, weil ich mit deutschen Schauspielern arbeiten wollte. Wir haben sogar Phantasie-Autonummern entworfen, damit die Handlung nicht zu lokalisieren ist, und die Schauplätze sind universell: Flughafen, Wald, Spital, Insel.

Für die Insel haben Sie einen Postkarten-Schauplatz gewählt.

Frieden: Die Insel ist real, zugleich entspricht sie einem Wunschbild, das wir alle in uns tragen. Wir alle spüren am Strand die absolute Freiheit. Das hat etwas Göttliches. Das Meer ist nicht ohne Grund ein Sinnbild für die Unendlichkeit.

Interview: Thomas Allenbach

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