Jan 17 2009

25 Jahre RTL

Published by at 02:22 under Industry,TV

source: www.telecran.lu   von Patrick Müller

Am 2. Januar 1984 ging die erste Sendung von RTLplus von Bartringen aus über deutsche Fernsehschirme. Dem Kölner Privatsender ist das Vierteljahrhundert-Jubiläum eine zweiteilige Jubiläums-Show wert. Stars aus Luxemburger Gründertagen sucht man bei der Jubelfeier allerdings vergebens. 

Die Szenerie hatte etwas leicht Surreales: Eine Gruppe Mediziner in grünen Kitteln steht in einem Krankenhaus-Kreißsaal, ist dort mit einer unsichtbaren Patientin beschäftigt. Schließlich wird das Neugeborene entbunden und stolz in die Kamera gehalten: Es ist – ein Fernseher, auf dessen Bildschirm das Senderlogo „RTLplus“ prangt. Dieser Moment markiert am 2. Januar 1984 die Geburtsstunde des erfolgreichsten deutschen Privat-Fernsehsenders: RTL, das sich Ende 1992 vom Zusatz „plus“ trennte, ist 25 Jahre nach seinem Start zum Marktführer in der deutschen TV-Landschaft geworden und hat die private wie auch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz gehörig das Fürchten gelehrt.

„Das erfrischend andere Programm“, lautete der Slogan des deutschsprachigen TV-Senders, mit dem der luxemburgische Medienkonzern CLT 1984 auf den gerade für privaten Rundfunk geöffneten deutschen Markt drängte. Schon die ersten Programmstunden, die aus einem Ministudio in Bartringen gesendet wurden, machten deutlich, wie sich die Luxemburger von anderen deutschen TV-Sendern absetzen wollten: Statt steifer öffentlich-rechtlicher Seriosität war Zuschauernähe und Lockerheit angesagt. Nach der berühmten Geburtsszene im Kreißsaal stellten sich die Moderatoren des neuen Senders in lockerem Plauderton, an eine Hausbar gelehnt, dem Publikum vor, ehe mit der Nachrichtensendung „7 vor 7 – Newsshow“ mit Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes die erste „richtige“ Sendung lief.

Erfrischens bis erschreckend anders 

Schon der Start sollte deutlich machen, was gerade die Anfangsjahre von RTLplus prägte: Alles an diesem Sender sollte anders sein als das, was die deutschen Fernsehzuschauer von ihren öffentlich-rechtlichen TV-Programmen kannten. Statt bierernster, von öffentlich-rechtlicher Bedeutsamkeit getragener Polit-Kommentare à la „Tagesthemen“ gab es bei RTLplus eine Stoffpuppe, die sich freche, pointierte Anmerkungen über das Tagesgeschehen erlaubte: Karlchen, gesprochen von Björn Hergen Schimpf, einem der Pioniere des neuen Programms. Unvergessen auch die kultigen Einlagen von TV-Hütchenspieler Salvatore, dessen als Pausenfüller in Werbeblöcken gedachte Minishow „Pronto Salvatore“ am 28. August 1988 erstmals im RTLplus-Programm lief. Der radebrechende Italiener („Make wire eine spiele?“) mit den flinken Fingern bescherte dem jungen Sender erstmals eine Einschaltquote über eine Million. 


RTLplus setzte, was die Schar seiner Moderatoren angeht, in den ersten Jahren vor allem auf seine beliebten Stimmen aus dem deutschsprachigen Radioprogramm von Radio Luxemburg. Neben Schimpf waren das die bereits erwähnten Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes, aber auch Jochen Pützenbacher, Rainer Holbe, Helga Guitton, Hugo Egon Balder oder Matthias Krings. Zu einem entscheidenden Datum in der Geschichte des Senders wurde der 28. August 1985: Knapp anderthalb Jahre nach Sendestart war RTLplus bundesweit per Satellit zu empfangen. Bis dahin hatten nur rund 200000 Haushalte im Großraum Luxemburg-Saarland-Trier-Eifel das über Antenne verbreitete Programm über den Düdelinger Sender empfangen können. Mit der deutschlandweiten Empfangbarkeit begann die eigentliche Erfolgsgeschichte von RTLplus.

Inhaltlich war das RTL-Programm der frühen Jahre noch nicht von teuren Hollywood-Filmen oder aufwendigen Sport-Übertragungen geprägt – dafür fehlten dem neu gegründeten Sender die finanziellen Möglichkeiten. Statt dessen setzte RTLplus auf kostengünstige Eigenproduktionen, um hohe Reichweiten mit möglichst geringen Kosten zu erzielen. Dass dabei die intellektuelle Messlatte mitunter deutlich tiefer gelegt wurde, focht die Programmmacher des Senders nicht an – denn das Konzept ging auf. Getreu der legendären Devise des damaligen Programmdirektors Helmut Thoma („Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“) fischte der Sender sehr erfolgreich im Seichten. 

1988: Wegzug aus Luxemburg

Vier Jahre nach dem Sendestart endete für RTLplus die Ära Luxemburg: Der Sender zog nach Köln um, eine Entscheidung, die vor allem strategische Hintergründe hatte: Das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen genehmigte dem Sender eine so genannte Erstfrequenz, mit der RTLplus fortan über Antenne sechseinhalb Millionen Zuschauer erreichen konnte – und das zu einer Zeit, als wegen des unzureichenden Ausbaus des Kabelnetze und der Probleme mit der technisch noch nicht ausgereiften Satelliten-Übertragung nur rund fünf Millionen deutscher Haushalte das Programm empfangen konnten. Für den Sender eröffnete der Umzug einen riesigen Werbemarkt und versprach ganz neue Reichweiten-Dimensionen. Und RTLplus wusste die Chance zu nutzen.

Unter der Ägide des luxemburgischen Programmchefs Marc Conrad, der zuvor als Nachrichtenredakteur bei dem Sender gearbeitet hatte, gelang in den 90er Jahren der Aufstieg von RTLplus zum Marktführer unter den deutschen TV-Stationen. Es war eine Zeit bedeutender Programm-Innovationen: Erfolgsformate, die dem Sender Top-Einschaltquoten bescherten, wurden in jener Zeit quasi am Fließband aus der Taufe gehoben. 

„Ein Schloss am Wörthersee“ (die erste eigenproduzierte RTL-Serie überhaupt), „Die Mini-Playback-Show“ (ab 1991), „Traumhochzeit“ (ab 1992) – diese Sendungen stehen für echte Neuerungen im TV-Geschäft. Die erste tägliche Talkshow kam 1993 mit Ex-Nachrichtenmann Hans Meiser bei RTLplus ins Programm. „RTL Samstag Nacht“ (ab 1993) wurde zur Keimzelle des Comedy-Genres. Mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, brachte RTLplus 1992 die erste tägliche Seifenoper auf den Bildschirm, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bis heute behauptet und unzählige Nachahmer gefunden hat. „Explosiv“ stand ab 1992 für eine neue Form des knallig-krawalligen Boulevard-Journalismus im deutschen TV. Der Aufstieg von Michael Schumacher zum neuen Top-Star in der Formel Eins bescherte RTL ab Mitte der 90er Jahre kontinuierlich Plätze auf dem Siegerpodest bei den Einschaltquoten. Neben der Formel Eins wird Boxen zum Quotenzugpferd des Senders. Bis heute unerreicht in der ewigen Quoten-Hitliste des Senders bleiben die sagenhaften 18,03 Millionen Zuschauer, die am 9. Dezember 1995 die Niederlage von Schwergewichtler Axel Schulz gegen Francis Botha verfolgten. 

1992: Abschied vom „plus“

Das RTL-Programm wurde in jenen Jahren deutlich professioneller, wobei die Orientierung an amerikanischen Vorbildern unverkennbar war. Damit ging aber auch der anarchische Charme der Gründerzeit zusehends verloren, und mit ihm einige der Köpfe, die den Sender in seiner „Kindheit“ geprägt hatten: Hans Meiser tauschte den Platz im Nachrichtenstudio mit dem in seiner täglichen Talkshow. Ende 1991 lief zum letzten Mal „Dall-As“, 1993 verschwand „Tutti Frutti“ aus dem Programm. Im gleichen Jahr wurde mit „Ein Tag wie kein anderer“ die bis dahin langlebigste Sendung von RTL eingestellt. Weiteres Symbol des Umbruchs war der Abschied vom Zusatz „plus“ im Sendernamen am 31. Oktober 1992. Schon seit längerem hatte sich das deutschsprachige TV-Programm von seinen luxemburgischen Wurzeln emanzipiert, war zu einer eigenen Marke geworden. Die sprachliche Abgrenzung zum Radioprogramm von Radio Luxemburg wurde daher von den Verantwortlichen für nicht mehr notwendig erachtet. Das deutsche Fernsehprogramm war dabei, erwachsen zu werden – und sich vom luxemburgischen „Elternhaus“ abzunabeln. 

Wenn auch der Fernsehsender RTL spätestens ab Mitte der 90er Jahre seine Identität verändert hat, eines ist bis heute prägend für das Programm geblieben: seine Innovationskraft und der Mut, neue Formate erfolgreich ins Programm zu heben. Das galt und gilt insbesondere im Showsektor. „Wer wird Millionär?“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Bauer sucht Frau“ sind nur drei Beispiele aus dem letzten Jahrzehnt dafür, wie RTL immer wieder neue Maßstäbe zu setzen verstand. Das hat dem Sender bis heute zur Spitzenposition unter den privaten TV-Anstalten in Deutschland verholfen, weit vor dem zunehmend krisengeschüttelten gleichaltrigen privaten Konkurrenten SAT.1. Und so trifft das Urteil von Medienkritiker Dietrich Leder, das dieser über das Privatfernsehen in Deutschland zog, auf RTL in besonderem Maß zu: „Tatsächlich hat das Privatfernsehen Bewegung in den deutschen Fernsehmarkt gebracht“ – und RTL war heute wie in seinen ersten Sendejahren eine der wichtigsten Zugmaschinen dieser Dynamik.

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Am 2. Januar 1984 ging die erste Sendung von RTLplus von Bartringen aus über deutsche Fernsehschirme. Dem Kölner Privatsender ist das Vierteljahrhundert-Jubiläum eine zweiteilige Jubiläums-Show wert. Stars aus Luxemburger Gründertagen sucht man bei der Jubelfeier allerdings vergebens. 

Die Szenerie hatte etwas leicht Surreales: Eine Gruppe Mediziner in grünen Kitteln steht in einem Krankenhaus-Kreißsaal, ist dort mit einer unsichtbaren Patientin beschäftigt. Schließlich wird das Neugeborene entbunden und stolz in die Kamera gehalten: Es ist – ein Fernseher, auf dessen Bildschirm das Senderlogo „RTLplus“ prangt. Dieser Moment markiert am 2. Januar 1984 die Geburtsstunde des erfolgreichsten deutschen Privat-Fernsehsenders: RTL, das sich Ende 1992 vom Zusatz „plus“ trennte, ist 25 Jahre nach seinem Start zum Marktführer in der deutschen TV-Landschaft geworden und hat die private wie auch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz gehörig das Fürchten gelehrt.

„Das erfrischend andere Programm“, lautete der Slogan des deutschsprachigen TV-Senders, mit dem der luxemburgische Medienkonzern CLT 1984 auf den gerade für privaten Rundfunk geöffneten deutschen Markt drängte. Schon die ersten Programmstunden, die aus einem Ministudio in Bartringen gesendet wurden, machten deutlich, wie sich die Luxemburger von anderen deutschen TV-Sendern absetzen wollten: Statt steifer öffentlich-rechtlicher Seriosität war Zuschauernähe und Lockerheit angesagt. Nach der berühmten Geburtsszene im Kreißsaal stellten sich die Moderatoren des neuen Senders in lockerem Plauderton, an eine Hausbar gelehnt, dem Publikum vor, ehe mit der Nachrichtensendung „7 vor 7 – Newsshow“ mit Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes die erste „richtige“ Sendung lief.

Erfrischens bis erschreckend anders 

Schon der Start sollte deutlich machen, was gerade die Anfangsjahre von RTLplus prägte: Alles an diesem Sender sollte anders sein als das, was die deutschen Fernsehzuschauer von ihren öffentlich-rechtlichen TV-Programmen kannten. Statt bierernster, von öffentlich-rechtlicher Bedeutsamkeit getragener Polit-Kommentare à la „Tagesthemen“ gab es bei RTLplus eine Stoffpuppe, die sich freche, pointierte Anmerkungen über das Tagesgeschehen erlaubte: Karlchen, gesprochen von Björn Hergen Schimpf, einem der Pioniere des neuen Programms. Unvergessen auch die kultigen Einlagen von TV-Hütchenspieler Salvatore, dessen als Pausenfüller in Werbeblöcken gedachte Minishow „Pronto Salvatore“ am 28. August 1988 erstmals im RTLplus-Programm lief. Der radebrechende Italiener („Make wire eine spiele?“) mit den flinken Fingern bescherte dem jungen Sender erstmals eine Einschaltquote über eine Million. 


RTLplus setzte, was die Schar seiner Moderatoren angeht, in den ersten Jahren vor allem auf seine beliebten Stimmen aus dem deutschsprachigen Radioprogramm von Radio Luxemburg. Neben Schimpf waren das die bereits erwähnten Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes, aber auch Jochen Pützenbacher, Rainer Holbe, Helga Guitton, Hugo Egon Balder oder Matthias Krings. Zu einem entscheidenden Datum in der Geschichte des Senders wurde der 28. August 1985: Knapp anderthalb Jahre nach Sendestart war RTLplus bundesweit per Satellit zu empfangen. Bis dahin hatten nur rund 200000 Haushalte im Großraum Luxemburg-Saarland-Trier-Eifel das über Antenne verbreitete Programm über den Düdelinger Sender empfangen können. Mit der deutschlandweiten Empfangbarkeit begann die eigentliche Erfolgsgeschichte von RTLplus.

Inhaltlich war das RTL-Programm der frühen Jahre noch nicht von teuren Hollywood-Filmen oder aufwendigen Sport-Übertragungen geprägt – dafür fehlten dem neu gegründeten Sender die finanziellen Möglichkeiten. Statt dessen setzte RTLplus auf kostengünstige Eigenproduktionen, um hohe Reichweiten mit möglichst geringen Kosten zu erzielen. Dass dabei die intellektuelle Messlatte mitunter deutlich tiefer gelegt wurde, focht die Programmmacher des Senders nicht an – denn das Konzept ging auf. Getreu der legendären Devise des damaligen Programmdirektors Helmut Thoma („Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“) fischte der Sender sehr erfolgreich im Seichten. 

1988: Wegzug aus Luxemburg

Vier Jahre nach dem Sendestart endete für RTLplus die Ära Luxemburg: Der Sender zog nach Köln um, eine Entscheidung, die vor allem strategische Hintergründe hatte: Das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen genehmigte dem Sender eine so genannte Erstfrequenz, mit der RTLplus fortan über Antenne sechseinhalb Millionen Zuschauer erreichen konnte – und das zu einer Zeit, als wegen des unzureichenden Ausbaus des Kabelnetze und der Probleme mit der technisch noch nicht ausgereiften Satelliten-Übertragung nur rund fünf Millionen deutscher Haushalte das Programm empfangen konnten. Für den Sender eröffnete der Umzug einen riesigen Werbemarkt und versprach ganz neue Reichweiten-Dimensionen. Und RTLplus wusste die Chance zu nutzen.

Unter der Ägide des luxemburgischen Programmchefs Marc Conrad, der zuvor als Nachrichtenredakteur bei dem Sender gearbeitet hatte, gelang in den 90er Jahren der Aufstieg von RTLplus zum Marktführer unter den deutschen TV-Stationen. Es war eine Zeit bedeutender Programm-Innovationen: Erfolgsformate, die dem Sender Top-Einschaltquoten bescherten, wurden in jener Zeit quasi am Fließband aus der Taufe gehoben. 

„Ein Schloss am Wörthersee“ (die erste eigenproduzierte RTL-Serie überhaupt), „Die Mini-Playback-Show“ (ab 1991), „Traumhochzeit“ (ab 1992) – diese Sendungen stehen für echte Neuerungen im TV-Geschäft. Die erste tägliche Talkshow kam 1993 mit Ex-Nachrichtenmann Hans Meiser bei RTLplus ins Programm. „RTL Samstag Nacht“ (ab 1993) wurde zur Keimzelle des Comedy-Genres. Mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, brachte RTLplus 1992 die erste tägliche Seifenoper auf den Bildschirm, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bis heute behauptet und unzählige Nachahmer gefunden hat. „Explosiv“ stand ab 1992 für eine neue Form des knallig-krawalligen Boulevard-Journalismus im deutschen TV. Der Aufstieg von Michael Schumacher zum neuen Top-Star in der Formel Eins bescherte RTL ab Mitte der 90er Jahre kontinuierlich Plätze auf dem Siegerpodest bei den Einschaltquoten. Neben der Formel Eins wird Boxen zum Quotenzugpferd des Senders. Bis heute unerreicht in der ewigen Quoten-Hitliste des Senders bleiben die sagenhaften 18,03 Millionen Zuschauer, die am 9. Dezember 1995 die Niederlage von Schwergewichtler Axel Schulz gegen Francis Botha verfolgten. 

1992: Abschied vom „plus“

Das RTL-Programm wurde in jenen Jahren deutlich professioneller, wobei die Orientierung an amerikanischen Vorbildern unverkennbar war. Damit ging aber auch der anarchische Charme der Gründerzeit zusehends verloren, und mit ihm einige der Köpfe, die den Sender in seiner „Kindheit“ geprägt hatten: Hans Meiser tauschte den Platz im Nachrichtenstudio mit dem in seiner täglichen Talkshow. Ende 1991 lief zum letzten Mal „Dall-As“, 1993 verschwand „Tutti Frutti“ aus dem Programm. Im gleichen Jahr wurde mit „Ein Tag wie kein anderer“ die bis dahin langlebigste Sendung von RTL eingestellt. Weiteres Symbol des Umbruchs war der Abschied vom Zusatz „plus“ im Sendernamen am 31. Oktober 1992. Schon seit längerem hatte sich das deutschsprachige TV-Programm von seinen luxemburgischen Wurzeln emanzipiert, war zu einer eigenen Marke geworden. Die sprachliche Abgrenzung zum Radioprogramm von Radio Luxemburg wurde daher von den Verantwortlichen für nicht mehr notwendig erachtet. Das deutsche Fernsehprogramm war dabei, erwachsen zu werden – und sich vom luxemburgischen „Elternhaus“ abzunabeln. 

Wenn auch der Fernsehsender RTL spätestens ab Mitte der 90er Jahre seine Identität verändert hat, eines ist bis heute prägend für das Programm geblieben: seine Innovationskraft und der Mut, neue Formate erfolgreich ins Programm zu heben. Das galt und gilt insbesondere im Showsektor. „Wer wird Millionär?“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Bauer sucht Frau“ sind nur drei Beispiele aus dem letzten Jahrzehnt dafür, wie RTL immer wieder neue Maßstäbe zu setzen verstand. Das hat dem Sender bis heute zur Spitzenposition unter den privaten TV-Anstalten in Deutschland verholfen, weit vor dem zunehmend krisengeschüttelten gleichaltrigen privaten Konkurrenten SAT.1. Und so trifft das Urteil von Medienkritiker Dietrich Leder, das dieser über das Privatfernsehen in Deutschland zog, auf RTL in besonderem Maß zu: „Tatsächlich hat das Privatfernsehen Bewegung in den deutschen Fernsehmarkt gebracht“ – und RTL war heute wie in seinen ersten Sendejahren eine der wichtigsten Zugmaschinen dieser Dynamik.

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