Aug 17 2009

Trash Marque Nationale

Published by at 01:05 under Screening Room

SOURCE: http://rokoko.lu

Sie dürfen das nicht so ernst nehmen…

“Räuberinnen” ist kein sehr guter Film. Er ist aber lustig, meistens. Und total durchgeknallt. Jemand hat sich ‘n LSD-Trip reingeschmissen, von Andy Warhol, Paul Morrissey und Tim Burton geträumt, sich dabei einen Mächtigen aus der Kategorie “Caligula” runter geholt, und das Ganze dann (aus Budgetgründen) auf 720p – das ist die untere Kategorie von High Definition – festgehalten.

RB

Na was denn, was denn ? Einen Moment bitte schön. Wer die Verve hat, so etwas einem amüsierten Publikum vorzuwerfen, der hat doch mit Kritik erstmal kein Problem. Wer das Publikum mit Ficken und Schlachten testet, der muss sich auch ein Nachprüfen des ordnungsgemässen Zustandes des Zielungsgerätes gefallen lassen.

Was in diesem Falle nicht so einfach ist, denn an diesem Film, “Räuberinnen” ist vieles (nicht alles) anders. Was erstmal gut ist. Das Stück spielt irgendwo zwischen Berg und Wald, in einem Niemandsland, in dem manche schwyzerdütsch, andere luxemburgisch, und wieder andere alles mögliche reden. Trotzdem verstehen sich alle perfekt. Zur Zeit des Geschehens, na, da sind wir etwas vage. Es könnte das frühe Mittelalter sein, oder die späte Industrie, samt Krise und so. Is’ nich’ alles so klar…

Die Szene ist hübsch, es hoppeln Häschen zwischen bunten Pappeblümchen, und Männer auf Weibern (später umgekehrt). Ja schon klar, das ist alles sehr verwirrend, aber wenn Sie sich erstmal drauf einlassen, wird es doch zumindest amüsant. Die Wunderland-Kulisse kann sich auch schon mal in ein tolles Musicvideo verwandeln, alles ist erstmal möglich. Und das ist ja erstmal gut. Ach so, die Geschichte (in 15 words or less): Blondine versucht geilem, doofen Adligen sowie fieser Mutter zu entkommen, indem sie Huren zu Verbechern macht.

16, Kacke…

Zu viel. Tja, das ist das Problem. Too much information. Und wegen eben diesem Zuviel ist es nicht trashy genug (denn das will es ja sein). Es blitzt, blinkt und glimmert nur so von visuellen Stilblüten und akustischen Kontraschlägen, das einem ganz schwummrig wird. Und dann immer diese Riesenmöpse und diese (nicht immer) fetten Schwänze. Macht doch mal langsam. Wir sind doch nur Internet gewohnt, und Privatfernsehwerbung. Es ist ja ganz lustig…

Pflicht bei Trash ist natürlich immer etwas Gratisblut. Wird hier eigentlich recht dezent angewendet, das Problem ist nur, dass man’s immer meilenweit kommen sieht. Irgendwas klappt nicht mit dem Rhythmus, irgendwas stimmt nicht mit dem Schnitt, besonders bei den Actionszenen, vielleicht war’s aber gar mangelnde Vorbereitung. Wir wollen aber (erstmal) nix in den Raum stellen, wir sehen’s ja nur im Nachhinein…

Was wir gesehen haben, waren gute Schauspieler vor einem kunterbunten Hintergrund, der sich nicht so recht entscheiden konnte, ob er denn nun mit seinem Fetisch für Tiefen(un)schärfe dem schicken Hollywood oder mit seinen improvisierten (absolut scharfen) Schlosscollagen dem Geist der Monty Pythons entsprechen wolle. Überhaupt hat das Ganze, bei allem Amüsement, weder den Geschmack von Fisch noch von Fleisch. Es ist mehr so eine Art bizarres Gemüse…

Um der Ehrlichkeit zu entsprechen, haben wir uns nach dem Zielpublikum gefragt. Für die Kids ist es zu abgedreht, die denken doch wir hätten ‘nen Sexknall. Für die Intellektuellen ist es dann wiederum doch etwas albern. Will man das exportieren ? Synchronisieren ? Die Amis lesen keine Untertitel. Und dann müsste man noch etwas Geld reinpumpen, um die digitalen Artefakte und das Farbrauschen in den dunklen Szenen zu entfernen…

Man möchte uns aber nicht falsch verstehen, wir wollen “Räuberinnen” keineswegs die Eier abschneiden, die hat man sich schon redlich verdient. Es ist halt nur zu 71 Prozent gelungen (aus welchen Gründen auch immer). Aber das ist doch schon was, das sind fast dreiviertel. Im Übrigen ist dies nur eine Kritik. Die sollte man nicht so ernst nehmen. Wir haben den Film ja auch nicht so ernst genommen…

RoK

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SOURCE: http://rokoko.lu

Sie dürfen das nicht so ernst nehmen…

“Räuberinnen” ist kein sehr guter Film. Er ist aber lustig, meistens. Und total durchgeknallt. Jemand hat sich ‘n LSD-Trip reingeschmissen, von Andy Warhol, Paul Morrissey und Tim Burton geträumt, sich dabei einen Mächtigen aus der Kategorie “Caligula” runter geholt, und das Ganze dann (aus Budgetgründen) auf 720p – das ist die untere Kategorie von High Definition – festgehalten.

RB

Na was denn, was denn ? Einen Moment bitte schön. Wer die Verve hat, so etwas einem amüsierten Publikum vorzuwerfen, der hat doch mit Kritik erstmal kein Problem. Wer das Publikum mit Ficken und Schlachten testet, der muss sich auch ein Nachprüfen des ordnungsgemässen Zustandes des Zielungsgerätes gefallen lassen.

Was in diesem Falle nicht so einfach ist, denn an diesem Film, “Räuberinnen” ist vieles (nicht alles) anders. Was erstmal gut ist. Das Stück spielt irgendwo zwischen Berg und Wald, in einem Niemandsland, in dem manche schwyzerdütsch, andere luxemburgisch, und wieder andere alles mögliche reden. Trotzdem verstehen sich alle perfekt. Zur Zeit des Geschehens, na, da sind wir etwas vage. Es könnte das frühe Mittelalter sein, oder die späte Industrie, samt Krise und so. Is’ nich’ alles so klar…

Die Szene ist hübsch, es hoppeln Häschen zwischen bunten Pappeblümchen, und Männer auf Weibern (später umgekehrt). Ja schon klar, das ist alles sehr verwirrend, aber wenn Sie sich erstmal drauf einlassen, wird es doch zumindest amüsant. Die Wunderland-Kulisse kann sich auch schon mal in ein tolles Musicvideo verwandeln, alles ist erstmal möglich. Und das ist ja erstmal gut. Ach so, die Geschichte (in 15 words or less): Blondine versucht geilem, doofen Adligen sowie fieser Mutter zu entkommen, indem sie Huren zu Verbechern macht.

16, Kacke…

Zu viel. Tja, das ist das Problem. Too much information. Und wegen eben diesem Zuviel ist es nicht trashy genug (denn das will es ja sein). Es blitzt, blinkt und glimmert nur so von visuellen Stilblüten und akustischen Kontraschlägen, das einem ganz schwummrig wird. Und dann immer diese Riesenmöpse und diese (nicht immer) fetten Schwänze. Macht doch mal langsam. Wir sind doch nur Internet gewohnt, und Privatfernsehwerbung. Es ist ja ganz lustig…

Pflicht bei Trash ist natürlich immer etwas Gratisblut. Wird hier eigentlich recht dezent angewendet, das Problem ist nur, dass man’s immer meilenweit kommen sieht. Irgendwas klappt nicht mit dem Rhythmus, irgendwas stimmt nicht mit dem Schnitt, besonders bei den Actionszenen, vielleicht war’s aber gar mangelnde Vorbereitung. Wir wollen aber (erstmal) nix in den Raum stellen, wir sehen’s ja nur im Nachhinein…

Was wir gesehen haben, waren gute Schauspieler vor einem kunterbunten Hintergrund, der sich nicht so recht entscheiden konnte, ob er denn nun mit seinem Fetisch für Tiefen(un)schärfe dem schicken Hollywood oder mit seinen improvisierten (absolut scharfen) Schlosscollagen dem Geist der Monty Pythons entsprechen wolle. Überhaupt hat das Ganze, bei allem Amüsement, weder den Geschmack von Fisch noch von Fleisch. Es ist mehr so eine Art bizarres Gemüse…

Um der Ehrlichkeit zu entsprechen, haben wir uns nach dem Zielpublikum gefragt. Für die Kids ist es zu abgedreht, die denken doch wir hätten ‘nen Sexknall. Für die Intellektuellen ist es dann wiederum doch etwas albern. Will man das exportieren ? Synchronisieren ? Die Amis lesen keine Untertitel. Und dann müsste man noch etwas Geld reinpumpen, um die digitalen Artefakte und das Farbrauschen in den dunklen Szenen zu entfernen…

Man möchte uns aber nicht falsch verstehen, wir wollen “Räuberinnen” keineswegs die Eier abschneiden, die hat man sich schon redlich verdient. Es ist halt nur zu 71 Prozent gelungen (aus welchen Gründen auch immer). Aber das ist doch schon was, das sind fast dreiviertel. Im Übrigen ist dies nur eine Kritik. Die sollte man nicht so ernst nehmen. Wir haben den Film ja auch nicht so ernst genommen…

RoK

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