Mar 14 2008

Court comedy beim UelzechtKanal

Published by at 09:26 under TV

Telecran berichtet:
Gerichtsshow auf Luxemburgisch

Was Barbara Salesch kann, kann man im Escher LGE schon lange. Ed Maroldt, Vater des „UelzechtKanals“, will mit seinem Team im Mai eine „court comedy“ auf die Mattscheibe bringen. Selbstverständlich soll der pädagogische Nutzen bei der Aktion nicht auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil.

Interview: Francis Verquin

Télécran: Wie sind Sie auf den merkwürdigen Gedanken gekommen, eine Gerichtsshow zu inszenieren, wo doch alle Welt die „court comedy“ in der Luft zerreißt?

Ed Maroldt: Gestern fanden meine Schüler Spaß daran, die Fernsehauftritte von Heidi Klum, Bruce Darnell oder Günther Jauch zu durchschauen und zu parodieren, heute analysieren sie eben anhand der „Fastfood-Glotze“ die Psychologie des Zuschauens und der Menschenführung.

Télécran: Klingt esoterisch, aber wenig erhellend. Schaut man auf der SAT.1-Internetseite nach, dann findet man „Barbara Salesch“ in der Rubrik „Comedy & Show“. Das sagt doch alles über die Seriosität des Formats.

Ed Maroldt: Warum? SAT.1 ist doch auch der „Championsleague-Sender“. Ob es nun der Sportreporter beim Elfmeterschießen zwischen dem FC Porto und Schalke 04 ist oder „Richterin Barbara Salesch“ beim Kreuzverhör. Beide Formate funktionieren wie wöchentlich erscheinende Groschenhefte. Ob Arztroman, Fernsehgericht oder Real-Life-Soap, bei solchen Sendungen weiß der Zuschauer schon nach wenigen Momenten, wo die Reise hingeht.

Télécran: Doch welchen pädagogischen Wert haben solche Shows? Und warum muss man sich damit auch noch in der Schule auseinandersetzen?

Ed Maroldt: Mit dem Dorfrichter Adam aus Kleists „Der zerbrochene Krug“ kann man heutzutage bei den Schülern kaum mehr punkten. Angehenden Bankern oder Marketingleuten vermittelt hingegen die Analyse der „court comedy“ ein Gespür für den geistigen Hinter- oder Abgrund ihrer zukünftigen Kunden. Im Übrigen: Wer gute Unterhaltung lehrt, braucht vor Scham nicht zu erröten.

Télécran: Das sehen die Profis der Zunft, die Juristen, aber ganz anders…

Ed Maroldt: Richter und Anwälte befürchten nicht immer zu unrecht, dass ein unaufgeklärtes Publikum solche Shows für die reale Gerichtswirklichkeit hält. Andererseits bewundern sie, wie Richterin Salesch bei Friedrich Schiller in die Lehre gegangen ist. Die Frau hat beim Theaterklassiker gelernt, wie man einen Spannungsbogen aufbaut. Und mal ehrlich, vielen Richtern kribbelt es doch wahrscheinlich im Bauch, wenn sie die Spannung beim Angeklagten bis zur Urteilsverkündung aufrechterhalten können.

Télécran: Wie wollen Sie denn in Ihrer 
„Gerichtsshow“ die Spannung aufrechterhalten? Wie garantieren Sie Authentizität?

Ed Maroldt: Meinen Schülern standen professionelle Forensiker zur Seite, die dabei halfen, der Story einen Rahmen zur verpassen, der zu einer Gerichtsverhandlung passt. Und bekanntlich verlaufen die Grenzen zwischen Theater- und Gerichtssaal fließend. So hätte beispielsweise Kabarettist Pascal Granicz einen Comedy-Preis für seine Rolle als Gaston Vogel oder als Staatsanwalt Rober Biever im „Cabarenert“ verdient.

Télécran: Was wollen Sie Ihren Schülern mit diesem Projekt auf den Lebensweg mitgeben?

Ed Maroldt: Meiner eigenen Theaterarbeit mit Jugendlichen sagt man nach, dass daraus die Mitbegründer der luxemburgischen Kinoszene hervorgegangen seien. Wenn wir heute im „UelzechtKanal“ Fiktionen, Soaps oder „court comedys“ produzieren, so mit einem Hintergedanken: Unsere jungen Mitarbeiter sollen nach ihrem Studium einmal in Luxemburger Studios Fernsehproduktionen erstellen. Am liebsten nach dem Vorbild der BBC.

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Telecran berichtet:
Gerichtsshow auf Luxemburgisch

Was Barbara Salesch kann, kann man im Escher LGE schon lange. Ed Maroldt, Vater des „UelzechtKanals“, will mit seinem Team im Mai eine „court comedy“ auf die Mattscheibe bringen. Selbstverständlich soll der pädagogische Nutzen bei der Aktion nicht auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil.

Interview: Francis Verquin

Télécran: Wie sind Sie auf den merkwürdigen Gedanken gekommen, eine Gerichtsshow zu inszenieren, wo doch alle Welt die „court comedy“ in der Luft zerreißt?

Ed Maroldt: Gestern fanden meine Schüler Spaß daran, die Fernsehauftritte von Heidi Klum, Bruce Darnell oder Günther Jauch zu durchschauen und zu parodieren, heute analysieren sie eben anhand der „Fastfood-Glotze“ die Psychologie des Zuschauens und der Menschenführung.

Télécran: Klingt esoterisch, aber wenig erhellend. Schaut man auf der SAT.1-Internetseite nach, dann findet man „Barbara Salesch“ in der Rubrik „Comedy & Show“. Das sagt doch alles über die Seriosität des Formats.

Ed Maroldt: Warum? SAT.1 ist doch auch der „Championsleague-Sender“. Ob es nun der Sportreporter beim Elfmeterschießen zwischen dem FC Porto und Schalke 04 ist oder „Richterin Barbara Salesch“ beim Kreuzverhör. Beide Formate funktionieren wie wöchentlich erscheinende Groschenhefte. Ob Arztroman, Fernsehgericht oder Real-Life-Soap, bei solchen Sendungen weiß der Zuschauer schon nach wenigen Momenten, wo die Reise hingeht.

Télécran: Doch welchen pädagogischen Wert haben solche Shows? Und warum muss man sich damit auch noch in der Schule auseinandersetzen?

Ed Maroldt: Mit dem Dorfrichter Adam aus Kleists „Der zerbrochene Krug“ kann man heutzutage bei den Schülern kaum mehr punkten. Angehenden Bankern oder Marketingleuten vermittelt hingegen die Analyse der „court comedy“ ein Gespür für den geistigen Hinter- oder Abgrund ihrer zukünftigen Kunden. Im Übrigen: Wer gute Unterhaltung lehrt, braucht vor Scham nicht zu erröten.

Télécran: Das sehen die Profis der Zunft, die Juristen, aber ganz anders…

Ed Maroldt: Richter und Anwälte befürchten nicht immer zu unrecht, dass ein unaufgeklärtes Publikum solche Shows für die reale Gerichtswirklichkeit hält. Andererseits bewundern sie, wie Richterin Salesch bei Friedrich Schiller in die Lehre gegangen ist. Die Frau hat beim Theaterklassiker gelernt, wie man einen Spannungsbogen aufbaut. Und mal ehrlich, vielen Richtern kribbelt es doch wahrscheinlich im Bauch, wenn sie die Spannung beim Angeklagten bis zur Urteilsverkündung aufrechterhalten können.

Télécran: Wie wollen Sie denn in Ihrer 
„Gerichtsshow“ die Spannung aufrechterhalten? Wie garantieren Sie Authentizität?

Ed Maroldt: Meinen Schülern standen professionelle Forensiker zur Seite, die dabei halfen, der Story einen Rahmen zur verpassen, der zu einer Gerichtsverhandlung passt. Und bekanntlich verlaufen die Grenzen zwischen Theater- und Gerichtssaal fließend. So hätte beispielsweise Kabarettist Pascal Granicz einen Comedy-Preis für seine Rolle als Gaston Vogel oder als Staatsanwalt Rober Biever im „Cabarenert“ verdient.

Télécran: Was wollen Sie Ihren Schülern mit diesem Projekt auf den Lebensweg mitgeben?

Ed Maroldt: Meiner eigenen Theaterarbeit mit Jugendlichen sagt man nach, dass daraus die Mitbegründer der luxemburgischen Kinoszene hervorgegangen seien. Wenn wir heute im „UelzechtKanal“ Fiktionen, Soaps oder „court comedys“ produzieren, so mit einem Hintergedanken: Unsere jungen Mitarbeiter sollen nach ihrem Studium einmal in Luxemburger Studios Fernsehproduktionen erstellen. Am liebsten nach dem Vorbild der BBC.

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