May 02 2011

„Zockerséiss Ouschteren“im heimischen Pantoffelkino

Published by at 01:30 under TV

SOURCE: http://www.journal.lu

Paul Thiltges hatte die luxemburgische Presse vor Kurzem eingeladen, um zwei neue DVDs vorzustellen. Die erste, „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“, wurde 2010 von Andy Bausch realisiert. Die zweite, „De Pipi, de Pupu en d’Rosmarie 2“, ist die 13-teilige Fortsetzung der Abenteuer von drei lustigen tierischen Gesellen.

„Schockela, Knätschgummia brong Puppelcher“

Die ersten amerikanischen Soldaten marschierten am 9. September 1944 über die Grenze nach Petingen ein. Tage später war Luxemburg von den deutschen Invasoren befreit. Die Soldaten aus Amerika wurden für die Bevölkerung schnell zu Helden. Doch für sie war Luxemburg lediglich der „little shoe“ auf der Landkarte. Sie kannten weder Land noch Leute. Die Luxemburger adoptierten die Soldaten und erhielten von ihnen Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten. Viele Einheimische hatten noch nie einen Menschen von schwarzer Hautfarbe gesehen. Die farbigen Soldaten waren in der Regel Lastwagenfahrer, übten aber wie die GIs einen gewissen Charme auf die weibliche Bevölkerung aus. Viele Frauen verliebten sich in die Amerikaner, wurden schwanger und brachten auch „brong Puppelcher“ auf die Welt, obwohl die Soldaten mit Verhütungs-Kits ausgestattet waren.

Andy Bausch hat luxemburgische Zeitzeugen zu diesen Jahren befragt, u.a. Henri Losch, Roger Krieps oder den verstorbenen Roger Manderscheid, die erzählen, wie fasziniert sie von diesen Menschen aus Übersee waren. Es kommen auch Amerikaner zu Wort, die es nach dem Krieg in Luxemburg hielt, wie Shelton „Smitty” Smith oder Michael Bondi. So erfährt man, wozu ein eiserner Helm geeignet war – vom Kochtopf oder Waschbecken über den Kotzeimer bis hin zur Toilette –, was es mit Eisenhower, Ernest Hemingway, Marlene Dietrich, den Kinos „Ecran“, „Capitole“ oder „Ciné de la Cour“ auf sich hatte, wie die Rundstedt-Offensive hätte verhindert werden können, wie über die Langwellenfrequenz von RTL gefälschte Nachrichtensendungen („Radio Annie“) gesendet wurden, oder wie die psychologische Kriegsführung der Amis funktionierte.

Bausch hat eine äußerst interessante Dokumentation aus historischen Filmaufnahmen, Fotos (u. a. vom Kriegsfotografen Tony Vaccaro) und nachgestellten Szenen realisiert, die ein anderes Bild der Amerikaner und Luxemburger zeichnet als das, was wir aus Dokumentationen wie u. a. „Heim ins Reich“ kennen. Die Off-Stimme von André Jung gibt die nötigen Informationen zu den einzelnen Bildern. Mit viel Feingefühl behandelt der Regisseur das heikle Kapitel der hier geborenen farbigen Babys. Die Interviews wurden u.a. von Carlo Thiel und Jean-Louis Schuller gefilmt. Die Musik komponierten Ben Barnich, Rico Querin und André Mergenthaler.

Als Bonusmaterial findet man auf der DVD die Trailer von „Schockela …“, „InThierryview“ und „Entrée d’artistes“, „More of Tony“ (nicht benutzte Szenen aus dem Interview mit Tony Vaccaro), „Petticoat & Rock’n’Roll“, ein Interview mit Shelton „Smitty” Smith, Buffalo C. Wayne, Vic und Luke Haas, „Lëtzebuerger Madammen“, ein Interview mit Marie Thérèse Wandivinit und Roger Krieps, „Swinging with G.I.s“ aus dem Film „Entrée d’artistes“, „16mm Soldiers“, ein unveröffentlichter Film, und „Storyboard“, ein kurzes Making-of von Ricardo Vaz Palma mit der Stimme von Andy Bausch.

„De Pipi, de Pupuan d’Rosmarie 2“

Die 52-teilige TV-Zeichentrickserie „Pipì Pupù e Rosmarina“ wurde in den Jahren 2009 und 2010 von Rai 3 ausgestrahlt. Enzo d’Alò („La freccia azzura“, „La gabbianella e il gatto“) führt Regie, das Drehbuch stammt von Vincenzo Cerami, der auch Ko-Szenarist von „La vita è bella“ war. Daniele Di Gregorio komponierte die Musik, und Giancarlo Giannini erzählt die Geschichte im Original. Der luxemburgische Produzent Paul Thiltges kofinanzierte die Serie, eine Art „Road Movie für Kinder“ (Thiltges).

Letztes Jahr erschien eine auf Luxemburgisch synchronisierte Fassung auf DVD, „De Pipi, de Pupu an d’Rosmarie“, mit 13 Geschichten à sieben Minuten vom Waschbär Pipi, dem kleinen Vogel Pupu und dem Kaninchen Rosmarie. Thiltges hat sich damit nichts Geringeres vorgenommen, als gegen die „Disneyisierung der Kindermedienkultur“ anzutreten, wie er bei der Pressekonferenz verriet.

Nun kommt, passend zur Osterzeit, eine zweite DVD in den Verkauf mit weiteren 13 kleinen Geschichten von den drei Freunden, die auf der Suche nach ihrem „Mapa“ sind, einer Kombination aus Papa und Mutti. Auf ihrer abenteuerlichen Reise durch eine surreale Welt begegnen sie vielen komischen und fantasievollen Figuren, die in ihrer extremen Vereinfachung eher die Fantasie kleiner Kinder anregen werden als die von Erwachsenen. Der bei der Pressevorstellung anwesende Andy Bausch gab jedenfalls unumwunden zu, seine Kleinen seien auf die Abenteuer von Pipi, Pupu und Rosmarie regelrecht abonniert und von der DVD entsprechend begeistert.

In der luxemburgischen Fassung leihen Dario Cavallaro (Pipi), Mika Thiltges (Pupu), Xenia Simon (Rosmarie) und Rol Girres (Erzähler) ihre Stimmen. Für Übersetzung und Regie zeichnen Rol Girres und Paul Thiltges verantwortlich. Beide DVDs kann man zum Preis von jeweils 19,90 Euro in vielen Supermärkten und Geschäften kaufen oder via Internet direkt bei Paul Thiltges Distributions bestellen (www.ptd.lu) – „Zockerséisses fir Ouschteren… fir déi Kleng a fir déi Grouss“, wie Paul Thiltges mit Blick auf die anstehenden Feiertage augenzwinkernd empfiehlt.

› CH.S./LJ

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Paul Thiltges hatte die luxemburgische Presse vor Kurzem eingeladen, um zwei neue DVDs vorzustellen. Die erste, „Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher“, wurde 2010 von Andy Bausch realisiert. Die zweite, „De Pipi, de Pupu en d’Rosmarie 2“, ist die 13-teilige Fortsetzung der Abenteuer von drei lustigen tierischen Gesellen.

„Schockela, Knätschgummia brong Puppelcher“

Die ersten amerikanischen Soldaten marschierten am 9. September 1944 über die Grenze nach Petingen ein. Tage später war Luxemburg von den deutschen Invasoren befreit. Die Soldaten aus Amerika wurden für die Bevölkerung schnell zu Helden. Doch für sie war Luxemburg lediglich der „little shoe“ auf der Landkarte. Sie kannten weder Land noch Leute. Die Luxemburger adoptierten die Soldaten und erhielten von ihnen Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten. Viele Einheimische hatten noch nie einen Menschen von schwarzer Hautfarbe gesehen. Die farbigen Soldaten waren in der Regel Lastwagenfahrer, übten aber wie die GIs einen gewissen Charme auf die weibliche Bevölkerung aus. Viele Frauen verliebten sich in die Amerikaner, wurden schwanger und brachten auch „brong Puppelcher“ auf die Welt, obwohl die Soldaten mit Verhütungs-Kits ausgestattet waren.

Andy Bausch hat luxemburgische Zeitzeugen zu diesen Jahren befragt, u.a. Henri Losch, Roger Krieps oder den verstorbenen Roger Manderscheid, die erzählen, wie fasziniert sie von diesen Menschen aus Übersee waren. Es kommen auch Amerikaner zu Wort, die es nach dem Krieg in Luxemburg hielt, wie Shelton „Smitty” Smith oder Michael Bondi. So erfährt man, wozu ein eiserner Helm geeignet war – vom Kochtopf oder Waschbecken über den Kotzeimer bis hin zur Toilette –, was es mit Eisenhower, Ernest Hemingway, Marlene Dietrich, den Kinos „Ecran“, „Capitole“ oder „Ciné de la Cour“ auf sich hatte, wie die Rundstedt-Offensive hätte verhindert werden können, wie über die Langwellenfrequenz von RTL gefälschte Nachrichtensendungen („Radio Annie“) gesendet wurden, oder wie die psychologische Kriegsführung der Amis funktionierte.

Bausch hat eine äußerst interessante Dokumentation aus historischen Filmaufnahmen, Fotos (u. a. vom Kriegsfotografen Tony Vaccaro) und nachgestellten Szenen realisiert, die ein anderes Bild der Amerikaner und Luxemburger zeichnet als das, was wir aus Dokumentationen wie u. a. „Heim ins Reich“ kennen. Die Off-Stimme von André Jung gibt die nötigen Informationen zu den einzelnen Bildern. Mit viel Feingefühl behandelt der Regisseur das heikle Kapitel der hier geborenen farbigen Babys. Die Interviews wurden u.a. von Carlo Thiel und Jean-Louis Schuller gefilmt. Die Musik komponierten Ben Barnich, Rico Querin und André Mergenthaler.

Als Bonusmaterial findet man auf der DVD die Trailer von „Schockela …“, „InThierryview“ und „Entrée d’artistes“, „More of Tony“ (nicht benutzte Szenen aus dem Interview mit Tony Vaccaro), „Petticoat & Rock’n’Roll“, ein Interview mit Shelton „Smitty” Smith, Buffalo C. Wayne, Vic und Luke Haas, „Lëtzebuerger Madammen“, ein Interview mit Marie Thérèse Wandivinit und Roger Krieps, „Swinging with G.I.s“ aus dem Film „Entrée d’artistes“, „16mm Soldiers“, ein unveröffentlichter Film, und „Storyboard“, ein kurzes Making-of von Ricardo Vaz Palma mit der Stimme von Andy Bausch.

„De Pipi, de Pupuan d’Rosmarie 2“

Die 52-teilige TV-Zeichentrickserie „Pipì Pupù e Rosmarina“ wurde in den Jahren 2009 und 2010 von Rai 3 ausgestrahlt. Enzo d’Alò („La freccia azzura“, „La gabbianella e il gatto“) führt Regie, das Drehbuch stammt von Vincenzo Cerami, der auch Ko-Szenarist von „La vita è bella“ war. Daniele Di Gregorio komponierte die Musik, und Giancarlo Giannini erzählt die Geschichte im Original. Der luxemburgische Produzent Paul Thiltges kofinanzierte die Serie, eine Art „Road Movie für Kinder“ (Thiltges).

Letztes Jahr erschien eine auf Luxemburgisch synchronisierte Fassung auf DVD, „De Pipi, de Pupu an d’Rosmarie“, mit 13 Geschichten à sieben Minuten vom Waschbär Pipi, dem kleinen Vogel Pupu und dem Kaninchen Rosmarie. Thiltges hat sich damit nichts Geringeres vorgenommen, als gegen die „Disneyisierung der Kindermedienkultur“ anzutreten, wie er bei der Pressekonferenz verriet.

Nun kommt, passend zur Osterzeit, eine zweite DVD in den Verkauf mit weiteren 13 kleinen Geschichten von den drei Freunden, die auf der Suche nach ihrem „Mapa“ sind, einer Kombination aus Papa und Mutti. Auf ihrer abenteuerlichen Reise durch eine surreale Welt begegnen sie vielen komischen und fantasievollen Figuren, die in ihrer extremen Vereinfachung eher die Fantasie kleiner Kinder anregen werden als die von Erwachsenen. Der bei der Pressevorstellung anwesende Andy Bausch gab jedenfalls unumwunden zu, seine Kleinen seien auf die Abenteuer von Pipi, Pupu und Rosmarie regelrecht abonniert und von der DVD entsprechend begeistert.

In der luxemburgischen Fassung leihen Dario Cavallaro (Pipi), Mika Thiltges (Pupu), Xenia Simon (Rosmarie) und Rol Girres (Erzähler) ihre Stimmen. Für Übersetzung und Regie zeichnen Rol Girres und Paul Thiltges verantwortlich. Beide DVDs kann man zum Preis von jeweils 19,90 Euro in vielen Supermärkten und Geschäften kaufen oder via Internet direkt bei Paul Thiltges Distributions bestellen (www.ptd.lu) – „Zockerséisses fir Ouschteren… fir déi Kleng a fir déi Grouss“, wie Paul Thiltges mit Blick auf die anstehenden Feiertage augenzwinkernd empfiehlt.

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